Von Steinen und Menschen – meine Osterpredigt

Liebe Gemeinde,
wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür?

Früh am Morgen, noch vor Sonnenaufgang haben sie sich auf den Weg gemacht; und diese eine Frage beherrscht nun ihre Gedanken. Maria, die Mutter des Jakobus, und Maria von Magdala, und Salome, sie eilen dem Sonnenaufgang entgegen, und alles, was sie denken können, ist: Den Stein, wie kriegen wir den weg?

In der Nacht nach dem Sabbat haben die Frauen Salben und Essenzen vorbereitet, mit denen sie den Leichnam Jesu salben wollen. Früh am Tag haben sie sich auf den Weg gemacht und eilen nun zu dem Felsengrab, in das Josef von Arimathäa ihn gelegt hatte… Tränen waren in ihren Augen, und die Erinnerung flog zurück zu den Ereignissen, die erst zwei Tage vorbei waren und die doch so viel verändert hatten…

Das Kreuz, die Schreie der erregten Menge, sein Blick, die Angst, die Hitze, die kalten Augen der römischen Soldaten, der Spott und die Verwünschungen, die seine Gegner vor ihm ausspuckten, sein Gebet „Vater, vergib ihnen, sie wissen nichts…“, die langen Stunden seiner Qual, die Dornenkrone, die Tränen der Frauen, endlich der Schrei, „Es ist vollbracht!“ und dann sagte der Hauptmann der römischen Soldaten, mit einer Stimme, in der etwas wie Respekt und eine Art uralter Schauder lag: „Ja, doch, der ist wirklich ein Heiliger gewesen…“

Die Frauen haben den Sabbat über geruht, wie es das Gesetz Gottes vorgeschrieben hat. Sie haben zwar von Gott nichts mehr verstanden, ihr Glaube, ihre Zuversicht und ihre Hoffnungen waren zerstört. Unter Schock tun Menschen dann das, was sie immer schon getan haben, auch wenn es kaum noch einen Sinn hat. Die Gebote Gottes haben ihnen seit ihrer Kinderzeit Trost und Halt gegeben, diesen Geboten blieben sie auch jetzt treu: Du sollst den Feiertag heiligen, hatte er gesagt…

Aber: War es nicht Gott selbst, der ihre Hoffnung zerstört hat? War Jesus denn nicht selbst Gottes Sohn gewesen? Selbst der römische Hauptmann hatte es gesagt, vor zwei Tagen unter dem Kreuz, doch nun war Jesus tot, begraben, seit drei Tagen lag er da in seinem Grab mit dem schweren Stein vor der Tür. Wie konnte Gott das zulassen? Warum hat er ihn nicht bewahrt und beschützt? Wie konnte es sein, dass die Soldaten ihn töten konnten, den Sohn des Ewigen?

Nachdem Jesus gestorben war, ist Josef zu Pilatus gegangen und hat ihn um den Leichnam gebeten. Der Statthalter Roms hat nichts dagegen gehabt; es war ihm wahrscheinlich einfach egal. Sie wollten Jesus bestatten, wie es das Gesetz vorschrieb, also noch bevor der Sabbat begann. Sonst hätten sie ihn dort hängen lassen müssen, bis zum ersten Tag der nächsten Woche, in der Hitze des Tages, vor den Augen der Krähen und der anderen wilden Tiere… Nein, das sollte nicht sein…

Also haben sie ihn eilig zu dem Grab getragen, dort die wichtigsten Gebete für ihn gesprochen und ihn dann zugedeckt und eingewickelt; und zuletzt haben sie den schweren Türstein vor den Eingang gerollt, damit keine Tiere an ihn herankommen könnten, nicht die immer hungrigen Hunde und nicht die Füchse…

Aber wer wird ihn jetzt weg wälzen? Den schweren Stein, der das Grab schützt?…
Steine… Sie sind für uns lebenswichtig. Wir brauchen sie zur Gestaltung und zum Schutz unseres Lebensraumes. Wir bauen Mauern aus Steinen, Häuser, Straßen, Brücken, Türme, Denkmale und Gräber… Über Jahrtausende haben Menschen Werkzeuge und Gebrauchs-gegenstände aus Steinen gemacht, bis heute machen wir aus Steinen Schmuckstücke für Halsketten und Ringe und Zierrat für unsere Wohnungen und unsere Städte.

