Ostermontag auf dem Friedhof

Wenn deine Angst vergessen ist,
wenn sie nicht mehr deiner Seele droht,
wenn du offen reden kannst
von dem, was dir das Leben wert ist:
Dann blühen Blumen auf den Gräbern,
leuchten die Kreuze im Licht,
dann weht der Geistwind Gottes,
wie er es will.

Wenn dich die Trägheit nicht mehr lähmt,
wenn sie nicht mehr deine Zeit auffrisst,
wenn, was du tust, zufrieden macht
weil es die Mühe wert ist:
Dann blühen Blumen auf den Gräbern,
leuchten die Kreuze im Licht,
dann weht der Geistwind Gottes,
wie er es will.

Wenn die Trauer nicht mehr auf dir lastet,
wenn sie nicht mehr allen Mut erstickt,
wenn, was du glaubst, dich fliegen lässt,
weil es der Hoffnung wert ist:
Dann blühen Blumen auf den Gräbern,
leuchten die Kreuze im Licht,
dann weht der Geistwind Gottes,
wie er es will.

4 Gedanken zu “Ostermontag auf dem Friedhof

  1. Wie wundervoll sich das anhört – wenn nur nicht die vielen WENNS wären.
    Denn die lösen sich nicht auf, die sind nicht einfach zu vergessen.
    Können also nicht abgeharkt werden.
    Es muss ein Weg gefunden werden,
    dass die Blumen auf den Gräbern blühen,
    und die Kreuze im Licht leuchten
    und dann der Geistwind Gottes weht ,
    wie er es will.
    Auch wenn die Trauer, die Angst und die innere Lähmung noch da sind.

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    • Liebe „Anyone“…

      Mir ist das sehr deutlich, dass da viele „Wenn“s in meinem Osterpsalm sind. Du hast recht, man kann da nicht einfach so ein Häkchen dran machen und so tun, als ob nichts war. Man kann nicht einfach weiter machen und sagen: „Christus ist auferstanden, und nun ist alles wieder gut.“

      Es hat einen tiefen Grund, dass die Chistuslegenden erzählen, dass er auch nach seiner Auferstehung noch die Wunden an Händen und Füßen und in seiner Seite hat. Das Leiden bleibt ein Teil seiner Geschichte. Ich könnte gar nicht glauben, bzw. mir würde das Glauben nicht genügen, wenn Jesus nur so ein Schön-Wetter-Gott wäre. Dass er mich heilen kann, glaube ich nur, weil ich weiß, dass er selbst durch noch viel Schlimmeres gegangen ist. Und erst nach dem Winter blühen die Blumen wieder, erst nach der Nacht beginnt der Ostermorgen und das Licht fällt auf die Kreuze über den Gräbern.

      Das Leben ist wiedergekommen in eine Welt, die immer noch vom Tod umfangen ist. Aber mitten im Tod ist uns gesagt, dass das Leben siegt. Trauer, Angst, Lähmung und all das ist noch da. Aber gerade darin zeigt sich doch die Kraft Gottes, dass wir darin und damit weiter leben können, oder? Sie sind ein Teil von uns und machen uns zusammen mit Freude und Begeisterung und Leidenschaft zu den Menschen, die wir sind. Und als ganze Menschen mit dem Strahlenden und dem Dunklen in uns sind wir angenommen, geliebt und erlöst!

      Es ist wirklich doof, dass diese Worte immer so „pfarrerlich“ klingen und dann so viele Leute denken „Ja, ja, der muss ja sowas sagen, der ist doch Berufs-Christ…“ Aber es ist wirklich meine Erfahrung und etwas, das ich fest glaube.

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