Gott braucht dich nicht. Eine Bekehrung. Die Buchkritik

Esther Maria Magnis: Gott braucht Dich nicht. Rowohlt 2010, 238 Seiten, 14, 95 €

Esther und ihre Geschwister leben in einer heilen Welt. Noch sind sie Kinder, und die Nähe Gottes ist ihnen so selbstverständlich wie die Liebe ihrer Eltern. Dass man am Sonntag in der Kirche sitzt und die spießigen Ansprachen des Pfarrers hört, gehört zu den Ritualen ihres Lebens; und irritierend ist weniger die alte Tradition der Kirche als viel mehr der Versuch der Jugendgruppenleiter und der Katecheten, über Gott in einer angeblich jugendgerechten Sprache und in politisch korrekten Gleichnissen zu sprechen. „Gott hat keine Hände, nur unsere Hände, um seine Taten zu tun…“ solche Bilder verwirren den Kinderglauben Marias und wecken in ihr das Mißtrauen gegenüber dem gezähmten und geheimnislosen Reden von Gott.

Doch dann geschieht Schreckliches. Der Vater der drei jungen Kinder erkrankt an Krebs, und sie suchen Hilfe in ihrem schon fast verlorenen Vertrauen auf die Kraft ihrer Gebete. Heimlich treffen sie sich auf dem Dachboden, um Gott mit ihren Bitten zu bestürmen. Mit ihrem Glauben wollen sie Gott bezwingen, ihn beim Wort nehmen, ihn festlegen auf das Versprechen, dass sie so auch Berge versetzen könnten. Aber der Vater stirbt – trotzdem. Und Esther beginnt, Gott zu hassen…

Mit großartigem Gefühl für Sprache und überzeugender Offenheit schreibt Esther Maria Magnis ihre Geschichte mit Gott. Sie beschreibt ihren Kampf mit dem Gott, der ihr die wichtigsten Menschen ihres Lebens genommen hat, den sie darum hasst und anklagt und von dem sie dennoch niemals losgekommen ist.

Esther Maria Magnis weiß: An Gott glauben ist alles andere als einfach. Weil er zulässt, dass Menschen leiden. Weil er unsichtbar ist. Und schweigt.

Aber sie weiß auch, dass es im Leben nichts Größeres gibt