Erlaubte Verallgemeinerung

Wir laufen alle mal weg. Als ich elf Jahre alt war, bin ich mit meinem Fahrrad zum Bahnhof Zoo gefahren, fest entschlossen, das Weite zu suchen. Ich war so sauer auf meine Eltern, dass ich gedacht habe: Geschieht ihnen ganz recht. Wenn sie so fies zu ihrem Kind sind, sollen sie eben keins mehr haben. Ich bin jetzt jedenfalls weg! Am Bahnhof hat mein Geld dann nur für ein großes Eis gereicht, aber nicht für eine Fahrkarte, und so bin ich satt und einigermaßen mit der Welt versöhnt wieder nach Hause gefahren.

Es gibt so viele Arten, wegzulaufen. Ich kann mich in meine Arbeit vergraben. Ich kann stundenlang aus dem Fenster starren. Ich kann die Wohnung putzen bis man vom Fussboden essen könnte. Ich kann bis ins Nachtprogramm vor dem Fernseher versacken. Ich kann mich in Phantasien verlieben über Menschen, die ich in Wirklichkeit gar nicht kenne. Ich kann darüber hier ins Blog schreiben.

Ich fahre immer noch ab und zu zum Bahnhof Zoo… Alles Versuche, dem wirklichen Problem auszuweichen. Mich ihm nicht zu stellen. Es unbearbeitet zu lassen…

Wir laufen alle mal weg. Dann hilft eigentlich nur: Ein Eis essen. Und dann wieder zurückfahren.

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