Ein ganzer Monat mit dem sehr zerbrechlichen Leben…

Liebe Freundinnen und Freunde, ihr Lieben alle, die ihr hier lest…

Jetzt habe ich einen Monat lang täglich etwas in mein Blog geschrieben, so wie ich es mir am Anfang des Jahres vorgenommen hatte. Ich habe gehofft, damit ein bisschen Disziplin in mein Leben zu bekommen, weniger am Computer sinnlos rumzudaddeln und mit der Idee „nulla dies sine linea“ Anregungen und Entwicklungschancen zu entdecken.

Ich muss zugeben, ein bisschen habe ich geschummelt, nicht alle Texte waren ganz neu, die ich in diesem Monat hier veröffentlicht habe. Ich habe sie aber alle noch einmal durchgesehen, und ich stehe immer noch hinter jedem einzelnen und hätte sie auch heute noch so schreiben können. Mein terminkalender hat mich dazu gezwungen, hier ab und zu „einen alten Wolf heulen zu lassen.“

Der Anspruch, jeden Tag etwas Interessantes zu schreiben, hat aber eine gewisse Sogfunktion entwickelt, die mir wohl auf Dauer nicht so gut tun würde; und darum möchte ich Euch heute bitten, mich von meinem Versprechen zu entbinden.

Ich habe noch viele schöne Ideen in meinem Kopf, werde die auch formulieren und hier veröffentlichen; und ich habe auch noch Texte und Bilder (!) von früher auf meiner Festplatte, die ich hier veröffentlichen will. Nur eben nicht mehr unbedingt täglich.

Dann müsst Ihr ja auch nicht mehr jeden Tag gucken, ob es hier etwas Neues gibt. Das entspannt ja dann auch ein bisschen.

 

Der springende Punkt…

Der springende Punkt ist das, worauf es ankommt. Als „punctum saliens“ kommt er schon in antiker Literatur vor. Angeblich entsteht im Inneren des Hühnereis kurz nach dessen Befruchtung ein kleiner roter Punkt, aus dem sich später das Herz des Kükens entwickeln wird. Schon früh beginnt er, rhythmisch zu „hüpfen“. Der springende Punkt ist also das „Herz“ einer Sache, das Wichtigste, das, worauf es ankommt.

Gesprungen wird auch noch in einer anderen antiken Legende. In Olympia trafen sich auch in vorchristlicher Zeit alle vier Jahre die Sportler zu einem vielbeachteten Wettkampf. Neben der Olympiade gab es ähnliche Veranstaltungen auch in Sparta, Epidauros, Athen, Kreta und Rhodos – und vielleicht auch in vielen anderen Städten mit einem großen Stadion.

Eines Tages soll ein Sportler, der in Rhodos im Weitsprung Großes geleistet zu haben vorgab, in Athen ganz besonders großspurig von seinen Erfolgen und Heldentaten geprahlt haben. Keiner glaubte ihm so richtig seine Prahlereien. Schließlich machte man auf einer Bahn im Stadion Platz und forderte ihn auf: „Hic Rhodos, hic salta!“ – „Hier ist Rhodos, springe hier!“

Haltlos zu prahlen – diese Tätigkeit bezeichnete man früher mit dem schönen Wort „bramarbasieren„. Der deutsche Gelehrte Johann Christoph Gottsched griff das Wort auf für die deutschen Übersetzung eines dänischen Lustspiels: „Bramarbas oder der großsprecherische Offizier”.

Dieses Wort kann immer noch verwendet werden, wobei man dann selbst in den Ruf geraten könnte, mit seiner guten Bildung zu bramarbasieren…

(Es gibt ein Gedicht, dessen letzte Zeile heißt so ungefähr „hier sitz ich und bramarbar…“ – ich kanns aber nicht finden. Kann mir jemand von Euch helfen?)

Lost in Translation – vom Übersetzen der Bibel…

Allein in den ersten zehn Jahren dieses Jahrhunderts sind fünf neue Bibelübersetzungen auf den Markt gekommen – insgesamt gibt es mehr als hundert verschiedene deutsche Bibelausgaben. Warum ist das nötig? Wozu helfen diese vielen verschiedenen Bibeln, und wieso gibt es immer neue Übersetzungen?

