Verborgene Talente…

„Stell dein Licht nicht unter den Scheffel!“ sagen wir, wenn jemand allzu bescheiden von sich spricht.

Ich kannte eine Ärztin, die in ihrer Jugend als Krankenschwester in Lambarene gearbeitet hatte. Das ist das Krankenhaus, das Albert Schweitzer gegründet hat. Dort hat sie viel Erfahrung gesammelt, und es war Albert Schweitzer selbst, der ihr gesagt hat, sie sollte nicht Krankenschwester bleiben, sie hätte durchaus das Zeug dazu, Ärztin zu werden.

Sie kam nach Deutschland zurück, hat hier studiert und ist Ärztin geworden. Außerdem wurde sie immer wieder als „Albert-Schweitzer-Expertin“ eingeladen zu Fachtagungen und wissenschaftlichen Kongressen, manchmal hat sie vor 2000 Menschen von ihren Erfahrungen berichtet. Aber sie blieb immer schüchtern und bescheiden bis dahin, dass sie sich selbst wenig bis nichts zutraute. Als ich sie einmal eingeladen habe, vor ein paar alten Menschen in der Kirchengemeinde zu sprechen, hat sie abgesagt, weil sie keine Zeit hatte, sich vorzubereiten. Ich sagte ihr, so eine kleine Ansprache schütteln sie doch aus dem Ärmel – aber sie wollte nicht und sagte mir, dass sie sich auf jeden Vortrag eine Woche lang vorbereiten muss…

Das kommt gar nicht so selten vor: Viele Menschen unterschätzen sich und trauen sich selbst wenig zu. Was sie können, was sie gelernt haben, was sie sich mit vielen Mühen beigebracht haben, das halten sie für selbstverständlich und denken, das kann ja eigentlich jeder. Sie glauben, dass ihr Können und ihre Fähigkeiten gar kein besonderes Talent sind.

Statt stolz auf ihren Erfolg zu sein, schauen sie neidisch auf das, was andere zustande gebracht haben und denken: „Das könnte ich nie…“ Und dabei übersehen sie, wie viel Mühe und Arbeit es die anderen gekostet hat, so erfolgreich zu sein.

„Impostor-Syndrom“ nennen manche Leute dieses Phänomen scherzhaft, „Hochstapler-Syndrom“, und es scheint etwas zu sein, was viele Leute kennen.

Die Redensart vom Licht und dem Scheffel stammt aus der Bibel. In der Bergpredigt ermahnt Jesus seine Jünger, ihren Glauben nicht zu verstecken, nicht so zu tun, als seien sie keine gläubigen Menschen. Ihr seid das Licht der Welt! sagt Jesus. Dieses Licht kann nicht verborgen bleiben, ebenso wenig wie die Stadt auf einem Berg, die man von weithin sieht; ebenso wenig wie das Salz in der Suppe, das man schon beim ersten Schluck auf der Zunge spürt. Und man zündet doch kein Licht an, um es dann unter einem Eimer zu verstecken! Redet von eurem Glauben, gebt weiter, was ihr geschenkt bekommen habt, tragt das Wort, das Hoffnung weckt, hinaus zu den Menschen, die keine Hoffnung haben, die traurig sind und sich fürchten vor Hunger und Krieg, vor Elend und Einsamkeit; sagt ihnen, dass Gott mit ihnen geht!

Auch das Bild von den verborgenen Talenten stammt aus der Bibel. Ein Talent war damals zur Zeit Jesu eine große Summe Geld. So viel Silber, wie ein Mann tragen kann – das war ein Talent. Ungefähr das Jahresgehalt eines Tischlers oder eines Bäckers. Ein Vermögen!

In der Erzählung, die Jesus seinen Jüngern vorträgt, geht es um drei Männer, Haushalter eines reichen und mächtigen Mannes, die sein Geld verwalten sollen, solange der im Ausland ist. Jeder bekommt einen Teil, nicht jeder das gleiche, aber der reiche Mann kennt seine Leute, und er verteilt das Geld je nachdem, was er ihnen zutraut. Vielleicht ist es ja so eher gerecht, jedem nach seiner Fähigkeit zu geben, was er tragen kann, als allen das Selbe anzuvertrauen.

Der erste geht hin und nutzt die Macht und das Vermögen, das ihm gegeben wurde, und er tut das sehr erfolgreich. Der zweite hat weniger zur Verfügung, aber auch er hat Erfolg. Der dritte hat nur wenig zur Verfügung, aber was schlimmer ist, er traut sich selbst nichts zu. Und darum nutzt er nicht, was ihm gegeben wurde. Es ist nicht Faulheit, auch wenn es später in der Geschichte so genannt wird, es ist Angst und mangelndes Selbstvertrauen, die diesen Menschen davon abhalten, sein Potential zu nutzen.

Später hat man das Wort „Talent“ benutzt, um zu sagen, dass jemand etwas gut kann, dass er eine Begabung hat, eine Fähigkeit, die er einsetzen kann zum eigenen Nutzen und zum Guten für die Allgemeinheit. Es wäre dumm, eine solche Begabung, ein solches Talent nicht zu nutzen.

