Invasion in Selchow….

Morgen beginnt auf dem Flughafen in Schönefeld die Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung. Vier Tage lang wird am westlichen Ende des Flughafengeländes neuestes militärisches Equipment präsentiert, experimentelle Flugkörper aller Art, auch ein bisschen Flugstunts in Hubschraubern, Düsenjets und auch mit traditionellen Kunstflugmaschinen. Raumfahrt-Ausrüstung wird nur wenig gezeigt, in einer der Messehallen kann man Teile von verschiedenen Raumsonden und vom Marsrover sehen, aber sie sehen eigentlich genau so aus wie ein auseinander gebauter Computer, jedenfalls kann ein Laie wie ich nur diverse Platinen mit jeder Menge Chips und Sensoren erkennen, dazu jede Menge Aluminium und anderes Metallisches, das die empfindlichen Schaltkreise vor harter kosmischer Strahlung schützen soll.

Über „meinen“ Dörfern wird es in dieser Zeit sehr laut werden, denn die ganzen fliegenden Dinge, die an den Zuschauertribünen vorbei fliegen, müssen im Umland des Flughafens wenden und wieder auf Höhe steigen für den nächsten Überflug…

Überhaupt herrscht zur Zeit Ausnahmezustand in Selchow. Es wurde eigens eine Ortsumfahrung eingerichtet und eine extra Abfahrt von der Bundesstraße markiert, damit die erwarteten zehntausend Besucher zu einem der großen Parkplätze fahren können. Der Ort selbst ist Sperrgebiet, wohl aus Sicherheitsgründen, und kann nur mit Sondergenehmigung befahren werden. Ich habe eine solche Sondergenehmigung bekommen, damit ich überhaupt zu meinem Arbeitsplatz im Pfarrhaus kommen kann – sonst müsste ich auch auch auf dem Besucherparkplatz stehen und dann zwei Kilometer in den Ort laufen.

Die Selchow kennen das schon und bleiben größtenteils cool. Aber sie werden – wie ich – drei Kreuze in den Kalender machen, wenn am Montag der ganze Rummel wieder vorbei ist…

Österlicher Zweifel

Zur Taufe gehört das Glaubensbekenntnis. Gemeinsam haben wir gesprochen, was uns miteinander verbindet, hier in der Kirchengemeinde und mit der Gemeinschaft aller Christinnen und Christen der Welt, gemeinsam haben wir bekannt, was uns erst zu Christenmenschen macht, zu solchen, die ihr Vertrauen auf Gott setzen und von ihm Trost und Hilfe im Leben und im Sterben erwarten. Für jeden von uns erhoffen wir das – und auch für ***, den wir heute getauft haben in der Zuversicht, dass er auch einmal diese Worte für sich entdeckt und seinen eigenen Glauben, seine eigene Hoffnung und seine eigene Liebe zu Gott in ihnen wieder findet.

Obwohl wir wissen, dass jeder von uns diese Worte mit anderen Inhalten füllt, mit seinen eigenen Gedanken färbt, mit der Melodie seiner eigenen Ideen klingen lässt – wir haben uns auf diese Worte geeinigt und spüren, wie sie als Symbol unserer Einigkeit taugen, wie sie unserem gemeinsamen Glauben die Sprache geben, wie sie uns aus dem ratlosen Schweigen heraus helfen, das uns nur zu leicht befällt, wenn jemand uns nach Gott fragt und etwas über die Dinge wissen will, die unserem Leben Sinn und Richtung und Ziel geben.

Auch mit der Hilfe unserer kirchlichen Tradition, auch mit den Worten unserer Mütter und Väter ist es nämlich oft genug unglaublich schwer, wirklich aus dem zu leben, was wir gemeinsam bekennen. Die kräftigen Worte allein helfen nicht weiter, wenn unser Herz nicht mitschwingt, wenn wir zwar mit mitreißenden Melodien vom Sieg des Lebens singen und doch im Innersten uns fürchten, dass unser Mut vielleicht nicht ausreicht, unser Glaube möglicherweise zu schwach ist und unsere Treue wie Glas zerbricht, sobald sie auf die Probe gestellt wird, in der Nacht, bevor der Hahn kräht…