Wir kennen und lieben die Lutherbibel, die in den letzten vierzig Jahren beinahe alle acht Jahre neu revidiert wurde, wir kennen die Zürcher-Bibel, die Einheitsübersetzung und die Gute Nachricht. Gehört haben wir von der neuen „Bibel in gerechter Sprache“ , über die nicht nur unter Theologen heiß debattiert wird. Es gibt eine „Volxbibel“, die sich mit ihrer Übersetzung ganz bewusst an Jugendliche wendet, und das Projekt „Basis B“, das das Internet zur Unterstützung der Arbeit an der Übersetzung nutzt.

Wenn wir uns verschiedene Bibelübersetzungen ansehen, spüren wir sofort die unterschiedlichen Qualitäten, die sie aufweisen: Einige Übersetzungen sind sehr eingängig, die Bibel erscheint wie von heutigen Menschen für heutige Menschen geschrieben. – Verloren geht so das Fremde, Abständige eines Textes, der drei- bis zweitausend Jahre alt ist, verloren geht auch der Charakter des Zeremoniellen, Traditionellen, Heiligen, Liturgischen, das einer klassischen Bibelübersetzung wie der Martin Luthers anhaftet.

Für gewissenhafte Menschen ist oft zusätzlich verstörend, dass die modernen Übersetzungen oft sehr stark vereinfachend sind und tief liegende Nebengedanken und mitklingende Konnotationen um einer einfacheren Lesbarkeit willen vernachlässigen. Nicht zuletzt tragen moderne Übersetzungen manchmal moderne Tendenzen oder vom Zeitgeist geprägte Absichten in den Bibeltext ein, die der Urtext nicht hat, indem sie zum Beispiel einen bestimmten Frömmigkeitsstil fördern wollen oder einer wirklichen oder behaupteten sprachlichen Ungerechtigkeit wehren.

Andererseits gibt es Bibelübersetzungen, die andersartig und fremd wirken – wer Hebräisch bzw. Griechisch kann, erkennt eine große Nähe zur Ursprache – die die Fremdheit betonen und dem Leser den großen geschichtlichen Abstand von den Ursprüngen dieser Worte geradezu unter die Nase reiben. Die Mühe, die es erfordert, solche Texte zu lesen, stößt aber viele Menschen ab, außerdem wirken sie oft künstlich, geziert, gewollt unbequem – und das wirkt zusätzlich befremdend. Dabei soll doch die Bibel gelesen werden, niemand will die Leser verschrecken.

Was heißt also eigentlich: Übersetzen? Wer naiv an die Sache heran geht, denkt, daß man einfach Wort für Wort, Satz für Satz von einer Sprache in die andere überträgt; so daß man gewissermaßen ein Gleichheitszeichen dazwischen könnte; nach dem Muster: Guten Tag, mein Name ist Richard Horn. ist gleichbedeutend mit Hello, my name is Richard Horn.

Für einfache Texte, die man aus einer modernen Sprache in eine andere übersetzt, mag diese Vorstellung ausreichen, aber schon bei der Übersetzung komplizierterer, anspruchsvollerer Texte tun sich hier zahlreiche Fallen auf. Erst recht, wenn es sich um religiöse, philosophische, juristische oder künstlerische (poetische) Texte handelt, die einen reichen Hintergrund voraussetzen.

Wenn ein Mensch etwas zu einem anderen spricht oder einem anderen etwas schreibt, findet Kommunikation statt. Kommunikation ist ein komplizierter Vorgang. Der, der spricht oder schreibt, im Fachjargon Sender genannt, möchte eine Botschaft an einen Empfänger übertragen, also an seinen Zuhörer, seinen Leser, sein Publikum, je nachdem. Um diese Botschaft zu übermitteln, braucht er ein Medium, eine Möglichkeit der Übermittlung – durch gesprochene Sprache, Buchstaben auf Papier, Filmmaterial oder Disketten. Durch dieses Medium kommt die Botschaft des Senders beim Empfänger an.

