Man braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind groß zu ziehen… documenta 15

und eine ganze Stadt, um eine Kunstausstellung zu organisieren…

Heute war der Pfarrkonvent von Neukölln auf „Klassenfahrt“… Neun Kolleginnen und Kollegen haben sich auf den Weg gemacht nach Kassel. Dort findet zum fünfzehnten Mal die documenta statt…

In diesem Jahr arbeitet die Ausstellung mit Künstlerinnen und Künstlern aus Indonesien zusammen. Sie will die Tradition des lumbung verwirklichen, das Leben in der indonesischen Reishütte. Alle Familien aus dem Dorf bringen die Erträge ihrer Ernte dort hin, dann darf jede so viel nehmen, wie sie selbst zum Leben braucht. Was übrig bleibt, wird von der Dorfgemeinschaft verwaltet und gemeinsam genutzt.

So haben auch hier die verschiedenen Künstlergruppen die Ergebnisse ihrer Kreativität zusammen getragen und gemeinsam in Diskussionen und Lernprozessen an ihren Themen gearbeitet. Politisch, philosophisch und sozial haben sie ihre Situation analysiert und an Zielen und Problemlösungen geforscht.

Deshalb ist die documenta diesmal weniger eine Ausstellung fertiggestellter Kunstwerke als vielmehr ein work in progress. Alles kann sich verändern, die Ausstellung wird immer wieder umgebaut und manche Werke sind ganz aus der Sammlung entfernt worden…

Leider ist die documenta diesmal in Verruf geraten, weil einige wenige Werke einen rassistischen oder judenfeindlichen Hintergrund haben. Das waren vor allem Dinge aus Archiven in Indonesien und in Südafrika, die in die heutige Zeit nicht mehr passen. Sie sind in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts entstanden, als das Bewusstsein für die nötige Kritik noch nicht entwickelt war. Ob man solche Exponate heute noch zeigen darf oder sogar muss, darüber könnte man sich ausführlich streiten. Leider wird die Diskussion aber mit so viel Druck und Emotionen geführt, dass ein vernünftiger und zielführender Dialog unmöglich geworden ist. Die Leitung der Ausstellung hat die betroffenen Werke entfernt. Eigentlich schade. Vielleicht wird die nötige Diskussion trotzdem noch geführt, die documenta geht ja noch eine ganze Weile weiter.

Außer den Künstlergruppen aus Indonesien gibt es auch Projekte aus Südafrika und Ghana, aus der Tradition der Sinti und Roma und von den Aborigines in Australien. Aus England ist ein Projekt vertreten, das neurodiversen Künstlern ein Forum bietet.

Es gibt wenige große Sponsoren und Geldgeber, die Künstler sind mit wenig Geld ausgekommen und haben si auch mehr Freiheit, sich gegen ausbeuterische Strukturen und menschenverachtende Systeme zu wehren. Freiheit und Gerechtigkeit ist darum auch ein wichtiges Thema der Ausstellung.

Die Ausstellungsorte sind wieder über die ganze Stadt verteilt, Schwerpunkte sind aber das Fredericianum und die documenta-Halle am Friedrichsplatz.

Ich bin kein Roboter…

Künstliche Intelligenz in Gottesdienst und Predigt?

Diesen Twitterbeitrag habe ich vor zwei Tagen in der „Theologenblase“ gefunden, und er hat mich sehr nachdenklich gemacht. Der computergenerierte Text ist nämlich gar nicht schlecht; die Qualität entspricht der vieler Lieder, die für Jugendliche oder für Kirchentage geschrieben worden sind.

Lieder, Gebete und vielleicht sogar Predigten könnten in einiger Zeit von Programmen mit künstlicher Intelligenz verfasst werden. Zumindest von der technischen Seite steht dem jedenfalls Nichts entgegen.

Aber welche Folgen hätte es für den Gottesdienst, welche Folgen hätte es für die Theologie?

Vielleicht der erste Versuch, Software und Hardware im gottesdienstlichen Kontext einzusetzen, war der „Segensroboter“ BLESS U-2, der im Zusammenhang der Jubiläumsfeiern zur Reformation im Jahr 2019 präsentiert wurde. Er war als nachdenklich machendes Kunstprojekt gedacht, wird aber seitdem immer wieder bei kirchlichen Großveranstaltungen eingesetzt, und viele Menschen kommen, um sich von dem Roboter segnen zu lassen. Die Frage bleibt offen, ob der Segen „gültig“ ist und „wirkt“, wenn er nicht von einem Menschen gesprochen wird, der mit seinem Glauben und seiner Lebenserfahrung hinter den Segensworten steht, oder ob ein Programm mit Kamera, Drucker und Lautsprecher die Worte weitergeben kann…

Es hängt wohl viel daran, welches Verständnis jemand von einer Segenshandlung hat, welche Vorstellung man davon hat, was geschieht, wenn man gesegnet wird. Kann man auch gesegnet sein, wenn man ein Flugblatt mit Segensworten liest oder beim Wandern an einem der Wegkreuze einen Bibelvers findet? Wenn man allein in seinem Zimmer die Bibel liest – kann man dann gesegnet werden?

Oder ist es nötig, einen Menschen als gegenüber zu haben, der einem die guten Worte Gottes zusagt, wielleicht dabei noch die Hände auflegt oder ein Kreuzzeichen an die Stirn macht; muß Segen nicht ein einem wie immer gearteten seelsorgerlichen Zusammen stattfinden?

All diese Fragen kommen wieder auf den Tisch, wenn es um computergenerierte Lieder und Gebete geht: Texte entstehen, indem ein Programm aus einer großen Liste Textbausteine auswählt und sie möglichst sinnvoll kombiniert. Oft findet noch ein interner Bewertungsprozeß statt, der offensichtlichen Unfug aussortieren soll. Weil solche Programm aber kein wie auch immer geartetes Abbild der Außenwelt haben, rutscht immer wieder etwas durch, was belustigend oder auch verstörend wirkt. Und es gelingen auch Perlen wie das oben zitierte Beispiel, wobei ich sicher bin, dass das Computerprogramm kein inneres Verständnis hat von dem, was da zusammengestellt und komponiert ist.

Wenn man fair ist, muss man zugeben, dass auch viele Liturginnen und Liturgen Textbausteine nutzen, wenn sie Gottesdienste vorbereiten. Sie suchen Schnipsel aus der Agende, dem Gesangbuch, Gebetbüchern, aus dem Internet und aus eigenen Manuskripten von vergangenen Gottesdiensten zusammen und „weben“ daraus etwas Neues. Selten sind alle Gebete völlig neu, selten sind alle Liedzeilen ohne jedes Vorbild gedichtet. Werden Liedtexte und Gebete weniger glaubhaft, weniger „berührend“, wenn nicht ein Autor oder eine Autorin mit ihrem „Herzblut“ sie verfasst hat?

Trotzdem ist da immer noch ein denkender, fühlender, glaubender Mensch beteiligt, der bei seiner Auswahl auf dem Hintergrund seiner Erfolge und Misserfolge, seiner Glaubenskrisen oder seines tief empfundenen Bekenntnisses bewertet. Programme, die nach dem Grundprinzip eines Schachcomputers oder einer Tabellenkalkulation arbeiten, können weder Hoffnung noch Freude, weder Trauer noch Begeisterung fühlen. Ihnen werden Gebetsanliegen und Liedgattungen vorgegeben, und sie wählen aus dem Repertoire ihrer Datenbanken entsprechende Worte, Wendungen und Vers aus. Wenn ein Mensch Ähnliches tut, weiß er, warum er diese Wahl trifft – im Computerprogramm geschieht diese Auswahl nach dem Zufallsprinzip oder nach Kriterien der größten Wahrscheinlichkeit.

Vielleicht könnten solche Programme in Zukunft ein hilfreiches Werkzeug bei der Vorbereitung von Gottesdiensten und Andachten sein; ein komplett von dem Computer berechnetes, unredigiertes Gebetbuch würde ich mir aber nicht kaufen…

In manchen Bereichen der öffentlichen Kommunikation werden Texte routinemäßig von Computerprogrammen verfasst; Wetter- und Börsenberichte, Sportnachrichten und Verkehrsinformationen werden automatisch generiert. Aus den nackten Zahlen der Datenbanken werden so lesbare, manchmal sogar emotional anrührende Beiträge für Zeitungen, Web-Sites und Radiobeiträge konstruiert. Auch Schlagertexte, manche Kolummnen und sogar Selbsthilfebücher könnten durchaus aus dem Rechner stammen.

Für die Verkündigung in einer Kirche, für Predigt und Seelsorge kann ich mir das aber nicht vorstellen. Was dort gesagt wird, ist viel zu persönlich, viel zu spezifisch und auch zu kreativ, um von einer Maschine verfasst zu werden. Jedenfalls hoffe ich das. Es gibt zwar auch Kolleginnen und Kollegen, Schwestern und Brüder, bei denen ich spüre, dass Textbausteine in ihrer Predigtvorbereitung keine geringe Rolle gespielt haben. Manchmal, wenn ich unter großem Zeitdruck bin, habe ich auch schon Abschnitte oder ganze Gedankenketten „recycelt“. Gut geklaut ist da doch besser als schlecht selbstgeschrieben. Aber ich habe den Anspruch an mich, dass das nicht der Normallfall sein soll und keine Gewohnheit werden darf.