Aber Steine können auch zwischen den Menschen stehen und sie voneinander trennen; Steine können Waffen und Geschosse sein, sie können Kerker- und Gefängnismauern sein, tödliche Landesgrenzen kennzeichnen, eine bedrückende, Leben zerstörende Last…

Manchmal fängt es ganz harmlos an: Da zieht ein neuer Nachbar ins Haus, der irgendwie seltsam ist. Es gibt gar keinen wirklichen Grund dafür, aber er gefällt mir nicht. Ein Ausländer? Ein Farbiger? Ein Muslim? Spricht er sächsisch oder schwäbisch? Schon wie der immer guckt! Und seine Kinder sind so unhöflich und machen die ganze Zeit Lärm…

Was erst noch normal scheint, führt mit der Zeit dazu, dass wir gedanklich einen Stein zwischen unseren Nachbarn und uns setzen. Ein Stein, als Abgrenzung und Schutz, und wir beruhigen uns mit dem Gedanken, das muss man ja wohl noch dürfen; wir müssen nicht mit jedem gut klar kommen, oder?

Da sind dann noch die anderen, die mit mir morgens im Bus zur Arbeit fahren… Früher, ja früher hat man mal mit denen geredet, nur so, über das Wetter oder auch über die schwierigen Zeiten und dass alles immer teurer wird… Aber jetzt tippt jeder nur auf seinem Handy herum oder trägt diese riesigen neumodischen Kopfhörer, oder er guckt angestrengt aus dem Fenster, als wollte er zeigen „Sprich mich bloß nicht an…“ Gut, dass ich auch da einen Stein setzen kann: Ich verstecke mich hinter der Zeitung oder blicke mit gerunzelter Stirn um mich herum… Sollen sie mich doch in Ruhe lassen, alle. Ich will mit solchen Ignoranten gar nicht reden…

In der Zeitung steht etwas vom Krieg hier und von einer Hungersnot da, ach Gott, ja, aber was soll man denn tun, ein Mensch allein kann da ja doch nichts ändern… Von arbeitslosen Jugendlichen in Spanien und Griechenland steht da was – ach, wenn die nur arbeiten wollten, würden sie auch Arbeit finden, es gibt da doch genug zu tun… Ich lese von alten Leuten in Seniorenheimen, die niemand mehr besucht und von Krankenhäusern, die verzweifelt nach Ehrenamtlichen suchen…

Keinen von diesen Gedanken lasse ich wirklich an mich heran, denn sie schmerzen und tun weh und stören meine Bequemlichkeit und mein gutes Gewissen…

Da sind die Leute, die im Einkaufszentrum betteln oder die Straßenzeitung verkaufen. Was soll denn diese Bettelei, heutzutage verhungert doch in Deutschland niemand mehr, und auch die mit dem kleinen Kind im Arm da, das kennt man ja, alle halbe Stunde kommt ihr Mann mit dem dicken Mercedes und sammelt das Geld ein, und im Sommer fahren die beiden dann mit ihren Kindern nach Ibiza… Da hilft nur noch ein Stein hier und einer da…

Die nervige Cousine, die ewig jammernde Großmutter, der Neffe, bei dem mich jedes mal das schlechte Gewissen packt, wenn ich ihn sehe, weil ich ein Versprechen nicht gehalten habe… Überall steht gedanklich ein Stein zwischen mir und den Menschen um mich herum, und ich spüre, dass diese Steine, mit denen ich mich zu schützen versuche, langsam zu einem Gefängnis werden, zu einer Mauer, die mich begrenzt und einschließt.

Am Ende bin ich ringsherum abgeschlossen und nur nach oben offen – – – aber auch da – Gott, was soll der schon für mich bedeuten, er ist es doch, der all die Schwierigkeiten in dieser Welt zu verantworten hat, der doch eigentlich, schlussendlich, letztlich schuld an Krieg und Armut und Not und Leid ist… Also auch da ein Stein… Und nun sitze ich eingesperrt unter einer Kuppel und spüre, wie mir nach und nach die Luft ausgeht…

Wer nimmt die Steine um mich herum weg? Wer befreit mich zum Leben? Wer schenkt mir einen Ausweg aus dem selbst gewählten Gefängnis?

