Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg

Und Jesus sprach: Die Gerechtigkeit gleicht einem Weinbergsbesitzer, der früh am Morgen ausging, um Arbeiter zur Arbeit im Weinberg einzustellen. In einem Café am Marktplatz fand er einige Tagelöhner, die dort gemeinsam frühstückten. Er sprach sie an und lud sie ein, an diesem Tag für ihn zu arbeiten. Und sie nahmen das Angebot an, beendeten ihr Frühstück und machten sich auf den Weg in den Weinberg.

Später ging der Weinbergsbesitzer noch einmal in das Café und fand dort weitere Tagelöhner, die gemeinsam Karten spielten. Auch sie ließen sich einstellen; sie legten die Karten nieder und gingen in den Weinberg, um dort zu arbeiten.

Um die Mittagszeit ging der Weinbergsbesitzer wieder auf den Marktplatz und sah einige Menschen am Currywurststand essen, auch sie erklärten sich zur Arbeit bereit, und nachdem sie aufgegessen hatten, gingen sie in den Weinberg.

Zuletzt ging er abends um fünf in die Kneipe am Ort, fand auch da noch einige, die da herum saßen. Er fragte sie: Warum sitzt ihr hier den ganzen Tag, anstatt zu arbeiten? Sie antworteten: Wir haben auch so alles, was wir zum Leben brauchen, darum lassen wir es uns hier gut gehen. Er sagte ihnen: „Arbeitet doch wenigstens eine einzige Stunde für mich!“, und sie ließen sich überreden, sie ließen ihre Zeche bei dem Wirt auf einen Deckel schreiben und machten sich an die Arbeit im Weinberg.

Am Abend aber sandte der Weinbergsbesitzer seinen Zahlmeister zu den Arbeitern und sagte ihnen: Bezahle ihnen ihren Lohn, fang an bei den ersten und gib ihnen, was sie verdient haben.

Den ersten gab er je hundert Euro, und sie berechneten ihren Stundenlohn. Da waren sie zufrieden und gingen nach Hause. Die nächsten bekamen siebzig Euro, und auch sie rechneten nach und waren zufrieden und gingen nach Hause.

Die aber einen halben Tag gearbeitet hatten, bekamen jeder fünfzig Euro, auch sie rechneten nach, aber wirklich viel blieb ihnen nicht übrig am Ende, denn sie mussten Steuern und Sozialabgaben bezahlen, und auch die Versicherungen wollten Geld sehen, und sie waren unzufrieden und gingen murrend und kopfschüttelnd heim.

Die nur eine Stunde gearbeitet hatten, bekamen jeder zehn Euro für ihre Arbeit. Sie nahmen das Geld und standen dann zornig vor der Tür, denn sie wussten, dass ihnen nach Steuern und Abgaben nichts übrig bleiben würde für die Miete und ihre Versicherung, und der Wirt in der Kneipe musste ja auch noch bezahlt werden. Und sie fühlten sich ungerecht behandelt und knirschten mit den Zähnen.

Aber der Weinbergsbesitzer sagte zu ihnen: Ihr habt nur eine Stunde gearbeitet, mehr steht euch darum nicht zu. Denn Leistung muss sich lohnen, und jeder muss bekommen, was er verdient hat. Ich will Faulheit und Verantwortungslosigkeit nicht unterstützen. Wenn ich euch mehr gäbe, was würden dann die anderen Arbeiter sagen? Es wäre nicht fair, und alle würden in Zukunft erst am Abend mit der Arbeit beginnen.

Gerechtigkeit kann also der für sich erhoffen, der bereit ist, darum zu kämpfen?, fragten ihn die Jünger. Und Jesus antwortete:

So ist ein jeder seines eigenen Glückes Schmied. Wer fleißig ist und die Gunst der Stunde nutzt, der wird Erfolg haben, wer aber nicht bereit ist, wird früher oder später unter die Räder kommen. Der frühe Vogel fängt den Wurm, und die zweite Maus bekommt den Käse…

So sprach Jesus, und seine Jünger sahen ihn verwirrt an.

2 Gedanken zu “Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg

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