Throwback Thursday

Wayback

Seit einiger Zeit ist es üblich geworden, dass Leute am Donnerstag Erinnerungen ins Internet stellen… Heute will ich das auch einmal tun. Ich habe nämlich auf meinem Rechner ein bisschen aufgeräumt und dabei auch ein paar alte Links gelöscht.

Den zur „Wayback Machine“ werde ich aber aufheben. Hinter diesem Link verbirgt sich ein riesiges Archiv von Internetseiten aus dem vergangenen Jahrzehnt. Irgendwo muss irgendjemand unglaublich viele Festplatten übrig gehabt haben und sich gedacht haben: „Hey, ich lade mal eben das ganze Internet runter und speichere das hier ab…“

Das Internet vergisst nichts; das wird einem beim Nutzen der Wayback Machine schnell klar; darum sollte man immer vorsichtig sein, was man der Cloud oder dem Netz anvertraut…

Andererseits bewahrt es auch wundervolle Erinnerungen auf. Das da oben ist ein Ausschnitt aus meinem Blog, das ich ab 2007 bei Blog.De geführt habe – schon damals mit dem Mandelbrot-Fractal, wie man sieht. Ein paar meiner allerliebsten Freundinnen und Freunde habe ich da gefunden. Inzwischen gibt es Blog.De nicht mehr, und die wundervolle Gemeinschaft, die es da gab, hat sich zu wordpress nicht wirklich hinüber retten können.

Nichts ist für immer… Aber über die Entdeckung habe ich mich heute doch sehr gefreut… Jetzt gehe ich mal lesen, was ich vor zehn Jahren so alles geschrieben habe.

Wie eine Liebe zuende geht…

Vor der Reise hatten sie sich gut vorbereitet.

Sie hatten Reiseführer gelesen, Landkarten studiert,
hatten auch Leute befragt, die diese Wanderung schon hinter sich hatten.

Dann hatten sie sich ihre Ausrüstung gekauft.
Wanderstiefel, Regenjacken, Rucksäcke.
Picknickgeschirr. Feuerzeug. Zelt.
Sogar an ein Seil hatten sie gedacht.
Haken. Ösen. Ein kleiner Hammer.

Dann gab es ein großes Fest mit Freunden,
denn sie würden lange unterwegs sein,
und sie wollten in guter Erinnerung bleiben.

Und am nächsten Tag ging es los.
Silbern lag das Licht über der Landschaft,
es war Frühling und die ersten Blüten öffneten sich
Schneeglöckchen am Wegesrand,
erste Blätter an Zweigen, ganz neu und frisch und grün.

Und weit in der Ferne leuchtete der Gipfel.

Sie hatten ihr Ziel vor Augen
und den festen Willen, es zu erreichen.

Der Weg war schön.

Durch Wälder wanderten sie,
in denen es duftete nach Holz und Moos,
von den Blättern fielen Tropfen,
und sie ließen sie sich über Stirn und Wangen rollen,
erlebten sie wie eine Zärtlichkeit.

Durch Städte und Dörfer wanderten sie,
genossen verwinkelte Gassen,
Marktplätze voll bunten Lebens.
Sie kauften Wein und Brot und Käse,
probierten Kleider und Hosen an
und lachten herzlich über komische Hüte.

Wenn sie am Feldrand einen passenden Stein fanden
ließen sie sich Zeit für ein Picknick.
Wie gut schmeckte das Brot,
wie froh machte der Wein,
wie würzig der Käse war!

Und nachts ruhten sie am Ufer eines Sees,
klar wie Kristall war der Himmel und spiegelte
tausend Sterne im Wasser, klar wie Kristall.

Kirschblüten. Weiße
Verheißung von Süße im Sommer.
Tränen im Auge.

Sommer! Heiß brennt die
Haut wenn Du sie berührst und
es brennt auch die Lust.

Erinnerungen an Augenblicke.
Ein Lächeln! Eine tanzende Frau auf einem Sommerfest.
Sprachlos standen wir vor einem faszinierenden Bild.
Der Duft von Rosen nach einem Regen.
Ein Kuss auf ein blutig gescheuertes Knie.
Eine solche Reise beginnt man nicht ohne Pflaster und Jod.

Natürlich auch Nächte voller Zweifel,
Tage voller Nebel und Sorgen.
Blasen an den Füßen, Sonnenbrand.

Doch es ging irgendwie immer
Manchmal trug ich zwei Rucksäcke.
Und Du hattest immer Salbe dabei.

Dann wurde der Weg steiler. Der Gipfel kam näher.
Und oft wurde das Gehen mühsam.
Sie waren trainiert, und doch fehlte der Atem
und sie gingen viel langsamer als früher.
Der Wald wurde karger, doch hier gab es
Tannenzapfen! Und Bäche liefen laut rauschend
wie junge Kinder und erfrischten den Sinn.

Ach ja! Der Gipfel.
Fast hatten wir es vergessen, das Ziel.

Aus dem Gehen wurde Klettern,
gut, dass wir das Seil haben.
Aber die Haken reichen nicht aus.
Da sind die Wege, die andere gestiegen sind,
manchmal halten uns ihre Ösen auch,
Doch manchmal brechen sie weg…

Wir sehen nicht mehr die Landschaft,
vergessen den Ausblick über Wald und Dörfer und Städte.
Sehen auch nicht mehr das Ziel.

Wir steigen nur noch, und halten uns fest
manchmal krampfhaft, an unserem Seil
und misstrauen den Haken und Ösen.
Viel zu oft kommt der Hammer zum Einsatz.
Wo bleibt das Lächeln? Die tanzende Frau?
Und wer streicht Salbe auf blutige Knie?