Die Woche nach den Osterfesttagen

Die Karwoche und die Osterfeiertage waren für mich in diesem Jahr wieder eine sehr intensive Zeit. Für die Vorbereitung der Gottesdienste und der Predigten habe ich viel Zeit gebraucht, meine Phantasie war beinahe rund um die Uhr beschäftigt, und ich habe auch viele Predigten von anderen Pfarrerinnen und Pfarrern gelesen. Am Ende habe ich sogar von Liedern, Bibelstellen und diversen Gemeindegliedern geträumt.

Dazu kamen die schlechten Nachrichten, die mich einerseits immer wieder fragen lassen, warum Gott nichts tut, warum er das zuläßt, dass Christen in ihrer Kirche bei der Feier der Auferstehung getötet werden, warum er es zulässt, dass eine der ältesten und schönsten Kirchen abbrennt… Ich glaube zwar, dass diese Nachrichten in diesem Jahr meinen Osterjubel „geerdet“ haben, dass ich nicht nur „schöne Predigten“ gehalten habe, sondern wirklich nach tragenden und tröstenden Worten suchen musste – auch nach solchen, die mich selbst trösten konnten. Aber wirklich verstehen kann man das wohl nie.

Jetzt – nach diesen Tagen – fühlt es sich für mich an, als ob ich aus einem Urlaub zurück komme. Es fällt mir nicht leicht, mich wieder auf den Alltag einzustellen. Es ist einiges an Verwaltungskram liegengeblieben in der Woche vor Ostern, eine Taufe ist zu planen und vor allem muss ich mich jetzt ernsthaft an die Vorbereitung der Konfirmation machen, die im Juni stattfinden wird. Noch sind Osterferien in Berlin und ich habe Zeit, in Ruhe mein Büro zu sortieren und meine Gedanken einigermaßen auf die Reihe zu bringen, so dass ich wenigstens eine Zeit lang wieder „vorneweg“ bin, vorbereitet und organisiert, und nicht immer nur „reagieren“ muss auf die Anforderungen, die scheinbar so plötzlich und spontan kommen und dann sofort erledigt werden wollen…

Ihr glaubt nicht, worum man sich als Pfarrer auf mehreren kleinen Dörfern alles kümmern muss – vom Baumschnitt auf den Kirchhöfen bis zu Software für das elektronische Kirchenbuch, von Genehmigungen für Gemeindefeste auf „öffentlichem Straßenland“ bis hin zu GEMA-Gebühren für Auftritte des Gospelchores im Schulgottesdienst…

Die sommerlichen Temperaturen locken mich nach draußen, zum Glück kann ich einen Teil meiner Arbeit mit Block und Stift und meiner Bibel auf der Bank im Gemeindepark machen. Da blüht jetzt der Löwenzahn und fluschige, weiße Samen von irgendwelchen Bäumen schweben um mich herum wie Schneeflocken. Das entspannt so sehr…

Am Samstag darf ich wieder einmal in der Dorfkirche in Schöneberg feiern, wo ich vor vier Jahren weggegangen bin. Jetzt bin ich offiziell eingeladen, dort einen Gottesdienst als „Gastliturg“ mit zu gestalten. Ich freue mich sehr darauf, aber ein bisschen nervös bin ich auch. Es ist so viel Zeit vergangen und so viel geschehen, und in all den Jahren war ich nur noch ein einziges Mal in der Kirche… Es ist, als ob ich nach vielen Jahren meine „Ex“ wiedersehen werde… Ob es wohl noch „kribbelt“ zwischen uns? Und was werden wir uns zu sagen haben?

Ostermontag auf dem Friedhof

Wenn deine Angst vergessen ist,
wenn sie nicht mehr deiner Seele droht,
wenn du offen reden kannst
von dem, was dir das Leben wert ist:
Dann blühen Blumen auf den Gräbern,
leuchten die Kreuze im Licht,
dann weht der Geistwind Gottes,
wie er es will.

