Verdächtig laute Glocke – Christentum und Fundamentalismus

Uns Christen in Deutschland liegt der Fundamentalismus ziemlich fern. Verschwindend klein sind die christlich-extremen Gruppen, die sich eine religiös motivierte Weltflucht auf die Fahne geschrieben haben und in esoterischen Zirkeln eine Burgmentalität entwickeln; und niemand – so hoffe ich doch wenigstens sehr stark! – würde bei uns in der evangelischen Kirche aus Glaubensgründen gewalttätig werden. Zu deutlich ist uns die Vorläufigkeit des menschlichen Wissens über Gott. Wir sind es gewohnt, andere Menschen mit ihren Glaubensgewissheiten zu tolerieren. Wir sagen mit dem preußischen König Friedrich dem Großen „Jeder soll nach seiner Facon selig werden…“ und sagen das nicht aus Gleichgültigkeit dem anderen gegenüber, sondern aus der Demut heraus. Wir wissen, dass wir nicht allein die Wahrheit für uns haben, nicht die ganze Wahrheit.

Was ich aber als Stärke unseres Glaubens sehe, legen uns manche als Schwäche aus. Viele islamische Mitbürger zum Beispiel, die in den Christen Gesprächspartner suchen, schwanken zwischen Enttäuschung und Verachtung, wenn sie merken, dass wir bereit sind, auch die Existenz anderer Wahrheiten als der eigenen Erkenntnis zu akzeptieren; dass wir es sogar für nötig halten, uns für Meinungsfreiheit und Vielfalt in der Gesellschaft einzusetzen.

Wirklich bedenklich ist es aber, dass sie oft niemanden finden können, der auch nur gedanklich in der Lage ist, für seinen Glauben einzustehen. Wo nämlich der christlichen Gemeinde die Kraft fehlt, ihren Glauben zu bekennen, wo ihr die Sprachfähigkeit abhanden gekommen ist und sie keine Worte mehr findet, um das zu sagen, was ihr Mut und Kraft und Leben gibt, da ist die Kirche in einer großen Krise.

Es ist eine Gratwanderung, das Bekenntnis des Glaubens, denn man kann sich zu sicher sein, wie Elia es war, als er die Priester des Baal tötete; man kann aber auch zu schwach und zu zaghaft sein, so wie er es unter dem Ginsterbusch ist. „Wenn das Salz kraftlos ist, womit kann man dann noch salzen?“ fragt der Evangelist Matthäus.

Wir kennen solche Krisen, wir kennen sie als einzelne Menschen; wir kennen sie auch gemeinsam als Krise der Gemeinde, als Krise der Kirche. Die Kirche wäre nicht die Kirche Jesu Christi, wenn sie nicht in die Wüste geführt würde, wo sie versucht und angefochten wird. Und doch ist es wichtig, um unseres Glaubens und unseres Bekenntnisses willen, dass wir es lernen und immer wieder üben, für unser Glaubensbekenntnis eigene, neue und lebensnahe Worte zu finden, damit wir weitergeben können, was uns trägt…

Glaube wäre nicht Glaube, wenn er folgenlos bliebe. Christen wären nicht Christen, wenn sie sich versteckten, wenn sie nicht als solche erkennbar wären: „Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen bleiben…“

Wenn Christus seine Christen das „Licht der Welt“ sind, dann kann das nur so gemeint sein:

  • Wir sind ein Hinweiszeichen auf ihn, der zuerst diesen Titel trug.
  • Wir sind ein Warnlicht, das leuchtet, wo diese Welt zu „überhitzen“ droht.
  • Wir sind ein Orientierungslicht für die, die nach Gott suchen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s