Wenn predigende Computerprogramme den „Turing-Test“ bestehen, wenn man also nicht mehr sagen könnte, ob eine Predigt von einem Menschen oder von einer Maschine verfasst wurde, machen die Predigenden etwas falsch. Denn es kann in einer Predigt nicht nur darum gehen, dogmatische Richtigkeiten und passend zusammengesuche Anekdoten zu präsentieren. Verkündigung braucht den gelebten Glauben, Erfahrung und Hoffnung, die ein Algorhythmus nicht aus den Tiefen des Internets zusammensuchen kann.

Eichhörnchentage…

Heute hat mir das „Diese Musik könnte Dir auch gefallen…“-Programm von Spotify das Lied „Eichhörnchentag“ von Ina Müller vorgespielt. Ich habe das noch nie vorher gehört, kannte auch Ina Müller nicht, aber das Lied fand ich recht ansprechend. Ina Müller singt ziemlich humorvoll von den Schwierigkeiten, die ein Mensch mit Aufmerksamkeitsstörung in seinem Alltag erlebt…

Oft werden Menschen mit ADHS von Nicht-Betroffenen beinahe liebevoll als „etwas verpeilt aber sonst eigentlich ganz nett“ beschrieben, manche nicht so netten Arbeitskollegen sagen aber unverblümt „faul, unorganisiert, anstrengend und unzuverlässig“ und beschweren sich: „Man kann ihm nichts wirklich anvertrauen, ständig muss man überwachen, dass er seinen Teil wirklich liefert…“

Ich habe wirklich nichts gegen die lustigen Karikaturen, die man seit einiger Zeit in vielen Medien findet,  aber sie verschleiern auch, dass Menschen mit ADHS unter dieser Konstitution leiden

ADHS ist keine Krankheit. Wie Autismus und manche Depressionen ist sie eine mögliche Folge von Neurodiversität. Bestimmte sehr spezifische Vorgänge im Gehirn laufen anders ab als bei neurotypischen Menschen. Diese Konstitution ist noch sehr wenig erforscht. Sie ist sehr schwer zu diagnostizieren, weil sie eine Vielzahl unterschiedlicher Erscheinungsformen hat; und nur wenig Ärzte haben die entsprechenden Fortbildungen absolviert. Bis vor wenigen Jahren waren Wissenschaftler überzeugt, ADHS gäbe es nur bei Kindern und Jugendlichen, inzwischen hat man es aber auch bei Erwachsenen immer wieder festgestellt. Man hat gute Erfahrungen mit Medikamenten gemacht, mit Psychopharmaka, die auf die Hirnchemie einwirken. Aber oft bleiben auch die Tabletten wirkungslos.

Echte Hilfe ist – gerade in diesen Monaten – fast gar nicht zu bekommen, da alle Psychologen und Psychotherapeutinnen bis zum Anschlag ausgelastet oder überfordert sind. Und, wie gesagt, es ist wenig erforscht und schwer zu diagnostizieren. Ä

Bitte unterstellt Kollegen und Freunden nicht, dass sie faul und unzuverlässig sind. Manchmal können sie beim besten Willen nicht anders. Nehmt es nicht persönlich.

Menschen mit ADHS haben oft auch eine „Superkraft“. Sie sind in der Regel gut darin, Dinge zu improvisieren, kurzfristig auf Anfragen zu reagieren, last-Minute-Änderungen einzubauen etc. Denn sie sind es gewohnt, plötzlich und „aus dem Bauch heraus“ zu arbeiten, wenn sie ihre Deadline aus dem Blick verloren haben. Es geht oft – aber nicht immer.

Sie sind oft selbst ihre schärfsten Kritiker, also macht ihnen bitte keine Vorwürfe. Versucht, mit ihnen gemeinsam einen Plan mit vielen kleinen Schritten zu machen. Und feiert mit ihnen Eure Erfolge.

Gekommen, um zu bleiben…


So, und jetzt? Ostern ist vorbei! Die Eier sind versteckt, gesucht und gefunden worden. Schokohasen aus goldener oder lila Folie haben ihre Ohren verloren und gucken vorwurfsvoll aus papiergrasgrünen Osternestern. Der Festtagsbraten wurde gestern schon aufgegessen, für heute gibt es nur noch ein paar Reste. Die Verwandtschaft hat sich heute früh auf den Heimweg gemacht. Ostern ist vorbei.

Und jetzt? Noch klingen die Lieder aus der Osternacht in den Ohren, noch leuchtet die Flamme der Osterkerze und strahlt in die Dunkelheit. Wir erinnern uns an die ermutigenden Worte der Predigt, von Auferstehung, vom neuen Leben, vom Ende der Todesfurcht. Aber das alles war gestern. Ostern ist vorbei. Was jetzt?

Petrus und die anderen Jünger, die früher mal Fischer gewesen sind, kehren zu ihren Booten zurück, werfen ihre Netze aus, als ob es erst gestern war, als ob erst gestern Jesus am Ufer stand und darum bat, in seinem Boot zu den Menschen sprechen zu können. War es wirklich erst drei Jahre her, dass er gesagt hat „Folge du mir nach, von nun an wirst du Menschen fischen!“?

Am Ende starb er und mit ihm erlosch alle Hoffnung. Ein Traum war es, wie im Rausch verging die Zeit, und der Glaube, die Zuversicht schien einen festen Grund zu haben. Doch der geriet ins Wanken im Hof des Hauses des Hohenpriesters, als er Jesus verleugnete und sagte „Ich kenne diesen Menschen nicht…!“ Alle Fundamente versanken, als er sah, wie Jesus starb, und es war nicht mehr wichtig,  ob er nun sagte „Es ist vollbracht!“ oder „Mein Gott,  warum hast du mich verlassen!“… So oder so,  Jesus war gescheitert. Er ist gestorben und begraben, tief unten im Bauch der Erde, in der Höhle des Grabes des Joseph von Arimathäa. Die Hoffnung, er wäre der Retter, der König von Israel, hatte sich nicht erfüllt. Was blieb Petrus und den anderen noch, als zum Alltag zurück zu kehren. Zurück zu den Booten, zurück zu den Netzen.

Weihnachten, Ostern, Pfingsten – die großen Feste des Kirchenjahres kommen alle Jahre wieder und erinnern uns an die Zeichen der Hoffnung, an die großen Worte, die uns sagen: Gott ist da! Gott ist uns ganz nah! Gott hat unser Leben berührt; nun kann alles ganz anders werden.

Aber schon am 2. Feiertag, spätestens nach einer Woche, ist der Alltag wieder da, der Glanz verblasst, die Freude wird grau, das Fest ist vorbei und in der Küche wartet der Abwasch. Zurück zu den Booten, zurück zu den Netzen.

Doch selbst da, in einem hoffnungslosen Alltag, steht nun Jesus am Ufer und sagt: Werft noch einmal das Netz aus. Und wer das tut, wird es erleben: die Netze sind so voll, dass sie anfangen zu reißen. Die Boote werden so voll, dass sie fast sinken. Und die Herrlichkeit des Herrn wird offenbar, mitten im Alltag.

Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. Das ist das Versprechen des Auferstandenen.

In diesen Tagen fällt uns die Hoffnung oft schwer, der Glaube spinnt sich ein und die Liebe tut weh. Wo ist Gottes starke Hand, wo bleibst du Trost der ganzen Welt? Immer noch rechnen wir nur mit menschlichen Möglichkeiten. Wir sitzen wie Jona im Bauch des Fisches und singen an gegen die Dunkelheit, gegen den Gestank, gegen die Angst. Wir richten uns ein in einer Welt, die nicht so ist, wie sie sein könnte. Auch nach Ostern leben wir, als ob es Gott nicht gäbe. Als ob er diese Welt nie berührt hatte. Als ob er niemals gesagt hätte: Seht; ich lebe, und ihr werdet auch leben.

Ich habe gedacht, ich würde deinen Tempel niemals wieder sehen. So singt Jona. Es ist vorbei; ich will fischen gehen. So spricht Petrus. Ostern war gestern. So denken wir. Aber so ist es nicht!

Als ich verzweifelte, hast du mir geholfen! Auch das bekennt der Prophet. Es ist der Herr! Auch das erkennt Petrus angesichts des übervollen Bootes. Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. Auch das erkennt seine christliche Gemeinde wieder und wieder durch die Jahrhunderte. Auch wir haben erkannt, dass Gott uns in schwierigen Zeiten nahe ist.

Lasst uns an der österlichen Freude festhalten und das Vertrauen nicht wegwerfen, das eine große Belohnung hat.

Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! Die Herrschaft des Todes ist gebrochen, Christus hat das Leben in Fülle ans Licht gebracht.

Ostern ist gekommen, um zu bleiben! Der Tod ist tot, Christus ist unser Sieg! Und wenn wir zurückkehren zu den Netzen, an die Zeichenbretter, zu Maschinen und Computern, in die Küchen und Werkstätten, in die Kliniken und die Gärten, dann werden wir es immer wieder erleben: es ist der Herr, der unserem Tun Sinn gibt. Der leuchtet über unseren Weg. Der uns aus dem Dunkeln der Nacht in den neuen Tag führt.

So! Und jetzt?

Wo ham’se denn jedient?!

Ich bin nie beim Militär gewesen; und ich weiß auch nicht, wie man mit einer Waffe umgeht. Bis letzte Woche habe ich noch nie darüber nachdenken müssen, ob das eigentlich ein Vorteil oder ein Nachteil ist. Meine Eltern haben ab und zu gesagt, dass ich bei der Armee wenigstens gelernt hätte, wie man sein Zimmer ordentlich aufräumt und sein Bett ordentlich macht. Ich wäre nicht immer so verträumt und hätte mehr Disziplin.

