Erntedankfest

Ich bin ein Großstadtkind, und Bauernhöfe waren für mich immer eher seltsame, etwas unheimliche Orte, voller großer Tiere, gefährlicher Maschinen, voller Mist und Dung und Gestank. Trotzdem liebe ich das Erntedankfest.

Ja, auch in der Großstadt wird das Erntedankfest gefeiert: In der Kirche wird der Altar geschmückt, mit geflochtenen Strohballen und bunten Bändern verziert; und die Gottesdienstbesucher bringen Geschenke mit, mit denen sie ihre Dankbarkeit zeigen: Gurken und Melonen, Kürbisse und Möhren, Äpfel, Birnen und Trauben, Eier und Milch, Brot und Wein…

Alles das wird an, auf und um den Altar herum gelegt, und die bunte, duftende, wunderschöne Pracht schmückt die ganze kirchliche Feier, macht sie zum Fest. Wir wissen: „Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn…“ und wir singen und spielen und zelebrieren unsere Dankbarkeit in einem feierlichen Gottesdienst.

Ja, doch, die Probleme, die mit der Produktion der Lebensmittel für mehr als sieben Milliarden Menschen zusammen hängen, sind mir und den Gemeindegliedern natürlich bewusst – dass unser Reichtum nur zu oft Grund für die Armut anderer ist, dass viele Lebensmittel gar nicht wirklich gesund sind, dass in unserem Land unglaublich viel Nahrung vernichtet wird, sei es, um die Preise hoch zu halten, sei es, weil es einfach nicht gelingt, sie gerecht zu verteilen, sei es wegen übertrieben hoher Qualitätsansprüche…

Dass Menschen hungern in Kriegsgebieten und Flüchtlingslagern, dass Naturkatastrophen in vielen Teilen der Welt die Ernten vernichten – all das wissen wir, und wir haben jeden anderen Tag im Jahr, um uns darüber zu bekümmern und zu sorgen und vielleicht auch die Verantwortung wahrzunehmen, die wir haben, anderen zu helfen in Hunger und Not und uns auch für nachhaltiges Wirtschaften und die Bewahrung der Schöpfung einzusetzen…

An diesem einen Tag aber wollen wir feiern, wenigstens ein Mal, unbekümmert, unbeschwert und dankbar. Ist das denn nicht der richtige, achtsame und angemessene Umgang mit dem, was wir essen und trinken, dass wir es bewusst und froh und dankbar tun?

Viele Menschen haben gearbeitet, damit ich einen gedeckten Tisch habe und leckere, nahrhafte Speisen darauf. Und ich habe für die Lebensmittel bezahlen müssen. Es ist ein Geben und Nehmen, ein Wirtschaftskreislauf, ein System von Märkten, Produktionsbetrieben, Wirtschaftskonstruktionen, das mich ernährt. Vieles ist entzaubert, ent-mythologisiert, jeglicher Romantik entzogen. Das wissen übrigens die Menschen auf dem Land ganz genau so, vielleicht noch besser als wir in der Stadt. Es sind die Früchte der Arbeit des Menschen, die auf dem Tisch stehen…

Aber dennoch ist es auch Geschenk, dass ich zu essen und zu trinken habe…

Rosetta: Der letzte Tag

Jetzt gerade läßt die ESA ihre Sonde Rosetta kontrolliert auf den Kometen 67P „Tschuri“ abstürzen. Nach mehr als zwölf Jahren im All setzte das Landemodul Philae auf dem Kometen auf, während Rosetta um den Kometen kreiste und Fotos, Messungen in der Gas- und Staubwolke durchführte und den Funkkontakt mit Philae gewährleistete – während der wenigen Tage, an denen der Lander funktionierte. Das allein durch Solarzellen mit Energie versorgte Gerät war neben eine felsige Wand gerutscht, in der es ständig im Schatten lag. Selbst in der Zeit der größten Annäherung an die Sonne stand darum nicht genug Energie für die Geräte auf dem Lander zur Verfügung. Trotzdem wertete die ESA und die mit ihr zusammen arbeitenden Wissenschaftler die Mission als Meilenstein für Forschung und Technik. Noch nie vorher war ein auf der Erde gebautes Gerät sanft auf einer Kometenoberfläche gelandet..

Vor einigen Wochen gelang es der ESA, über Rosetta ein Foto von dem Kometen zu erhalten, auf dem Philae zu erkennen ist. In diesen Stunden hat nun der Abstieg der Sonde selbst auf die Oberfläche des Kometen begonnen, wobei sie vermutlich zerschellen wird. Sie wird zwar nur mit Fußgängergeschwindigkeit auftreffen, doch ist die Raumsonde nicht für eine Landung gebaut. Während der Landung sollen letzte wissenschaftliche Ergebnisse über die Zusammensetzung des Kometenkerns und der von ihm ausströmenden Gase erhoben werden.

Philae und Rosetta werden für immer auf der Oberfläche des Kometen 67P bleiben; eine Kontaktaufnahme wird nicht mehr möglich sein. Die Sonde wird auch deshalb abgeschaltet, damit ihre Übertragungen nicht Funkfrequenzen stören können, die für zukünftige Missionen gebraucht werden.

67P gehört zur Familie der Kometen, die von der Schwerkraft des Jupiters in seiner Umlaufbahn gehalten werden. Ihre Bahn ist sehr instabil; in einigen tausend Jahren wird der Komet in die Sonne oder auf den Jupiter stürzen; es ist aber auch möglich, dass er das Sonnensystem für immer verlassen wird. Dann würden Philae und Rosetta zu den wenigen Artefakten der Menschheit gehören, die auch das Ende des Sonnensystems überstehen werden…

Land of hope and glory…

Heute bin ich zufällig beim Zappen darauf gestoßen: Auf dem Sender des Norddeutschen Rundfunks wurde die „Last Night of the Proms“ gesendet. In meiner englandbegeisterten Familie ist es eigentlich seit Jahren ein fester Brauch, diese Sendung zu sehen, leidenschaftlich mit zu singen und zwischendurch Crisps mit Salt & Vinegar zu essen und britisches Ale zu trinken. 

Dieses Jahr hätte ich es beinahe verpasst,  weil wir gerade erst aus dem Urlaub zurück gekommen sind und noch keine Fernsehzeitung haben…

Also – wir haben trotzdem Rule Britannia, Jerusalem und God save the Queen gesungen und ohne Crisps und Beer, dafür mit Chips und Cola gefeiert. Das habe ich immer im Haus.  Unseren Stimmen hat das wohl auch eher gut getan.

Das ganz Besondere in diesem Jahr war der Auftritt des Star-Tenors aus Südamerika in der Tracht der aztekischen Herrscher aus dem sechzehnten Jahrhundert. Allein dieser Auftritt und die Reaktion des Publikums darauf machen es zur Pflicht, diese Sendung an zu sehen. 

Falls Ihr es verpasst habt – in der Nacht von Sonntag auf Montag wird es in voller Länge und im Originalton der BBC auf NDR noch einmal gesendet. Nehmt es auf, ladet Freundinnen und Freunde ein, kauft Ale und Crisps und kopiert schon mal die Liedblätter mit den Texten. Dann könnt Ihr das Ganze am nächsten Wochenende nachholen.

Viel Spaß!