Er redete mit Weisheit und nicht wie die Schriftgelehrten…

Der zwölfjährige Jesus im Tempel

Ich hoffe, dass ich nie vergesse, dass alles auch ganz anders sein könnte. Viele Dinge, die ich oft und beinahe ohne nachzudenken tue, werden zur langweiligen Routine und oft lieblos und wenig engagiert getan. Das fängt mit dem Decken des Frühstückstisches an, geht weiter mit Briefen an meine Kollegen und Kolleginnen in der Verwaltung und wirkt sich manchmal bis in die Predigt aus.

Man hat ja studiert, kennt seine Bibelkunde und die ganze Auslegungstradition zu vielen Texten, und manchmal ist es doch so einfach, mit den eigenen Worten einfach das zu wiederholen, was schon Luther, Spener, Bonhoeffer oder Küng zu diesem Thema gesagt haben.

Man muss nicht mühsam nach neuen Gedanken suchen, muss nicht originell sein, man kann gewissermaßen daneben stehen und zusehen, wie die Predigt wächst. Das ist eine faszinierende Erfahrung, und oft kommt Gutes dabei raus.

Man ist dann auch sozusagen auf der sicheren Seite, denn wer wird eine Predigt kritisieren, die sich auf anerkannte Autorität berufen kann? Wer wird es wagen, sich gegen Luther oder Schleiermacher zu stellen?

Der Nachteil ist nur, dass die Menschen in der Gemeinde die Predigt immer schon kennen, weil sie sie auch schon von Luther, Melanchthon, Schleiermacher oder Bonhoeffer gehört haben. Und ein weiterer Nachteil ist auch, dass es fast unmöglich ist, eine solche Ansprache mit Leben zu füllen, weil eben nicht das eigene Leben darin liegt, sondern die interessanten Einsichten, Erfahrungen und Glaubenssätze anderer Menschen. Solche Predigt ist dann kein Bekenntnis, sondern ein Referat.

Jesus redete mit Vollmacht und nicht wie die Gelehrten, heißt es, weil er über Dinge sprach, die er selbst erlebt und erfahren und durchlitten hatte. So hat er mit zwölf Jahren gesprochen (Und, ja, auch Zwölfjährige können schon viel erlebt und durchlitten haben); so hat er auch später geredet, als er ahnte, dass sein Weg ihn ans Kreuz bringen würde.

Er sprach von der Liebe und nicht von Halbherzigkeit, er sprach von Hingabe und nicht von Berechnung, er sprach vom Feuer und nicht von lauwarmen Gewohnheiten. Und er lebte auch so.

Nichts nahm er einfach so hin. Wasser konnte auch Wein sein, fünf Brote und zwei Fische konnten durchaus einmal genug sein für fünftausend Menschen, ein bisschen Spucke und Sand öffnet einem Blinden die Augen, wenn er nur glaubt, und am Ende behält auch der Tod nicht das letzte Wort und das Ende dieser Welt wird durchsichtig auf den Himmel hin.

Weil einer mit unvoreingenommenen Augen sieht und Worte sagt, die unerhört sind und Dinge tut, die niemand vorher sich zugetraut hat.

Der mit zwölf Jahren die Schriftgelehrten in Erstaunen versetzte, der später seinen Jüngern fünf Brote und zwei Fische gab, der sagt auch zu Dir und zu mir: Gebt ihr ihnen zu Essen. Alles, was nötig ist, ist da. Traut es Euch zu. Traut es Gott zu…

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