Mit einer Art Ehrfurcht blicken wir auf jene, die ihr fester Glaube zu Vorbildern der Christenheit gemacht hat, wenn nicht zu Heiligen: auf Dietrich Bonhoeffer, der vor siebzig Jahren für seine Überzeugungen in den Tod gegangen ist, auf Menschen wie Albert Schweitzer, die ihr Leben der tätigen Nächstenliebe gewidmet haben, auf Menschen wie Papst Franziskus, an denen wir ernsthafte, tief empfundene Frömmigkeit bewundern – sind wir ihnen gegenüber nicht wie neugeborene Kinder, die noch nicht einmal die ersten Schritte aus eigener Kraft tun können?

Wiegt mein Glaube nicht noch weniger als das sprichwörtliche Senfkorn, wenn er scheinbar so folgenlos bleibt, dass mich nicht einmal jemand nach meinen christlichen Überzeugungen fragt?

Glauben und Sehen

Manchmal frage ich mich: Wenn ich in den Jahren gelebt hätte, in der Jesus noch unter den Menschen war, wenn ich das Wunder der Auferstehung selbst miterlebt hätte – würde es mir dann leichter fallen, an Gott zu glauben?

Die Evangelisten schreiben in ihren Berichten von Ostern, dass die Frauen, die vom Grab her kamen und den Jüngern begeistert erzählten, was der Engel ihnen gesagt hatte, keinen Glauben fanden. Sogar sie, die ihn jahrelang aus nächster Nähe erlebt haben, die seine Worte, seine Predigt selbst gehört haben und die mit eigenen Augen seine Wunder gesehen haben – sie konnten es nicht glauben, das er auferstanden sei, wie er gesagt hat.

Ein typisches, aber nicht das einzige Beispiel ist Thomas, der Jünger, der nicht bei den anderen war, als Jesus ihnen zum ersten Mal nach seiner Auferstehung erschien. Obwohl ihm alle anderen Jünger von ihrem einzigartigen Erlebnis berichteten, sagte er: „Wenn ich nicht selbst meine Hände in seine Wundmale legen kann und mit meinen eigenen Fingern die Wunde in seiner Seite fühlen kann, kann ichs nicht glauben.“

Maria Magdalena hielt ihn, den Auferstandenen, zuerst für den Gärtner. Die Jünger auf dem Weg nach Emmaus erkannten ihn erst nach Stunden, als er mit ihnen das Brot brach. Und auch als Jesus bei seinem Abschied die Mission in aller Welt anvertraute, als er sie für alle Völker der Welt zu Zeugen des Glaubens machte, heißt es im Matthäusevangelium „Etliche aber zweifelten…“

Das Sehen allein scheint nicht genug zu sein, um den Glauben zu wecken. Sie waren dabei, sie haben es selbst miterlebt – und zweifelten dennoch.

Glauben und nicht Sehen

„Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“ sagt Jesus, als Thomas sein Glaubensbekenntnis hinaus gestottert hatte, und meint damit nicht zuletzt uns. Wir sehnen uns danach, etwas zu haben, das unserem Glauben aufhilft, eine Erfahrung der Nähe Gottes, ein Zeichen, ein Wunder, eine Berührung, einen Hauch des Heiligen Geists – aber Jesus sagt: Freuen dürfen sich die, selig und fröhlich sind die, die nichts vor ihren Augen haben, glücklich dürfen die sein, die nichts Geifbares erfahren haben – und die dennoch glauben, sich trotzdem auf Gott verlassen, die trotzdem wissen, dass er an ihrer Seite ist, treu in guten wie in schweren Zeiten, und sie begleitet, behütet, hebt und trägt, auch wenn sie nichts davon spüren…

Glauben und Zweifeln

Ich denke, dass Glauben und Zweifeln zusammen gehören; ja, dass Glaube gar nicht echt sein kann ohne Zweifel. Glaube entsteht erst da, wo das Vertrauen auf die Probe gestellt wird.