Zucht und Ordnung! Sind das christliche Werte? In der Bibel werden vor allem Anderen genannt: „Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei. Und die Liebe ist die Größte von ihnen…“ Daneben werden aber an mehreren Stellen im Neuen Testament die klassischen Tugenden der griechischen Philosophie genannt: Bescheidenheit, Treue, Verlässlichkeit und Mut. Oder, wie es an einer anderen Stelle gesagt ist: „Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott…“

Ich bin nie ein mutiger Mensch gewesen. Obwohl ich schon einmal als „mutiger Pfarrer“ in der Zeitung stand, weil ich einmal einen Einbrecher aus meiner Wohnung vertrieben habe. Das war aber nicht Mut, das war einfach nur Fantasielosigkeit. Was alles hätte passieren können, wenn der bullige Typ in unserer Küche ein Messer gehabt hätte, das habe ich mir einfach nicht vorgestellt und in dieser Situation rein instinktiv reagiert.

Als in Berlin lebender Mann habe ich nie einen Musterungsbescheid bekommen und als angehender Theologe musste ich keine Gewissensprüfung über mich ergehen lassen. Fürchterliches wurde darüber berichtet, wie Pazifisten provoziert wurden und Wehrdienstverweigerer Fragen im Konjunktiv beantworten müssten wie: „Wenn ein Einbrecher mit gezogener Waffe in ihrer Küche stünde und ihr Kind bedrohte; würden sie nicht auch schießen, wenn es nötig wäre?“

Was würde ich tun? Wer kann das schon wissen, was er in einer Situation tun würde, die so unglaublich irreal und abseitig erscheint, dass man sich darauf nie im Leben vorbereiten zu müssen glaubte?

Jetzt scheint so vieles möglich, über das wir uns in Berlin seit Jahrzehnten keine Gedanken mussten… Aber ich kann mir nicht vorstellen, was ich tun würde, wenn wieder russische Panzer über deutsche Straßen rollen…

Unglaublich mutig sind die Menschen, die jetzt in Kiew gegen die angreifenden Besatzer kämpfen; unglaublich mutig sind auch die Vielen, die auf russischen Straßen aufstehen gegen Putin und dessen Kriegstreiberei, gegen die Propaganda und die Unmenschlichkeit, die den Krieg in ein friedliches Land getragen hat. Unglaublich mutig sind die Tausende, die jetzt an die polnische Grenze fahren, um die Geflüchteten zu empfangen, die erschöpft und verloren über die Grenze kommen.

Ich habe mir nie vorstellen können, Soldat zu sein, mit der Waffe in der Hand zu kämpfen, auf irgendeinem Schlachtfeld dem Tod ins Auge zu sehen. Ich weiß aber auch, dass meine Generation eine der wenigen ist, der dieses Schicksal bisher weitgehend erspart geblieben ist. Die Menschen, die in den vergangenen zehn Jahren in vielen Ländern als UN-Friedenstruppen unterwegs waren, gehören ja größtenteils schon zu der Generation, die nach uns kommt, zu unseren Kindern und Enkeln…

Für die Generationen davor waren Kriege immer lebensprägende Ereignisse. „Wo ham’se denn jedient?“ – das war die Frage, die Männer im preußischen Reich verbunden und geschieden hat, die Namen der berühmten Generäle und Heerführer kommen bis heute in der Liste Berliner Straßennamen vor…

Die Kriege gegen die Franzosen, die Österreicher, die Ungarn, die Schweden und mehrere Dutzend anderer konnten Schulkinder früher um Schlaf herunter rasseln, und die großen Schlachten, Siege wie Niederlagen, konnte man damals mit Jahreszahl und Teilnehmern aufzählen wie heute die Austragungsorte der Fußballweltmeisterschaften oder der Sommerolympiaden. „Süß und ehrenvoll und für das Vaterland…“ – diese Parole hat man uns nicht mehr eingeredet, und die Lehrer haben uns darin geschult, Konflikte im Klassenzimmer und auf dem Pausenhof nicht mit Fäusten, sondern mit Argumenten auszutragen. Aber auch da hat gegen die größten „Kriegstreiber“ Diplomatie nicht immer geholfen.

Meine Großeltern haben manchmal vom Krieg erzählt, aber das meiste davon habe ich verdrängt; ich kann mich nicht mehr genau erinnern. Mein Opa war wohl eine Zeit lang in Italien, kam später nach Nordafrika… Wenn er erzählt hat, klang das immer so, als ob er mit den Jungs aus seiner Pfadfindergruppe eine Urlaubsreise unternommen hätte. Meine Oma dagegen erzählte von ihrer Flucht aus dem „Sudetenland“, erzählte auch von ihrer verlorenen Heimat, vom langen Warten in kalten Nächten, von vielen kurzen Strecken in Güterzügen und langen Wanderungen, von Angst… manchmal träume ich davon, obwohl ich selbst nie dabei war…

„Die Russen kommen!“ Dieser Ausruf war nicht nur meine Grundangst in den siebziger Jahren. Ich kann mich erinnern, dass ich mit der Kirchengemeinde auf einer Jugendfahrt in einem klitzekleinen Ort in der Nähe von München war. Nicht weit davon muss es einen Militärflughafen mit einer Hubschrauberstaffel gegeben haben, aber davon wussten wir nichts. Jedenfalls sind einmal in der Nacht ungefähr vierzehn Hubschrauber über das kleine Dorf hinweggeflogen, einer nach dem anderen; wir waren alle wach und haben, ohne einen Mucks zutun, im Stillen mitgezählt. Keiner sagte auch nur ein Wort, aber am nächsten Morgen beim Frühstück war die Aufregung riesig: „Hast Du gehört?! Warst du auch wach? Vierzehn Hubschrauber! Ich hab gedacht, die Russen kommen…“

Wo ham`se denn jedient?! Wenn mich das jemand fragen würde, könnte ich von meinen Kirchengemeinden erzählen… Nicht, dass meine Erfahrungen da auch nur entfernt etwas mit Krieg vergleichbares hätten – aber es waren meine lebensprägenden Erfahrungen: Theologiestudium in Berlin und Tübingen, die Arbeit in Alt-Schöneberg und in Kreuzberg und jetzt in den Dörfern um den Flughafen Schönefeld herum… Dort habe ich gedient und diene immer noch, so gut ich es eben kann – nicht mit preußischer Disziplin und nicht mit Zucht und Ordnung, aber mit Herz und Seele und mit aller Liebe, zu der ich fähig bin.

Ich bin mein Leben lang der Überzeugung gewesen, dass es keinen Grund geben kann, einen anderen Menschen zu töten. Ich bin nicht bewusst Pazifist geworden; ich habe aber niemals anders gedacht. Was ich tun würde, sollte jemals in den Straßen meiner Heimat gekämpft werden, weiß ich nicht. Ich habe Geschichten gelesen von Pfarrern, die in den letzten Monaten der Jahre des Hitler-Regimes den angreifenden Alliierten entgegen gegangen sind und um Frieden und Schonung gebeten haben und erwirken konnten, dass auf die Höfe und Häuser ihrer Dörfer nicht ein einziger Schuss abgegeben wurde. Ich habe habe Geschichten gelesen von Lehrern, die sich ins Konzentrationslager bringen ließen im „Austausch“ gegen jüdische Schülerinnen und Schüler. Ich bewundere solche Menschen; für mich sind sie die Glaubenshelden und Märtyrer der modernen Zeit. Ich weiß nicht, ob ich so mutig sein könnte…

Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein. Dieser Auffassung bin ich immer noch. Aber es scheint inzwischen so zu sein, dass ziviler Ungehorsam, passiver Widerstand und Nichtkooperation nicht mehr ausreichen, um solch menschenverachtenden Despoten und gewissenlosen Kriegstreibern, wie es sie leider immer öfter gibt, etwas Wirksames entgegen zu setzen. „Es reicht nicht, die Verwundeten zu verbinden, die auf der Straße liegen; man muss dem Rad selbst in die Speichen fallen…!“ Dietrich Bonhoeffer hat das geschrieben und die Konsequenzen dieses Gedankens bis zum Ende hin gelebt. Am Vorabend seines Todestages schrieb er an einen Freund in Großbritannien: „Dies ist das Ende. Für mich der Beginn eines neuen Lebens…“

„Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt und dabei doch Schaden nimmt an seiner Seele?“ Dieser Satz steht in dem morgigen Predigttext. Jesus sagt: „Wer mir folgen will, muss das Kreuz auf sich nehmen. Wer sein Leben liebt, wird es verlieren; aber wer bereit ist, es hin zu geben, der wird es finden…“ Nur: Ob ich „in der Nacht der langen Messer“ genug Hoffnung, genug Glauben und genug Liebe habe, ob ich genug Bescheidenheit, Treue und Mut habe – das werde ich erst wissen, wenn es so weit kommen sollte…

Der Geist der zukünftigen Weihnacht – Predigt im Advent…

Rückblicke auf ein vergangenes Jahr

Seit vielen Jahren setzen meine Frau und ich uns in der Adventszeit zusammen und schreiben unseren Jahresbrief. Damit wir unseren Freunden, Verwandten, Nachbarn und Angehörigen nicht immer wieder das Nichtssagend-Gleiche schreiben (Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neues Jahr…), verfassen wir mit viel Liebe ein Rundschreiben an alle, in dem wir davon erzählen, was wir in dem vergangenen Jahr erlebt haben, was wir gelernt haben, was uns wichtig wurde und auch, woran wir gescheitert sind.