Wenn dich die Trägheit nicht mehr lähmt,
wenn sie nicht mehr deine Zeit auffrisst,
wenn, was du tust, zufrieden macht
weil es die Mühe wert ist:
Dann blühen Blumen auf den Gräbern,
leuchten die Kreuze im Licht,
dann weht der Geistwind Gottes,
wie er es will.

Wenn die Trauer nicht mehr auf dir lastet,
wenn sie nicht mehr allen Mut erstickt,
wenn, was du glaubst, dich fliegen lässt,
weil es der Hoffnung wert ist:
Dann blühen Blumen auf den Gräbern,
leuchten die Kreuze im Licht,
dann weht der Geistwind Gottes,
wie er es will.

Peng! – Du bist tot!

Eine Predigt über einen Hamster, den Tod und die Auferstehung. Für einen Familiengottesdienst am Oster-Sonntag.

Als ich gerade acht Jahre alt war, hatte ich einen Freund aus dem Nachbarhaus. Frank hieß er, er war noch sieben und ging in die erste Klasse. Er hatte so viele tolle Sachen; eine elektrische Autorennbahn, eine riesengroße Taschenlampe, ein Fahrrad mit einer Hupe statt einer Klingel – das war so was von cool! Und das Allerbeste war: er hatte einen echten, lebendigen Hamster!

Ich hatte dafür ganz ganz viele Lego-Steine, ein kleines Transistor-Radio und viel Phantasie; und mit Frank konnte ich prima spielen. Wir waren Außerirdische oder Piraten, russische Geheimagenten oder mutige Entdecker auf Weltreise, wenn wir draußen waren; und wenn es regnete, spielten wir stundenlang drinnen. Und wenn wir keine Lust mehr hatten auf Lego oder die Autorennbahn, dann hörten wir Radio und streichelten den Hamster.

Und dann wurde es März, und wir gingen beide als Cowboys zum Karneval an der Schule. Frank war so stolz auf seinen Revolver mit Platzpatronen, damit schoß er und rief: „Peng! Du bist tot!“ Den meisten Leuten ging er damit ziemlich schnell auf die Nerven, aber er war mein Freund, darum tat ich ihn den Gefallen, immer ganz theatralisch zu sterben. Ich war nie gut als Schauspieler, aber theatralisch sterben war meine beste Rolle. Ich griff mir an die Brust, stöhnte laut, verzerrte qualvoll das Gesicht und ließ mich dann aus einer halben Drehung heraus zu Boden sinken, wo ich dann mit ein paar letzten Zuckungen „verendete“.

Beim ersten Mal war Frank ganz entsetzt. Was war das? Er hatte seinen besten Freund erschossen? Er kam zu mir gelaufen, schüttelte mich, zog mir an den Haaren, kitzelte mich und rief besorgt: „Bitte, sei doch wieder lebig!“ Da habe ich laut gelacht, stand auf und hab mich gestreckt; nein, ich war ganz lebendig, ich war nur stolz darauf, wie toll ich da sterben konnte. Ein paar Minuten war Frank böse auf mich, weil ich ihn so erschreckt habe, aber dann waren wir wieder gute Freunde.

Solche Sorgen hat er sich auch nur beim ersten Mal gemacht. Und wir haben noch ganz oft Cowboys gespielt, und immer wenn einer von uns erschossen wurde, hat ihn der andere wieder „lebig“ gemacht – ein paar Wochen lang war das unser Geheimwort.

Ich sehe heute schon die Mütter sorgenvoll schauen: „Was denn, der Pfarrer spielt mit Kriegsspielzeug, und redet davon sogar im Familiengottesdienst?!“ Ich kann nur sagen, dass es Frank und mir richtig viel Spaß gemacht hat und dass wir trotzdem nie auch nur daran gedacht haben, an unserer Schule Amok zu laufen…

Und dann kam der Tag, an dem der Hamster starb… Ich weiß noch, wie wir beide an dem großen Käfig saßen, darin lag das kleine tote Tier, und Frank weinte und wollte sich nicht mehr beruhigen lassen. Und als er unter Tränen „Sei doch bitte wieder lebig!“ sagte, hab ich auch geweint. Diesen Hamster konnte nichts mehr lebendig machen…

Wir haben ihn am nächsten Tag im Park beerdigt, mit einer knallroten
Schuhschachtel als Sarg, und haben ein Kreuz aus zwei Stöcken darüber gestellt, wie wir es vom Friedhof kannten.

