Zum Jubiläum der lutherischen Kirche

Im Oktober 2017 feiert die evangelische Kirche weltweit ihren 500. Geburtstag. Ein halbes Jahrtausend ist vergangen, seit der Augustinermönch Dr. Martin Luther seine Thesen von der Kraft des Ablasses veröffentlichte und damit den Anstoß zur Reformation der Kirche in Deutschland und Europa gab.

Weltweit wird das Jubiläum und die Erinnerung an diesen Tag gefeiert – allerdings werden die Schwerpunkte bei diesen Feiern sehr unterschiedlich gesetzt. Vor allem in Deutschland wird die Person und das Denken Luthers sehr kritisch gesehen, denn er war in Vielem ein Kind seiner Zeit und bei allem Mut zur Erneuerung der Kirche, des Glaubens und des geistlichen Lebens sehr dem ausgehenden Mittelalter verhaftet.

In Vielem wäre Luther uns heute sehr fremd – seine Angst vor dem Teufel, sein Mißtrauen gegen die beginnende Aufklärung und die Naturwissenschaften, seine Einstellung zu den undemokratischen Herrschaftsstrukturen seiner Zeit würde uns genau so unverständlich bleiben wie seine Einstellung zu Juden und Türken, Frauen, Ehe und Sexualität. Die Todesstrafe war für ihn etwas Selbstverständliches, Recht und Ordnung gehörten unhinterfragt in die Hände der Fürsten, Könige und Kaiser.

Trotzdem ist die Erneuerung der Kirche, die durch Luthers Werk und seine Gedanken vorangetrieben wurde, bis heute einflussreich und in unserer Kirche und Gesellschaft wirksam – selbst bei Menschen, die nicht Gemeindeglieder oder Christen sind:

Als Erstes wäre da die Übersetzung der Bibel in die deutsche Sprache zu nennen. Luthers Biblia teutsch war zwar nicht die einzige oder erste Übersetzung, aber die schönste und wichtigste – sie prägte über 400 Jahre hinweg das Sprachgefühl einer Nation, die sich gerade erst zu entwickeln begann. Viele Sprichworte und bekannte sprachliche Bilder, die heute Allgemeingut sind, stammen aus Luthers Bibelübersetzung. Von der „Nadel im Heuhaufen“ bis zum „Stein des Anstoßes“ gibt es hunderte von Beispielen.

Das Zweite ist die wichtige Neubesinnung der Kirche auf Bibel und Bekenntnis. „Ad fontes“ – „Zurück zu den Quellen“ riefen die Denker der Aufklärung, und diesen Ruf machte sich auch Luther zu Eigen. Gegen eine Theologie, gegen eine Liturgie, die unter einer Unmenge von Dogmen und Ritualen zu ersticken drohte, setzte Luther die Lehre, die vor allem in den Briefen des Apostels Paulus zu erkennen war: allein die Schrift sollte Maßstab der Verkündigung sein; allein Jesus Christus ihr Inhalt, allein der Glaube an Christus der Weg zu einem Leben, das gelingt und im Gericht Gottes bestehen kann – denn gerecht werden wir nicht durch menschliche Guttaten, sondern allein durch den Glauben, allein durch die Gnade Gottes.

Dieses fünffache „allein“ ist der Kern der Lehre Luthers und die Kraftquelle, aus der der reformatorische Gedanke bis heute seine Energie zieht. Eine Kirche in lutherischer Tradition muss sich an diesem Ursprung messen lassen.

Bei einer Feier zum 500. Jahrestag kann es meiner Meinung nach nicht nur darum gehen, sich stolz in vergangenem Glanz zu sonnen, aber auch nicht nur darum, die vielleicht unvermeidlichen Fehler zu bereuen und zu betrauern. Natürlich war Luther ein Kind seiner Zeit – wie könnte es auch anders sein! Ebenso sind wir aber Kinder unserer Zeit und dazu herausgefordert, das Beste aus dem Erbe zu machen, das in unsere Hände gegeben ist.

