St. Martin und die Kerzen in der Nacht

Es ist November, und es ist kalt draußen und dunkel. Alle Leute, die Zeit haben und zu Hause bleiben können, sitzen in ihrer Wohnung an einem schönen, warmen Feuer und trinken heißen Tee, um sich aufzuwärmen. Und wer draußen unterwegs sein muß, zieht sich schön warm an, damit er nicht friert: Einen dicken warmen Mantel, einen Schal, Stiefel und Handschuhe, eine Mütze oder einen Hut und Ohrenschützer…

So reitet auch St. Martin warm angezogen mit einem weiten roten Mantel, und das lange, scharfe Schwert hängt an seiner Seite, denn er ist ein römischer Soldat, und wie er so reitet, sieht er sich die Leute an, die dick eingemummelt durch den Schnee nach Hause laufen. Nur einer sitzt da mitten im Schnee…

Wer sitzt da? – Ein Bettler, ein armer Mann.

Was hat er an? – Nur ein paar Lumpen?! Mehr kann er sich nicht leisten, denn er ist arm. Er kann sich keinen Mantel kaufen, denn er ist arm, er kann nicht in einem warmen Zimmer sitzen und Tee trinken, denn er ist arm, er kann nur da im Schnee sitzen und frieren, und vielleicht stirbt er bald, weil es so kalt ist.

St. Martin reitet – warm angezogen – mit seinem Pferd vorbei und sieht den Bettler da stehen. Und wie er friert – brrrrr! Und wie er zittert! Und ganz blau ist er im Gesicht.

Martin hat Mitleid mit dem armen Bettler. Er will ihm gerne helfen. Aber was kann er tun? Was kann Martin machen?

Ja, er zieht sein Schwert und nimmt seinen schönen roten Mantel und schneidet ihn – ratsch! – mitten durch. So! Nun hat er zwei halbe Mäntel. Er gibt dem armen Bettler eine Hälfte, und die andere Hälfte nimmt er für sich.

Der arme Bettler wickelt sich in sein geschenktes Mantelstück und friert schon viel weniger. Er ist glücklich, denn sterben muss er diese Nacht noch nicht.

Martin aber reitet weiter, und er sieht ziemlich seltsam aus, da auf seinem Pferd mit seinem halben Mantel. Die Leute, die ihn sehen, lachen ihn aus – Martin mit dem halben Mantel! Siehst du komisch aus! Was willst du machen, wenn du noch einem Bettler begegnest? Willst du deinen Mantel noch mal teilen, bis du dich mit einem kleinen Fetzen zudecken musst?

Martin ist ziemlich traurig, als er endlich zu Hause ankommt. Anstatt selber dem Bettler zu helfen, haben die Leute Martin ausgelacht. Weil er jetzt nur noch einen halben Mantel hat. Und weil er so sonderbar aussieht mit einem halben Mantel…

Aber in der Nacht, als alles schläft und auch Martin im Bett liegt, hat er einen Traum. Es ist ganz dunkel. Martin kann die Hand nicht vor Augen sehen, so dunkel ist es. Aber er kann fühlen, dass er eine Kerze in der Hand hat, so wie ihr auch, aber die nützt ihm nichts, sie brennt nämlich nicht. Martin fürchtet sich ein bisschen, denn er kann nichts sehen. Da sieht er plötzlich Jesus, er hat einen halben roten Mantel an, die Hälfte von Martins Mantel, die er dem Bettler gegeben hatte! Und Jesus hält eine brennende, leuchtende Kerze in der Hand.

Jesus sagt: Sei nicht mehr traurig. Es ist gut, dass du deinen Mantel geteilt hast. Was du an diesem armen Mann getan hast, das hast du an mir getan. Was du ihm geschenkt hasst, hast du mir geschenkt.

Martin darf seine Kerze an der Kerze von Jesus anzünden. Sie teilen das Licht. Da wird es ein bisschen heller, und Martin kann sehen, dass da im Dunkeln viele Leute stehen, jeder mit einer Kerze. Jesus sagt zu Martin: Teil Du das Licht aus, trage das Licht in die Welt.

Aber – wenn ich teile, dann habe ich doch immer weniger? Nur einen halben Mantel, nur einen kleinen Fetzen, um mich zu zu decken? Bleibt denn von dem Licht nicht nur ein kleiner Funken übrig, der keinem Menschen mehr nutzt? Probiere es aus, sagt Jesus, du wirst schon sehen.

Martin gibt sein Licht weiter, so wie wir das jetzt auch machen, und es wird heller und heller. Keiner muss im Dunkeln bleiben, alle geben das Licht weiter, jeder teilt mit seinem Freund, mit seinem Nachbarn, mit seinen Kindern und Eltern, mit dem, der neben ihm steht.

Am Schluss ist es ganz hell, und Martin sieht jetzt, wie gut es ist, zu teilen. Auch wenn er erst mal weniger hat: am Ende haben alle mehr. Denn sie lernen, wie Gott die Menschen liebt – Er hat Alles mit uns geteilt.

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