Der Eltern Segen baut den Kindern Häuser

Früher, wenn zwei Menschen geheiratet haben, dann haben sie vorher um den „Segen“ ihrer Eltern gebeten. Eigentlich bedeutet diese Formulierung: Sie haben gefragt, ob Mutter und Vater es erlauben, dass die beiden sich trauen lassen. Wenn die Eltern zustimmten, konnte das Aufgebot bestellt werden (auch so eine altmodische Formulierung; ich muss demnächst mal nachgucken, was das eigentlich bedeutet) und dann wurde Hochzeit gefeiert.

Bei der Hochzeitszeremonie wird dem Brautpaar der Segen zugesprochen. In der Regel macht das der Pfarrer, aber auch Trauzeugen, Eltern, Geschwister oder die „guten Feen“ können Segenswünsche aussprechen.

Immer aber ist es Gott, der den Segen gibt, den Pfarrerinnen und Pfarrer, Verwandte oder Freunde aussprechen. Viele Leute denken, dass der Segen bedeutet, dass diesem gesegneten Menschen nichts Schlimmes mehr passieren kann, denn er wird von Gott oder einem Schutzengel bewacht und beschützt. Ich glaube das nicht, und ich finde es auch leichtsinnig, wenn Pfarrerinnen oder Pfarrer Menschen in diesem Glauben bestärken. Es ist ein kindlicher Glaube, der zerbrechen wird, wenn es einmal hart kommt, denn auch getaufte Menschen werden Unfälle haben, auf die schiefe Bahn geraten und unglückliche Zeiten erleben. Hat Gott dann sein Versprechen gebrochen?

Das Wort „Segen“, so habe ich es mal gelernt, kommt von dem lateinischen Wort „signare“, das heißt „ein Zeichen setzen“, „bezeichnen“, „mit einem wiedererkennbaren Merkmal versehen“ oder auch einfach „unterschreiben“. Bei Kindertaufen erkläre ich oft, dass es ist wie mit den Limonadenbechern beim Kindergeburtstag: Jedes Kind malt ein kleines Zeichen auf seinen Becher, ein Herzchen, ein Kleeblatt, ein Einhorn oder Darth Vader, und an diesem Bild kann es seinen Becher wiedererkennen, und gleichzeitig wissen alle anderen Kinder, dass dieser Becher nicht ihnen gehört.

So ist es auch, wenn Gott segnet – er macht ein Zeichen an die gesegneten Menschen, das ihm und allen anderen sagt: Dieser Mensch ist ein Mensch Gottes; er gehört zu mir und ich zu ihm.

Gottes Versprechen heißt also nicht „Dir wird nie etwas Unangenehmes oder Schlimmes geschehen!“, sondern „Ich bin immer bei Dir, in guten wie in schweren Zeiten; in hellen wie in dunklen Tagen bin ich an Deiner Seite.“ Das klingt nach nicht viel. Aber wer es glaubt und erlebt hat, der kann bestätigen, dass dieses Versprechen Gottes sehr wertvoll ist.

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