In der Auferstehungsgeschichte aus dem Evangelium der Osternacht, das wir gehört haben, ist es der Engel, der im Erdbeben auf die Erde kommt, an das Grab tritt und den Stein weg wälzt. Von ihm erfahren die Frauen auch, dass Jesus auferstanden ist. „Er ist nicht hier,“ sagt der Engel den Frauen, „geht und sagt seinen Jüngern, dass er vorangegangen ist nach Galiläa, dort werdet ihr ihn sehen…“

Das Grab ist offen, und der Weg für die Frauen ist frei, aber statt den Toten zu finden und ihn zu salben, wie sie es vorhatten, hören sie dort von dem Leben, dass er für sie und für alle eröffnet und ermöglicht hat: ein Leben ohne die Steine, die Mensch von Mensch trennen, ohne die Steine der Angst und des Mißtrauens, die Familien zerstören, Städte zu Wüsten machen, Kriege verursachen und das Leben auf dieser Erde vernichten können, ein Leben voller Hoffnung und Zuversicht, voller Vertrauen, und – Ja! – auch voll Liebe.

Es gibt keine einfachen Lösungen, und noch ist die Welt nicht geheilt; aber in der Finsternis scheint nun der Stern des anbrechenden Morgens; Christus ist unser Licht, das niemals mehr verlischt, und sein Glanz vertreibt die nächtlichen Schatten.

Christus ist erstanden – er ist wahrhaftig auferstanden, und in ihm sehen wir jetzt schon das Leben der kommenden Welt und der neuen Schöpfung Gottes, in der es keinen Tod mehr geben wird und kein Leid und kein Geschrei, denn von heute an macht er alles neu…

Worüber man nicht sprechen kann…

…darüber muss man schweigen. Oder?

Das_Hohelied_Salomos_-_Studie_K_(1923)

In diesem Jahr hat die ökumenische Bibelwoche das „Lied der Lieder“ zum Thema, das Hohelied des Salomo. Dieser kleine Schatz aus der Mitte der Hebräischen Bibel enthält eine Sammlung alt-orientalischer Liebeslieder aus verschiedenen Gesellschaftsschichten, Lieder der Hirtinnen aus dem „Volk vom Lande“ ebenso wie Lieder aus dem Harem am Hof des Königs. Unter dem Titel „Zwischen Dir und mir…“ haben wir an vier Abenden und in einem Sonntagsgottesdienst diese Lieder auf uns wirken lassen.

Am ersten Abend erlebten wir eine gewisse Scheu, uns auf diese Lieder einzulassen. Unverblümt wurde da in der Bibel über erotische Gedanken geschrieben, über die Sehnsucht nach Zärtlichkeit und sexueller Erfüllung, nach körperlicher Liebe, nach Küssen und Streicheln und mehr.

Darüber in einer Gruppe mit fünf doch sehr alten Männern und zwei sehr alten Frauen zu diskutieren, war doch mehr als schwierig. In deren Generation, in einer Jugend, die während des Krieges in Deutschland stattfand, gab es wohl andere Sorgen und Bedürfnisse, und Sexualität hatte viel mehr mit Kinderkriegen zu tun als mit gegenseitiger erfüllter Erotik.

Selbst, wenn das Liebesleben schön und angenehm war, wurde eigentlich nicht darüber geredet. Was im Schlafzimmer geschah, gehörte nicht an die Öffentlichkeit. Es war privat, fand hinter geschlossenen Gardinen statt, ging niemanden etwas an.

Worüber man nicht spricht, davon muss man schweigen.

Am zweiten Abend unserer Bibelwoche war dieses Schweigen sogar noch stärker. Dass da in der Bibel von Sexualität gesprochen wird, ohne dass explizit das verantwortungsvolle Versprechen lebenslanger Treue im Hintergrund steht, dass da von Liebe in jugendlichem Überschwang und in ekstatischer Begeisterung geredet wird – beißt sich das nicht mit den Zehn Geboten und mit dem Satz, dass Mann und Frau „ein Fleisch werden“? Das moralische Grundverständnis dieser Generation wehrte sich gegen die mit den Liebesliedern verbundene Sicht auf das freie, lustvolle Miteinander zwischen Liebenden…

