Zum Monatsspruch im Oktober

Manche Menschen kommen gern in den Gottesdienst, ärgern sich dann aber über die Kollektensammlung. Im Gottesdienst soll es doch um schöne, erbauliche, den Glauben stärkende Dinge gehen, aber dann spielt auf einmal doch wieder das schnöde Geld eine wichtige Rolle.

Die Kirche hat doch nun wirklich genug Geld, mag manch einer denken, sie bekommt doch schon die Kirchensteuer, Kirchgeld, Zuschüsse vom Staat, und auch die evangelischen KiTas und Schulen erheben noch Beiträge und Gebühren. Muss dann auch noch in jedem Gottesdienst Kollekte gesammelt werden, fast immer sogar zweifach?

Schon immer war das „Opfer“, wie die Spende im Gottesdienst auch manchmal genannt wird, ein wichtiger Bestandteil der Liturgie. Die Kollekte gehörte ursprünglich zur Abendmahlsliturgie. Zusammen mit Brot und Wein brachten Christinnen und Christen auch Geld zum Altar, als ein „Opfer“, mit dem auf das Opfer Christi geantwortet wird. In Brot und Wein erleben die in der Kirche versammelten Glaubenden die leibliche Gegenwart Christi, und auch durch das Geld wird Christus zahllosen Bedürftigen zum Helfer und zur Rettung aus der Not, nicht nur in der eigenen Gemeinde.

Durch den Bibelvers, der für den Oktober als Monatsspruch ausgewählt wurde, erfahren wir, dass schon in vorchristlicher Zeit das Teilen als ein guter Dienst an Gott gesehen wurde. Tobit, der Vater von Tobias, gibt diesen Rat auf dem Sterbebett an seinen Sohn weiter. Wer gerne gibt und gegenüber dem Bedürftigen großzügig ist, kann sich der Zuneigung Gottes gewiß sein, denn „einen fröhlichen Geber hat Gott lieb.“ So wird der alte Vater als besonders frommer und verdienter Mann dargestellt.

Im apokryphen Buch Tobit geht der Erzähler sogar so weit, dass er behauptet, dass Gott dem großzügigen Spender ganz gewiss Glück und Segen geben wird, Gesundheit und Erfolg. Es wird ein Tun – Ergehens – Zusammenhang postuliert, der mich beinahe an die Lehre vom guten und vom schlechten Karma erinnert. Ich glaube aber nicht, dass der Verfasser des Buches sagen wollte, man könnte sich den Segen Gottes erkaufen oder sich mit Geld die Früchte eines guten und frommen Lebens erwerben. Ich denke, das dieser Gedanke eher dem entspricht, was Jesus gesagt hat: Ein guter Baum bringt gute Frucht, und ein frommer Mensch bringt Gutes aus seinem Reichtum hervor, um viele zu speisen.

Um diese Freigebigkeit zu leben, muss man nicht unbedingt reich sein, denn es heißt ja: „Wie es dir möglich ist: Aus dem Vollen schöpfend – gib davon Almosen! Wenn dir wenig möglich ist, fürchte dich nicht, aus dem Wenigen Almosen zu geben!“

Ich sehe die Sammlung der Kollekte im Gottesdienst in einem engen Zusammenhang mit dem Glaubensbekenntnis. Wer bereit ist, zu teilen und etwas von dem abzugeben, was Gott ihm an materiellen Gut geschenkt hat, der bekennt dadurch auch den Glauben daran, dass auch am nächsten Tag wieder genug da sein wird, um für sich und seine Familie zu sorgen, der bekennt, dass die Güte Gottes beständig bleibt und sein Erbarmen jeden morgen neu.

In gewisser Weise wird so jeder Sonntag zu einem Erntedankfest. Wir bringen unsere Gaben zum Altar Gottes und bekennen, dass alles, was wir sind und haben, auch das Geld, das wir verdienen und erarbeitet haben, letztlich seine Gaben und sein Geschenk sind. Wir dürfen nur weitergeben, um ihm mit unseren Gaben zu danken.

Kollekte ist eine freiwillige Gabe, wie auch die Teilnahme am Abendmahl freiwillig ist. Sie ist aber eine wichtige Möglichkeit, das geistliche Leben der Gemeinde zu fördern und am diakonischen Wirken der Kirche teilzunehmen. Kollekte ist kein Trinkgeld für Pfarrerin oder den Pfarrer. Sie ist aber gelebte Gemeinschaft in der weltweiten Kirche. Sie ist hilfreich für alle.

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