Do they know it’s Christmas?

Weihnachten ist ein Fest, dass unter einer großen inneren Spannung steht. Es steht zwischen dem total überraschtem und erschrockenen Gebet der Hirten damals – und dem „Alle Jahre wieder…“ heute. Zwischen dem Erinnern, das kaum das Wunderbare begreifen mag – und dem beinahe gleichgültigen, in belanglosem Kitsch verendeten Herunterdudeln einer alten Geschichte, die keiner mehr ernsthaft glauben will – in der die Engel sich den Himmel mit fliegenden Rentieren und die Hirten auf dem Felde sich den Platz mit Frosty, dem Schneemann teilen müssen.

Damals kamen die Weisen Männer aus den fernen Ländern im Osten, um den neugeborenen König anzubeten, heute kommen Container voller Computerspiele und Plastikpuppen aus Korea, China und Taiwan, um unsere Kinder glücklich zu machen.

Ich habe in Wirklichkeit gar nichts gegen Geschenke, Kuchen, Tannenbaum und Lichterglanz beim Fest – aber ich finde es unerträglich, wenn darüber das ganz verloren geht, worauf es ankommt: Gott wird Mensch!

Es kann doch nicht sein, dass Gott der Menschheit begegnet und wir Menschen nicht verändert wurden dadurch? Es kann doch nicht sein, dass Gott in die Welt kommt und sie danach noch die selbe ist? Es kann doch nicht sein, dass unsere Augen den Heiland gesehen haben und danach nicht die neue Wirklichkeit sehen, die er in unserer Mitte geschaffen hat?

Mehr als die Herkunft Jesu von Gott beeindruckt heute viele Menschen, wofür er steht. Gerade Menschen, denen ihr Glaube an Gott noch wichtig ist, denen die christlichen Werte etwas bedeuten, fragen nach dem, was der Mensch Jesus in ihrer Situation tun würde, wie er sich entscheiden würde, was ihm wichtig wäre. Es beeindruckt sie, dass er sich auf die Seite der Armen und Schwachen gestellt hat, dass er zu den Kranken gegangen ist, die Hungrigen versorgt, die Verzweifelten tröstet.

In den Umfragen zur Kirchenmitgliedschaft, die seit einigen Jahrzehnten immer wieder durchgeführt werden, erkannte man jedes mal wieder, dass sowohl den Kirchenmitgliedern als auch denen, die „nur“ Interesse an Glaube und Religion haben, eines am Wichtigsten ist: dass die Kirche christliche Werte vertritt, lebt und an die kommende Generation weitergibt – Nächstenliebe, Treue und Ehrlichkeit, Verbundenheit gegenüber der Familie, Solidarität mit Armen, Kranken und Hilfsbedürftigen, Gastfreundschaft, Mäßigung und Geduld.

Viele Menschen, die in der Leitung der Kirche verantwortlich reden müssen, haben gesagt, dass man gegen Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung von Menschen in Not seine Stimme erheben muss, dass man aber auch die Sorgen der Demonstranten und Bedenkenträger ernst nehmen muss; sie befürchten doch, dass die christlichen Werte verloren gehen könnten. Ich teile diese Bedenken nicht. Im Gegenteil: Wo Kirche aus Angst heraus den christlichen Gedanken, den Wert, ja das Gebot der Nächstenliebe fallen lässt, da hat der Ungeist gesiegt; da haben die schon gewonnen, die früh den Mut verlieren, bei denen das Wort Gottes auf harten und trockenen Boden fällt.

Ich denke, Christus wäre heute in den Heimen der Asylbewerber und in den Gemeinden, in denen Flüchtlinge untergebracht und versorgt werden, Christus, wäre dort in Italien und Griechenland, wo Menschen aus dem Mittelmeer gerettet und aufgenommen werden, Christus ist in Syrien, er ist bei den Opfern des Islamischen Staates, er ist überall da, wo Menschen auf der Flucht sind vor der Perversion eines Glaubens, der Menschen Gewalt antut und den Tod bringt, und das auch noch im Namen Gottes…

Dietrich Bonhoeffer hat gesagt, dass die Kirche nur dann die Kirche Jesu Christi sein kann, wenn sie da hin geht, wo er hin gegangen ist, und tut, was er getan hat. Wo Menschen in Not sind, bedroht und vergewaltigt – da ist Christus zu finden, und da soll und muss auch Kirche zu finden sein. „Wenn die Kirche nicht dient – dient sie zu nichts.“ schrieb auch Jacques Gaillot; ein französischer Bischof der römisch-katholischen Kirche, der im vergangenen Jahr seinen achtzigsten Geburtstag gefeiert hat.

Mich hat sehr beeindruckt, wie viel in Neukölln für die Flüchtlinge getan wird: Menschen kümmern sich um Wohnung, Betreuung und Hilfe in allen Lebenslagen. Es gibt Sprachkurse, Unterstützung bei Behördengängen oder auch nur beim Einkaufen; es gibt Hilfe bei der Suche nach einer Schule für die Kinder oder einem Arzt für Kranke und Verletzte. Geht das auch bei uns? Jedes Gemeindeglied, jeder Mitmensch hier in Schönefeld und Großziethen, in Brusendorf oder Wassmannsdorf, in Selchow, Rotberg, Groß Kienitz oder Kiekebusch kann sich mit Geld- und Sachspenden oder mit freiwilliger Mitarbeit daran beteiligen.

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