Dies ist ein einfaches, technisch anmutendes Bild, und in dem Bereich der Technik ist es auch entwickelt worden. Wo Menschen miteinander umgehen, muss man noch komplizierter denken: Der Sender hat eine ihm eigene Begriffs- und Vorstellungswelt. Welche Gedanken er genau mit einem einzelnen Wort, einem Satz oder einem sprachlichen Bild verbindet, weiß nur er allein genau. Seine Erziehung, sein familiärer Hintergrund, seine Erfahrung, seine Sozialisation bestimmen sein Denken, seine Vorstellungswelt und damit auch seine Sprache. Gleiches gilt für den Empfänger, der seine nun wieder ihm allein gehörende Sozialisation mitbringt.

Zum Glück haben wir alle einen riesigen Bereich gemeinsamer Erfahrung, gemeinsamer Sozialisation, die allen Menschen in unserem Jahrzehnt, in unserer Stadt, mit unseren Lese- Hör und Fernseh-Gewohnheiten gemeinsam sind – sonst könnten wir einander gar nicht verstehen – und doch fallen immer wieder kleine Unterschiede auf, die manchmal sehr wichtig werden und dann zu Missverständnissen, zu Ärger oder Streit führen – das Nichtverstehen zwischen Eltern und Kindern oder zwischen Menschen aus verschiedenen sozialen Schichten hat oft hier seinen Ursprung… Je länger und je besser man sich kennt, desto stärker wird dieser beiden gemeinsame Bereich von Denken und sprachlichem Hintergrund, desto besser gelingt dann die Kommunikation.

Wenn das Miteinander-Sprechen gelingt, passiert also in etwa folgendes: Der Sprechende hat in seinem Kopf eine Vorstellung im Rahmen seiner ihm eigenen Gedankenmuster, die er in eine beiden ungefähr gemeinsame Sprachform überträgt in der Absicht, daß der Zuhörende in seinem eigenen Denkraster eine dem möglichst genau entsprechende Vorstellung entwickeln kann. Erst, wenn dies gelingt, hat man sich wirklich verstanden.

Nun ist unser Thema gar nicht die Kommunikation, sondern das Übersetzen der Bibel, aber diese Gedanken sind in diesem Zusammenhang sehr wichtig. Wir gehen nämlich oft beim Bibellesen so an die Texte heran, als ob sie für uns geschrieben seien. Sie sind es aber nicht! Der Sender hier, nennen wir ihn beispielsweise Paulus, schreibt für die christliche Gemeinde in Rom. Mit ihr teilt er die Lebenswirklichkeiten der Menschen, die im ersten Jahrhundert nach Christus im mittleren Teil des römischen Reiches leben. Schon hier gibt es Unterschiede, denn die Gemeinde lebt in der Hauptstadt des römischen Weltreiches, während Paulus in einer eher unbedeutenden Provinz am Rande des Reiches großgeworden ist. Trotzdem hat er als gebildeter Bürger einen großen Teil seiner Weltsicht gemein mit philosophisch gebildeten Gliedern der Gemeinde in Rom und als Handwerker vielleicht auch mit den eher einfachen Leuten. Darum gelingt es ihm, sich mit seinem Glauben, Hoffen und Bekennen den Menschen in Rom verständlich zu machen und ihnen seine Theologie zu erklären.

Aber dieser gemeinsame Hintergrund, den Paulus mit seinen Lesern teilt, fehlt uns größtenteils. Wenn also jemand die Bibel übersetzen will, muss er einen Text schreiben, der das selbe erreicht, dass heißt, es muss ihm gelingen, einen Text zu schreiben, der die Gedanken, die Paulus in seinen Lesern weckt, auch in uns weckt – in uns mit unserem ganz anderen sprachlich-kulturellen Hintergrund.

Wer übersetzt, muß als erstes seinen Urtext – in unserem Fall also den hebräischen Text des alten Testaments und den griechischen Text des neuen Testaments – sehr genau wahrnehmen und erkennnen, was denn der Autor damals seinen Lesern damals eigentlich sagen wollte, welche Gedanken er in ihnen wachrufen wollte, wozu er sie locken, einladen, provozieren und verführen wollte. Und dann muß er versuchen, mit Worten, die auch wörtlich gesehen möglichst nah am Urtext sind – und dann doch wieder aus dem modernen gemeinsamen sprachlichen Hintergrund stammen – uns, seine Leser in gleicher Weise locken, einladen, provozieren und verführen…

Ein schwieriges, wenn nicht unmögliches Vorhaben – und einer der Gründe, warum es immer wieder neu versucht worden ist und versucht werden muss.

