#Thanksgiving

Psalm 100

(Ein Dankpsalm)

Lacht und singt, freut euch vor Gott,
macht überall auf der Welt einen fröhlichen Lärm,
in allen Ländern der Erde jubelt und tanzt,
jubelt vor Gott, denn er hat sie alle gemacht!
Halleluja!

Tut voller Freude, was er euch gesagt hat,
wenn er euch ruft, kommt fröhlich und gern!
Ihr werdet erleben, wie sehr Gott euch liebt,
Euch hat er zu seinen Kindern gemacht.
Halleluja!

Ja, er hat uns gemacht, wir sind sein Volk,
Gott ist auf allen Wegen bei uns.
Wir sind geborgen in seiner Hand,
im Glück und in Not will er bei uns sein.
Halleluja!

Darum freut euch und dankt ihm, lacht, singt Gott ein Lied,
singt laut auf der Straße, spielt fröhlich im Haus,
musiziert in den Kirchen mit Flöten und Trommeln,
jeder, der atmet, singt ein Loblied für ihn.
Halleluja!

Denn Gott ist sehr freundlich, und seine Liebe ist ewig,
jeden Tag neu ist er da für uns.
Heute und morgen will er uns hören
und uns alle begleiten für alle Zeit.
Halleluja!



Heute feiert man in Amerika Thanksgiving – einen Tag der Dankbarkeit.

Auch ich bin heute dankbar – es gibt nämlich ein Jubiläum zu feiern!

Zehn Jahre ist es her, dass ich auf Blog.De mit ersten zögerlichen Versuchen begann, ein öffentliches Tagebuch zu führen. Diese Möglichkeit, an den social media teil zu haben, hat mich damals fasziniert und motiviert, über viele Jahre Gedanken und Ideen, Gefühle und Sorgen wildfremden Menschen mit zu teilen; fremden Menschen von denen einige im Lauf der Zeit zu guten und sehr guten Freunden geworden sind.

Als Blog.De geschlossen wurde, haben viele liebe Menschen hier bei wordpress einen neuen Ort gefunden, an dem sie die Gemeinschaft am Leben halten konnten – einige sind aber leider auch verloren gegangen. Nichts ist für immer.

Dieser Eintrag in meinem Blog ist nun der 100. Gedankensplitter auf dieser neuen Plattform – viele meiner Einträge von Blog.De habe ich hier nicht mehr hin kopiert, sie passten nach den vielen Jahren nicht mehr zu mir. In den letzten drei Jahren habe ich hier neue Texte aus meiner Arbeit, aus meinem Tagebuch und aus Emails eingestellt, weil ich denke, dass es Euch interessieren könnte. Und ich habe ab und zu Texte aus meinem Blog-Archiv hier erneut veröffentlicht.

Zwei Texte, die ich 2012 geschrieben habe, will ich Euch hier noch einmal zu lesen geben, weil ich immer noch hinter ihnen stehe und weil sie deutlich machen, warum ich hier blogge und wie das Schreiben mein Leben verändert hat. Ja, wirklich, das hat es!

Feldlilie , Reiner , Deborrah , Weißer Zwerg , Wolfram und andere sind liebe „alte“ Bekannte; und neue – vor allem Kolleginnen und Kollegen – sind dazu gekommen, z.B. die „freie Theologin“ Christiane , die zur Zeit erstaunlich freimütig und ehrlich über ihr schweres Schicksal schreibt; die Pfarrerin aus New York , die vier Kinder hat und trotzdem schon so viel von der Welt gesehen, Sarah Lieselotte , die mit ihrem wunderschönen Blog an Wunder glauben lässt, und Wolfgang Grosse , der uns in Pfaffe’s Welt entführt. Außerdem lese ich begeistert mit bei Sabina , die mich mal für einen Blog-Award nominiert hat und nicht wusste, dass ich da nicht mitmachen werde, und bei Peavy , der erfrischend freches Zeug schreibt und sich damit vor allem selbst in Kummer und Freude hinein manövriert (Sei vorsichtig, old chap!). Und eine echte Rampensau ist Seppo , der unter mehreren Nicknames bloggt und irgendwie schon Medien-Profi ist… (Man kann seinen Blog aber noch kostenlos lesen…)