Thomas sucht nicht die hellen Augen des Auferstandenen, nicht seinen lebendigen Atem, nicht seine liebevolle Umarmung: Er sucht seine Wunden, seine Verletzungen, die Zeichen seines Leidens und Sterbens. Er sucht die Zeichen der Gewalt, die man ihm angetan hat. Er sucht die Zeichen seines Leidens. Weil sie an ihm immer noch sichtbar sind, weil er sie immer noch an ihm fühlen kann mit seinen Fingern, darum glaubt Thomas. Ein auferstandener Christus, dem er seine Leidensgeschichte nicht mehr abspüren könnte, der hätte keinen Glauben in Thomas geweckt.

Österlich Leben – dazu gehört Glauben und Zweifeln. Das ist der Auftrag Gottes, der Auftrag des Auferstandenen an seine Gemeinde. Im Dulden und Leiden auf Ostern hin, im Jubeln und voll Dankbarkeit von Ostern her.

Über mein emotionales Verhältnis zu Büromaschinen…

Heute ist mir einmal wieder aufgefallen, wie sehr die Materialien, die mich umgeben, meinen Arbeitsstil prägen.

Ganz am Anfang meiner „Karriere“ als Pfarrer habe ich meine Predigten noch mit Kugelschreiber auf einen Block mit kariertem Papier geschrieben, später dann mit einer alten elektrischen Schreibmaschine, die mir ein Mitstudent geschenkt hat, weil er sie nicht mehr brauchte. Da ich am Ende nicht alles noch einmal ins „Reine“ schreiben wollte, habe ich von Anfang an versucht, meine Gedanken zu ordnen, die Beispiele und Argumente in die richtige Reihenfolge zu bringen und dann möglichst sofort die richtigen Worte zu finden, die ich auch auf der Kanzel gesprochen habe.

Später hatte ich dann ein einfaches Schreibprogramm auf meinem Atari ST – Computer, das mich einfach so drauf los schreiben ließ; ich konnte ja später noch nach Herzenslust einzelne Teile ergänzen, abändern, löschen oder umstellen. Beim Predigt-Machen hatte ich das Gefühl, die Teile meiner Ansprache sozusagen in die „Erdumlaufbahn“ zu bringen und sie dann im Orbit in der Schwerelosigkeit zusammen zu basteln, dass eine bewohnbare Raumstation daraus wird, in der man sich zuhause fühlen kann.

Ausgedruckt habe ich das ganze erst am Samstag abend, denn mit dem nervig lauten Neunnadeldrucker dauerte es mehr als eine Viertelstunde, die vier bis fünf Seiten Text einigermaßen leserlich auf Papier zu bringen. In dieser Zeit bin ich immer in die Küche geflohen, um mir dort Kaffee zu machen oder ein kaltes Bier zu trinken, je nach Jahreszeit und Laune.

Jetzt schreibe ich unter einem „Publishing-System“, kann meine Predigten dreispaltig ausdrucken oder als Mind-Map, Schlagworte farbig hervorheben und das Ganze gleichzeitig für die Darstellung im Browser optimieren. Wenn ich wollte, könnte ich sie einfach in den Computer diktieren und ein Spracherkennungsmodul würde den Text erfassen. Dieses Modul ist gar nicht mal schlecht Komma nur die Satzzeichen erkennt es nie richtig Punkt

Ich drucke dann alles am Sonntag vormittag aus, während ich mir die Jacke anziehe, weil die bedruckten Seiten jetzt so schnell aus dem Drucker flutschen wie früher aus dem Kopierer. Zwölf Seiten, farbig und beidseitig bedruckt, in einer Minute!

Es sieht jetzt alles perfekt aus, ich bin mir nur nicht sicher, ob meine Predigten besser geworden sind.

Auch in meiner Freizeit hat sich das Verhältnis zu meinem Rechner verändert. Wenn ich zum Beispiel Schach spiele gegen den Grübelkasten: Mein erster Schachcomputer hat mich zwar auch schon immer besiegt, aber ich hab wenigstens gemerkt, dass er sich Mühe geben musste. Minutenlang hat der kleine Kasten mit LCDs und LEDs geblinkt und dabei leise vor sich hin gesummt, dann machte es PIEP und der nächste Zug wurde angezeigt.