Christliche Angeber

Lass Dir an meiner Gnade genügen,
denn meine Kraft ist in dem Schwachen mächtig.
2. Korintherbrief, Kapitel 12, Vers 9

Wettbewerb und Konkurrenz – die Notwendigkeit, im Lebenskampf mithalten zu müssen, wird auch in diesem begonnenen Jahr viele Menschen in unserer Gesellschaft belasten. Unsere Lebensverhältnisse setzen uns unter Druck: Zeit-, Leistungs-, Perfektionierungs- und Konkurrenzdruck bestimmen nicht nur das Berufsleben, sondern oft auch das Miteinander im Freundeskreis und in der Familie. Andere Menschen wollen sich darauf verlassen können, dass wir da, wo wir im Leben stehen, eine „gute Figur“ machen und die Erwartungen erfüllen, die sie in uns gesetzt haben.

Wir machen uns diesen Druck auch selbst: Oft sind wir selbst unsere schärfsten Kritiker, oft bewerten wir uns selbst nach viel strengeren Kriterien, als die Menschen, die mit uns leben und arbeiten. Wie Sportler sehen wir uns im Wettbewerb um Gunst und Anerkennung, kämpfen um Selbstachtung und die Bewunderung und Anerkennung der anderen.

Wer in diesem Kampf vorne mit dabei sein will, muss jung, fit, gesund und beweglich sein. Er muss sich durchsetzen können. Er muss funktionieren.

Was ist aber mit denen, die in diesem Wettbewerb nicht mithalten können, die z.B. behindert sind? Was ist mit denen, die alt, krank und hilfsbedürftig sind? Was ist mit den Menschen, die müde geworden sind und unter ihrer Last zusammen zu brechen drohen?

Der Apostel Paulus war selbst einer derjenigen, die von anderen oft belächelt oder kritisiert werden. „Wenn er aus der ferne Briefe schreibt, macht er große Worte, selbstbewusst und stark; aber wenn er bei uns ist, stottert er, druckst herum, gibt überhaupt eine schwache Vorstellung.“ haben ihm seine Kritiker vorgeworfen (2. Korinther 10, 1).

Auch er kannte gewiss diesen Druck, etwas darstellen zu müssen, wenn man etwas gelten und Anerkennung finden will. „Ich könnte mich wohl rühmen…“, schreibt er im Brief an die Leute in Philippi. Dann zählt Paulus auf: seine vornehme Herkunft, seinen vorbildlichen Lebenswandel, seine Leistungen im Einsatz für den richtigen Glauben. (Philipper 2,1-11)

„All dessen könnte ich mich rühmen, doch Jesus Christus hat mir einen neuen Glauben gegeben…“, sagt Paulus. Eine neue Weltanschauung gewissermaßen. Er hört von Jesus: „Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ Da begreift er: Es kommt nicht darauf an, wie stark oder wie schwach sich einer darstellt. Es geht um andere Kriterien. Der Theologe Eberhard Jüngel sagt das so: „In den Augen der Menschen mag ich zwar das sein, was ich aus mir mache oder gemacht habe. Sogar mir selbst mag ich als Produkt meiner Taten erscheinen. Doch vor Gott bin ich nicht in der Lage, etwas aus mir zu machen…“

Gottes Maßstäbe sind andere. Er setzt auf andere Werte. Er sagt: Meine Kraft ist in dem Schwachen mächtig. Wichtiger als das Machen ist das Vertrauen, stärker als die eigene Kraft ist der Glaube an Liebe Gottes. Wichtiger als erzwungene Selbstdarstellung in eigener Perfektion ist die Hingabe an den, der Zeit und Ewigkeit in seinen Händen hat.

