Die Woche nach den Osterfesttagen

Die Karwoche und die Osterfeiertage waren für mich in diesem Jahr wieder eine sehr intensive Zeit. Für die Vorbereitung der Gottesdienste und der Predigten habe ich viel Zeit gebraucht, meine Phantasie war beinahe rund um die Uhr beschäftigt, und ich habe auch viele Predigten von anderen Pfarrerinnen und Pfarrern gelesen. Am Ende habe ich sogar von Liedern, Bibelstellen und diversen Gemeindegliedern geträumt.

Dazu kamen die schlechten Nachrichten, die mich einerseits immer wieder fragen lassen, warum Gott nichts tut, warum er das zuläßt, dass Christen in ihrer Kirche bei der Feier der Auferstehung getötet werden, warum er es zulässt, dass eine der ältesten und schönsten Kirchen abbrennt… Ich glaube zwar, dass diese Nachrichten in diesem Jahr meinen Osterjubel „geerdet“ haben, dass ich nicht nur „schöne Predigten“ gehalten habe, sondern wirklich nach tragenden und tröstenden Worten suchen musste – auch nach solchen, die mich selbst trösten konnten. Aber wirklich verstehen kann man das wohl nie.

Jetzt – nach diesen Tagen – fühlt es sich für mich an, als ob ich aus einem Urlaub zurück komme. Es fällt mir nicht leicht, mich wieder auf den Alltag einzustellen. Es ist einiges an Verwaltungskram liegengeblieben in der Woche vor Ostern, eine Taufe ist zu planen und vor allem muss ich mich jetzt ernsthaft an die Vorbereitung der Konfirmation machen, die im Juni stattfinden wird. Noch sind Osterferien in Berlin und ich habe Zeit, in Ruhe mein Büro zu sortieren und meine Gedanken einigermaßen auf die Reihe zu bringen, so dass ich wenigstens eine Zeit lang wieder „vorneweg“ bin, vorbereitet und organisiert, und nicht immer nur „reagieren“ muss auf die Anforderungen, die scheinbar so plötzlich und spontan kommen und dann sofort erledigt werden wollen…

Ihr glaubt nicht, worum man sich als Pfarrer auf mehreren kleinen Dörfern alles kümmern muss – vom Baumschnitt auf den Kirchhöfen bis zu Software für das elektronische Kirchenbuch, von Genehmigungen für Gemeindefeste auf „öffentlichem Straßenland“ bis hin zu GEMA-Gebühren für Auftritte des Gospelchores im Schulgottesdienst…

Die sommerlichen Temperaturen locken mich nach draußen, zum Glück kann ich einen Teil meiner Arbeit mit Block und Stift und meiner Bibel auf der Bank im Gemeindepark machen. Da blüht jetzt der Löwenzahn und fluschige, weiße Samen von irgendwelchen Bäumen schweben um mich herum wie Schneeflocken. Das entspannt so sehr…

Am Samstag darf ich wieder einmal in der Dorfkirche in Schöneberg feiern, wo ich vor vier Jahren weggegangen bin. Jetzt bin ich offiziell eingeladen, dort einen Gottesdienst als „Gastliturg“ mit zu gestalten. Ich freue mich sehr darauf, aber ein bisschen nervös bin ich auch. Es ist so viel Zeit vergangen und so viel geschehen, und in all den Jahren war ich nur noch ein einziges Mal in der Kirche… Es ist, als ob ich nach vielen Jahren meine „Ex“ wiedersehen werde… Ob es wohl noch „kribbelt“ zwischen uns? Und was werden wir uns zu sagen haben?

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