„Ich kann ja doch nichts ändern; auf mich kommt es gar nicht an.“ – „Ich bin alt und müde, was kann ich schon noch in Bewegung setzen!“ Das sind die Worte der Menschen, die ihr Licht unter den Scheffel stellen, die sich fürchten, ihr Talent, ihre Begabung, ihr Können zu nutzen.

Ich bin sicher, dass wir uns selbst täuschen, wenn wir so denken. Wir müssen ja nicht die Welt retten, nicht die große Politik ändern, nicht freihändig den Klimawandel aufhalten. Aber wir können etwas tun an dem Platz, an den Gott uns gestellt hat. In unserer Familie, in der Nachbarschaft, an unsrem Arbeitsplatz.

Wir sagen vielleicht: Ich bin ja nur ein kleines Rädchen in der Maschine, nur ein kleines Steinchen ganz unten in einem großen Bau… Aber die Fachleute, die sich mit Maschinen auskennen, wissen, dass es auf jedes kleine Rad ankommt, damit das Ganze funktioniert, dass auch ein großer Bau über längere Zeit Schaden nimmt, wenn eines der kleinen Steinchen auf dem Fundament fehlt. Wir werden alle gebraucht.

Ikigai – ein Grund, morgens aus dem Bett zu steigen…

„Stehe jeden Morgen auf, als wäre es Absicht!“ – Diesen Vorsatz habe ich vor einiger Zeit gefasst; aber in diesen Monaten fällt es mir schwer. Mag es die Hitze sein oder die Arbeit, die jeden Tag auf mich wartet, die graue Wolke Schwermut oder einfach die allgemeine Unzufriedenheit mit der Gesamtlage – zur Zeit fällt es mir schwer, mich nach dem Frühstück nicht einfach wieder hin zu legen. „Ich erhebe mich mit gewaltiger Kraft!“ – dieser Satz aus dem Morgengebet des Patrick von Irland ist meiner Seele ziemlich fremd geworden…

Es gibt in Japan viele interessante Worte und damit verbundene Lebenskonzepte. Tsundoku zum Beispiel nennt man das Laster, andauernd neue Bücher zu kaufen, obwohl man weiß, dass man in den nächsten Monaten gar keine Zeit haben wird, sie zu lesen… Nach einigen Besuchen im Buchladen stapeln sich die schönen Schwarten im Arbeitszimmer und machen mir jeden Tag neu ein schlechtes Gewissen. O ihr lieben Freude; irgendwann wird auch eure Zeit kommen! Kawaii ist nicht länger nur der japanische Begriff für „niedlich“, sondern steht für eine ganze Kultur von Verspieltheit, Kindlichkeit und zuckrig-rosa Dekoration, die Comics und Spielzeug, aber auch Briefpapier, Kleidung, Utensilien jeder Art und Schmuck beeinflusst – nicht nur bei Kindern und Teenagern, sondern auch bei Erwachsenen. Vor allem in der Werbung, aber auch in seriösen Veröffentlichungen gehört in Japan die „winkende Katze“, „Pikachu“ und jede Menge niedliche Emojis einfach dazu. KonMarie bezieht sich auf den Name der Aufräumkünstlerin Marie Kondo, die als Organisationsberaterin begann und sich dann auf der ganzen Welt einen Namen machte, indem sie Studenten und Studentinnen, Hausfrauen und Hausmännern und Mitarbeitenden in Büros eine einfache Regel gab, ihre Umwelt in Ordnung zu bringen: „Wenn etwas dich nicht glücklich macht, verabschiede dich davon und wirf es weg.“

Ikigai bedeutet „Sinn des Lebens“ oder auch „Wert des Daseins“ und wird oft etwas scherzhaft bezeichnet als „mein Grund, morgens aus dem Bett zu steigen“.

Etwas schematisch ist die Methode schon: Wenn ich mit etwas beschäftige, was ich richtig gut kann, wenn ich tue, was ich gern mache, wenn ich dafür sogar bezahlt werde und meine Tätigkeit etwas ist, was die Welt von mir braucht – dann habe mein Ikigai gefunden. Sobald eine dieser Voraussetzungen nicht erfüllt ist, kommt das Leben aus dem Gleichgewicht: Ich könnte zum Beispiel etwas tun, dass ich gern mache und worin ich richtig gut bin, was auch der Welt oder wenigstens vielen Menschen nützt – wenn es aber nicht oder nur schlecht bezahlt wird, werde ich nicht reich werden. Geld wird dann immer wieder eine Rolle spielen und mich von den wirklich wichtigen Dingen abhalten, weil die Notwendigkeit, mich und meine Familie zu ernähren, sich in den Mittelpunkt drängt. Vielen Medizinern, Lehrern oder Pflegern geht es so. Wenn ich in meinem Beruf richtig gut bin, wenn ich auch gut bezahlt werde und wenn es vielen Menschen nutzt, ich habe aber keine Freude daran, wird mich mein Beruf im Laufe der Zeit ausbrennen und mein Leben wird sich leer und fremdbestimmt anfühlen… Dieses Gefühl, mein Leben nicht selbst kontrollieren zu können, überlagert früher oder später jede Anstrengung und jedes Engagement; Burn out und Depression sind dann die Folgen…

Ihr werdet das Grundprinzip erkannt haben…

Ich halte es grundsätzlich für wichtig und hilfreich, immer wieder mal aus dem Trott des Alltags herauszutreten und sich solche Fragen zu stellen, auch wenn ich als Pfarrer und Christ andere Bilder und Vergleiche nutzen würde. Die Bedeutung des Glaubens und der Hoffnung wird in dem geschilderten Schema jedenfalls weitgehend ignoriert. Oder täusche ich mich da?