Im Rückblick diesen Brief zu schreiben ist auch für uns wieder eine besondere Erfahrung. Meistens staunen wir, wie viel wir gemacht haben – die zwölf Monate sind wie im Flug vergangen, aber – weißt Du noch? – wir waren im Theater, im Kino, in einer großartigen Ausstellung, im Konzert… Und das alles, obwohl wir immer vorsichtig sein mussten, uns nicht anzustecken. Wir haben sogar Urlaub gemacht! Wir haben mit Freunden gefeiert, einen Lehrgang absolviert, eine Prüfung bestanden… Es war ein volles, erfülltes, gutes Jahr, trotz allem.

Einige gute Freunde sind sehr krank geworden oder gestorben, wir erinnern uns an die letzten Begegnungen, an die Trauerfeier, aber auch an gemeinsame Erlebnisse davor, als diese lieben Menschen noch gesund und munter waren, als wir mit ihnen gefeiert und gestritten haben, zusammen gekocht und gegessen haben, gemeinsam gesungen und gebetet haben… Nun sind sie uns voraus gegangen und können sehen und erfahren, was wir nur glauben können…

Solche Rückblicke gibt es jetzt im Dezember überall: Nicht nur bei uns zuhause im Privaten, auch im Fernsehen, im Radio und in der Zeitung ist jetzt die Zeit der Jahresrückblicke. Was ist alles geschehen in den letzten zwölf Monaten: die Corona-Epedemie in steigenden und fallenden Wellen, Überflutungskatastrophen im Ahrtal, ertrunkene Flüchtlinge im Mittelmeer und im Ärmelkanal, Erfrierende an dem Grenzen zwischen Belarus und Polen. Impfungen, Wahlen, ein Regierungswechsel… Haben sie gewusst, dass es noch keine zwölf Monate her ist, dass Joe Biden Präsident der Vereinigten Staaten wurde? Wir erinnern uns an die Olympischen Spiele in Japan, an die Fußball-Europameisterschaft, an „Black lives matter“ und „fridays for future“. Gerd Müller ist gestorben und auch Kurt Biedenkopf, Milva und Alfred Biolek und Libuse Safrankova, die die Hauptrolle in dem beliebten Weihnachtsfilm „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ spielte…

Blick zurück in die Kinderzeit und das, was einmal war

Der Jahreswechsel ist für viele ein Grund, anzuhalten und zurück zu blicken, in das vergangene Jahr oder sogar weiter, über Jahrzehnte, bis in die Kinderzeit: Wir erinnern uns, wie wir fasziniert waren von den Kerzen am Adventskranz, von dem Tannenduft im Wohnzimmer, vom Licht des Schwibbogens in den Fenstern des Nachbarhauses. Wie ungeduldig wir gewartet haben, bis wir endlich ins Weihnachtszimmer durften, wie wir dort unter dem Lametta-geschmückten Baum unser Gedicht aufsagten und dann die Geschenke auspacken konnten… Die Kirche gehörte dazu, das Krippenspiel und die Aufregung der Kinder, „Alle Jahre wieder“ und Kartoffelsalat und Würstchen… Tradition im besten Sinne des Wortes…

Der Geist der vergangenen Weihnacht

In Charles Dickens „Weihnachtsgeschichte“ wird der geizige, habgierige, menschenfeindliche Mister Scrooge von den drei Geistern der Weihnachtszeit besucht; zuerst von dem Geist der vergangenen Weihnacht. Ja, auch er, in dem die Weihnachtsfreude gestorben scheint, zumindest tief verschüttet und fast ganz erfroren – auch er erinnert sich an glücklichere Tage, als er noch ein Kind war und sich freute an Musik und Kerzenschein, an Geschenken, die aus Zuneigung gegeben wurden und nicht aus Berechnung, an Tage der Dankbarkeit, der Mitmenschlichkeit und der bedingungslosen Liebe…

Advent: Der, der gekommen ist

Erinnerung… Wisst Ihr noch, was war? Davon lebt die Adventszeit, die auch ein Fest der Erinnerung ist – an den Weg von Maria und Josef aus Nazareth nach Bethlehem, an die Nacht, in der sie verzweifelt nach einer Herberge gesucht haben in der wegen der Volkszählung total überfüllten Stadt, wie sie endlich irgendwo untergekommen sind und dann für ihr Neugeborenes keinen anderen Platz finden konnten als die Futterkrippe der Lastesel und Ziegen…

Wisst ihr noch, was einst die Propheten Israels sagten über den König, der da kommen soll, den Sohn Davids, der das Licht bringen soll über das Volk, das im Dunklen wohnt, der gute Rat, der Helfer in der Not, der ewige Vater, der Fürst des Friedens? Wisst ihr noch, das Gott den Erlöser angesagt hat, den Heiland, dass er selbst kommen wollte, um unter uns zu wohnen, mitten unter uns, als Immanuel, der Gott, der mit uns geht?

Er ist gekommen, das sagen uns alle Lichter und Symbole im Advent; das, was wir feiern mit und ohne Corona, mit Maske in der Kirche und ohne im kleinen Kreis in unseren Wohnungen, fröhlich im Kreis unserer Lieben oder auch allein mit unseren Erinnerungen und einer Träne im Auge, weil nicht mehr sind, die einst waren – er ist gekommen, und er bleibt – der Gott, der mit uns geht…

Jesus Christus, gestern, heute und derselbe auch in Ewigkeit

Als ich ein Kind war, war Jesus für mich das „Christkind“. Zum Teil liegt das wohl daran, dass ich als Kind in Bayern gelebt habe; dort ist das „Christkind“ ja nicht nur Baby-Jesus in der Krippe, sondern auch jene wundersame Lichtgestalt, die zusammen mit einem weiß und Gold glänzenden Engel durch die Weihnachtsstuben der ganzen Welt zieht und überall Geschenke, Licht und Frohsinn liegen lässt.

Erst später habe ich gespürt, dass es in der Weihnachtsgeschichte des Evangelisten Lukas nicht nur um das Kind ging, das in Bethlehem keinen Platz in der Herberge fand, nicht nur um das Kind, das Maria in reinliche Windeln wickelte, nicht nur um den, den die Hirten und die Könige aus dem Morgenland besuchten, nicht nur um den, den die Engel besungen haben… Es ging auch um den, der für die Armen und Elenden zum Retter wurde, der die Blinden und Lahmen heilte; es ging auch um den, der bereit war, um seiner Liebe zu den Menschen willen den ganzen Weg zu gehen bis zum Tod am Kreuz und durch den Tod hindurch… Es ging von Anfang an um den, in dem Gott uns ganz nah kommt. Immanuel – Gott mit uns.

Erst später habe ich gespürt, das es der selbe Jesus ist, der fordert „Einer trage des Anderen Last…“ und „Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe!“ Jesus ist, so heißt es auch im Lukas-Evangelium, der Richter, der die Menschen voneinander scheiden wird, wie ein Hirte die Schafe von den Böcken scheidet. Er wird richten und urteilen, auch das gehört zur Geschichte des Kindes in der Krippe, das später zum Mann am Kreuz wurde.

Aber ich bin fest überzeugt, dass dieses Gericht noch nicht das letzte Ende der Geschichte ist. Er, der richtet, hat auch gesagt „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben; wenn ihr an mir fest haltet, bringt ihr viel Frucht…“ Er hat gesagt: „Ich bin die Auferstehung und das Leben, wer an mich glaubt, der wird leben mitten im Tod.“

„Jesus Christus ist der selbe, gestern, heute, und in Ewigkeit!“ So heißt es im Hebräerbrief, so singt die Kirche seit tausend Jahren in ihrer Liturgie, voller Freude und anbetender Verwunderung. In ihm bekennt sich Gott zu uns und sagt: „Ich habe dich geliebt, von Anfang an und zu allen Zeiten, darum ziehe ich Dich zu mir, aus lauter Güte…“

Advent: Der, der kommen wird…

Es geht im Advent nicht nur um das, was einmal war, nicht nur um vergangenen Glanz oder vergangenes Elend. Es geht im Advent um das, was kommt. Es geht um die Zukunft, und zwar nicht abstrakt im Irgendwann oder am Sankt-Nimmerleins-Tag. Es geht um unsere Zukunft, um den nächsten Tag, den nächsten Monat, das nächste Jahr.

Es geht im Advent um den, der kommt. Unsere Zukunft ist in Gottes Hand. Weihnachten ist ja nicht vorbei, sondern geschieht alle Jahre wieder. Es kann in jedem Augenblick wieder geschehen. Gott ist uns immer nahe, und jeden Moment kann es sein, dass er herein bricht in unser Leben und wir spüren: Jetzt ist die Zeit! Dies ist der Moment! In dieser Stunde bin ich gefragt als Mensch, der Gott glaubt, der ihm vertraut, der seinen Willen tun will…

Christus in unserer Mitte! Das ist unsere Hoffnung, vielleicht auch unsere Furcht, denn wenn Gott plötzlich da ist, so unausweichlich da ist, dass wir uns ihm gegenüber verhalten müssen, dann ist es auf einmal Advent. So wie es Maria erlebt hat, die „Ja“ sagte zu dem Engel der Verkündigung, so wie es Josef erlebt hat, als er erfuhr, dass seine Verlobte schwanger ist, doch nicht von ihm – und der ihr trotzdem treu blieb. Verheißung und Segen geschieht da, wo Gott in unser Leben hinein greift – und wenn er das tut, ist er immer wieder fremd, unerwartet, unpassend und am falschen Ort – wie damals in der Herberge.