Heute gebe ich meinen Zug in das Schachprogramm ein und schon nach zehn Sekunden wird mit einem trockenen TOCK! der Antwortzug auf dem Bildschirm dargestellt. Auch wenn ich schon Minuten gegrübelt habe, – TOCK! – ist die Antwort da, kaum dass ich die Maus losgelassen habe. Und die Maschine ist unschlagbar. Damit ich wenigstens ab und an gewinne, stelle ich das Programm auf Stufe vier von zweiunddreißig möglichen Schwierigkeiten ein – und dann hab ich immer das Gefühl, dass da drin irgendein Großmeister sich tödlich langweilt und mich ab und an gewinnen lässt…

Und das ist der Grund, warum ich ab und an meinen alten Mephisto aus dem Keller hole – der gibt sich wenigstens noch Mühe.

Flughafenseelsorge

plane.jpgAls Seelsorger oder Seelsorgerin an einem Flughafen zu arbeiten, ist weit weniger dramatisch, als man zunächst denken könnte. Auch auf einem großen internationalen Flughafen gibt es einen ganz normalen Alltag. Denn die wirklich schlimmen Fälle sind zum Glück sehr selten – wenn ein Flugzeug abgestürzt ist oder plötzlich vom Radar verschwunden und die Angehörigen der Passagiere vergeblich am Empfangsterminal warten, dann sind auch Pfarrerinnen und Pfarrer und die vielen ehrenamtlichen Helfer der Flughafenseelsorge in einem absoluten Ausnahmezustand.

Die alltägliche Arbeit ist viel eher vergleichbar mit der Arbeit der Bahnhofsmission oder der Seemannsmission: Die Räume der Flughafenseelsorge sind Anlaufstelle und Ruhepunkt für Reisende, Passagiere, Familienmitglieder und Angehörige, die einen Raum für Gebet und Meditation suchen und ein offenes Ohr brauchen für Sorgen und Nöte aus allen Bereichen des Lebens – angefangen von dem Teller Nudelsuppe, der die Stimmung heben und die Lebensgeister zurück bringen kann, bis hin zum geduldigen Krisengespräch, das nötig wird, weil eine Ehe gescheitert ist oder ein Haus abgebrannt oder ein Kind gestorben. Vor allem Flüchtlinge, die gerade erst angekommen sind oder an diesem Tag noch abgeschoben werden sollen, finden bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ersten kompetenten Rat.

Aber auch für Pilotinnen und Piloten, Stewardessen und Flugbegleiter, Fluglotsen und die unzähligen anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des fliegenden und des Bodenpersonals sind die Flughafenseelsorger da – es ist ein anstrengender und herausfordernder Job, den sie tun, harte Belastung und Schichtdienst fordert die Menschen bis an ihre Grenzen und darüber hinaus. Das ist es gut, wenn man sich mal den ganzen Frust von der Seele reden, dem Ärger freien Lauf lassen kann und am Ende vielleicht mit einem Gebet oder einem guten Wort zurück in den Alltag geht.

Für den festen Mitarbeiterstamm am Flughafen und für das fliegende Personal, das oft weit von seiner Heimat entfernt übernachtet, gibt es regelmäßig Gottesdienste und Andachten. Sogar Taufen und Hochzeiten soll es in den kleinen Kapellen an den Flughäfen schon gegeben haben.

Der Alltag am Flughafen wird nie langweilig, denn er ist eine kleine Welt für sich, in der man immer den Hauch der großen, weiten Welt spüren kann und im Guten wie im Schlechten immer unmittelbar am Puls der Zeit agiert.

Die Seelsorgerinnen und Seelsorger an den Flughäfen in Deutschland tun ihren Dienst in ökumenischer Zusammenarbeit, evangelische und katholische Kirche finanzieren und organisieren diesen Dienst gemeinsam. Die Flughafenseelsorge arbeitet eng zusammen mit der Notfallseelsorge und dem Kriseninterventsionsdienst der Malteser, der Johanniter und der Feuerwehr.

Es gibt eine fundierte, anspruchsvolle Ausbildung in den Bereichen Psychologie und Theologie sowie regelmäßige Fortbildungen für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, vor allem auch für die vielen Ehrenamtlichen, ohne die dieser Dienst unmöglich wäre. Und für den Katastrophenfall wird mindestens einmal jährlich eine erschreckend realistische Übung abgehalten, an der Polizei, Feuerwehren und alle sozialen und medizinischen Dienste am Flughafen beteiligt sind. Denn wenn man sich auf einen Flugzeugabsturz oder einen terroristischen Anschlag auch niemals wirklich vorbereiten kann, ist es doch gut, einmal und immer wieder zu testen, ob sich die ausgearbeiteten Pläne und die sorgsam eingeübten Routinen im Ernstfall bewähren können.

