Meine Kirche im Internet…

In Hamburg trifft sich heute eine Gruppe von kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, von Pfarrerinnen und Pfarrern zu einer offenen Diskussionsrunde um das Thema “Kirche digital” und “Kirche in den neuen Medien”. Die Organisationsform – jede und jeder kann einen Vortrag, eine Präsentation oder etwas anderes beitragen und erhält dafür ein offenes Forum – nennt sich “Barcamp”. Die Adresse, unter der man das Ganze unter Twitter findet, heißt darum #bcnordkirche

Auch in meinem Kirchenkreis Berlin-Neukölln wird intensiv über den “Auftritt” der Kirche im Internet nachgedacht. Es gibt natürlich eine professionelle Webseite des Kirchenkreises, die unter der Content-Management-Software “churchdesk” läuft – die funktioniert im Grunde ganz ähnlich wie WordPress, aber es gibt außerdem noch die Möglichkeit, über Kalender, Arbeitsgruppen und Ressourcenverwaltung die Zusammenarbeit in den Gemeinden und im Kirchenkreis zu organisieren… (Soweit ich weiß, nutzt das aber keiner so wirklich, denn dazu müssten Haupt- und Ehrenamtliche wirklich alle Veranstaltungen und Verabredungen regelmäßig in das System eingeben; und obwohl viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ziemlich computeraffin sind, macht das im Alltag wohl niemand.) Immerhin sind so Gottesdienste, Konzerte, Vorträge und Lesungen in der Regel im Internet abrufbar. Interaktiv passiert da aber relativ wenig. Man kann nichts kommentieren oder “liken”, nichts bewerten oder empfehlen… Dazu muss man dann zu dem Auftritt des Kirchenkreises bei Facebook springen…

Außerdem hat jede Kirchengemeinde dort beim Kirchenkreis eine “Visitenkarte” mit den wichtigsten Informationen, von der dann auf die Webseiten der jeweiligen Gemeinde verlinkt wird. Die Gemeindeseiten sind fast alle ebenfalls unter “churchdesk”, was dazu führt, dass sie alle sehr ähnlich aussehen – das finde ich schade und ein bisschen langweilig. Der Vorteil ist, dass sie professionell gestaltet wirken, auch auf dem Handy funktionieren, und für die Verantwortlichen einfach zu betreuen sind – die wichtigsten Informationen werden nämlich automatisch vom System des Kirchenkreises übernommen und können hier erweitert und ergänzt werden. Interaktiv und Multimedial ist da aber auch wenig möglich. Es ist unter anderem der “Datenschutz”, der überall beachtet werden muss, der viele hemdsärmelige Initiativen ausbremst – wenn zum Beispiel ein Mitarbeiter der Jugendarbeit intensiv Whatsapp nutzt und ihm dann vom Pfarrer ein Riegel vorgeschoben wird (und vorgeschoben werden muss), weil der Server dieser Firma nicht in Deutschland steht.

Seit Kurzem gibt es den oben schon erwähnten Auftritt des Kirchenkreises bei Facebook, dort gibt es kurzfristig die neuesten und aktuellen Informationen in die “Timeline” – ganz praktisch, wenn man so vergesslich ist wie ich und in den Kalender bei churchdesk nur sporadisch reinschaut.

Und sogar bei Youtube gibt es jetzt wöchentlich ein Video, das vor allem zeigt, wie ein Pfarrer und eine Mitarbeiterin aus der Jugendarbeit miteinander über ein aktuelles Thema diskutieren…

Ich weiß nicht, wie viele Menschen von diesen Bemühungen, “die Leute da abzuholen, wo sie sind”, angelockt werden. Die Zugriffszeiten auf meiner Gemeindewebseite sind sehr überschaubar, um nicht zu sagen, im einstelligen Bereich. Mehr als sechs oder sieben Zugriffe am Tag gibt es da nicht, und zwei- oder dreimal davon bin ich es nur selbst…

Bei mir “draußen auf dem Land” hat zwar inzwischen fast jeder einen Computer am Internet, aber die Leute gucken damit Nachrichten, chatten mit ihrer Familie oder bestellen Krimskrams bei Amazon. Für den Kontakt zur Kirchengemeinde ist nach wie vor das Gemeindeblatt das wichtigste Medium – und wehe, das ist nicht rechtzeitig zum Monatsanfang fertig…

Was digitale Kirche und Vernetzung mit den neuen Medien angeht, haben wir noch viel zu lernen…

Ein Gedanke zu “Meine Kirche im Internet…

  1. Hast Du Dich mal dafür interessiert, wie z.B. amerikanische Kirchen das Internet für sich nutzen? Die haben natürlich sowieso weniger Probleme eine aktive Gemeinde quer durch alle Altersgruppen an sich zu binden. Ich glaube, das hat viel mit dem in den USA wesentlich schlechteren bis kaum existenten sozialen Netz zu tun. Dort ist die Gemeinde auch ein Stück Sozialversicherung.

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