Und was kann ich tun, wenn ich spüre, dass mein Leben nicht im Gleichgewicht ist? Im Bett bleiben?

Theologische Positionen zu frittiertem Hähnchen…

Was mich in diesem jahr an der documenta fasziniert hat, waren die vielen kleinen anregungen, die an jeder ecke und in jedem winkel zu finden waren. Manche waren nicht weiter ausgeführt, klebten wie kleine glitzersteinchen an irgendeiner wand und strahlten sich von dort in mein gedächtnis; manche waren mit großer konzeptioneller arbeit weiter gedacht und beanspruchten einen ganzen raum im Fredericianum…

Hamja Ahsan – Theological Positions on Fried Chicken at documenta fifteen“ ist ein solches aufwändig ausgearbeitetes projekt: überall in Kassel waren schilder und plakate zu finden, auf denen „halal fried chicken“ stand: plakate, die die ausstellung documenta verknüpften mit der geschichte des islam, mit islamischen urbanen subkulturen, mit kolonialer geschichte, mit der islamischen befreiungsbewegung und auch mit dem einfluss des islam auf die esskultur in Europa.

Sein künstlerischer Beitrag zur documenta fifteen bedient sich volkstümlicher Ikonografie und Humor, um die Risse aufzuzeigen, die durch soziale Ausgrenzung entstehen – in diesem Fall in Bezug auf Islamophobie und Fremdenfeindlichkeit. Ahsan setzt ein eigenes Universum konkurrierender Halal-Frittierhähnchenimbisse in die Welt. Seine Franchise-Unternehmen sind ausgerüstet mit LED-Beschilderung. Diese werden an acht der documenta fifteen Ausstellungsorten gezeigt. Außerdem zeigt er seine neue, fortlaufende Serie von Khutbah-Videos (islamische Predigten) über Brathähnchen, Theologie und Politik mit dem Titel Theological Positions around Fried Chicken auf den Social-Media-Plattformen der documenta fifteen. Hinzu kommen Podiumsdiskussionen als Teil des lumbung-Programms.

webseite der documenta fifteen

Nach einer interessanten und spannenden herum-googelei bin ich dann auf diese website gestoßen, die ein ähnliches gedankenfeld im rahmen der christlichen theologie eröffnet: The Body of Fried Chicken and the Blood of Bud Light: Religion Around the Tailgate Table… Madison Tarleton berichtet über traditionen in der populären kultur, die sich wie ein wohnwagen an ein auto an die bräuche und rituale der kirche hängen: wo in der liturgie das abendmahl gefeiert wird und die gemeinde brot und wein als leib und blut christi teilt, so werden im zusammenhang mit großen sportereignissen ganz vergleichbare rituale zelebriert. Sie nennt diese rituale „tailgating“, weil dabei bier und gegrilltes auf der heckklappe eines pick-up-trucks präsentiert wird.

Um die Religiosität von Tailgating zu bestimmen, muss eine etablierte Definition angesprochen werden. Während viele argumentieren würden, dass Sport und Religion aufgrund des Fehlens einer Gottheitsfigur nicht auf demselben akademischen oder wissenschaftlichen Gebiet existieren können, würden viele Religionswissenschaftler gegen diese Annahme argumentieren. Eine Mehrheit der Gelehrten auf dem Gebiet „Religion“ oder „Religionswissenschaft“ würde argumentieren, dass die Klassifizierung von etwas als „religiös“ oder als „Religion“ nicht auf der Existenz einer Gottesfigur, einer Reihe von Überzeugungen oder eines Glaubens beruht in einem höheren Wesen. Die Frage „Kann Sport eine Religion sein“, die auf mehreren Definitionen von „Religion“ basiert, scheint eine ebenso seltsame Frage zu sein wie „Kann das Christentum eine Religion sein?“.

Tailgating erinnert wie die Kommunion an Ereignisse oder an ein Ereignis, das der Religionsgemeinschaft oder Kirche als heilig gilt. Der Heckklappentisch ist ein Zeichen der Verbundenheit mit dem Team und den anderen Fans. Die Leute kommen in das Spiel hinein und wieder heraus, um an einer Mahlzeit teilzunehmen, die mit Liebe zubereitet und bearbeitet wurde, um das Spiel zu sakralisieren, Einheit zwischen den Fans zu schaffen und die Gemeinschaft der Fußballfanatiker zu einer einzigen moralischen Gemeinschaft zu vereinen, die bereit und in der Lage ist, das Spiel zu feiern.