„Er wird wiederkommen, zu richten die Lebenden und die Toten…“ So sprechen wir jeden Sonntag in unserem Glaubensbekenntnis und denken und vielleicht nicht viel dabei. Aber es ist trotzdem wahr – Er kommt.

Der Geist der zukünftigen Weihnacht

In der „Weihnachtsgeschichte“ von Charles Dickens trifft der geizige, habgierige, menschenfeindliche Mister Scrooge auch den Geist der zukünftigen Weihnacht. Er zeigt ihm, was kommen wird, wenn er sich nicht ändert, wenn er weiter macht, wie er es gewohnt ist und aus seiner beschränkten Sicht für richtig hält: Weihnachten wird für ihn kalt und grau. Einsam irrt er durch die Straßen und sieht, wie andere Menschen fröhlich sind, ihr bescheidenes Mahl auf dem Tisch mit ihrer Familie teilen und sich an Musik und Kerzenlicht erfreuen. Ihm aber weht der Wind kalt ins Gesicht, niemand vermisst ihn, von dem, was er sich erarbeitet hat und wofür er gekämpft und gelitten hat, ist nichts geblieben. Am Ende führt ihn der Geist auf einen Friedhof und verlässt ihn dort, während Scrooge entsetzt vor seinem eigenen Grab steht…

Hier wird die Geschichte, die Charles Dickens schreibt, zu einer Allegorie, zu einer Beispielerzählung für das, was das Gericht Gottes sein könnte. Wer hier sagt, dass diese Geschichte nicht mehr in unsere Zeit passt, zu moralinsauer ist, um christliche Verkündigung zu sein, der verkennt, dass gerade in unserer Zeit viele Aufgaben auf uns Christen warten, in denen ein deutliches Bekenntnis und entschlossenes, deutliches Handeln aus der Liebe heraus nötig ist. Lasst uns ein Zeichen setzen!

Blick auf das, wie Advent und Weihnachten sein könnte

Lassen wir den Heiligen Geist Gottes zu unserem Geist der zukünftigen Weihnacht werden! Für uns alle wird er verschiedene Bilde, verschiedene Geschichten, unterschiedliche Träume bereit haben… Er wird uns ermuntern, Weihnachten am anderen Ort zu feiern: im Altenheim, im Hof eines Hospizes, dort, wo Obdachlose sich treffen… Mit Nachbarn, die am Heiligen Abend einsam sind. Er wird uns dazu reizen, auf eins von sieben Geschenken zu verzichten und statt dessen zu spenden: für Brot für die Welt, für die Feuerwehr, für Ärzte ohne Grenzen oder amnesty international. Er treibt uns dazu, eine Kerze ins Fenster zu stellen und solidarisch zu sein mit denen, die einen lieben Verwandten wegen Corona verloren haben. Er wird uns dazu bringen, dass wir statt Gänsebraten einen großen Kürbis in der Familie teilen und den Truthahn begnadigen… Ich weiß es nicht, was der Geist Ihnen sagt, aber wenn Sie nur hin hören, werden sie es wissen.

Christus sagt: „Was ihr getan habt einen von meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan!“ Advent und Weihnachten könnten ganz neu und anders werden, wenn wir diese Stimme hören und tun, was sie uns sagt.

Zeit vergeht, auch wenn niemand hinsieht…

Vielleicht fing es damit an, dass im September die Katze starb. Jahrelang hat sie mich schnurrend begrüßt, wenn ich von der Arbeit nach Hause kam; aber dann schaute sie mich nur noch uninteressiert an und schloss dann gelangweilt die Augen. Ein paar Wochen quälte sie sich zwischen Schlafplatz, Fressnapf und Katzentoilette herum, dann gab die Tierärztin ihr die letzte Spritze.

Nach Hause zu kommen war nicht mehr so schön.

Zeit vergeht, auch wenn niemand hinsieht.

Das Auto war sechzehn Jahre alt und hatte schon viele Kratzer und Beulen. Eine Schraube, die auf dem Weg lag, bohrte sich in den linken Vorderreifen. Die Lichtmaschine gab irgendwann auf; auf dem Armaturenbrett leuchtete ein orangefarbenes Lämpchen. Als auch noch die Servolenkung streikte (rotes Lämpchen), schüttelte der Automechaniker den Kopf. Ich fuhr noch einen Monat mit Vorsicht (provisorisch) und lenkte angestrengt und kraftvoll wie der Fahrer eines 30-Tonners mit Anhänger. Dann verkaufte ich den Wagen für 400 Euro.

Praktisch, dass man wegen einigen hundert Trilliarden Viren sowieso eher im Home-Office arbeiten muss. Wenn es gar nicht anders geht, nutzt man ein Auto vom Carsharing-Dienst.

Im Mai: Urlaub zuhause. Das Hotel in Griechenland hat gar nicht erst geöffnet, die Gäste blieben zu Hause und darum auch das Reinigungspersonal, die Köche und Sommeliers, die Servicekräfte und die Fotografin, die sonst immer am Donnerstagabend alle Gäste portraitiert und dann am Samstag die Bilder zum Kauf anbietet. Auf Facebook veröffentlicht sie Bilder von leeren Stränden.

Es ist wieder schön zu Hause; die Sonne scheint oft durch die Fenster auf die Blätter der Tageszeitung, auf denen steht, dass das Virus jetzt jeden Tag weniger Menschen infiziert. Zum ersten Mal seit einem Jahr essen wir wieder in einem Restaurant. Also – draußen. Vor dem Restaurant. Unter einem Sonnenschirm. Es gibt frisches, kaltes Bier. Die Kohlensäurebläschen glitzern im Licht.

Die Zeit vergeht rasend schnell, niemand sieht hin.

Der Sommer kommt, viele Termine finden wieder statt. Das Leben wird stabiler, härter, aber auch zerbrechlicher. Nur scheinbar berechenbarer. Wieder splittert von Zeit zu Zeit etwas ab und fällt unter den Tisch. Ungewohnte Geräusche, ein leises Klirren wie von winzigen Scherben, schmerzen in den Ohren.

Nachrichten von weit weg fühlen sich an, als kämen sie direkt aus der Nachbarschaft. Überschwemmungen gibt es nicht nur in Indien. Fanatismus in vielen Farben hinterlässt einen irritierenden Eindruck von schlammigem Braun, wie früher im Schulfarbkasten, wenn die Malpasten ineinander laufen. Großbritannien verläßt die Europäische Union, die Soldaten der NATO verlassen Afghanistan, viele Querdenker und Impfgegner verläßt der gesunde Menschenverstand. Meine Frau verlässt sich auf mich.

Man kann es nicht allen recht machen.

Wenn man ein wirklich schlechtes Gewissen hat, nimmt man in drei Wochen fünf Kilogramm ab. Ich kann diese Diät nicht empfehlen.

Der Sommer geht; Termine werden auf Vorrat gemacht. Erntedank, Martinsfest, Lichtertage im Advent, Weihnachtsfeiern. Ob sie wohl wirklich stattfinden, alle diese Hoffnungszeichen in der Zukunft?

Bald wird wieder eine Katze hier einziehen. Sie wird mich erwarten, wenn ich von der Arbeit nach Hause komme. Ob sie nur gelangweilt schaut oder ob sie mich schnurrend begrüßt, wird die Zeit zeigen. Ich werde hinsehen…

Türen in unserer Kirche…

Ich habe diesen Text vor zehn Jahren für einen „Glaubenskurs“ in meiner früheren Gemeinde geschrieben. Im Kirchenraum gibt es acht Türen; Eingänge und Ausgänge zu sehr unterschiedlichen Räumen und Orten. Wir sind im Kirchenraum umher gegangen und haben die Türen betrachtet. Jede hat ihren ganz eigenen Charakter, eine besondere Aufgabe, einen sehr spezifischen Sinn. So wie wir auch…

Dies ist die Haupt-Eingangs-Tür…

Sie ist groß und schwer, die meisten Leute brauchen beide Hände, um sie zu öffnen.

Sie schützt unsere Kirche, sie trennt und verbindet Außen und Innen.

Wer außen ist, ist „irgendwo“, unterwegs, am anderen Ort, aushäusig, in der Fremde.

Wer innen ist, ist im Haus Gottes, am Versammlungsort der Gemeinde, ist dort, wo die Taufe gefeiert und das Abendmahl geteilt wird.

Wenn wir Gottesdienst feiern, steht diese Tür weit offen.

Die Türklinken sind künstlerisch gestaltet und sehen aus wie Fische, wie das Symbol der ersten Christen für Jesus Christus, den Herrn und Erlöser.

Dies ist die Tür zum Kirchhof…

Sie ist eine Tür durch eine Wand aus Glas, durch die man hindurchsehen kann. Man weiß, was einen auf der anderen Seite erwartet, schon bevor man sie öffnet.

Sie führt aus der Kirche auf den Friedhof, wo die Toten ruhen und wo die Lebenden um die Toten trauern.

Wenn wir Ostern feiern, gehen die Kinder durch diese Tür, um die draußen versteckten Ostereier zu finden.

Manchmal kommen Menschen durch diese Tür in die Kirche, denen der Weg durch den Haupt-Eingang zu anstrengend ist.