Damals haben wir beide zum ersten Mal wirklich etwas davon verstanden, was der Tod ist. Dass man etwas aus der Hand geben muss, was man liebt. Dass man nicht mehr streicheln kann. Dass man nicht mehr von zwei schwarzen Knopfaugen angeguckt wird. Und dass, was tot ist, nicht mehr „lebig“ wird.

Ein Kreuz haben wir auf das Hamster-Grab gestellt. Damals war ich noch nicht so oft in der Kirche, aber ein Kreuz gehört auf ein Grab, das wusste ich auch damals schon.

Aber warum?

Die meisten Leute denken, das Kreuz ist ein Zeichen des Todes. Weil es oft auf Gräbern steht. Weil es in den Traueranzeigen in den Zeitungen neben dem Datum steht, an dem jemand gestorben ist. Und weil Jesus an einem Kreuz gestorben ist.

Aber in der Kirche bedeutet das Kreuz etwas anderes: Es ist ein Zeichen des Lebens, des Sieges über den Tod. Weil Jesus nicht tot geblieben ist. Er ist gestorben, aber er ist auferstanden. Als die Frauen morgens zum Grab kamen, um nach Jesus zu sehen, fanden sie nur einen Engel. Der sagte: „Er ist nicht hier, er ist auferstanden. Und ihr werdet ihn wieder sehen.“ Mein Freund Frank hätte vielleicht gesagt: „Er ist wieder lebig
geworden“.

Normalerweise denken wir: Wer tot ist, der bleibt tot und wird nicht wieder lebendig. Wir sagen: „Das Leben muss weiter gehen…“ und versuchen, zu vergessen, was wir verloren haben, damit es uns nicht belastet und traurig macht.

Aber wenn Menschen an Gott glauben, haben sie die Hoffnung, dass der Tod am Ende nicht Recht behält. Dass auch wir leben werden, so wie Jesus Christus lebt. Dass wir zwar die Menschen aus der Hand geben müssen, die wir lieben, und sie nicht mehr streicheln können und sie uns nicht mehr aus hellen Augen ansehen. Dass sie aber in Gottes Hand bleiben, dass er sie weiter liebt und für sie sorgt und ihnen gibt, was sie geglaubt und erhofft haben: das ewige Leben.

Kinder wissen das oft besser als die „Großen“, die sich so gern so viele Sorgen machen. Sie finden auch dann die richtigen Worte, wenn selbst einem Pfarrer nichts mehr einfällt.

Einer Freundin ist vor ein paar Jahren der Vater gestorben. Er war Hausmeister in einer Kita, und die Kinder mochten ihn sehr. Als meine Freundin damals in der Kita zu Besuch war, sagte eins der Kinder zu ihr: „Weine nicht, dein Papa ist jetzt im Himmel. Ich glaube, Gott hat einfach einen netten Hausmeister gebraucht.“ Das hat sie getröstet.

Jesus ist tot… Warum tut die Kirche nichts dagegen?

Vor zehn Jahren – ich war damals noch Pfarrer in der Kirchengemeinde Alt-Schöneberg in Berlin – klingelte am Karfreitag eine Frau an meiner Tür. Sie war leicht betrunken und sah mich aus unsicheren Augen an.

„Wissen Sie eigentlich, dass man Jesus Christus getötet hat?“ sagt sie.

