Christliche Angeber

Wie schön ist es, wenn man so ab und zu richtig angeben kann! Wenn man voller Stolz auftrumpfen kann mit Dingen, die man erreicht hat, die man sich erarbeitet hat; wenn man die Bilder von seinem Haus, seinem Auto und seinem Segelboot auf den Tisch werfen kann und sich dann zufrieden zurücklehnt und die Bewunderung seiner Freunde genießt – wie schön!

Noch besser als wir Großen können das Kinder, die geben mit allem an: Wie weit sie hüpfen können, wie toll ihr Schaufelbagger ist oder wie dick ihr dicker Onkel. Sie kennen den doch? Drei Kinder unterhalten sich und hauen dabei ordentlich auf den Putz: Mein Onkel ist Pfarrer, sagt der eine, und jeder, der ihn trifft, sagt „Hochwürden“ zu ihm. – Ist ja noch gar nichts, sagt der zweite, mein Onkel ist Kardinal, und jeder, der ihn trifft, muss „Eure Eminenz“ sagen. – Da sagt der dritte: Mein Onkel wiegt dreieinhalb Zentner, und alle, die ihn sehen, sagen nur: „Mein Gott!!!“

Manche geben auch mit Dingen an, für die sie eigentlich wenig bis gar nichts können; zum Beispiel mit dem Erfolg der Fußballmannschaft, deren Fan sie sind, oder dass sie in eine adelige Familie hineingeboren worden sind, oder sie sind stolz, Deutscher bzw. Türke zu sein…

„Gerühmt muss werden.“ schreibt Paulus in seinem Brief an die Korinther, „auch wenn es nichts nützt.“ Die Korinther haben den kleinen, seh-behinderten Paulus mit anderen Predigern verglichen und meinten, dass er eine ziemlich schwache Figur abgibt. „Mit euren Superaposteln könnte ich leicht mithalten,“ schreibt Paulus, „aber nicht damit möchte ich mich rühmen. Ich will mich meiner Schwachheit rühmen, denn Gottes Kraft ist in den Schwachen mächtig…“

Auch im Römerbrief schreibt Paulus über das Rühmen. Und es ist, als ob er sich beim Schreiben dieses Briefes an das erinnert hat, was er Jahre vorher nach Korinth schrieb: „Wir rühmen uns der Hoffnung auf die zukünftige Herrlichkeit, die Gott geben wird.“ Ist das nicht seltsam und ungewöhnlich? Paulus will damit angeben, dass er später mal „in den Himmel kommt“! Und er sagt es direkt davor: Dafür kann ich eigentlich nichts, allein durch den Glauben bin ich gerecht gemacht, der Frieden mit Gott ist mir durch Jesus Christus geschenkt.

Und damit will Paulus sich rühmen, damit will er „angeben“: „Mir ist der Himmel geschenkt!“ Es ist sozusagen unser evangelisches Erbe, dass wir das glauben, schon seit Luther heißt es in der evangelischen Kirche: „allein durch Christus, allein durch den Glauben, allein durch Gnade“ werden wir gerettet, und das ist uns so vertraut und bekannt, dass vor so viel geballter Dogmatik wie im hier Römerbrief die inneren Jalousien runtergehen und die ganze Gemeinde denkt – laaangweilig! Neben der political correctness gibt es so etwas wie eine theological correctness, die uns nur fragen lässt: „Ham´ Sie´s nicht ´ne Nummer kleiner?“

Aber Paulus ist hier nicht bei den großen Worten eines theologischen Überbaus, sondern mitten in einer für ihn alltäglichen Diskussion. Immer und immer wieder will und muss er das sagen, dass er glaubt, dass die Christen nicht durch das Einhalten eines göttlichen Gesetzes, also durch ihre eigene Gerechtigkeit, Frieden mit Gott finden werden. Und er glaubt, dass Christen nicht durch eigene Weisheit und kluge Erkenntnis den Weg in die göttlichen Sphären finden. Ja, er glaubt, dass es denen, die an Christus glauben, schlicht und einfach geschenkt ist – umsonst, gratis, aus purer Gnade und Barmherzigkeit – dass sie nicht die Höllenstrafen leiden müssen, die sie eigentlich verdient hätten, sondern dass sie von Gott die „zukünftige Herrlichkeit“ bekommen, die sie nicht verdient haben. Und damit gibt Paulus an: „Ätsch, ich komm in den Himmel!“

Dass das nicht nur eine dogmatische Richtigkeit ist, wird aus dem nächsten Gedanken deutlich: „Wir rühmen uns auch unserer Bedrängnis…“

Bedrängnis – das ist, wo es eng wird in unserem Leben. Wo uns die Luft zum Atmen fehlt, wo die Möglichkeiten knapp werden und es manchmal keinen Ausweg mehr zu geben scheint. Paulus hat auf seinen Missionsreisen viel von solchen Bedrängnissen erlebt, im Korintherbrief schreibt er ausführlich davon: In Seenot ist er geraten bis hin zum Schiffbruch; er ist von aufgebrachten Gläubigen wegen seiner neuen Lehre von Christus gesteinigt worden, bis an die Grenzen seiner Kraft hat er gearbeitet, damit in den großen Städten Kleinasiens und Griechenlands christliche Gemeinden entstehen, wo er dann oft verlacht und verspottet wurde; und neben die äußere Bedrängnis stellt sich für ihn die innere, die er wegen seiner Behinderung ertragen muss.

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