Diese Tür ist gleichzeitig der Not-Ausgang, ein Fluchtweg, falls es nötig sein sollte, die Kirche schnell zu verlassen.

Diese Tür führt in die Kapelle…

Sie ist kaputt, manchmal läßt sich das Schloss nicht öffnen. Dann kann man nicht durch diese Tür gehen und muss einen Umweg durch zwei andere Türen nehmen.

Manchmal geht sie aber auch ohne Probleme auf, und wir haben noch nicht herausgefunden, wie man sie dazu „überreden“ kann.

Diese Tür ist unzuverlässig und sorgt immer wieder für Ärger – aber niemand repariert sie.

Hinter dieser Tür liegt der Raum, in dem wir die „Familienkirche“ feiern – sie ist eine Verbindung zwischen zwei verschiedenen Bereichen unserer Gemeinde-Arbeit. Wenn wir feiern, bleibt sie geschlossen, damit wir uns nicht stören

Diese Tür führt in die Kerzenkammer.

Hier werden die Kerzen gelagert, die wir im Gottesdienst anzünden, hier werden die Anzeigetafeln vorbereitet, die die Gemeinde braucht, um die Lieder im Gesangbuch zu finden, die während der Gottesdienste gesungen werden.

Hier sind auch die Sicherungskästen und die Lichtschalter für die Beleuchtung der Kirche.

Dieser Raum ist nicht für die Allgemein-heit bestimmt; hier gehen nur die Menschen hinein, die den Kirchdienst tun.

Der Raum hinter dieser Tür ist unaufgeräumt und schmuddelig.

Wenn wir Weihnachten feiern, werden hier die Kerzen angezündet, die wir an die Ge-meinde verteilen, um zu bezeugen: In ihm ist das Licht Gottes in die Welt gekommen

Dies ist die Tür zum Glockenturm…

Hinter dieser Tür gibt es eine Treppe, die nach oben führt – zur Glockenempore, von wo man die Vater-Unser-Glocke läutet; – und noch weiter hinauf in die Glockenstube, wo die vier großen Glocken hängen, und von wo man dann bis zur Spitze des Kirchturms steigen kann, wo das Kreuz ist – ich kenne aber niemanden, der dort oben schon gewesen ist. Der Weg ist gefährlich.

Hier steht immer jede Menge Kram rum: Eimer, Schaufeln, Schubkarren, Leitern…

Der Raum hinter dieser Tür ist ungemütlich und dreckig.

Diese Tür ist gleichzeitig der Not-Ausgang, ein Fluchtweg, falls es nötig sein sollte, die Kirche schnell zu verlassen.

Diese Tür führt in die Sakristei…

Hier bereiten sich die Liturgen auf den Gottesdienst vor: Sie ziehen sich um, sie beten gemeinsam, sie bereiten die Abendmahls-Geräte vor.

Nach dem Gottesdienst wird hier die Kollekte gezählt; und die Anzahl der Gemeindeglieder, die zum Gottesdienst gekommen sind wird in ein Buch eingetragen – für die Statistik. Unsere Gottesdienste sind eher schlecht besucht.

Meistens ist es unordentlich in diesem Raum; niemand fühlt sich wirklich verantwortlich für Ordnung und Sauberkeit.

Diese Tür ist gleichzeitig der Not-Ausgang, ein Fluchtweg, falls es nötig sein sollte, die Kirche schnell zu verlassen.

Hinter dieser Tür ist die Treppe,

die hinunter in den Keller der Kirche führt.

Dort sind die Toiletten, die man während der Gottesdienste benutzen kann…

Dort ist der Betriebsraum für die Heizung der Kirche.

Dort sind einige Räume, in denen zusätzliche Stühle und die Requisiten für die „besonderen“ Gottesdienste gelagert werden: Krippenspiel, Martinsfest, Erntedank, Osternacht…

Dies ist die Schwingtür, die den Gottesdienst-Raum von dem Vorraum der Kirche trennt.

Man kann sie nicht abschließen.

Sie ist groß und schwer, die meisten Leute brauchen beide Hände, um sie zu öffnen.

Sie quietscht laut, was es immer ein bisschen peinlich macht, wenn jemand zu spät zum Gottesdienst kommt: Die ganze Gemeinde bekommt es mit…

Niemand hat sie in den letzten zwei Jahren geölt. Sie quietscht aber auch, WENN man sie ölt…

Sie schützt den Kirchraum vor Kälte und Wind.

Diese Tür ist gleichzeitig der Not-Ausgang, ein Fluchtweg, falls es nötig sein sollte, die Kirche schnell zu verlassen.

Josef und der wunderbare Technicolor-Traummantel – eine Geschichte mit Happy End?

Ich mag Geschichten mit Happy End. Ich gehe gern ins Kino und kann da stundenlang mit den Protagonisten eines Films leiden und zittern, auf Reisen gehen, Abenteuer suchen; ich kann wochenlang mit den Figuren eines spannenden Romans durch das Labyrinth eines verzwickten Kriminalfalles irren oder mit den Helden aus einem Zeichentrickfilm auf fremden Planeten landen, mit Drachen oder Piraten kämpfen – wenn am Ende alles gut ausgeht, die Gerechtigkeit siegt, die Drachen gezähmt sind und die Weltraumfahrer wieder gut zu Hause angekommen, dann geht es mir gut und ich fühle mich wohl. Ich kann das Buch aus der Hand legen, und ich weiß, es ist alles in Ordnung, die Geschichte auserzählt und so zu Ende gebracht, wie es sein muss.

Ich mag Geschichten mit Happy End. Oft gibt es solche Geschichten auch in der Bibel. Selbst nach großen Katastrophen führt Gott alle Beteiligten den richtigen Weg und zu einem guten Ausgang der Geschichte. Noah geht in die Arche mit seiner Familie und den Tieren, die Gott zu ihm geführt hat, dann wird die Tür verschlossen und um die Arche herum geht die Welt unter. Alles Leben ertrinkt in der Flut. Nicht einen einzigen Ast findet der Vogel, den Noah aus der Arche entlässt. Aber dann sinkt die Flut, die Wasser verlaufen sich, und unter einem strahlenden Regenbogen beginnt Gott die Schöpfung neu…

Der Hirtenjunge David wird ein Vertrauter des Königs Saul, singt ihm wunderschöne Worte vor und weckt dem traurigen alten Mann die Lebensgeister neu. Doch als David den Goliath erschlägt, will das Volk ihn zum König machen und Saul vertreibt ihn, wird ein erbitterter Feind. David muss sich mit einer Truppe von Banditen am Rande der Wüste durchs Leben schlagen, Schutzgeld erpressen und mit anderen verlorenen Gestalten um Einfluß kämpfen. Doch als Saul stirbt, ist es David, der an der Stelle des Prinzen Jonathan zum wichtigsten König der Geschichte Israels wird.

Auch Daniel war Berater des Königs von Babylon, bis er in Ungnade fiel und wegen seiner fremden Religion angeklagt wurde. Als frommer Jude war er im babylonischen Königshof am falschen Platz. Er wird in eine Löwengrube geworfen; die hungrigen Tiere sollten ihn fressen und so das „Problem“ aus der Welt schaffen. Doch Gott achtet auf sein Gebet, und die Tiere tun ihm die ganze Nacht nichts an. Am nächsten Tag wird Daniel wieder in sein Amt eingesetzt, und die, die ihn verklagt haben, enden an seiner Stelle bei den Löwen…

Selbst Hiob verliert Haus und Hof, seine Kinder sterben und er selbst wird todkrank, aber am Ende wird ihm alles doppelt erstattet, er lebt noch viele Jahre und stirbt irgendwann reich und zufrieden.

Oft wirken Geschichten, die solch ein gutes Ende haben, unglaubwürdig und sogar ein bisschen kitschig. Viele Menschen mögen Filme oder Romane lieber, die einen offenen Ausgang haben, die die Lesenden oder Zusehenden am Schluss allein lassen mit der Frage: Was meinst Du? Wie geht es jetzt weiter? Wie stellst Du Dir ein gutes Ende dieser Geschichte vor?

Es gibt in der Bibel auch solche Geschichten mit offenem Ende. Jona zum Beispiel sitzt nach allen seinen Abenteuern vor dem Tor der Stadt Ninive und hadert mit sich selbst und klagt Gott an. Seine Predigt hat gewirkt, die Menschen in der Stadt haben sich bekehrt und Buße getan, und Jona ärgert sich darüber, dass Blitz und Schwefel ausbleiben, dass Gott die Menschen in der Stadt begnadigt hat. Nun fühlt er, der Unheilsprophet, sich übergangen und blamiert. Wie wird er sich entscheiden? Wie geht seine Geschichte zu Ende? Wir werden es nie erfahren, aber so ein offenes Ende lädt ein, den Faden aufzunehmen und die Erzählung weiter zu spinnen. Der Vorhang geht zu – und alle Fragen bleiben offen.

Solche Geschichten sind realistischer und glaubwürdiger, weil es ja auch im „echten“ Leben meistens so ist: Oft kann man gar nicht so einfach beurteilen, ob eine Episode, ein Lebensabschnitt, nun gut oder schlecht ausgegangen ist; vieles bleibt zwiespältig und unbestimmt, und ein wirkliches Ende gibt es ja in der Wirklichkeit sowieso nicht, denn bis wir sterben, geht das Leben ja immer weiter. Selbst dann erzählen andere unsere Geschichte weiter und bewerten sie nach ihrem Maßstab.