Natürlich ist es wichtig, die Verpflichtungen einzuhalten, die man eingegangen ist, und den Verantwortungen gerecht zu werden, die man übernommen hat. Das weiß jeder, der für ein krankes Familienmitglied sorgt. Jede Mutter weiß, dass sie für das Wohl ihrer Kinder zuständig ist; jeder, der in einem Team arbeitet, weiß, dass die Zusammenarbeit nur gelingen kann, wenn jeder seinen Teil der Aufgaben erfüllt. Doch der Wert eines Menschen, seine Würde, hängt daran nicht. Und auch jemand, der in seinem Leben immer wieder an seine Grenzen stößt, soll wissen, dass er geliebt ist und umgeben von Gottes Gnade leben darf. Das macht uns frei von dem Zwang eines schlechten Gewissens und schenkt uns die Luft, die wir brauchen, um aufatmen zu können.

Meine Kirche im Internet…

In Hamburg trifft sich heute eine Gruppe von kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, von Pfarrerinnen und Pfarrern zu einer offenen Diskussionsrunde um das Thema “Kirche digital” und “Kirche in den neuen Medien”. Die Organisationsform – jede und jeder kann einen Vortrag, eine Präsentation oder etwas anderes beitragen und erhält dafür ein offenes Forum – nennt sich “Barcamp”. Die Adresse, unter der man das Ganze unter Twitter findet, heißt darum #bcnordkirche

Auch in meinem Kirchenkreis Berlin-Neukölln wird intensiv über den “Auftritt” der Kirche im Internet nachgedacht. Es gibt natürlich eine professionelle Webseite des Kirchenkreises, die unter der Content-Management-Software “churchdesk” läuft – die funktioniert im Grunde ganz ähnlich wie WordPress, aber es gibt außerdem noch die Möglichkeit, über Kalender, Arbeitsgruppen und Ressourcenverwaltung die Zusammenarbeit in den Gemeinden und im Kirchenkreis zu organisieren… (Soweit ich weiß, nutzt das aber keiner so wirklich, denn dazu müssten Haupt- und Ehrenamtliche wirklich alle Veranstaltungen und Verabredungen regelmäßig in das System eingeben; und obwohl viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ziemlich computeraffin sind, macht das im Alltag wohl niemand.) Immerhin sind so Gottesdienste, Konzerte, Vorträge und Lesungen in der Regel im Internet abrufbar. Interaktiv passiert da aber relativ wenig. Man kann nichts kommentieren oder “liken”, nichts bewerten oder empfehlen… Dazu muss man dann zu dem Auftritt des Kirchenkreises bei Facebook springen…

Außerdem hat jede Kirchengemeinde dort beim Kirchenkreis eine “Visitenkarte” mit den wichtigsten Informationen, von der dann auf die Webseiten der jeweiligen Gemeinde verlinkt wird. Die Gemeindeseiten sind fast alle ebenfalls unter “churchdesk”, was dazu führt, dass sie alle sehr ähnlich aussehen – das finde ich schade und ein bisschen langweilig. Der Vorteil ist, dass sie professionell gestaltet wirken, auch auf dem Handy funktionieren, und für die Verantwortlichen einfach zu betreuen sind – die wichtigsten Informationen werden nämlich automatisch vom System des Kirchenkreises übernommen und können hier erweitert und ergänzt werden. Interaktiv und Multimedial ist da aber auch wenig möglich. Es ist unter anderem der “Datenschutz”, der überall beachtet werden muss, der viele hemdsärmelige Initiativen ausbremst – wenn zum Beispiel ein Mitarbeiter der Jugendarbeit intensiv Whatsapp nutzt und ihm dann vom Pfarrer ein Riegel vorgeschoben wird (und vorgeschoben werden muss), weil der Server dieser Firma nicht in Deutschland steht.

Seit Kurzem gibt es den oben schon erwähnten Auftritt des Kirchenkreises bei Facebook, dort gibt es kurzfristig die neuesten und aktuellen Informationen in die “Timeline” – ganz praktisch, wenn man so vergesslich ist wie ich und in den Kalender bei churchdesk nur sporadisch reinschaut.