Ich habe mich gefragt: Wie können wir uns überhaupt sinnvoll an so einen Text annähern, wie können diese Mauern aus Tradition und Moral durchlässiger werden? Am dritten Abend, für den ich verantwortlich war, wollte ich nicht theoretisch über die zeitgeschichtliche Einordnung des Bibeltextes und die religionshistorische Bedeutung etc. reden. Ich wollte die Liebeslieder als das nehmen, was sie sind, nämlich als Gesänge, als Tänze, als Bestandteil von Festen an lauen Sommerabenden, als beunruhigendes Geflüster in der Mittagshitze, als Traumgesichte in schwülen Nächten voller fiebriger Liebessehnsucht…

Ich habe Bilder heraus gesucht, die diese Sehnsucht ausdrucksvoll vor Augen stellen, habe Musik ausgesucht, die dem Gefühl nahekommt, das da angesprochen wird, und ich habe Käse und Wein hingestellt, so dass man beim Hören und Reden auch etwas genießen konnte…

Und mit Geduld und Ruhe konnte ich die Menschen dazu bringen, etwas „aufzutauen“. Und wir haben dann – scheinbar ganz abseits vom Bibeltext – über Jugenderinnerungen gesprochen: Geschichten vom ersten Kuss, von einer unerträglichen Trennung während der Kriegsjahre, von Tanzfest auf den Dörfern, von unerwiderter Liebe wurde erzählt, und ich hatte zum ersten Mal das Gefühl, dass die Leute verstehen, was dieser Bibeltext mit ihnen, mit dem wirklichen Leben zu tun hat.

Sehr hilfreich war dabei bestimmt auch der Gesang, der sehr nah an den Klang heranreicht, wie das „Lied der Lieder“ ursprünglich gemeint war

(Bild und Ton aus wikipedie commons)

Gebet in der Passionszeit

Jesus Christus spricht:
In der Welt habt ihr Angst,
aber seid getrost; Ich habe die Welt überwunden.

Die Stadt Gottes ist in Trümmer gelegt.
Die Straßen des friedens sind unbegehbar.
. Die Türme der Hoffnung versinken im Erdboden.
. Der Grundriss unserer Liebe ist zerstört.

Blut fließt an heiligen Stätten, die Steine schreien zum Himmel.
Wer wird uns vom Tode erwecken?
. Die Leiden der Menschen zählen nicht mehr,
. die Verwüstung ist zum täglichen Brot geworden.

Sie wollen unseren Gott kurz und klein schlagen,
darum haben sie uns die Hände gebunden
und unsere Freiheit in Ketten gelegt.
. Um der Ehre deines Namens willen,
. hilf uns, Gott unseres Heils.

Um deines Namens willen
reiß uns heraus aus dem Chaos.
. Weck uns auf von den Toten und hilf uns zum Leben,
. so wollen wir dir danken von einer Generation zur anderen.

Jesus Christus spricht:
In der Welt habt ihr Angst,
aber seid getrost; Ich habe die Welt überwunden.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn
und dem Heiligen Geist
. wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit
. und in Ewigkeit. Amen!

Jesus Christus spricht:
In der Welt habt ihr Angst,
aber seid getrost; Ich habe die Welt überwunden.

Uwe Seidel – nach Psalm 79 – aus dem Liederbuch
„Lieder zwischen Himmel und Erde“ – Seite 49

Das Drei-Körper-Problem

Das Verhalten des physikalischen Universums lässt sich mit mathematischen Gleichungen beschreiben. Davon gingen Wissenschaftler und Naturphilosophen wie Newton, Kepler und Leibniz aus. Manche Vorgänge erschließen sich dabei dem denkenden Zugriff der Mathematiker sehr leicht, andere sind extrem kompliziert.

Zwei Sterne beispielsweise, die sich in ihren Schwerkraftfeldern gegenseitig umkreisen und dabei um einen gemeinsamen Schwerpunkt bewegen, können leicht beschrieben werden. Drei Sonnen dagegen bewegen sich nach einem komplizierten, unvorhersehbaren Muster. Schon geringste Abweichungen oder Meßfehler in den Startbedingungen des Systems führen dazu, dass es sich innerhalb relativ kurzer Zeit völlig chaotisch verhält und von einem System mit ganz ähnlichen Anfangswerten stark abweicht. Das Drei-Körper-System ist ein nichtlineares rekursives System – und diese Systeme lassen sich mit den Methoden der Mathematik nur näherungsweise berechnen.

