Wie lang sollte der Mittagsschlaf dauern?

Als Kleinkind habe ich es gehasst, aber inzwischen – mit fast sechzig Jahren – bin ich froh, wenn ich mir nach dem Mittagessen ein Schläfchen gönnen kann. Ich will es so nennen – nicht Power nap, Siesta, Managerschlaf oder Nickerchen – Mittagsschlaf ist einfach das passende Wort dafür.

Wenn nach dem Essen die Lider schwer werden und die Gedanken träge, wenn im Neuronengetriebe der Sand knirscht und der Hirnmotor nur noch auf halber Kraft läuft, dann ist es Zeit. Meistens ist es schon nach drei, weil ich immer recht spät zu Mittag esse. Manchmal muss ich durchhalten, weil die Arbeit mir keine Freiheit lässt; aber wenn es geht, lege ich mich eine Viertelstunde hin.

Ich schlafe dann sehr schnell ein, und ich kann zum Glück überall schlafen. Ob im Bus oder am Schreibtisch, auf dem Sofa oder auf einem Stuhl im Gemeindezentrum – ich döse weg und werde fast immer eine Viertelstunde später von allein wieder wach. Einen Wecker habe ich mir noch nie gestellt.

Letzte Woche habe ich einmal fast anderthalb Stunden geschlafen; aber ich hatte kein schlechtes Gewissen. Mein Körper hat diesen Schlaf gebraucht und ich habe keinen wichtigen Termin verpasst – also war doch alles in Ordnung.

Vor einiger Zeit habe ich einmal gelesen, dass die Art, wie wir in Deutschland heute schlafen – 8 Stunden im Bett und dann sechzehn Stunden aktiv – noch gar nicht so lange üblich ist. Leute wie Goethe, Beethoven oder Leibnitz sind oft um drei oder vier in der Nacht aufgestanden und haben dafür am Nachmittag ausgiebig geschlafen, um danach noch einmal produktiv zu werden.

Fachleute nennen diesen über mehrere Zeiten des Tages verteilten Schlaf „polyphasischen Schlaf“. Es gibt einen spannenden Wikipedia-Eintrag dazu.

Bei Babies und Kleinkindern ist ein zunächst unregelmäßiger und dann polyphasischer Schlaf normal. Erwachsene praktizieren heutzutage meistens einen monophasischen Schlaf, dh. sie schlafen in der Nacht sechs bis acht Stunden und sind dann achtzehn bis sechzehn Stunden aktiv. Ältere Menschen und Menschen, die in sehr heißen Klimazonen leben, schlafen sechs Stunden in der Nacht und dann noch dreißig Minuten bis zwei Stunden tagsüber. Das nennen die Schlafforscher biphasischen Schlaf.

Mehrere Schlafphasen führen bei manchen Menschen dazu, dass sie insgesamt weniger Schlaf brauchen. Experimentiert wurde mit einer vierstündigen Schlafphase nachts und drei power naps von jeweils dreißig Minuten über den Tag verteilt.

Am Bekanntesten ist vermutlich das Schlafmuster des Künstlers, Ingenieurs und Architekten Buckminster Fuller, der über Jahre hinweg viermal am Tag eine Stunde geschlafen hat und danach jeweils fünf Stunden wach war – angeblich ohne Leistungseinbußen und ohne krank zu werden.

Ich denke, dass der optimale Schlafrhythmus bei jedem Menschen anders liegt – mir tut die Viertelstunde mittags gut; in der Nacht schlafe ich in der Regel sechs Stunden, am Wochenende etwas länger.

Was ich hasse, ist das frühe Aufstehen. Wenn ich bis Mitternacht gearbeitet habe, möchte ich nur sehr ungern um sieben oder acht Uhr schon wieder voll aktiv sein. Es ist schön, wenn ich noch ein bisschen „rum-pröpeln“ kann, bevor ich wieder hellwach sein muss. Zum Glück habe ich einen Beruf, in dem ich meine Zeit relativ frei selbst einteilen kann.

3 Gedanken zu “Wie lang sollte der Mittagsschlaf dauern?

  1. Mal länger, mal kürzer – sofern man dazu überhaupt Gelegenheit hat… 🙂
    Das frühe Aufstehen ist wirklich nicht jedermanns Sache. Beispielsweise weiß man mittlerweile, dass sich der Schlaf-, Wachrhythmus von Jugendlichen in der Pubertät verändert. Leider lässt das Zeitkorsett, z.B. der Schule, weder ein Mittagsschläfchen noch einen späteren Unterrichtsbeginn zu. Warum eigentlich?

    Gefällt 1 Person

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