Text von der website „the body of fried chicken…“ s.o.; übersetzt von google translate

Wir zelebrieren im gottesdienst das abendmahl mit brot und wein – aber das eigentliche „Tailgating“ ist bei unseren festen der „Kirchenkaffee“, bei dem wir „nach dem spiel“ noch zusammen sitzen und kaffee und kekse essen, manchmal über die gedanken zur predigt sprechen, viel öfter aber über erlebnisse aus der vergangenen woche und über hoffnungen und befürchtungen in bezug auf die kommenden monate…

Mehr als einmal habe ich mich gefragt, wie unser gemeindeleben aussehen würde ohne kaffee und kuchen oder den frühshoppen nach dem gottesdienst, wie unsere gemeindefeste sich anfühlten ohne grillwurst, bowle und bier…

Man braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind groß zu ziehen… documenta 15

und eine ganze Stadt, um eine Kunstausstellung zu organisieren…

Heute war der Pfarrkonvent von Neukölln auf „Klassenfahrt“… Neun Kolleginnen und Kollegen haben sich auf den Weg gemacht nach Kassel. Dort findet zum fünfzehnten Mal die documenta statt…

In diesem Jahr arbeitet die Ausstellung mit Künstlerinnen und Künstlern aus Indonesien zusammen. Sie will die Tradition des lumbung verwirklichen, das Leben in der indonesischen Reishütte. Alle Familien aus dem Dorf bringen die Erträge ihrer Ernte dort hin, dann darf jede so viel nehmen, wie sie selbst zum Leben braucht. Was übrig bleibt, wird von der Dorfgemeinschaft verwaltet und gemeinsam genutzt.

So haben auch hier die verschiedenen Künstlergruppen die Ergebnisse ihrer Kreativität zusammen getragen und gemeinsam in Diskussionen und Lernprozessen an ihren Themen gearbeitet. Politisch, philosophisch und sozial haben sie ihre Situation analysiert und an Zielen und Problemlösungen geforscht.

Deshalb ist die documenta diesmal weniger eine Ausstellung fertiggestellter Kunstwerke als vielmehr ein work in progress. Alles kann sich verändern, die Ausstellung wird immer wieder umgebaut und manche Werke sind ganz aus der Sammlung entfernt worden…

Leider ist die documenta diesmal in Verruf geraten, weil einige wenige Werke einen rassistischen oder judenfeindlichen Hintergrund haben. Das waren vor allem Dinge aus Archiven in Indonesien und in Südafrika, die in die heutige Zeit nicht mehr passen. Sie sind in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts entstanden, als das Bewusstsein für die nötige Kritik noch nicht entwickelt war. Ob man solche Exponate heute noch zeigen darf oder sogar muss, darüber könnte man sich ausführlich streiten. Leider wird die Diskussion aber mit so viel Druck und Emotionen geführt, dass ein vernünftiger und zielführender Dialog unmöglich geworden ist. Die Leitung der Ausstellung hat die betroffenen Werke entfernt. Eigentlich schade. Vielleicht wird die nötige Diskussion trotzdem noch geführt, die documenta geht ja noch eine ganze Weile weiter.

Außer den Künstlergruppen aus Indonesien gibt es auch Projekte aus Südafrika und Ghana, aus der Tradition der Sinti und Roma und von den Aborigines in Australien. Aus England ist ein Projekt vertreten, das neurodiversen Künstlern ein Forum bietet.

Es gibt wenige große Sponsoren und Geldgeber, die Künstler sind mit wenig Geld ausgekommen und haben si auch mehr Freiheit, sich gegen ausbeuterische Strukturen und menschenverachtende Systeme zu wehren. Freiheit und Gerechtigkeit ist darum auch ein wichtiges Thema der Ausstellung.

Die Ausstellungsorte sind wieder über die ganze Stadt verteilt, Schwerpunkte sind aber das Fredericianum und die documenta-Halle am Friedrichsplatz.

Zeitkapsel

Kreuz und Turmknopf auf der Dorfkirche in Großziethen

Auf dem Kirchturm der Dorfkirche von Großziethen steht ein vergoldenes Kreuz, direkt über einer großen vergoldeten Blechkugel – dem Kirchturmknopf. Gestern haben wir in diesen Turmknopf eine Zeitkapsel hinein gelegt, die hoffentlich bis zur nächsten Renovierung darin erhalten bleiben wird.

Als die vorhergehende Zeitkapsel bei einer Reperatur des Turms geöffnet wurde, fanden wir darin eine Zeitung aus den dreißigerJahren, verschiedene Münzen und Geldscheine, ein Gemeindeblatt aus dieser Zeit und Briefe von Mitgliedern des damaligen Gemeindekirchenrates mit guten Wünschen für die Menschen in der Zukunft. Wir haben alle diese Dinge gescannt und werden sie wieder in die Zeitkapsel legen, zusammen mit Zeitungen, Geldscheinen und Fotos aus unserer Zeit. Wir werden sogar einen USB-Stick mit der Chronik und den Gemeindeblättern aus den letzten Jahrzehnten in die Zeitkapsel legen, obwohl keiner von uns so wirklich daran glaubt, dass dieser Stick in 50 Jahren noch funktioniert und dass es dann noch Computer geben wird, die dieses – dann uralte – Stück Hardware lesen kann.

