Liturgisches Husten… Komisches und Ernstes rund um die Beerdigung

Bild des Einbandes dieses Buches, mit Motiv "organist" von Wilhelm Busch

Vor Jahren – ich war noch Pfarrer in der Kirchengemeinde Alt-Schöneberg in Berlin – habe ich oft mit der Organistin Angela Boeckh zusammen gearbeitet. In diesen Jahren gab es sehr viele Trauerfeiern in der Gemeinde, weil der zur Kirche gehörende Kirchhof aus verschiedenen Gründen einer der preiswertesten Bestattungsorte in der Stadt war. Die Bezirksämter in der Umgebung ließen darum die Urnen der Menschen, die keine Angehörigen (mehr) hatten und die darum auf Staatskosten beerdigt werden mussten, gerne auf unserem Kirchhof beisetzen. In diesem Jahr gab es so mehr als 300 Beisetzungen auf dem Friedhof zwischen der Hauptstraße und der Belziger Strasse.

Meinem Kollegen und mir war es sehr wichtig, trotzdem alle Verstorbenen mit Würde und gebührender Achtung unter die Erde zu bringen; niemand sollte ohne Gebet und Segenswort beerdigt werden. Selbst, wenn niemand zur Trauerfeier erschienen ist, haben wir mit den Sargträgern, der Mitarbeiterin des Bestattungsinstitutes und der Organistin zusammen Abschied von einem Menschen genommen, über den wir zwar wenig oder gar nichts wussten, der aber trotzdem über ein paar Jahrzehnte diese Welt mit uns geteilt hatte…

Manchmal kamen aber auch ein paar Nachbarn, Freundinnen und Freunde unangemeldet in die Kirche, manchmal kam wirklich niemand. Einmal kamen mehr als dreißig Menschen aus einem Segelverein zur Trauerfeier; Freunde aus einem Leben, von dem wir nichts wussten. Gut, dass trotzdem eine schöne Trauerfeier vorbereitet war.

Die Organistin saß bei diesen Feiern immer oben auf der Empore an ihrem Instrument und wartete auf ihren Einsatz. Sie konnte aber von dort aus die kleine Gemeinde nicht sehen, die unter der Empore auf den Beginn des Gottesdienstes wartete. Wir haben dann verabredet: wenn es losgehen soll, wird der Pfarrer unter der Empore zweimal kurz husten, und das ist dann das Zeichen für den Anfang der Trauerfeier.

Die Angela Boeckh sagte damals ziemlich amüsiert: Wenn ich einmal ein Buch über meine Arbeit schreiben sollte, werde ich es „Liturgisches Husten“ nennen.

Dies ist nun dieses Buch – vor einem Jahr ist es erschienen, und ich habe es gestern in der Dorfkirche Alt-Schöneberg entdeckt, als ich dort wieder einmal (vertretungsweise) eine Trauerfeier zu leiten hatte. Über Jahrzehnte hat sie Anekdoten, Skurriles, Bedenkliches und Interessantes bei ihrer Arbeit gesammelt und auf humorvolle Weise zu Papier gebracht. Pfarrerinnen und Pfarrer, Mitarbeiter und Bestatter geraten hier in den Blick einer erfahrenen Kirchenmusikerin – irgendwann kann sie Nichts mehr aus der Fassung bringen, denn gerade am Ende des Lebens, wenn man zum letzten Mal Abschied nimmt, geschieht so viel, was in Erinnerung bleibt. Mehr als einmal habe ich geschmunzelt und manchmal laut gelacht.

Es ist ein gutes Buch geworden und der Blick auf Eigenarten und Besonderheiten im Bestattungswesen hat viele Erinnerungen geweckt… Ich kann dieses Buch nur empfehlen. Danke, Angela, für die vielen besonderen Gottesdienste und für eine anregende Stunde mit Deinem Buch.

2 Gedanken zu “Liturgisches Husten… Komisches und Ernstes rund um die Beerdigung

  1. Angela Traute Maria Boeckh
    Liturgisches Husten
    Aus dem Alltag einer Organistin – Komisches und Ernstes rund um die Beerdigung

    Verlag: tredition, 07/2020
    Einband: Kartoniert / Broschiert, Paperback
    Sprache: Deutsch
    ISBN-13: 9783347092488
    Umfang: 84 Seiten

    gibt es auch als E-Book

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