Woran könnten wir denn erkennen, ob eine Geschichte gut ausgeht? Was macht ein (vorläufiges) Ende zu einem happy end?

In den Märchen ist es einfach: da wird ein großer Goldschatz nach Hause gebracht, der Prinz findet seine Prinzessin, am Ende wird geheiratet, und danach leben sie glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende… Die Kriterien für ein gelungenes Leben sind oft einfach und auch für Kinder nachvollziehbar.

Die Bibel und viele großartige Werke der Weltliteratur differenzieren da mehr: Auch wer arm ist, kann ein gelungenes und zufrieden stellendes Leben finden. Es kommt darauf an, dass es sinnvoll ist, dass es Bedeutung hat, dass es in den großen Rahmen des Ganzen passt.

So wie Josef seine Lebensgeschichte beschreibt, sieht er Gott selbst als eine Art „Autor“ seiner Lebensgeschichte an. Der Mensch sucht sich seinen Weg, aber es ist Gott, der seine Schritte lenkt. „Ihr wolltet es böse mit mir machen, aber Gott gedachte es gut zu machen…“ – „Ihr habt euch Böses ausgerechnet gegen mich, aber Gott hat es zum Guten summiert…“ – „Er wollte tun, was heute Wirklichkeit und deutlich sichtbar wird, nämlich ein großes Volk am Leben erhalten…“

Der Erfolg Josefs zeigt sich nicht nur darin, dass er alle Widrigkeiten überlebt hat und am Ende als zweithöchster Regierungsbeamter über Ägyptens Wirtschaft regiert – es geht ihm darum, dass mit seiner Hilfe Gott selbst ein großes Volk am Leben erhält und nicht dem Hungertode überlässt.

Man könnte ja die Geschichte Josefs auch als eine Verlierergeschichte ansehen: Als Kind noch wird er, der der Liebling seines Vaters, der verträumte Mann in einem bunten Kleid, von seinen neidischen Brüdern als Sklave verkauft. Er wird nach Ägypten gebracht und arbeitet dort in dem Büro des Potiphar. Er hat Glück und steigt auf der Karriereleiter empor, bis ihm die Frau seines Dienstherren eine unschickliche Avance macht. Als er nicht darauf eingeht, wirft sie ihm sexuellen Mißbrauch vor und er wird ins Gefängnis geworfen. Erst nach vielen Jahren kann er sich wieder emporarbeiten und wirkt zuletzt als rechte Hand des Pharao. Es geht auf und ab in seinem Leben, und es ist nicht so einfach, darin eine Erfolgsgeschichte zu sehen.

„Gott aber gedachte, es gut zu machen…“ – Das ist letztlich das Glaubensbekenntnis des Josef. So sieht er selbst sein eigenes Leben an, vom Ende her gesehen erzählt er es als eine Geschichte von der Treue Gottes.

Um unser eigenes Leben zu begreifen, erzählen wir es wie eine Geschichte. Während wir von Tag zu Tag, von Jahr zu Jahr leben und dabei durch Leid und Freude gehen, erkennen wir Helden und Feiglinge, Bösewichte und Halunken, stolze Ritter, kluge Berater, treue Gefährten, Clowns und Zauberer, und wir erkennen, ob wir gerade Mitspieler in einem Drama oder in einer Komödie sind. Wir sehen uns selbst als Gewinner oder als Verlierer, als Menschen, die aus der Treue Gottes leben oder von ihm wieder und wieder geprüft werden. Wir sehen uns als solche, denen das Schicksal entgegen lächelt oder als solche, denen das Universum grollt. Was ist wahr?

Es ist oft nur eigene Interpretation, eigene Entscheidung, die den Rahmen setzt für das Spiel unseres Lebens. Dein eigenes Leben wird von Dir erzählt und gestaltet, Du interpretierst, was geschehen ist, und Du erzählst, wie es weiter geht. Immer ist eine unerwartete Wendung möglich.

Und das gilt nicht nur für Dein eigenes Leben, das gilt auch für die Geschichte unserer Stadt, unserer Kirche, unserer Gemeinde. So, wie wir uns unsere eigene Geschichte erzählen, so werden wir sie wahrnehmen. Unsere Gegenwart und unsere Zukunft wird davon bestimmt, wie wir die Vergangenheit interpretieren. Es ist eine sich selbst erfüllende Prophezeiung, die sich auswirkt auf die Grundstimmung unseres Daseins und die Energie, aus der wir leben.

Gläubige Menschen schlagen einen gedanklichen Bogen über die ganze Biblische Geschichte, von der Schöpfung der ersten Menschen an bis hin zur neuen Schöpfung, wenn Gott Himmel und Erde neu macht und all die Tränen seiner Menschen trocknen wird. Gegen alle Widerstände interpretieren sie die Weltgeschichte als ein fortlaufendes Handeln Gottes, das zwar oft nicht zu verstehen, zu begreifen und kaum zu ertragen ist, das aber am Ende doch eine Geschichte des Erbarmens, der Gnade und der Liebe Gottes zu uns Menschen ist.

Eine „Heilsgeschichte“, so sagen die Theologinnen und Theologen, so sagen viele Glaubende, eine Heilsgeschichte ist, was Gott den Menschen und seiner ganzen Schöpfung bereitet. Durch die Sintflut hindurch, durch den Exodus seines heiligen Volkes aus der Gefangenschaft in Ägypten, durch die Zerstreuung über die ganze Erde und unter die Völker der Welt hindurch bis zur endgültigen Erlösung am Ende der Zeit geht seine Geschichte mit den Juden, durch den Tod und die Auferstehung Jesu hat er Leben gebracht für alle Völker der Welt und für die Menschen seines Wohlgefallens…

Auch hier bleibt die Frage – erkennen wir in der Geschichte der Menschheit die Heilsgeschichte Gottes wieder, können wir für uns sie so interpretieren, daraus Kraft und Hoffnung schöpfen trotz aller Fragen und Enttäuschungen unserer Zeit? Können wir glauben, dass hinter dem allen ein Sinn verborgen ist und das Gott der Autor dieser seltsamen und verwirrenden Geschichte ist?Können wir bekennen: „Wir haben Schuld auf Schuld gehäuft und unsere Untaten und Sünden zu den Untaten aller Menschen addiert – aber Gott hat es gut gemacht und eine gute Bilanz gezogen: am Ende wird deutlich werden, das er das Leben und ewigen Frieden ans Licht gebracht hat…“

Am Ende ist alles gut – wenn es noch nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende…“ diesen Spruch kann man auf Frühstücksbrettchen kaufen oder als Wand-Tattoo über sein Wohnzimmersofa kleben – vielleicht atmet dieser Satz sogar ein wenig von dem Glaubensbekenntnis des Josef, das ihm die Kraft gegeben hat, am Ende auch seinen Brüdern zu vergeben.

Ich frage mich, ob man eine solche positive, glaubensgestärkte Interpretation der eigenen Geschichte und der gemeinsamen Geschichte „lernen“ kann, ob man sich entscheiden kann, sie so oder so zu sehen. Psychologen versuchen oft, Menschen dabei zu helfen, ihr Leben anders zu bewerten. „Reframeing“ nennen sie das, als in etwa „dem Leben einen anderen Rahmen geben“. Manchmal ist es ja so, dass das gleiche Gemälde, dasselbe Foto, sehr unterschiedlich wirkt, abhängig davon, ob es wie eine Poster mit Nadeln an eine Rauhfasertapete gepinnt wird, ob es in einem kostbaren barocken Rahmen präsentiert wird oder in einem schlichten modernen Display ausgestellt ist. Der Rahmen macht, dass dasselbe Bild, dasselbe Foto, dasselbe Leben einen ganz unterschiedlichen Eindruck macht.

Können wir so den Rahmen unseres Lebens wirklich selbst wählen? Können wir uns dazu entscheiden, zu glauben, wirklich zu glauben, dass unser Leben und unser Schicksal von Gott umgeben ist, dass er es in seinen Händen hält, dass er der Autor unseres Lebens ist?

Der Apostel Paulus hat in seinem Ersten Brief an die Korinther geschrieben: „Am Ende bleiben Glauben, Hoffnung und Liebe; und die Liebe ist die größte unter ihnen…“ Alle drei sind Geschenke Gottes, die wir uns letztlich nicht selbst erarbeiten können, wir können sie aber üben. Alle drei sind Gaben des Heiligen Geistes, Kräfte, die nicht unsere eigenen sind, in denen wir uns aber üben können. Ein wacher Glaube, eine kraftvolle Hoffnung und eine stete Liebe erkennt im eigenen Leben und in der Geschichte unserer Gemeinschaft die Hand Gottes am Werk und kann am Ende bekennen: „Er hat alles gut gemacht.“

Vom Reden in fremden Sprachen – Von Gott so reden, dass man es verstehen kann…

Wenn wir ein Kind taufen, übernehmen die Eltern und die Paten, aber auch die ganze Gemeinde eine große Verantwortung. Gemeinsam übernehmen wir die Verpflichtung, den Glauben, die Liebe zu Gott, ein christliches Urvertrauen in einem Menschen zu wecken und die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass sich unser neu getauftes Gemeindeglied irgendwann dazu entscheiden kann, selbst Christ zu sein und in und aus diesem Glauben zu leben.