Trotz aller Fortschritte in der Digitalisierung ist gutes, altmodisches Papier und gravierte Messingplatten immer noch der sicherste Datenträger…

Die Zukunft ist das „unentdeckte Land“, über die wir nichts wissen können. Gerade jetzt sind so viele schöne und schreckliche Dinge möglich, und niemand kann wissen, wie sich Wirtschaft und Politik, Wissenschaft und Gemeinwesen in den nächsten Jahrzehnten entwickeln werden. Manche von uns macht das besorgt, aber viele von uns glauben, dass es auch in fünfzig Jahren noch eine Kirchengemeinde in Großziethen geben wird und Menschen, die sich für das interessieren werden, was wir glauben, denken und hoffen.

Ich bin kein Roboter…

Künstliche Intelligenz in Gottesdienst und Predigt?

Diesen Twitterbeitrag habe ich vor zwei Tagen in der „Theologenblase“ gefunden, und er hat mich sehr nachdenklich gemacht. Der computergenerierte Text ist nämlich gar nicht schlecht; die Qualität entspricht der vieler Lieder, die für Jugendliche oder für Kirchentage geschrieben worden sind.

Lieder, Gebete und vielleicht sogar Predigten könnten in einiger Zeit von Programmen mit künstlicher Intelligenz verfasst werden. Zumindest von der technischen Seite steht dem jedenfalls Nichts entgegen.

Aber welche Folgen hätte es für den Gottesdienst, welche Folgen hätte es für die Theologie?

Vielleicht der erste Versuch, Software und Hardware im gottesdienstlichen Kontext einzusetzen, war der „Segensroboter“ BLESS U-2, der im Zusammenhang der Jubiläumsfeiern zur Reformation im Jahr 2019 präsentiert wurde. Er war als nachdenklich machendes Kunstprojekt gedacht, wird aber seitdem immer wieder bei kirchlichen Großveranstaltungen eingesetzt, und viele Menschen kommen, um sich von dem Roboter segnen zu lassen. Die Frage bleibt offen, ob der Segen „gültig“ ist und „wirkt“, wenn er nicht von einem Menschen gesprochen wird, der mit seinem Glauben und seiner Lebenserfahrung hinter den Segensworten steht, oder ob ein Programm mit Kamera, Drucker und Lautsprecher die Worte weitergeben kann…

Es hängt wohl viel daran, welches Verständnis jemand von einer Segenshandlung hat, welche Vorstellung man davon hat, was geschieht, wenn man gesegnet wird. Kann man auch gesegnet sein, wenn man ein Flugblatt mit Segensworten liest oder beim Wandern an einem der Wegkreuze einen Bibelvers findet? Wenn man allein in seinem Zimmer die Bibel liest – kann man dann gesegnet werden?

Oder ist es nötig, einen Menschen als gegenüber zu haben, der einem die guten Worte Gottes zusagt, wielleicht dabei noch die Hände auflegt oder ein Kreuzzeichen an die Stirn macht; muß Segen nicht ein einem wie immer gearteten seelsorgerlichen Zusammen stattfinden?

All diese Fragen kommen wieder auf den Tisch, wenn es um computergenerierte Lieder und Gebete geht: Texte entstehen, indem ein Programm aus einer großen Liste Textbausteine auswählt und sie möglichst sinnvoll kombiniert. Oft findet noch ein interner Bewertungsprozeß statt, der offensichtlichen Unfug aussortieren soll. Weil solche Programm aber kein wie auch immer geartetes Abbild der Außenwelt haben, rutscht immer wieder etwas durch, was belustigend oder auch verstörend wirkt. Und es gelingen auch Perlen wie das oben zitierte Beispiel, wobei ich sicher bin, dass das Computerprogramm kein inneres Verständnis hat von dem, was da zusammengestellt und komponiert ist.

Wenn man fair ist, muss man zugeben, dass auch viele Liturginnen und Liturgen Textbausteine nutzen, wenn sie Gottesdienste vorbereiten. Sie suchen Schnipsel aus der Agende, dem Gesangbuch, Gebetbüchern, aus dem Internet und aus eigenen Manuskripten von vergangenen Gottesdiensten zusammen und „weben“ daraus etwas Neues. Selten sind alle Gebete völlig neu, selten sind alle Liedzeilen ohne jedes Vorbild gedichtet. Werden Liedtexte und Gebete weniger glaubhaft, weniger „berührend“, wenn nicht ein Autor oder eine Autorin mit ihrem „Herzblut“ sie verfasst hat?

Trotzdem ist da immer noch ein denkender, fühlender, glaubender Mensch beteiligt, der bei seiner Auswahl auf dem Hintergrund seiner Erfolge und Misserfolge, seiner Glaubenskrisen oder seines tief empfundenen Bekenntnisses bewertet. Programme, die nach dem Grundprinzip eines Schachcomputers oder einer Tabellenkalkulation arbeiten, können weder Hoffnung noch Freude, weder Trauer noch Begeisterung fühlen. Ihnen werden Gebetsanliegen und Liedgattungen vorgegeben, und sie wählen aus dem Repertoire ihrer Datenbanken entsprechende Worte, Wendungen und Vers aus. Wenn ein Mensch Ähnliches tut, weiß er, warum er diese Wahl trifft – im Computerprogramm geschieht diese Auswahl nach dem Zufallsprinzip oder nach Kriterien der größten Wahrscheinlichkeit.