„Ja“, sage ich, ziemlich verblüfft, „ich habe davon gehört…“

Sie sagt: „Ich hab das bis her immer nur für so eine Art Märchen gehalten, für eine Geschichte, aber jetzt habe ich es gestern Abend im Fernsehen gesehen, also muss es doch stimmen.“

Mit Betrunkenen soll man sich nicht streiten, also spiele ich erst einmal mit: „Ja, ich habe gehört, dass die Reporter fürs Fernsehen normalerweise ganz zuverlässig recherchieren…“

Darauf sagt die Frau empört zu mir: „Aber wenn das stimmt, und wenn Sie es wissen, warum tut die Kirche dann nichts dagegen?!“

Mir hat das erst einmal die Sprache verschlagen, und ich habe dann die Frau nach Hause geschickt. „Schlafen sie sich erst einmal aus und kommen sie morgen wieder; dann können wir in Ruhe weiter darüber reden.“

Sie ist dann leider nie wieder gekommen; ich kannte sie auch nicht und konnte nicht nach ihr suchen. Aber ihre entrüstete Frage ist mir bis heute nicht mehr aus dem Kopf gegangen.

Jesus wurde gekreuzigt. Aber warum hat die Kirche nichts dagegen getan?

Einmal davon abgesehen, dass es die Kirche damals noch gar nicht gab, und einmal davon abgesehen, dass es sie vermutlich nie gegeben hätte, wäre Jesus nicht gekreuzigt worden – warum ist es für die Kirche, für die Christenheit wichtig, dass Jesus gestorben ist? Welches Interesse hat sie daran, dass diese Geschichte bis heute erzählt und nacherzählt, besungen, gemalt und inszeniert wird?

Im Laufe der Kirchengeschichte gab es auf diese Frage unterschiedliche Antworten. Im Hochmittelalter beispielsweise wurde der Tod Jesu als Opfertod verstanden. Gott hat Jesus, seinen Sohn, in die Welt gesandt, um sich selbst zum Opfer zu bringen. Durch seinen Gehorsam konnte er den wilden Zorn Gottes besänftigen. Durch sein Opfer konnte er das „Lösegeld“ bezahlen und die Menschen „freikaufen“ von der Strafe für ihre Sünde. Niemand sonst hätte das gekonnt, denn „was kann der Mensch geben, um seine Seele auszulösen?“ Darum musste Gott selbst Mensch werden; nur er selbst war fähig, dieses reine und heilige Opfer zu bringen.

Zur Zeit Luthers griff die entstehende evangelische Kirche auf theologische Einsichten zurück, die in der Bibel vor allem durch Paulus vertreten werden. Stellvertretend sollte Jesus die Sünde der Menschen tragen. Denn der Mensch war nach dem Sündenfall Adams verdorben, er konnte gar nicht mehr richtig und gerecht handeln. Sich gegen Gott zu wehren, sich selbst an die Stelle Gottes zu stellen, das entsprach einfach seiner jetzt verdorbenen Natur. Daraus musste er erlöst werden.

Der Tod und die Auferstehung Jesu ist ein Glaubensgeheimnis. Durch die Taufe werden Christen mit hinein genommen in den Tod Jesu. Der „alte Adam“ stirbt mit Christus, geht in der Taufe unter. So werden Christen durch den Glauben ein Teil des Leibes Christi; sie werden „neu geboren“ und ziehen so eine neue, andere Natur an, die sie nicht mehr an die Sünde fesselt. Als „Kinder des Lichts“ sind sie aufgefordert, ihrer neuen Natur entsprechend zu leben. Wenn sie aber in die alten Muster zurückfallen und wieder sündigen, dürfen sie durch die Gnade Gottes „zurück kriechen“ in ihre Taufe. Denn Gott weiß: Wir sind Sünder und Gerechte zugleich – Sünder von unserem menschlichen Wesen her, gerecht gemacht durch die Gnade und Barmherzigkeit Gottes.