So, jetzt also die versprochenen Erinnerungen: Zuerst ein fiktives Interview, dass ich zum fünfjährigen Jubiläum mit mir selbst führte…

…und dann ein Gedicht, welches sich auf die kleinen Profilfotos bezieht, die man bei Blog.De links neben den Blogeinträgen sehen konnte. Lange Zeit haben mich liebe Freunde von dort angelächelt, während ich meine Gedanken in den Laptop tippte…



Du bist jetzt seit fünf Jahren mit Deinem Blog hier bei blog.de vertreten; und seit drei Jahren schreibst Du einigermaßen regelmäßig sehr unterschiedliche Texte “ins
Internet”. Wie bist Du dazu gekommen?

Zuerst war ich einfach nur neugierig. In den Computer-Zeitungen, Radiosendungen und auch im Internet selbst wurde damals (im Jahr 2006) immer wieder über Weblogs berichtet, das Bloggen war längst Mainstream geworden; und ich wollte mir zuerst einfach mal anschauen, wie das funktioniert. Die Technik hat mich zuerst interessiert, die Software; ich dachte, das man sich gut mit HTML auskennen muss…

Es war dann aber sehr einfach, hier dabei zu sein: anmelden, ein paar Maus-Klicks machen, um ein passendes Design auszuwählen und alles passend “einzurichten“, und schon stand “Pfarrers Tagebuch” im Netz.

Du hast aber zuerst einige Monate gar nichts geschrieben…

Stimmt. Ich wollte erst einmal sehen, was die anderen so schreiben; Atmosphäre schnuppern, die Spielregeln kennen lernen. Wenn ich auf eine Party gehe mit lauter fremden Leuten, rede ich ja auch nicht einfach drauf los; ich gucke erst mal, was die anderen interessieren könnte.

Bei meinen ersten Einträgen habe ich dann aber gar nicht daran gedacht, dass das andere lesen. Ich meine, mir war natürlich klar, dass das, was ich da schreibe, öffentlich ist und dass das jeder lesen könnte, aber ich habe Dinge geschrieben, die mir einfach so in den Sinn kamen, und es war mir egal, ob es für andere interessant ist, ob überhaupt jemand das liest.

Ich war dann eher überrascht, dass fast sofort die ersten Kommentare dazu kamen.

Du hast Dein Blog “Pfarrers Tagebuch” genannt. Ist das nicht eher ein Widerspruch?
Ein Tagebuch ist ja eher privat, meistens wird es fest eingeschlossen oder versteckt, und nicht offen ausgelegt, damit jeder es lesen kann.

Als ich mir diesen Titel ausgedacht habe, wusste ich noch gar nicht, worüber ich wirklich schreiben würde. Ich hatte so eine vage Idee, den Leserinnen und Lesern etwas aus dem Alltag eines Pfarrers zu berichten; aber später habe ich meist einfach aus Freude am Schreiben und am Formulieren Texte verfasst, mehr oder weniger ohne feste Absichten. Und auch Texte, die eigentlich für einen ganz anderen Zusammenhang geschrieben wurden, tauchten hier auf: Ausschnitte aus Predigten, aus Gemeindebriefartikeln und aus Briefen habe ich hier veröffentlicht, wenn ich glaubte, sie könnten für die Leute hier spannend sein.

Manchmal schreibe ich schon sehr “intime” Gedanken hier auf, aber nichts, was wirklich geheim ist. Da bin ich sehr vorsichtig. Ich weiß ja nicht, wer hier alles reinschaut. Das heißt, ich weiß zum Beispiel schon, dass meine Mutter hier mit liest (Hallo! :wave: ); und auch einige Leute aus der Gemeinde; und damit verbietet es sich schon, hier all zu sehr Dampf abzulassen…

Als Pfarrer musst Du Dich ja an das Beichtgeheimnis halten und also noch mehr als jeder andere Blogger sonst aufpassen, dass Du nicht Dinge veröffentlichst, die besser unter dem Siegel der Verschwiegenheit bleiben sollten. Und auch sonst werden vielleicht manche Leute Dein Blog eher kritisch zur Kenntnis nehmen, weil sie ja wissen, dass Du Pfarrer bist. Sie wollen sich ja nicht unbedingt mit ihren Sorgen in Deinem “offenen Tagebuch” wiederfinden. Hat denn schon mal jemand aus der Gemeinde Dich auf Dein Blog angesprochen?