Und sogar bei Youtube gibt es jetzt wöchentlich ein Video, das vor allem zeigt, wie ein Pfarrer und eine Mitarbeiterin aus der Jugendarbeit miteinander über ein aktuelles Thema diskutieren…

Ich weiß nicht, wie viele Menschen von diesen Bemühungen, “die Leute da abzuholen, wo sie sind”, angelockt werden. Die Zugriffszeiten auf meiner Gemeindewebseite sind sehr überschaubar, um nicht zu sagen, im einstelligen Bereich. Mehr als sechs oder sieben Zugriffe am Tag gibt es da nicht, und zwei- oder dreimal davon bin ich es nur selbst…

Bei mir “draußen auf dem Land” hat zwar inzwischen fast jeder einen Computer am Internet, aber die Leute gucken damit Nachrichten, chatten mit ihrer Familie oder bestellen Krimskrams bei Amazon. Für den Kontakt zur Kirchengemeinde ist nach wie vor das Gemeindeblatt das wichtigste Medium – und wehe, das ist nicht rechtzeitig zum Monatsanfang fertig…

Was digitale Kirche und Vernetzung mit den neuen Medien angeht, haben wir noch viel zu lernen…

Von Gottes Ungerechtigkeit…

Was haben wir eigentlich davon, dass wir dir gefolgt sind, Jesus? Wir haben alles verlassen, Verwandte und Familien, Häuser und Boote, und sind geworden wie du – Umherirrende, die oft morgens nicht wissen, wo sie abends schlafen werden – was wird uns dafür gegeben? So sprach Petrus zu Jesus.

Gerade eben hatte der gesagt, dass ein Reicher nur schwer ins Himmelreich kommen wird, eher geht ein Kamel durchs Nadelöhr; gerade eben hatte er gesagt, daß den Kindern das Himmelreich gehört – und nun das: Was haben wir davon? Gerade Petrus wird im Matthäusevangelium manchmal so hinreißend naiv gezeichnet, er scheint gar nicht mitbekommen zu haben, was Jesus gerade sagte. Petrus, extra für euch werden am Ende, bei der Wiedergeburt, zwölf Throne aufgestellt, und ihr werdet die zwölf Stämme Israels richten. Beinahe sehe ich das Glitzern in Jesu Augen und das Lächeln in seinem Gesicht: Auch für Dich wird es dann einen Platz geben.

Dann fährt er ernster fort: Wer um meines Namens willen alles verlässt – Mutter, Vater, Kinder, Brüder und Schwestern, Häuser und Äcker – der wird alles hundertfach wieder bekommen und das ewige Leben dazu.

Vom Reich Gottes kann man nur im Gleichnis erzählen. Jesus hat es jedenfalls nie anders getan. Sobald ich versuche, „theoretisch“ darüber nachzudenken, bekomme ich große Schwierigkeiten. Denn – wie wird das Heil aussehen, das Ende, das wir uns erhoffen? Worin besteht – der „Lohn“? Was werden wir davon haben, dass wir Christen sind? Wie ist es denn mit dem Reich Gottes?

Jesus erzählt den Jüngern eine Geschichte, ein Gleichnis: von dem Hausherrn, der zur Ernte Tagelöhner in seinen Weinberg schickt, mehr und mehr den ganzen Tag lang, und am Ende allen das gleiche bezahlt. Die nur eine Stunde gearbeitet haben, bekommen das gleiche wie die anderen, die den ganzen Tag geschwitzt und geackert haben und die den Silbergroschen bekommen, wie es verabredet war. Unglaublich! Unfair! Ungerecht! Natürlich beschweren sich die und protestieren. Aber der Hausherr sagt: „Ich will diesem letzten dasselbe geben wie dir. Darf ich nicht tun, was ich will, mit meinem Geld? Bist du mir böse, weil ich gütig bin?“

„Jesus, was hast du gemeint? Worauf kommt es in dieser Geschichte an?“ höre ich die Jünger weiter fragen. „Es gibt nur einen Himmel, alle kriegen am Ende dasselbe, den selben Lohn, die gleiche Belohnung, meinst du das?“

Zuerst einmal will ich das sagen: Es geht nicht nur um das, was am Ende dabei herauskommt. Es geht nicht nur um die Belohnung. Am Anfang steht in dem Gleichnis der Hausherr, der sich um seinen Weinberg sorgt. Ihr wisst, dass in der Schrift der Weinberg für Israel steht, für das Volk Gottes. So, wie der Hausherr sich um seinen Weinberg kümmert, so sorgt Gott für sein Volk. Er meint es gut mit den Menschen. Sein Segen beginnt mit dieser Fürsorge. Das sollt ihr vorweg wissen.