Vielleicht könnten solche Programme in Zukunft ein hilfreiches Werkzeug bei der Vorbereitung von Gottesdiensten und Andachten sein; ein komplett von dem Computer berechnetes, unredigiertes Gebetbuch würde ich mir aber nicht kaufen…

In manchen Bereichen der öffentlichen Kommunikation werden Texte routinemäßig von Computerprogrammen verfasst; Wetter- und Börsenberichte, Sportnachrichten und Verkehrsinformationen werden automatisch generiert. Aus den nackten Zahlen der Datenbanken werden so lesbare, manchmal sogar emotional anrührende Beiträge für Zeitungen, Web-Sites und Radiobeiträge konstruiert. Auch Schlagertexte, manche Kolummnen und sogar Selbsthilfebücher könnten durchaus aus dem Rechner stammen.

Für die Verkündigung in einer Kirche, für Predigt und Seelsorge kann ich mir das aber nicht vorstellen. Was dort gesagt wird, ist viel zu persönlich, viel zu spezifisch und auch zu kreativ, um von einer Maschine verfasst zu werden. Jedenfalls hoffe ich das. Es gibt zwar auch Kolleginnen und Kollegen, Schwestern und Brüder, bei denen ich spüre, dass Textbausteine in ihrer Predigtvorbereitung keine geringe Rolle gespielt haben. Manchmal, wenn ich unter großem Zeitdruck bin, habe ich auch schon Abschnitte oder ganze Gedankenketten „recycelt“. Gut geklaut ist da doch besser als schlecht selbstgeschrieben. Aber ich habe den Anspruch an mich, dass das nicht der Normallfall sein soll und keine Gewohnheit werden darf.

Wenn predigende Computerprogramme den „Turing-Test“ bestehen, wenn man also nicht mehr sagen könnte, ob eine Predigt von einem Menschen oder von einer Maschine verfasst wurde, machen die Predigenden etwas falsch. Denn es kann in einer Predigt nicht nur darum gehen, dogmatische Richtigkeiten und passend zusammengesuche Anekdoten zu präsentieren. Verkündigung braucht den gelebten Glauben, Erfahrung und Hoffnung, die ein Algorhythmus nicht aus den Tiefen des Internets zusammensuchen kann.

Eichhörnchentage…

Heute hat mir das „Diese Musik könnte Dir auch gefallen…“-Programm von Spotify das Lied „Eichhörnchentag“ von Ina Müller vorgespielt. Ich habe das noch nie vorher gehört, kannte auch Ina Müller nicht, aber das Lied fand ich recht ansprechend. Ina Müller singt ziemlich humorvoll von den Schwierigkeiten, die ein Mensch mit Aufmerksamkeitsstörung in seinem Alltag erlebt…

Oft werden Menschen mit ADHS von Nicht-Betroffenen beinahe liebevoll als „etwas verpeilt aber sonst eigentlich ganz nett“ beschrieben, manche nicht so netten Arbeitskollegen sagen aber unverblümt „faul, unorganisiert, anstrengend und unzuverlässig“ und beschweren sich: „Man kann ihm nichts wirklich anvertrauen, ständig muss man überwachen, dass er seinen Teil wirklich liefert…“

Ich habe wirklich nichts gegen die lustigen Karikaturen, die man seit einiger Zeit in vielen Medien findet,  aber sie verschleiern auch, dass Menschen mit ADHS unter dieser Konstitution leiden

ADHS ist keine Krankheit. Wie Autismus und manche Depressionen ist sie eine mögliche Folge von Neurodiversität. Bestimmte sehr spezifische Vorgänge im Gehirn laufen anders ab als bei neurotypischen Menschen. Diese Konstitution ist noch sehr wenig erforscht. Sie ist sehr schwer zu diagnostizieren, weil sie eine Vielzahl unterschiedlicher Erscheinungsformen hat; und nur wenig Ärzte haben die entsprechenden Fortbildungen absolviert. Bis vor wenigen Jahren waren Wissenschaftler überzeugt, ADHS gäbe es nur bei Kindern und Jugendlichen, inzwischen hat man es aber auch bei Erwachsenen immer wieder festgestellt. Man hat gute Erfahrungen mit Medikamenten gemacht, mit Psychopharmaka, die auf die Hirnchemie einwirken. Aber oft bleiben auch die Tabletten wirkungslos.

Echte Hilfe ist – gerade in diesen Monaten – fast gar nicht zu bekommen, da alle Psychologen und Psychotherapeutinnen bis zum Anschlag ausgelastet oder überfordert sind. Und, wie gesagt, es ist wenig erforscht und schwer zu diagnostizieren. Ä

Bitte unterstellt Kollegen und Freunden nicht, dass sie faul und unzuverlässig sind. Manchmal können sie beim besten Willen nicht anders. Nehmt es nicht persönlich.