Wenn jemand von meinen Mitlesenden Interesse haben sollte, in diesem Arbeitsbereich mitzutun, reicht eine kurze Mitteilung an mich, und ich werde gern den nötigen Kontakt vermitteln.

Tage voller Leben… Die Internationale Luftfahrt-Ausstellung in Schönefeld

Ende April ist in dem kleinen Örtchen Selchow, wo ich Pfarrer bin, wieder die Internationale Luft- und Raumfahrt – Ausstellung. Der kleine Ort hat die Ehre, Austragungsstätte dieser weltweit beachteten Technologiemesse zu sein, weil er direkt am „Hinterausgang“ des Flughafens Berlin-Schönefeld BER liegt. Ja, eben der DER Flughafen, der seit beinahe einem Jahrzehnt nicht fertig wird. Einen Teil der Hangars und des Rollfeldes hat die Messe Berlin gemietet und lädt dort nun zur ILA ein.

Ein paar Tage lang wird Selchow also voller Besucher sein, die da parken, nach dem Weg fragen, in Strömen durch die Dorfstraßen laufen und am Ende erschöpft in der Cocktailbar 45überNull landen werden.

Aus Sicherheitsgründen kommt man in Teilbereiche des Ortes nur zu Fuß oder mit einer Passierschein-Karte, die heute im Gemeinschaftshaus in Selchow abgeholt werden konnte, damit die Bewohner des Ortes vor ihrem eigenen Haus parken können. Obwohl ich nicht in Selchow wohne, habe ich als Pfarrer des Ortes, mithin aus dienstlichen Gründen, auch so eine Park-Karte bekommen.

Auf der Rollbahn wird wieder jede Menge militärisches Gerät herumstehen, vom Rettungshubschrauber und der ferngelenkten Kampfdrohne bis hin zum größten Transportflugzeug der Welt. Von der Startbahn werden Düsenjets und Senkrechtstarter abheben und mit Motorengebrüll über „meine kleinen Dörfer“ fliegen, Kunstflugpiloten in Hubschraubern oder Doppeldeckern werden starten und Loopings, Pirouetten und andere Figuren zeigen, und die größten Flugzeuge werden wenigstens einmal am Tag zu Demonstrationszwecken starten und über dem Süden Berlins ein paar Kreise ziehen.

Die Reaktion der Leute im Dorf ist unterschiedlich: Manche packen ihre Siebensachen und fahren zu den Kindern und Enkelkindern irgendwo in Brandenburg, möglichst weit weg. Andere freuen sich, dass „endlich einmal was los ist“; und wenn sie denn die begehrten Freikarten ergattern konnten, schauen sie sich das Treiben mit ihrem staunenden Nachwuchs aus der Nähe an. Wenn man mittendrin dabei ist, nervt der Fluglärm viel weniger.

Und was mach ich? Ich war letztes Mal auch dabei, aber die Militärtechnik interessiert mich nicht so wirklich. Spannend fand ich, Originalteile des Marsrovers und von verschiedenen Raumsonden ansehen zu können; aber – einmal reicht. So spektakulär sind diese Metallstücke auch wieder nicht.

Ich hatte die Idee, herumzulaufen und ein paar Leute ins Gespräch zu verwickeln, „Werbung“ für die Kirche zu machen – aber erstens haben die Leute es morgens meistens eilig, um rechtzeitig in die lange Schlange am Eingang zu kommen, und nachmittags sind sie müde, kaputt und überreizt, wenn sie nach stundenlangem Gucken wieder zu ihrem Auto gehen. Zweitens sind die meisten Besucher „nicht von hier“, ich würde also am Sonntag nicht mehr Leute in der Kirche sehen, auch wenn ich bei der ILA zu „missionieren“ versuchte…

Immerhin hat die Flughafenseelsorge auch einen Stand in einer der Messehallen. Vielleicht helfe ich ja da mit…