Der Hausherr geht auf den Marktplatz und stellt Arbeiter ein. Früh am Morgen stehen sie schon da und hoffen. Denn wenn sie keine Arbeit finden, bedeutet das Hunger und Not für sie und ihre Familie. Wie der Tag vergeht, wächst die Angst. Eingestellt zu werden, schon allein das macht sie zu Gewinnern. Ein Silbergroschen ist der übliche Lohn für einen Tag harte Arbeit. Sie werden schuften und schwitzen. Aber sie bekommen ihre Familie satt.

Gott will, dass Menschen ganz für ihn da sind. Er will sie haben als Zeugen seiner Güte. Er will sie haben als Boten seines Friedens. Er will sie haben als Prediger der guten Botschaft und als Diener der Freude. Christ sein heißt mitarbeiten im Weinberg Gottes. Und schon, dabei zu sein, berufen zu sein zu dieser Arbeit – ist Heil und Segen. Denn das ewige Leben beginnt doch nicht erst im Himmel. Das Reich Gottes ist doch schon mitten unter euch!

„Ja“, sagt Petrus, „aber die Ungerechtigkeit in deiner Geschichte bleibt doch. Der eine ist von Anfang an dabei, der andere erst kurz vor Schluss. Der eine arbeitet nur eine Stunde in der Abenddämmerung, der andere in der Mittagshitze. Und am Ende bekommen alle den gleichen Lohn…“

Auch unter den Christen fällt dem einen seine Aufgabe schwerer als dem anderen. Der eine lebt zu Zeiten der Verfolgung, der andere empfängt Ehre und Ansehen wegen seines Dienstes. Der eine hat Not und Kummer und muß kämpfen um seinen Glauben, der andere hat Gesundheit und Wohlstand und kann glauben, er stehe im Segen Gottes.

Hat irgendeiner von ihnen damit den Himmel mehr verdient als ein anderer? Hat darum irgendeiner von ihnen einen Anspruch auf das Heil? Könnte einer von ihnen vor Gericht ziehen und einklagen, was ihm zusteht? Keiner kommt zu kurz. Es wird doch im Grunde allen geschenkt.

Das ist es, worauf es in meiner Geschichte ankommt: Gerechtigkeit und Recht sind auf der Seite Gottes. Die Menschen haben keinen Anspruch darauf. Sie haben mitgearbeitet – aber nur eine Stunde vor Einbruch der Nacht. Alles, was sie zum Leben brauchen – und noch viel mehr, was sie zum ewigen Leben brauchen, ist Geschenk, Gnade und Barmherzigkeit.

Bist du mir böse, weil ich gütig bin? Ich will diesem Letzten dasselbe geben wie dir. sagt der Hausherr. Zuletzt kommt es auf den Willen Gottes an. Was Menschen sich unter Gerechtigkeit vorstellen, wird zurückstehen hinter dem, was Gott will… Denn das ist das Heil, und es ist das Reich Gottes…

Ob die Jünger jetzt verstanden haben? Sofort nach diesem Gleichnis folgt im Matthäusevangelium die dritte und letzte Leidensankündigung. Jesus spricht von seinem nahen Tod, von Spott und Folter, von Kreuzigung. Aber am dritten Tag wird er auferstehen. Sein Reich ist nicht von dieser Welt. Die Jünger hören es nicht. Die nächste Frage handelt schon wieder davon, wer denn im Himmel auf dem Thron neben Jesus sitzen wird.

Mit Landkarten spielen…

Das macht Spaß!

Die ZeitOnline hat das Ergebnis einer Fleißarbeit ins Internet gestellt. Man kann in einem interaktiven Applet einen Suchbegriff eingeben und bekommt dann angezeigt, wo überall in Deutschland es Straßennamen gibt, in denen dieser Suchbegriff vorkommt.

Interessante Einblicke in unterschiedliche „Kulturen“ in Nord und Süd, in Ost und West sind so möglich.

Und auch Folgendes: Es gibt über fünftausend „Hornstraßen“ in Deutschland; über 1500 Straßen mit „Richard“ im Namen (die meisten mit Richard Wagner), und es gibt genau EINE „Richard-Horn-Straße“ in Halle an der Saale.