Sicher, wir wissen und verlassen uns darauf, dass es der Heilige Geist selbst ist, der die Menschen zu Gott ruft, der in ihnen den Glauben bewirkt und stärkt – aber er benutzt dazu uns Menschen, fast immer. Wenn wir an unsere eigenes Leben denken, gibt es da fast immer eine Großmutter, die an unserem Bett mit uns gebetet hat, einen Vater, dem es wichtig war, dass vor dem Essen Gott in einem Tischgebet gedankt wird, eine größere Schwester oder eine Freundin, die uns in den Kindergottesdienst begleitet hat…

Vielleicht hat eine Patentante irgendwann gesagt: Du solltest dich jetzt zum Konfirmandenunterricht anmelden, manchmal war es sogar ein Pfarrer, der bei einer Reise zur Vorbereitung auf die Konfirmation Worte gesagt hat, die hängen geblieben sind und weiter gewirkt haben über den Tag hinaus.

Ich weiß, wie schwer es ist, solche Worte zu finden. Als ich achtzehn Jahre alt war, kurz bevor ich mit meinem Studium begann, versuchte ich, einem Freund zu erklären, warum es für mich so wichtig war, an Gott zu glauben. Aber ich spürte damals selbst, wie unglaubwürdig diese Worte waren. Es gab für mich keine Sprache, in der ich glaubhaft erzählen konnte, was ich mit Gott erlebt hatte, welche Hoffnung die Auferstehung Jesu in mir wach hielt, was der Heilige Geist in mir bewirkt. Es klang alles formelhaft, geplappert, abgelesen, es schien nicht wirklich aus meinem eigenen Herzen zu kommen.

Und das hat sich auch im Theologiestudium kaum geändert. Als Pfarrer lernt man uralte Gebete und Glaubensbekenntnisse, diskutiert über Liturgien und Lieder von Menschen, die vor tausend Jahren gelebt haben und erfährt von den theologischen Gedanken und Theorien, über die man sich vor Jahrhunderten gestritten hat. Das alles ist sehr viel spannender, als es klingt; man kann sich mit großer Begeisterung in ein solches Studium stürzen und lernt sehr viel dabei – aber zu einem eigenen Glauben trägt es meist wenig bei, und es gibt meist nicht die Worte, die nötig sind, in einem anderen Menschen wirklichen Glauben zu wecken.

Ich denke, dieses Problem betrifft auch die Kirche als Ganzes, betrifft auch unsere Gemeinden. Wenn man Leute danach fragt, was sie vom Gottesdienst halten, fallen sehr oft die Worte „langweilig“, „uninteressant“, „belanglos“, „veraltet“ – dabei waren die Menschen meistens seit Jahren nicht mehr in der Kirche, tragen nur ein altes Vorurteil weiter.

Manchmal haben sie aber auch wirklich schlechte Erfahrungen in der Kirche gemacht. Wenn selbst ein Kardinal sagt, dass er spürt, dass die Kirche an einem toten Punkt angekommen ist und sich nicht mehr weiter entwickelt, wenn Pfarrerinnen und Pfarrer statt vom Glauben nur noch von Moral und Ethik reden, weil sie denken, das sei leichter zu vermitteln, wenn schon das Wort zum Sonntag in fünf Minuten die Zuhörenden von ihrem Fernseher vertreibt, dann stimmt ziemlich sicher etwas Entscheidendes nicht mehr.

Was haben wir noch zu sagen? Was ist aus der „frohen Botschaft“ geworden, dass keiner mehr sie hören will?

Vielleicht liegt es ja wirklich an der Sprache, die wir sprechen.

Ich liebe die christliche Tradition, ich mag die alten Gebete, ich liebe die Sprache der Lutherbibel, ich kann begeistert in die alten Psalmen und Kirchenlieder einstimmen und die alten ökumenischen Glaubensbekenntnisse mitsprechen. Aber ich weiß, dass das alles sehr viel „Insiderwissen“ voraussetzt und dass Menschen, die nur selten in den Gottesdienst kommen, ziemlich ratlos dabei sitzen, weil sie gar nicht wissen können, was da gepredigt und gesungen wird.

Ich – und wir alle – müssen also lernen, über unseren Glauben so zu reden, dass es auch Menschenskinder verstehen, die nicht in der Kirche zu Hause sind.

Das kann und darf aber nicht bedeuten, dass wir nun alles in einer Art populären Kindersprache formulieren sollten. Dazu ist, was wir glauben, zu komplex, zu gewichtig. Man kann das Glaubensbekenntnis nicht auf drei einfache Sätze eindampfen, oder? Der Glaube an Gott wird immer eine gewisse Anstrengung von Taufkindern, Konfirmanden, Gottesdienstbesuchern, Pfarrerinnen und Lehrern verlangen.

So wie Musiker, Sportler, Handwerker und Künstler lange Zeit brauchen, um Meister zu werden, so brauchen auch Christinnen und Christen eine Zeit lang – oft eine lange Zeit – um geistlich reif zu werden und für sich selbst eine Sprache zu finden, in der sie sagen können, was sie glauben und wie der Glaube ihr Leben verändert.

Wir brauchen klare, wahre Worte. Die Versuchung ist immer groß, sich hinter verschwurbelten Begriffen und unklaren Bildern zu verstecken. Wenn der Pfarrer nichts zu sagen hat, sagt er Sätze wie „Gott ist das Licht“ – kann dann aber nicht sagen, was er eigentlich damit meint. „Gott hat alle Kinder lieb“ singen wir im Kindergottesdienst – aber was ist mit den Kindern, die krank sind oder mit ihren Eltern im Lager für Geflüchtete sitzen? Warum glauben wir trotzdem, dass Gott alle Kinder liebt, wenn manche Kinder so traurig sein müssen?

Nehmen wir die Fragen noch ernst, die „normale“ Menschen sich stellen, wenn sie unsere Gebete und Predigten hören, oder verstecken wir uns hinter einer theologischen oder philosophischen Fachsprache und richten uns in einem kirchlichen Elfenbeinturm ein, wo es sich gemütlich fachsimpeln lässt?

Wir müssen hinsehen, was die Menschen in unserer Zeit bewegt, was die Alten und die Jungen begeistert oder traurig macht, was ihnen den Atem nimmt und ihnen die Tränen in die Augen treibt – erst, wenn wir gelernt haben, ihre Sprache zu sprechen, werden wir auch ihr Herz berühren können.

Wir müssen die Welt sehen, wie sie ist und nicht davon träumen, wie wir sie in unseren Kirchenmauern gerne hätten. Natürlich hätte ich gerne an jedem Sonntag fünfzig Leute hier in unseren Reihen sitzen – aber wie kann das gehen, wenn schon die eigenen Gemeindeglieder die Stunden am Sonntagvormittag brauchen, um die Blumen zu gießen, die Tiere zu versorgen oder den Enkel zu besuchen, der nur dann Zeit hat, weil er auch an allen anderen Tagen der Woche zu beschäftigt ist…

Und wir müssen glaubhafte Worte dafür finden, welche Hoffnung der Glaube in uns weckt. Für uns ist ja der Glaube an Gott nicht nur etwas Zusätzliches, was zu all dem „Normalen“, was unser Leben ausmacht, noch dazu kommt. Für uns ist der Glaube an Gott wie ein Licht, wie ein Sonnenschein, der alles beglänzt und wärmt, was uns in unserem Leben begegnet, und uns hilft, auch mit schweren Zeiten und an dunklen Tagen die Hoffnung nicht zu verlieren.

War das jetzt für Sie ein seltsames Bild in einer unverständlichen Sprache oder konnten Sie verstehen, was ich meine? Es geht uns Christen doch genau wie allen andern Menschen, wir haben Angst, geraten in Not, machen uns Sorgen und fürchten uns – aber wir wissen, dass wir in all dem auf eine besondere Weise nicht allein gelassen sind, weil Gott mit uns durch dick und dünn geht… So, wie das Sonnenlicht uns auch im Winter begleitet, so, wie wir wissen, dass es die Sonne gibt, auch wenn sie gerade hinter dunklen Regenwolken versteckt ist.

Vielleicht ist das letztlich eine Erfahrung, die man nicht wirklich mit Worten vermitteln kann und die nur Menschen verstehen, die selbst schon Ähnliches erlebt haben. Gerade Kinder beobachten viel mehr, was wir tun, als das, was wir sagen. Sie ahmen unser Vorbild nach.

Was wir sagen, muss man uns also auch abspüren können. Was wir glauben, müssen wir auch in dem zeigen, was wir tun. Darin müssen wir nicht einmal perfekt sein, denn wir glauben ja an einen Gott, der unsere Fehler kennt und unsere Schwächen verzeiht – aber gerade darum sollten wir uns auch selbst verzeihen können und so diesen Glauben sichtbar machen.

Denn auch das stimmt ja – wir haben glauben gelernt durch unsere Oma, durch unsere Mutter oder unseren Vater, durch eine Freundin oder vielleicht sogar durch einen Pfarrer – weil diese Menschen nicht nur mit uns geredet haben, sondern weil sie uns vorgelebt haben, was Glauben eigentlich bedeutet.

Durch ihr Vorbild haben sie uns gezeigt, was es bedeutet, Christ zu sein; durch ihr Beispiel haben sie uns Hinweise gegeben, denen wir vielleicht folgen können; und so erst sind ihre Worte zu unseren geworden und so erst wissen wir, was es bedeuten kann, wenn jemand sagt: „Er hat mich bei meinem Namen gerufen, ich bin sein.“ Nur so können wir den Glauben weitergeben an den, der uns versichert „Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt.“