Heute erscheint mir der Gedanke am wirksamsten und wichtigsten, dass Gott durch Jesus beweist, dass er die Beziehung zu den Menschen nicht aufgeben will. Trotz aller Schuld, vor aller Leistung wendet er sich den Menschen zu. Er will das Leben für uns, in umfassenden Sinn. Er will uns seine Liebe zeigen. In allem, was Jesus Christus tat, erkennen wir Zeichen der Liebe Gottes – vor allem aber, letztlich und unüberbietbar, in seinem Tod am Kreuz.

Selbst und vor allem durch den Tod kommt das Leben in die Welt. „Wenn das Samenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allen – wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht“ Das Leiden und Sterben Jesu zeigt uns, dass ihm „nichts Menschliches fremd“ war – er kennt Schwachheit und Ausgeliefertsein, er litt unter der Versuchung, seine Macht zu missbrauchen, er kennt Schmerzen und Tod. Gott ist nicht zuerst der Ewige, Unnahbare, Ganz-Andere. Er hat sich uns gleich gemacht, bis dahin, dass er seine Gottgleichheit aufgegeben hat. Bis in den Tod am Kreuz, wo er rief: „Mein Gott, warum hast du mich verlassen!“…

Die Liebe Gottes hat ihn gezogen, sich uns in allem gleich zu machen, ein Mensch zu werden und sich als Mensch erkennen zu lassen. Göttliche Macht und Kraft war in ihm verborgen bis zur Unkenntlichkeit. So ging er in den Tod.

Wenn wir als Christinnen und Christen die Nähe Gottes suchen, wenn wir als Kirchengemeinde auf den Spuren Jesu gehen wollen, müssen wir so handeln, wie er gehandelt hat, die Nähe der Menschen suchen, die er gesucht hat. Heilig sind dann gerade nicht die, die sich von allem „Sündigen“ fern halten, sondern die, die zu den Armen, Schwachen, Suchenden und Gott Fernen gehen, denn Christus sagt: „Die Gesunden brauchen den Arzt nicht.“

Ostern wird es da, wo das Leben neu ans Licht kommt – in den Kirchen wie in Gefängnissen, Schulen, Obdachlosen- und Flüchtlingsheimen, in Krankenhäusern und Hospizen, an den Orten, an denen wir arbeiten und in den Häusern, in denen wir wohnen. Im Himmel wie auf Erden.

Wer feiert schon mit Brot?

Es ist ein heiliges Geheimnis.
Nicht für den Verstand gemacht,
das man es begreifen könnte,
verstehen und erklären
mit den Begriffen der Philosophie
oder der Soziologie
oder der vergleichenden Religionswissenschaft.

Es gibt keine Worte, die überzeugen,
keine Schautafeln oder Diagramme,
die jemanden überzeugen könnten,
der daran zweifelt.

Es ist ein heiliges Geheimnis.
Auch das Gefühl greift zu kurz,
bei denen, die es erleben,
denn eigentlich ist da nichts.

Nur Brot.
Nur Wein.
Nur das Wort.

Nichts, was die Phantasie weckt
oder die Geschmacksnerven kitzelt.
Nichts, was Anlass wäre, zu vertrauen,
dass da mehr ist, was hoffen läßt
dass Gott da ganz nah ist..

Der Herr Jesus,
in der Nacht,
da er verraten ward,
nahm er das Brot…


Um Brot ging es am Anfang.
Grundnahrungsmittel.
Einfach, aber lebensnotwendig.
Gewöhnlich, und doch kostbar.
Erst, wenn es fehlt,
spürt man, wie sehr man es braucht.

Aber wenn es Grund zum Feiern gibt,
isst man kein Brot.
Dann ist Zeit für Kaffee und Torte,
für Donauwellen und Käsekuchen
für Sachertorte und Schwarzwälder Kirsch.

Dann ist Zeit für Hirschbraten mit Speck,
für Rehrücken oder Hasenpfeffer,
wenigstens aber Kassler mit Sauerkraut
oder Würstchen und Kartoffelsalat.

Wer feiert schon – mit Brot?

