Wir grüßen die Ausserirdischen…

Was man nicht alles mit Computern machen kann! Die Amerikaner haben gerade eben einen neuen Rechner fertiggestellt, der mehr als eine Billiarde Fließkommaoperationen in einer Sekunde berechnen kann und damit doppelt so schnell ist wie der bisher schnellste Computer der Welt. Und was soll das arme Ding machen? Es wird eingesetzt in der Erforschung von Kernwaffen und soll die Explosion von Atombomben simulieren…

Da hat man ein Gehirn, das für jeden Menschen auf der Welt 100.000 Kassenzettel pro Sekunde berechnen könnte – und, statt zu überlegen, was die eigentlich brauchen und kaufen würden, überlegt man, wie man sie effizient vernichtet…

Deprimierend ist das. Marvin lässt grüßen… „Wenn das die größten Herausforderungen sind, die heutzutage an intellektuelle Kapazitäten gestellt werden…“ – KLICK!

Ich wüsste da was Besseres – Wir grüßen die Ausserirdischen! SetI@home…

Mehr als eine Millionen Freiwillige in aller Welt schließen ihre Computer zu einem Netzwerk zusammen, das gemeinsam komplizierte und aufwendige Berechnungen durchführt: Zum Beispiel die Analyse von Radiosignalen aus dem Weltall, die Simulation des Weltklimas, Berechnung von Proteinen, die in Mediakamenten gegen AIDS Verwendung finden könnten, oder die Frage nach dem Sinn des Lebens, des Universums und überhaupt von allem…

„Verteiltes Rechnen“ heißt das Zauberwort.

Der Empfänger von Seti sitzt sozusagen „Huckepack“ auf einer Antenne für Radioastronomie auf, die auch andere mehr konventionell-wissenschaftliche Forschung ausführt. Das Radioteleskop in Arecibo in Puerto Rico ist mit 305 Metern Durchmesser immer noch die größte einzelne Parabolantenne der Welt. Sie ist unbeweglich in einen Talkessel hineingebaut und dreht sich mit der Erde. (Inzwischen werden für die Radioastronomie mehrere bis viele kleinerer Antennen zusammengeschaltet und so das gemeinsame Auflösungsvermögen der Teleskope enorm erhöht. Das Problem ist nicht mehr wie früher die schwache Energie der einfallenden Signale, sondern das schlechte Auflösungsvermögen selbst großer Antennen, das man aber mit ein bisschen Rechenaufwand in einem schnellen Computer lösen kann.)

Die einfallenden Signale werden auf Magnetband gespeichert und in Päckchen von 340 kB (entspricht etwa 12 Sekunden Aufzeichnungszeit) aufgeteilt und über das Internet an die Clients von Seti@Home versendet. Auf deren Rechnern werden sie nach besonders starken Impulsen „spikes“, nach wiederholt auftretenden Pulsen „pulses“ und nach an- und abschwellenden Feldstärken „gaussians“ durchsucht, die dadurch entstehen, daß der Empfangswinkel der Antenne mit der Erddrehung über einen starken Sender streicht. Dasselbe wird etwa tausendmal wiederholt, jeweils mit wechselnden Auflösungen und wechselnden Frequenzverschiebungen, damit auch Signale erkannt werden, die einem Dopplereffekt unterliegen. Auch mein Rechner braucht für ein solches Paket etwa 9 Stunden (AMD 2500MHz), ein moderner Rechner braucht vier bis fünf Stunden und müsste entsprechend oft ans Netz, um neue Daten zu bekommen.

Seti@Home war das erste Projekt für „distributed computing“, das die Rechner von Privatpersonen zuhause nutzt. Inzwischen machen über eine Millionen Leute mit. Mit ähnlichen Erfahrungen haben in den letzten sieben Jahren auch andere Projekte begonnen, die ungenutzte Rechenzeit der Schreibtisch- PCs zu nutzen: Es gibt Programme, die nach Molekülen zu AIDS- oder Krebsbekämpfung suchen, andere treiben mathematische Forschung und suchen nach sehr hohen Primzahlen, versuchen, Verschlüsselungscodes zu knacken oder erforschen spielstarke Algorithmen für Schachcomputer. Die Millionen Rechner, die für Seti arbeiten, sind zusammengenommen schneller als aktuelle Supercomputer wie „Earth-Simulator“ und andere und rechnen die Rechenpakete aus Arecibo schneller ab, als sie aufgezeichnet werden. (Am Anfang war das Projekt aber langsamer, so das jetzt noch Pakete aus 2006 berechnet werden.)

Vielleicht habt ihr Lust, mit nach Ausserirdischen zu suchen. Bis jetzt wurde nichts gefunden… Aber das kann ja noch werden.

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