Wir sind nicht dazu berufen, Asche anzubeten, sondern das Feuer am Brennen zu halten. Wir müssen uns also immer wieder fragen: welche Reformation ist heute nötig, was ist heute zu tun, damit unsere Kirche ein Ort bleibt, wo Gott wirken kann, wo Glaubende ihn anbeten und ehren können und ihr Leben an seinem Willen und an seinen Geboten ausrichten können, wo Menschen zu ihrem Recht kommen und gemeinsam Salz der Erde und Licht der Welt sein können.

Dies ist eine Aufgabe, die nicht nur der Kirchenleitung oder den Pfarrerinnen und Pfarrern anvertraut ist, sondern an der jedes Gemeindeglied, jede Christin und jeder Christ mitarbeiten kann und sollte.

Es gibt viele Gelegenheiten und Möglichkeiten in der Gemeinde für diese Arbeit am Kurs unserer Kirche: in jedem Bibelkreis, im Gespräch nach dem Gottesdienst, im Gemeindekirchenrat oder in der Gemeindeversammlung haben Sie die Möglichkeit, an der fortdauernden Reformation der Kirche mit zu arbeiten. Ihre Stimme wird gehört werden.

Generationenvertrag

Eines Tages, mein Kind, wird das alles Dir gehören…

Der Reichtum, den ich mir erarbeitet habe…
Der ganze Schatz meiner Lebenserfahrung…
Die schlimmen Folgen der Fehler, die ich gemacht habe…
Der Müll und die zerstörte Umwelt, die ich Dir hinterlasse…
Die Werte und Lebensziele, die ich Dir vorlebte…
Der Glaube, den Du in meinem Tun erkennen konntest…
Der Pflug, den ich aus meinem Schwert geschmiedet habe…
Die offene Grenze, die ich mit anderen öffnete…
Die Freiheit, die ich erkämpfte…
Die Probleme, die ich nicht lösen konnte…
Die Angst, die ich nicht bewältigte…
Die Hoffnung, die mir Flügel verlieh…

All das wird eines Tages Dir gehören…
Mit Freude gebe ich es in Deine offenen Hände.

Zeit totschlagen…

Es regnet. Mitten im Sommer. Die Predigt für Sonntag ist fertig. Und die Sachen, die nächste Woche dran sind – die könnte ich jetzt schon anfangen, ich hab aber keine Lust.

Ich könnte einen Blogeintrag schreiben, etwas Aufbauendes lesen, aufräumen oder malen. Ich habe aber keine Lust auf etwas Kreatives.

Meine Laune ist “Meh!” und ich will jetzt nichts Sinnvolles machen. Ich will einfach nur Zeit totschlagen…

Darf ein Pfarrer das? Ich hatte schon zahlreiche Diskussionen über den Sinn und den Unsinn von Computerspielen. Die Vernunft sagt natürlich: “Lass es sein. Du gewinnst nichts. Am Ende hast du einen neuen High-Score, ein paar Bits auf einer elektronischen Liste; aber wen juckt es, ob Du da auf Platz 36987 bist oder auf Platz 29189. Seit die meisten Spiele eine weltweite High-Score-Liste im Internet haben, ist es sowieso fast ausgeschlossen, in irgendeinem Spiel unter die ersten Zehn zu kommen….”

Aber mein Bauch sagt “Halt die Klappe, Vernunft! Ich will das jetzt; eine Stunde lang sinnlos auf dem Computer herumdaddeln. Türme bauen und Kristalle hinein legen. Monster mit Laserstrahlen erschlagen. Komplizierte strategische Konstruktionen aufbauen, Fallgruben ausheben und die kleinen Biester in fiese Netze locken, in denen sie dann elendiglich zugrunde gehen… Ich will immer wieder dieses kleine Erfolgserlebnis, wenn ein Durchgang überstanden ist, ohne dass die Perle auf meiner Zaubergruft zersplittert. Ich weiß, dass es völlig sinnlos ist und nichts bringt außer einer Stunde, in der ich völlig abschalten kann. Und mir ist das egal…”

Hier ist der Link zu diesem Spiel: GAME IN A BOTTLE – Tower Defense

Ich muss mich nur zwingen, nach einer Stunde wirklich Schluss zu machen, denn das nächste Level ist nur einen Klick weit weg…