Jesus
dankte
und brach’s
und gab’s seinen Jüngern
und sprach:
Nehmt,
esst;
das ist mein Leib,
der für euch gegeben wird.
Tut das in Erinnerung
an mich.


Jesus nimmt das Brot.
Grundnahrungsmittel.
Einfach, gewöhnlich,
lebensnotwendig.

Und er dankt dafür.
Weil es nicht selbstverständlich ist.

Das ist mein Leib,
für euch gegeben.
Einfach, gewöhnlich,
lebensnotwendig.

Mit dem Brot gibt er sich.
Und sie teilen das Brot,
teilen IHN auf unter sich.
Werden eins,
ein Leib.
Sein Leib.

Gebrochen wie ein Brot.
In Stücke gerissen
vom Hunger der Menschen.
Verschlungen von denen
die in Not sind.
Die im Dunklen wohnen.
Die keinen Hirten haben.
Die zerstreut sind wie die Schafe.

Jesus kennt ihre Not,
ihre Dunkelheiten,
ihre Einsamkeit,
ihren Hunger.

Dafür gibt er sich hin.
Um den Hunger zu stillen.
Den Hunger nach Gott
und den Hunger nach Brot.


Ebenso nahm er
auch den Kelch
nach dem Mahl

Wein.
Etwas anderes hatte man damals nicht.
Alles andere verdarb zu schnell.
Mit Wasser vermischt,
war er erfrischend und wohltuend.
Löschte den Durst.
Wein erfreut das Herz des Menschen.

Mit Wein kann man leben.
Mit Wein kann man feiern.

Im richtigen Maß macht er fröhlich,
verbindet und vereint.
Wein ist Gastfreundschaft.
Wein ist Zeichen der Symphatie.
Verträge und Verabredungen
werden mit einem Glas Wein besiegelt.

Zuviel nimmt dem Menschen die Kontrolle.
Zuviel macht betrunken,
lässt den Menschen taumeln,
wanken und stürzen.
Zuviel trennt einen Menschen vom anderen.

Jesus dankte
und gab ihnen den
und sprach:
Nehmt
und trinket alle daraus.
Dieser Kelch
ist der neue Bund
in meinem Blut;
das für Euch vergossen wird
zur Vergebung der Sünden.


Das tut,
so oft ihr daraus trinkt,
zur Erinnerung
an mich.

Psalm 8 – Lobpreis des Schöpfers

Ein Psalm zur Ehre Gottes –
nach dem Foto des Schwarzen Loches in der Galaxie M 87

Du, unser Gott, unsere Liebe und unser Leben,
wir erkennen Dich in der Welt, die uns umgibt.

Erschüttert und staunend versuchen wir zu begreifen,
dass Du Dich uns zeigst in dem, was Du geschaffen hast.

Mit Teleskopen und Antennen erforschen wir die Tiefen des Alls;
machen uns Bilder vom Werden und Vergehen ganzer Welten.
Raumsonden und Satelliten vermessen die Erde und die Planeten.
Wir haben sie bis an den Rand des Sonnensystems gesandt.

Sie messen den Ur-Glanz, das Licht, das vor allem anderen das All füllte,
als der Raum sich weitete und die Zeit begann durch dein Wort: Es werde!
Sie finden Welten, die um andere Sterne kreisen,
sie lassen uns ahnen, wie selten und kostbar das Leben ist.

Du, unser Gott, unsere Liebe und unser Leben,
wir erkennen Dich in der Welt, die uns umgibt.

Überall sehen wir Deine Macht und Deine Weisheit am Werk,
und selbst unsere Kinder können die Wunder bestaunen, die du getan hast,
wie Du machtvolle Kräfte und gewaltige Energien
zusammen wirken lässt zu unserem Segen, zu Deiner Ehre.

Denn wir sind nur Staub auf einem Staubkorn im Universum,
nur ein Tropfen im Meer der Jahrmilliarden langen Geschichte deiner Schöpfung.
Und doch scheint all dies nötig zu sein, damit wir leben können,
der Bau der Atome und das Kreisen der Galaxien.