Nein, bisher noch nie. Es sind ja sowieso nur sehr wenige Menschen, die mein Blog lesen, etwa dreißig schauen regelmäßig mal rein, und ab und zu verirrt sich jemand auf meine Seiten, der Dinge wie “Herzliches Beileid” oder “Aschermittwoch” googelt. Das ist okay, ich schreibe das Blog ja aus Spaß an der Sache und nicht dafür, das hier tausend Hits am Tag gezählt werden.

Einmal bin ich auf einer kirchlichen Tagung überrascht worden von einem wildfremden Menschen aus der bayerischen Landeskirche, der mein Blog kannte und mich mit “Hallo, Sansibar” begrüßte – ich bin dann erst mal in Gedanken meine letzten zehn Blogeinträge durchgegangen, ob ich da irgend etwas Unpassendes geschrieben hatte…

Ich werde hier auch nie etwas “Geheimes” über die Familie, über Menschen aus der Gemeinde oder über Freunde schreiben. Ich möchte ja nicht, dass mich auf einem Gemeindefest oder bei einer anderen Gelegenheit jemand anspricht und sagt: Na, den Sowieso, den hast Du aber ganz schön vorgeführt auf deinem Blog…

Warum blogst Du immer noch? Was fasziniert Dich jetzt seit drei Jahren an dieser Sache, die doch eine Menge Zeit und auch einiges an Energie verbraucht, die Du auch anders nutzen könntest?

Ich finde es spannend, meine Ideen und Nachdenklichkeiten vor Menschen zu präsentieren, die mit Kirche wenig oder gar nichts zu tun haben. Als Pfarrer ist man im wirklichen Leben sehr eingebunden in eine ganz besondere Gemeinschaft, in eine Art kirchliches Gewächshaus.

Die Menschen, mit denen ich tagein, tagaus zu tun habe, sind in der Regel Christen, glauben mehr oder weniger stark an Gott, und kaum jemand stellt meine Rolle als Pfarrer in Frage. Ich habe bei ihnen einen Vertrauensvorschuss; im schlimmeren Fall trauen sich die Leute einfach nicht, mir offen zu widersprechen. In so einer Situation verliert man leicht die Orientierung; verliert den Kontakt zu dem Leben der “normalen” Menschen, so wie es zum Beispiel Politikern und Diplomaten auch oft geht. Selbst die Sprache der Kirchenleute ist ja anders als die der anderen Menschen, und sehr verschieden von der Sprache, die die Blogger im Internet benutzen, oder von der der Journalisten.

Ich sehe also meinen Blog unter anderem als eine Art “Reality-Check” an, einen Platz, an dem ich in das normale Leben eintauchen kann. Ironischerweise wird so für mich gerade das, was andere als “virtuell” oder “irreal” bezeichnen, für mich zu einem Testfall des “wirklichen” Lebens. Ich habe mich immer sehr gefreut über kritische Kommentare von Kirchenfremden; in der letzten Zeit sammeln sich aber auf Blog.de eine ganze Menge Leute, die Christen sind oder gläubige Menschen, die also mit dem Gedanken an Gott vertraut sind und hier Gebete, Meditationen und Lieder veröffentlichen. Manche wollen hier auch missionieren…

Das wollte ich gerade fragen: Willst Du hier missionieren; willst Du hier Menschen dazu bringen, an Gott zu glauben, vielleicht sogar Werbung für die Kirche machen?

Nein. Natürlich möchte ich mit Leuten über meinen und über ihren Glauben sprechen; aber mich treibt die Neugierde an und nicht das Gefühl, Menschen bekehren zu müssen. Wenn jemand mir zu erklären versucht, warum er Atheist ist und fest daran glaubt, dass es keinen Gott geben kann, dann finde ich das hochinteressant. Mir ist ein Mensch, der nicht an Gott glaubt, aber erklären kann, was seinem Leben Sinn und Ziel gibt, auf jeden Fall näher als jemand, der fromm jeden Sonntag in die Kirche geht, aber keine eigene Meinung zu dem Glaubensbekenntnis hat, das er da jede Woche spricht.

