Rot und weich und warm – noch eine Andacht zum Martinsfest

Martin war ein Soldat des Kaisers.
Er hatte ein Pferd
und eine Rüstung aus Eisen.
Er hatte ein Schwert
und einen schweren Schild.
Und er hatte einen Mantel aus Wolle,
rot und weich und warm.

Martin war ein Soldat des Kaisers
und er ritt von da nach dort
durch Schnee und Wind,
durch Eis und Frost,
durch Winter und Kälte.
Aber er fror nicht,
denn er hatte ja seinen Mantel an,
aus Wolle, rot und weich und warm.

Martin war ein Soldat des Kaisers,
und er sah einen armen Mann
da sitzen im Schnee,
in der Kälte,
in Eis und Frost.
Der zitterte und fror,
denn er hatte nur Lumpen an,
alte, dreckige Tücher,
keinen Mantel, schon gar nicht aus Wolle,
nicht rot, nicht weich, nicht warm.

Was tat Martin, der Soldat des Kaisers?
Was hättest Du getan?
Wärest Du weiter geritten,
auf deinem Pferd, in deiner Rüstung,
und mit dem Mantel, dem Warmen?

Was hättest Du getan?
Hättest Du ihm geholfen,
dem Mann dort im Schnee,
der zittert und friert in seinen Lumpen?

Hättest Du ihm geholfen?
Und wie?

Martin war ein Soldat des Kaisers,
aber er war auch ein Diener Christi.
Er stieg ab von seinem Pferd,
und er nahm das lange, scharfe Schwert
und zerschnitt von oben bis unten
den Mantel aus Wolle,
rot und weich und warm.
Eine Hälfte gab er dem armen Mann,
in die andere Hälfte wickelte er sich selbst,
so war ihm geholfen, dem Armen.

Martin war ein Soldat des Kaisers,
aber er war auch ein Diener Christi.
Der kam zu ihm in der Nacht im Traum
und er hatte Martins Mantel an,
rot und weich und warm.
Und er sagte: Was Du an einem Armen getan hast,
das hast Du immer auch mir getan.

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