Menschen mit ADHS haben oft auch eine „Superkraft“. Sie sind in der Regel gut darin, Dinge zu improvisieren, kurzfristig auf Anfragen zu reagieren, last-Minute-Änderungen einzubauen etc. Denn sie sind es gewohnt, plötzlich und „aus dem Bauch heraus“ zu arbeiten, wenn sie ihre Deadline aus dem Blick verloren haben. Es geht oft – aber nicht immer.

Sie sind oft selbst ihre schärfsten Kritiker, also macht ihnen bitte keine Vorwürfe. Versucht, mit ihnen gemeinsam einen Plan mit vielen kleinen Schritten zu machen. Und feiert mit ihnen Eure Erfolge.

Ich suche jemanden für ein Abenteuer…

So fangen die großen Geschichten an: jemand klopft an die Tür, erzählt von einem verborgenen Schatz, von einer entführten Prinzessin, von einer anderen großen, herausfordernden Aufgabe, und ein paar Tage später macht sich ein unerfahrener, kleiner Held auf die Reise, ein junger Ritter, ein noch furchtsamer Krieger, ein zögernder Entdecker oder auch nur ein Hobbit, um Drachen zu jagen, Piraten zu überlisten oder böse Zauberer zu bekämpfen.

Meistens eher widerwillig verlassen sie ihre Höhle, ihre Unterkunft, ihre Burg, in der sie sich sicher gefühlt haben, und machen sich auf den Weg in die ferne Fremde, wo Unerwartetes auf sie wartet, Dinge, auf die sie sich nicht vorbereitet haben… Wie Pilger sind sie auf dem Weg, gezogen von etwas, das größer ist als sie selbst. Dessen Macht können sie sich nicht entziehen, auch wenn sie im Anfang noch nicht genau wissen, was sie da antreibt.

Erst während der Reise entwickeln sie sich, zeigen ihre verborgenen Talente, ihren Mut und ihr Geschick. In der Not und oft unter Schmerzen entfalten sie ihr Potential und werden so zu den Menschen, die sie eigentlich schon immer waren. Erst im Widerstand wächst die eigene Kraft. In der Konfrontation mit dem Unbekannten wächst Wissen und Verständnis…

Die Straße gleitet fort und fort
Weg von der Tür, wo sie begann
Weit überland, von Ort zu Ort
Ich folge ihr, so gut ich kann…

J.R.R. Tolkien

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„Geh!“ – Abraham, den Juden wie Muslims als Stammvater ehren, fühlte sich von Gott angesprochen. Der Geist des Ewigen klopfte an seine Tür: Geh! Verlasse, was Du hast, was die vertraut ist, was dich dein ganzes Leben lang umgeben hat. Verlasse deine Gewohnheiten, die festen Mauern, die dich schützen, die dich aber auch einengen und beschränken. Ich suche jemanden für ein Abenteuer. Bist Du es?

„Geh aus deinem Vaterhaus in ein Land, das ich dir zeigen werde…“ Du wirst dort fremd sein. Du wirst dort deinen Platz behaupten müssen. Unbekannt und neu ist dir dort das Licht und die Nacht, der Geruch des Windes und das Flimmern des Grases auf dem Feld. Die Geräusche der Nacht, der Glanz der Sterne, der Gesang der Vögel und die Wege der Tiere im Dickicht kennst Du noch nicht. Ich suche jemanden für ein Abenteuer. Bist Du es?

„Geh!“ – Habe den Mut, alte Konzepte noch ein mal zu überdenken. Trau dich, noch einmal neue Lösungen für alte Probleme zu finden. Suche die Freiheit, auch wenn das bedeutet, ins Ungewisse hinaus zu gehen und die eingefahrenen Wege zu verlassen. Ich suche jemanden für ein Abenteuer. Bist Du es?

Mach dich auf und geh! Ich werde bei dir sein, denn ich bin der Gott, der mit geht…

Das Aug, das Feuer sah und Schwert,
Gefahr und Greuel ohne End,
Nun schaut es wieder, heimgekehrt,
Baum, Bach und Hügel, die es kennt.

J.R.R. Tolkien

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Enden gute Geschichten so?

Nach vielen tausend Seiten im Buch lese ich, wie mein Held verändert zurückkehrt, verwundet durch Stich, Zahn und eine schwere Bürde, die er viel zu lange tragen musste… Aber er ist jetzt reicher an Erfahrung (und vielleicht auch an Geld und Gold), gewissermaßen erwachsen geworden, reif, vielleicht sogar in einem gewissen Sinn „erleuchtet“. Er kommt zurück in die Heimat (oder er findet eine neue Heimat in einer Fremde, die zu ihm passt…), aber er selbst ist nicht mehr Derselbe, der er einst war. Die Scherben des sehr zerbrechlichen Lebens glitzern im Licht, aber „alle Pferde des Königs und all seine Männer“ können sie nicht wieder zusammen setzen.