Du, unser Gott, unsere Liebe und unser Leben,
wir erkennen Dich in der Welt, die uns umgibt.

Warum sind wir Menschen Dir so wichtig? Warum hast Du an uns gedacht,
als Du die Atome geschmiedet hast im Feuer ferner Sterne,
als Du die Bausteine des Lebens zusammen setztest
in den kalten Wolken aus Sternenstaub?

Du hast uns ins Dasein gestellt, mit Leben erfüllt,
Du hast uns Würde und Ehre gegeben.
Nach Deinem Bild hast Du uns geschaffen,
um einander zu lieben und geliebt zu sein.

Je mehr wir von Deiner Schöpfung erkennen,
desto mehr ahnen wir Deine Weisheit und Macht.
Demütig und dankbar erforschen wir die Welt,
und finden überall Dich, Gott, unsere Liebe und unser Leben.

Du, unser Gott, unsere Liebe und unser Leben,
wir erkennen Dich in der Welt, die uns umgibt.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn
und dem Heiligen Geist
wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit
und in Ewigkeit. Amen!

Du, unser Gott, unsere Liebe und unser Leben,
wir erkennen Dich in der Welt, die uns umgibt.

Das Ende der Welt…

Mehr als zweihundert Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben zehn Jahre lang zusammen gearbeitet, haben mehrere Dutzend Radioteleskope in der ganzen Welt zusammen geschaltet und in einem extrem aufwändigen Rechenprozess ein Bild geschaffen, das in der vergangenen Woche die Welt fasziniert hat: Ein Schwarzes Loch im Zentrum der Galaxie M 87, das ungefähr 55 Millionen Lichtjahre von unserer Galaxie entfernt ist. Es soll etwa so groß sein wie unser Sonnensystem; doch trotzdem ist es eine gewaltige Leistung, es aus dieser gewaltigen Entfernung zu fotografieren: Es ist, als wollte man von der Erde aus einen Fußball auf dem Mond fotografieren.

Ganze Sterne, riesige Staub- und Gas-Wolken fallen auf dieses Loch zu und bilden dabei eine Scheibe, in der sie mit hoher Geschwindigkeit um dieses Loch kreisen. Gas, Staub und Sternen-Materie erreichen dabei fast Lichtgeschwindigkeit, und die dabei entstehende Reibungshitze lässt sie im gesamten Spektrum hell leuchten.

Sobald aber die um das Schwarze Loch kreisende Materie unter den Ereignishorizont fällt, verschwindet sie in gewissem Sinn aus unserem Universum. Allein die Schwerkraft dieser Masse wirkt noch, denn je mehr Material in das Loch fällt, desto größer und schwerer wird es.

Der Ereignishorizont ist eine fundamentale Grenze: Hier ist das Ende der Welt. Was hier hindurch fällt, kann nie wieder zurück: Die Fluchtgeschwindigkeit wäre höher als die Lichtgeschwindigkeit. Kein Material, kein Funkspruch, keine Lichtsignale können sich so weit vom Zentrum des Schwarzen Lochs entfernen, dass sie von Außen wieder sichtbar würden. Im Schwarzen Loch ist das Raumgefüge extrem stark verzerrt, so dass es nur die Richtung nach Innen gibt, auf das Zentrum zu.

Niemand weiß genau, was im Inneren eines Schwarzen Lochs geschieht. Vielleicht stürzt darin alles in einem unendlich kleinen Punkt zusammen, in der Singularität. Vielleicht ist der Punkt auch nicht unendlich klein, sondern in der Größenordnung der fundamentalen Elemente der String-Theorie oder der Planck-Länge. Die physikalische Theorie gelangt hier an ihre Grenzen und kann keine klaren, überprüfbaren Aussagen mehr machen.

Der Ereignishorizont ist eine Grenze, durch den niemals wieder etwas zurück kommt: Er ist die Grenze des Universums, das Ende der Welt.