Der chinesische Schriftsteller Cixin Liu hat einen dreibändigen Science-fiction-Roman geschrieben, der nach diesem physikalischen Problem benannt ist. Der Titel der deutschen Übersetzung lautet „Die drei Sonnen„, was leider schon ein ziemlich heftiger Spoiler ist und eigentlich eine der wesentlichen „Überraschungen“ im ersten Band verrät. Schade.

Ansonsten möchte ich diesem Band und auch die beiden folgenden „Der dunkle Wald“ und „Deaths End“ wärmstens empfehlen. (Der dritte Band ist noch nicht ins Deutsche übersetzt, aber ich konnte nicht abwarten und lese ihn darum zur Zeit in Englisch.) Ich sollte erwähnen, dass Cixin Liu für diesen Romanzyklus den Galaxy Award sowie den Hugo Award erhalten hat.

Die Geschichte beginnt während der chinesischen Kulturrevolution. Die Parteidoktrin bestimmt in China alles, und die Kämpferinnen und Kämpfer der Roten Garde bestimmen über Leben und Tod – wer abweicht, muss sterben. Und sterben muß auch der Vater der Astrophysikerin Ye Wenjie, weil er in seinen Physik-Klassen an der Universität die Ergebnisse der Forschung Einsteins lehrt.

Die junge Frau wird in eine geheime Militärbasis in eine entlegene Gegend im Norden Chinas gebracht, wo sie hilft, mit einer riesigen Radioantenne nach Zeichen außerirdischen Lebens zu suchen. Doch was sie schließlich entdeckt, ist noch viel atemberaubender als ein Funkspruch von anderen Sternen – und es wird das Schicksal der gesamten Menschheit für immer verändern.

Denn was würde wohl geschehen, wenn zweifelsfrei feststünde, dass die Menschheit nicht allein im Universum ist?

Ich will hier nicht mehr schreiben, als der Klappentext des Buches andeutet, um nicht die Freude an der faszinierenden Spannungskurve zu zerstören, entlang der der chinesische Autor seine epische Geschichte entwickelt.

Interessant ist es auf jeden Fall, einmal einen klassischen Hardcore-Science-fiction zu lesen, in dem nicht Amerikaner und westliche Helden im Mittelpunkt stehen und der sich an chinesische Bilder, Traditionen und Denkweisen anlehnt. Der Roman ist zugleich ein Polit-Thriller, ein philosophisches Werk, eine Dystopie ersten Ranges; und auch eine zarte Liebesgeschichte zieht sich durch ein fein gewobenes Netz aus gefühlvollen Lebensgeschichten und traumatisierenden Erinnerungen, ausgeklügelten Strategien und beeindruckenden Heldensagen, aus meditativen Naturbeobachtungen und dem erschütternden Bericht über das Erschrecken vor der gefährlichen Leere des Raums zwischen den Sternen…

Die Trilogie über die Begegnung der Menschheit mit den drei Sonnen ist erschienen im Verlag Heyne und kostet pro Band 16,99 €.

Eine Hörspielversion des ersten Bandes „Die drei Sonnen“ gibt es zur Zeit kostenlos im Archiv des Westdeutschen Rundfunks.

Psalm 142 – für Kinder und Jugendliche

Du hörst auf mich Gott, du hörst mein Gebet.
Danke für alles Gute, das Du für mich tust.

Auch wenn ich Angst habe, weiß ich:
Du bist da und bleibst immer bei mir.
Du weißt, wie es mir geht,
Du tröstest mich und machst mir Mut.

Du hörst auf mich Gott, du hörst mein Gebet.
Danke für alles Gute, das Du für mich tust.

Auch wenn ich allein bin und niemand ist da:
Wenn ich denke, dass kein Mensch mich versteht:
Du bist mein Freund in traurigen Stunden,
wenn ich an Dich denke, geht es mir gut.

Du hörst auf mich Gott, du hörst mein Gebet.
Danke für alles Gute, das Du für mich tust.

Auch wenn ich krank bin, hältst Du mich fest,
du liebst mich und machst mich wieder gesund.
Ich rufe zu Dir und Du hörst mich,
Dir kann ich vertrauen: Du machst mir Mut.

Du hörst auf mich Gott, du hörst mein Gebet.
Danke für alles Gute, das Du für mich tust.

Bei Dir, Gott, will ich mich bedanken.
Du hast mich gesund und glücklich gemacht.
Ich will mich freuen und froh sein und lachen,
ich will allen meinen Freunden sagen, Du tust mir gut.

