Asterix und Obelix und das Kreuz der Verzweiflung…

Ich habe mehrere alte Bibeln. Manchmal denken Menschen aus der Gemeinde, sie tun mir etwas Gutes, wenn sie mir nach dem Tod der Ur-Oma deren Konfirmandenbibel vererben. Vielleicht haben sie auch nur Hemmungen, das gute Stück irgendwo auf einem Flohmarkt zu vertrödeln oder einfach weg zu werfen. Bücher wirft man doch nicht weg; und schon gar nicht die Bibel, oder? Da sind sie doch beim Pfarrer besser aufgehoben.

Ich habe also mehrere Bibeln, die in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts gedruckt wurden. Wirklich alt und wertvoll sind sie nicht, es gibt einfach zu viele davon; man bekommt sie in Antiquariaten oft für fünf oder zehn Euro. Erst, wenn eine Bibel über 250 Jahre alt und dabei gut erhalten ist, könnte sie wertvoll sein.

Trotzdem mag ich diese Bibeln und blättere gern darin herum. Ich finde immer wieder Überraschungen darin: gepresste und getrocknete Blüten oder Blätter, Einladungskärtchen zu Festgottesdiensten aus dem Jahr 1912, Zettel mit Notizen aus einem Bibellesekreis und manchmal sogar ein Foto oder eine Postkarte aus lang vergangenen Zeiten.

Und ich mag die Frakturschrift und die Gestaltung der Buchseiten, das Layout, das oft viel liebevoller ausgeführt ist als in modernen, am Computer gesetzten Bibel-Ausgaben. Die alten Bibeln wurden noch auf wirklichen Druckerpressen handwerklich gedruckt, und wenn ich vorsichtig über die Seiten streiche, kann ich die Schrift sogar mit den Fingerspitzen fühlen.

Frakturschrift hat jede Menge Besonderheiten, die es in modernen Schriftarten zwar auch noch gibt, die aber dort sehr viel weniger auffallen. Zum Beispiel gibt es manchmal für den selben Buchstaben unterschiedliche Zeichen, etwa das „s“, das am Ende des Wortes wie ein modernes „s“ aussieht, in der Mitte des Wortes aber eher wie ein „f“. Es gibt zusammengesetzte Buchstaben (Ligaturen) wie „st“, „fl“ oder „ss“, für die es jeweils eigene Zeichen gibt, und es gibt auffallende schöne Großbuchstaben.

In manchen Bibelausgaben stehen unten an der Seite Fußnoten, die auf Parallelstellen in der Bibel oder auf kurze Kommentare des Übersetzers verweisen. Gibt es nur eine Fußnote im Absatz, wird oft mit einem Sternchen darauf hingewiesen; gibt es mehrere Fußnoten, bekommt die Zweite oft ein Doppelsternchen und die Dritte ein Kreuz.

Sternchen * Kreuz (oder Dagger) †

Das Sternchen heißt Asterisk und das Kreuz Obelisk oder (im Englischen) Dagger, also Säule oder Spießchen.

Auch beim Korrigieren von Texten werden diese beiden Zeichen eingesetzt, wenn beispielsweise Worte eingefügt oder gestrichen werden sollen. Bei Wikipedia habe ich eine Anmerkung gefunden, dass das Kreuz manchmal genutzt wird, wenn Abschnitte im Manuskript unverständlich oder zu schlecht für eine Rekontruktion erhalten sind. In diesem Zusammenhang heißt das Kreuz dann crux desperationis, also „Kreuz der Verzweiflung“.

Bei manchen Passagen der wissenschaftlichen Fachliteratur, die ich als Student lesen musste, hätte ich mir ein solches Zeichen am Rand als Warnung gewünscht.

Ein Gedanke zu “Asterix und Obelix und das Kreuz der Verzweiflung…

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