Wie man ein Geräusch für mich macht…

Im Mai weckt mich morgens der Gesang der Vögel. Amseln sitzen in den Zweigen des Baumes vor meinem Fenster und begrüßen die aufgehende Sonne. Welch ein schönes Geräusch! Schon allein wegen dieses Morgengrußes liebe ich den Frühling.

Der Hör-Nerv ist eine Abkürzung direkt in die emotionalen Bereiche des Gehirns. Obwohl ich eher ein Augenmensch bin, kann ein Lied, ein Klang, ein Rhythmus mein Gefühlsleben in Sekunden verändern oder unterstützen. Musik beruhigt mich oder beschwingt mich, tröstet und bestärkt, umgibt mich mit einer aufbauenden und inspirierenden Atmosphäre. Schon einzelne Klänge und Geräusche können viel bewirken: das geheimnisvolle Knarren der alten Kirchentüren in meinen Dorfgemeinden, das Knacken in den Dachbalken in der Wohnung, wenn im Sommer die Hitze darauf lastet, das Surren des Lüfters in meinem Laptop; das sind alles vertraute und liebgewordene Geräusche, die mir das Gefühl geben, dass alles so ist, wie es sein muß, die mir Sicherheit vermitteln. Wenn jemand die Kirchentüren ölen würde, dass sie nicht mehr knarzt und quietscht – es würde mir etwas fehlen.

Im Sommer, wenn es so richtig heiß ist und die Glut beinahe fühlbar auf den Feldern und Wiesen, auf den Wäldern und den Dörfern liegt, dann höre ich ein unbeschreibliches Klingen, das irgendwie direkt aus dem blauen Luft zu kommen scheint, als ob das Himmelsgewölbe selbst ertönt wie eine mächtige Glocke, die von allein tönt, ohne angeschlagen zu sein, einen tiefen Klang aus Dutzenden von Obertönen, eine Art Spannung, die den ganzen Raum unter dem Himmel erfüllt. Wenn ich das höre, überkommt mich jedes mal eine unbändige Lust, mich einfach auf eine Wiese zu legen und hinauf in die Wolken zu schauen, bis ich das Gefühl habe, dass in Wirklichkeit ich oben bin und hinunterschaue auf einen riesigen Ozean unter den Wolken, kilometertief.

Angeblich hört eine Mutter selbst im Tiefschlaf die Geräusche ihres Babys und wird sofort wach, wenn etwas Ungewöhnliches geschieht. Ich kann mir das gut vorstellen, seit mir einmal etwas Ähnliches passiert ist: Ich wohnte noch in Schöneberg an der Hauptstraße, in einer eher ruhigen Ecke neben dem Friedhof. Ein paar Straßenecken weiter wurde ein elektrischer Baukran aufgestellt. Als alles auf der Baustelle bereit war, begannen täglich morgens um halb sechs die Arbeiten, und der Kran bewegte sich, seine Motoren surrten leise und Relais klickten vernehmlich, wenn Stromkreise geschlossen oder geöffnet werden. Ich war von diesen Geräuschen total irritiert und immer sofort wach. War in der Wohnung noch irgend etwas eingeschaltet? Lief der Computer noch? War die Katze über die Fernbedienung gelaufen und hatte versehentlich den Fernseher angemacht?

Den ganzen Tag über hat mich dieses Surren und Klicken extrem nervös gemacht, obwohl es objektiv sehr leise war, meine Frau hat es erst bemerkt, als ich ihr davon erzählte…

4 Gedanken zu “Wie man ein Geräusch für mich macht…

  1. Herrlich, wie du das beschreibst! Bei uns ist es umgekehrt, ich höre auch noch jeden leisesten Ton … zu deiner Überlegung zu nicht mehr knarzenden Kirchentüren fällt mir spontan das Gedicht ein : „Von der Pumpe, die nicht mehr hat piepen wollen“ von Robert Ernst Prutz. Liebe Grüße aus dem Saarländchen!

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  2. Wie klingt es eigentlich, wenn ein Pfarrer arbeitet – oder glaubt, es zu tun, man hat es ja nicht so mit der freien Wirtschaft?
    Doch hoffentlich nicht wie das Quieken hier?

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    • Sag mal, Torben, wann hast Du eigentlich zuletzt mit einem Pfarrer (im „richtigen“ Leben) zu tun gehabt? Kennst Du einen einzigen? Und was ist passiert, dass Du so humorlose und verbitterte Kommentare schreibst?

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