Du hörst auf mich Gott, du hörst mein Gebet.
Danke für alles Gute, das Du für mich tust.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn
und dem Heiligen Geist

wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit
und in Ewigkeit. Amen.

Du hörst auf mich Gott, du hörst mein Gebet.
Danke für alles Gute, das Du für mich tust.

Doofes Spiel zwei

Vorige Woche im Konfirmandenunterricht: Eine Konfirmandin fragt mich: Wie ist es mit ihnen? Glauben Sie auch, dass wir spätestens 2040 in einer Eiszeit leben werden?

Mir hat diese Frage erst einmal die Sprache verschlagen. Was sollte ich antworten?

Ich habe mich erinnert an die Ängste, die ich in meiner Kindheit hatte. In der Schule haben wir den Film „War game“ gesehen, eine Dokumentation, in der berichtet wird, was geschehen würde, wenn eine Atombombe über London abgeworfen werden sollte. Eindrücklich wurde gezeigt, welche Folgen der sonnenheiße Feuerball über der Stadt haben würde, wie sich der radioaktive Fallout über dem ganzen Land auswirken würde und was die Auswirkungen des folgenden nuklearen Winters wären.

Alpträume haben mir aber nicht die Berechnungen der Experten und Becquerel-Werte gemacht, sondern die Szene in dem Film, in der gezeigt wird, wie nach dem Atomblitz ein kleiner Junge allein auf einer Wiese steht und nach seiner Mutter schreit. Das heiße Licht der Bombe hat ihm beide Augen ausgebrannt.

Das Leben im kalten Krieg machte ein solches Szenario nur zu wahrscheinlich, und die Atomwaffen der „Russen“ machten diese Bedrohung zum Gegenstand der schlaflosen Nachtgedanken meiner Generation.

Viele andere Schreckensszenarien haben mich durch meine Alpträume begleitet im Laufe der Jahrzehnte; eher unwahrscheinliche wie stadtzerstörende Meteoriteneinschläge am Horizont oder wildgewordene Vogelschwärme, die sich auf dicht bevölkerte Einkaufszentren stürzen, aber leider auch realistische wie der saure Regen und das Waldsterben, riesige Braunkohlebagger, die ganze Dörfer vom Erdboden löschen, oder Nazi-Armeen, die durch die Hauptstraßen Berlins marschieren…

Hilflos und wütend haben mich die Berichte über Katastrophen in Atomkraftwerken gemacht, hilflos und wütend machen mich sinnlose, terroristische Kriegsszenarien und Anschläge von fanatischen Selbstmordattentätern auf unbeteiligte und friedliche Mitbürger.

Und nun: Klimawandel. Offensichtlich der Schrecken dieser nachfolgenden Generation.

Ich weiß nicht, welche Filme meine Konfirmandinnen und Konfirmanden im Schulunterricht sehen, vielleicht solche wie „the Day after tomorrow“ oder „2012“. Sie sind spannend und dramatisch, wahrscheinlich eher unrealistisch und – was wissenschaftliche Recherche angeht – nur schwach untermauert. Und dennoch voller Bilder, die geeignet sind, in Jugendlichen Alpträume auszulösen wie damals das Bild des blinden Jungen im Atomkrieg bei mir.

Ich denke nicht, das es mit der nächsten Eiszeit so schnell gehen wird, dass wir schon 2040 die ersten Gletscherzungen im Norden der Stadt heranwachsen sehen werden. Es ist aber nicht zu bestreiten, dass eine Klimaveränderung begonnen hat.

Die Wettermechanismen sind kompliziert, vielschichtig und schwer vorauszusagen. Klimawandel bedeutet nicht einfach, dass es überall wärmer wird. In manchen Gegenden der Welt würde es sogar eher kälter werden. Bei uns wird es wohl vor allem trockener werden; Wind, Regen, Gewitter werden heftiger und extremer…

Spürbare klimaveränderungen sind eher eine Sache von Jahrzehnten oder Jahrhunderten – es gibt aber vielleicht „tipping points“, die dazu führen können, dass kleinere Veränderungen sehr plötzlich kommen, wenn zum Beispiel der Golfstrom versiegen sollte…

Leider konnte ich meine Konfis nicht wirklich beruhigen… Aber vor einer „Eiszeit“ müssen wir wohl keine Angst haben.