Welche Farbe hat der Mond?

Auch in mir weckt der Mond romantisches Gefühl. Ich erinnere mich an Nachtwanderungen im Winter, bei denen der Mond silbrig auf meinen Weg leuchtete, so hell, dass ich deutlich die Schatten der Bäume über dem Schnee erkennen konnte. Ich erinnere mich an Grillabende an lauen Sommerabenden, bei denen kurz nach dem Sonnenuntergang ein blutroter, riesengroßer Vollmond über dem nahen See aufging und uns alle in sprachloses Staunen versetzte.

Silbrig hell oder blutig rot, aschgrau oder hellbraun wie Sand – welche Farbe hat der Mond denn nun wirklich?

Diese Frage ist wirklich nicht leicht zu beantworten – bis heute nicht. Die Astronauten, die über den Mond gelaufen, gehüpft und gefahren sind, könnten vielleicht antworten, wenn sie nicht den Mondstaub nur durch mehrere Lagen an dichten Filtern hätten betrachten können. Wie jeder, der einmal eine Sonnenbrille getragen hat, bestätigen kann, ändern solche Filter das Farbempfinden enorm. Wenn wir nachts zum Himmel blicken und den Mond betrachten, wirkt die Atmosphäre der Erde wie solch ein Filter – auch wir können nicht den echten, unverfälschten Eindruck von der Farbe des Mondes haben.

Mondstaub, der von den Astronauten zurück auf die Erde gebracht wird, zeigt eine aschenfarben-dunkle Färbung. Aber auf der Erde haben wir nur das durch die Atmosphäre gefilterte Licht der Sonne oder das künstliche Licht der Lampen im Labor, das es sonst nirgends im Weltall so gibt. Welche Farbe die Mondoberfläche „vor Ort“ dort auf dem Mond hätte, werden wir wohl niemals herausfinden.

Es wurden Farbfotos auf dem Mond gemacht, doch ist der Eindruck von Farben, den ein Farbfilm oder ein Diapositiv bietet, oft anders als der Farbeindruck, den man durch direktes Betrachten mit den eigenen Augen empfindet. Das weiß jeder, der einmal versucht hat, die Haare eines Menschen mit Blitzlicht zu fotografieren – strohblond, kupferrot, rabenschwarz-bläulich, kastanienbraun-brünett – es kommt auf dem Foto fast nie so heraus, wie man es selbst sieht.

Überraschend ist die Tatsache, dass der Mondstaub sehr dunkel ist – beinahe schwarz wie Teer, wie Kohle oder wie geröstete Mohnkörner ist der Mond, dunkelgrau wie Asphalt. Das passt so gar nicht zu dem silbrig leuchtenden Himmelslicht, das uns durch die Nacht begleitet! Tatsächlich wirft der Mond aber weniger als 15 Prozent des einfallenden Lichtes zurück und ist damit der dunkelste, schwärzeste Himmelskörper in unserem Sonnensystem. Die Erde wirft immerhin ein Drittel des einfallenden Lichtes zurück ins Weltall, und die helle Wolkenschicht, die die Venus bedeckt, reflektiert sogar 80 Prozent.

Die Romantik bleibt für mich, das silberhelle Licht tut seine Wirkung – auch wenn ich weiß, dass da eigentlich ein großer Ball aus Stein wie Kohle schwarz für uns im Dunkeln leuchtet.

4 Gedanken zu “Welche Farbe hat der Mond?

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