Ich finde es toll, wenn der eine oder andere mein “Tagebuch” liest und dann denkt: “Ach guck mal, ein Pfarrer, und der ist ja trotzdem ein ganz normaler Mensch, mit dem man richtig reden kann…”

Manche Deiner Texte sind einfach nur witzig, oder geradewegs albern… Hast Du nicht Angst, dass der Bischof oder ein anderer Vorgesetzter das hier mal lesen und dann den standesgemäßen Ernst darin vermissen könnte?

Das ist mein Hobby hier, und ich mache es nur aus Spaß. Manchmal habe ich Lust, auch die eher schrägen Seiten meiner Person hier vorzustellen. Einfach mal albern zu sein ist für mich sehr entspannend; ich kann mir das in der Gemeinde fast nie erlauben, dabei bin ich eigentlich oft sehr “unerwachsen” und spiele gern, auch mit Worten und Geschichten…

Wenn dabei mal der standesgemäße Ernst fehlt, juckt mich das nicht – unter ein gewisses Niveau würde ich aber niemals gehen. Ich möchte auch hier im “Virtuellen” nie meine Würde verlieren.



Kleine Bilder auf dem Monitor
sind wie Türen hin in unbekannte Welten,
hin zu fremden Menschen und Erinnerungen,
zu ihren Hoffnungen und Träumen.

Sie wecken Neugier,
Lust, einmal zu schauen,
was für Geschichten sich verbergen
hinter einem lächelnden Gesicht.

Oft fand ich: Tagebücher, offen, und für alle klar zu lesen.
Und doch gemeint für Freunde, die sich kennen. Wenn ich sie lese, sind sie mir
Erlebnisse aus einer Welt, die für mich fremd und fern, und doch wie meine.

Von Arbeit, Parties, Liebe, Hass. Doch immer klein und wie gefiltert,
und deutlich mit der Absicht, niemand weh zu tun,
und nicht zu viel von sich zu zeigen.

Ich lese, schmunzle manchmal und vergesse, was ich gelesen und gesehn,
mit mir hat’s nichts zu tun, und ich war nicht gemeint. Lebt wohl.

Oft fand ich: alte Briefe, Zettel, als Lesezeichen in Bücher gesteckt.
Fotos, getrocknete Blumen, auf einer Sommerwiese in den Ferien gepflückt.
Kindheitserinnerungen, Schachteln voll Murmeln und Spielzeugautos.
Musikcassetten, Platten, Liederbücher, Comichefte, Vogelfedern.

Glatte, bunte Kiesel aus dem Bach gepickt vor Jahren.
Püppchen in verstaubten Kleidern. Und das Erstaunen immer wieder:
Ja, sowas hatte ich einst auch.

Selten fand ich: Leben, Phantasie und Kraft, die Lust am Dasein,
glitzernde Gedanken über Gott und Welt. Im Hier und Jetzt genau beobachtet
die tausend Splitter, die zusammen Leben sind, die Fragen wecken auch in mir.

Die Fragen mich nach Geben und nach Nehmen,
nach dem Sinn und Ziel, nach Glauben
nach Gut und Böse und der Welt dazwischen. In ihnen fand ich mich.

Ich fand auch Sehnsucht, sah auch Angst und Trauer.
Ganz selten fand ich Menschen, die ich Freunde nennen könnte,
die fehlten, wären sie nicht da.
Die nahe mir geworden durch Bild und Schrift
und deren Zeilen zu mir sprechen,
auch wenn ich weiß, sie sind nicht nur für mich.

Ihr Bild ist nicht nur eine Tür,
es ist mir Gruß und Freude, die ich gerne wieder seh,
und ich fühl‘ mich geehrt, wenn ich es spüre,
dass auch ich nicht nur ein Name
und nicht nur Zeichen auf dem Bildschirm für sie bin…

2 Gedanken zu “#Thanksgiving

  1. Herzlichen Glückwunsch für 10 Jahre Durchhalterei… Ich bekomme sowas immer gar nicht mit. Aber ich hab ja vorher auch schon ein paar Jahre gebloggt. Meine Güte… was bin ich alt geworden. Und mein Blog mit mir… 😛

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