Selbst, wenn man doch wieder heil und ganz und gesund wird und viele Jahre lebt mit der Erfahrung und dem Wissen, das man sich erarbeitet hat, mit dem Erfolg, den man verdient hat – am Ende bricht man wieder auf, denn da sind noch andere Schätze, nach denen man gräbt, andere Ringe, die man tragen wird, vielleicht sogar andere Drachen, mit denen man sich messen muss…

Daheim verblasst, die Welt rückt nah,
Mit vielen Pfaden liegt sie da
Und lockt durch Schatten, Trug und Nacht,
Bis endlich Stern um Stern erwacht.
Dann wiederum verblasst die Welt –
Daheim! Wie mir das Wort gefällt…

J.R.R. Tolkien

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Das Abenteuer ist nicht vorbei. Die Geschichten des wahren Lebens haben kein wirkliches Ende. Meist muss man Dinge halbfertig zurücklassen, weitergeben an andere, die dort weiter arbeiten, wo man selbst an Grenzen gestoßen ist. In der „Unendlichen Geschichte“ heißt es dann: Dies ist aber eine andere Geschichte, und sie soll ein anderes Mal erzählt werden

Wer seinen Kinderglauben verloren hat, wer sich aufgemacht hat aus dem Haus des Vaters, sucht immer weiter nach einem Ort, den er „Daheim“ nennen kann, wo Brot und Wurst auf dem Tisch steht und wo man dann zu Bett geht… „Wir haben hier keine bleibende Stadt; die Zukünftige suchen wir…“ heißt es schon in der Bibel, im Brief an die Hebräer. Denn auch ein erwachsener Glaube ist immer noch ein Vertrauen auf Gott, dem man ein Wunder zutraut…

Die Straße gleitet fort und fort,
weg von der Tür, wo sie begann,
doch um die Ecke kommt’s mir vor,
da führt noch ein geheimes Tor
zu Pfaden, die wir nie gesehn,
es kommt der Tag, da muss ich gehn
und unbekannte Wege ziehn,
wohl Mond vorbei und Sonnen hin…

J.R.R. Tolkien

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Die Wunden, die man erleidet, heilen nie wirklich. Wenn es gut geht, kann man damit eine Weile leben. Aber je älter ich werde, desto mehr wird mir die Vorläufigkeit alles Irdischen bewusst. Der letzte Weg, das letzte Abenteuer führt aus dieser Welt hinaus, in das „unentdeckte Land“, von dem schon Shakespeare dichtete.

Sein oder Nichtsein; das ist hier die Frage:
Obs edler im Gemüt, die Pfeil und Schleudern
Des wütenden Geschicks erdulden oder,
Sich waffnend gegen eine See von Plagen,
Durch Widerstand sie enden? Sterben – schlafen –
Nichts weiter! Und zu wissen, daß ein Schlaf
Das Herzweh und die tausend Stöße endet…

(…)

Nur daß die Furcht vor etwas nach dem Tod,
Das unentdeckte Land, von des Bezirk
Kein Wandrer wiederkehrt, den Willen irrt,
Daß wir die Übel, die wir haben, lieber
Ertragen als zu unbekannten fliehn.
So macht Bewußtsein Feige aus uns allen;

Shakespeare, Hamlet, 3. Akt, 1.Szene

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Ich suche jemanden für ein Abenteuer. Wie in jeder großen Geschichte ist der Weg selbst das Ziel. Als Pilger ist man nicht unterwegs, um am Ende in irgendeiner Kirche den „Jakob“ zu umarmen. Der Weg selbst ist Gebet und Glaubensbekenntnis, ist Lobgesang und Anbetung, ist Taufe und Kommunion, ist Gottesdienst im wörtlichen Sinn. Wir sind Pilger – das ist wahr…

Bücher für den Sommerurlaub…

Unterhaltsam wie immer ist der neunte Fall um den Polizisten und Zauberer Peter Grant, der in eine gefährliche und undurchsichtige Mission hinein gezogen wird: in den streng bewachten Silberkammern unter den Flüssen von London treibt sich ein Wesen herum, das Menschen das Herz aus dem lebenden Körper reißt… Nicht einmal in den alten Büchern im „Folly“ ist etwas darüber verzeichnet, und so begeben sich Peter, sein Lehrer Nightingale und die anderen Constables aus dem Team für „abstrusen Kram“ auf unerforschtes Terrain…

Das Buch „Spiegel“ von Cixin Liu ist eigentlich eine Mogelpackung: es enthält nur eine Kurzgeschichte von etwa 100 Seiten Länge, der Rest ist eine Leseprobe aus der Trisolaris-Trilogie. Aber die Geschichte ist interessant und hat ein paar spannende philosophische Implikationen.

Ein ganz besonderer Tip ist „Der Susan-Effekt“: in einem spannenden, actionreichen Krimi um eine starke Frau stellt sich immer wieder die Frage, wie Manipulation, Charisma, Liebe und vielleicht auch Quantenphysik das Zusammenleben von Menschen prägen, verkomplizieren, oder überhaupt erst möglich machen. Ein Buch voller witziger, skurriler, absurder und atemberaubender Einfälle. Das MUSS man gelesen haben.

Das Buch von Anne Gesthuysen habe ich noch nicht gelesen, es fängt aber vielversprechend an…