Zeitzonen: 12.00 GMT: Greenwich, London

 

Es hätte auch jeder andere Ort auf der Welt sein können. Die Erde ist rund, und überall ist es einmal am Tag Mittagszeit. Den nullten Längengrad durch das Königliche Observatorium in dem schönen Park an der Themse im Londoner Ortsteil Greenwich zu legen war dennoch keine vollkommen willkürliche Entscheidung. Die Briten waren lange Zeit die wichtigste seefahrende Nation, und nicht zuletzt für die Navigation der Handelsschiffe und Kriegschiffe wurde ein weltweites System benötigt, das selbst den Ort der fernsten Inseln eindeutig bestimmen kann. Auf der Internationalen Meridian-Konferenz in Washington, D.C. mit Vertretern aus 25 Nationen wurde am 13. Oktober 1884 der durch Greenwich verlaufende Meridian als Basis des internationalen Koordinatensystems eingeführt. In Deutschland wurde der Meridian von Greenwich 1885 übernommen.

Was kaum jemand weiß: Lange vor den Koordinatensystemen für Nautik und Geographie, die sich an der Lage des Royal Observatory orientieren, gab es unterschiedliche andere Systeme: Die Stadt Paris lag für französische Wissenschaftler und Seefahrende lange auf dem Nullmeridian, in der Antike (seit 150 v. Chr.) rechnete man mit einem Koordinatensystem, dessen Nullpunkt auf der Insel Rhodos lag. Und noch bis in das letzte Jahrhundert hinein rechneten Seefahrer ihren Standpunkt nach der Entfernung von der Insel Hierro, der kleinsten und am meisten westlich gelegenen Insel der Kanarischen Inseln – was sinnvoll war, da man so die Lage aller europäischen Orte und Meere mit einfachen positiven Zahlen angeben konnte. Als dieses System eingeführt wurde, war Amerika noch nicht bekannt. Jenseits der „Inseln der Seeligen“ gab es nur unendliche Weite, die noch nie zuvor ein Mensch gesehen hatte.

Durch immer genauere Messmethoden, zum Beispiel mit Hilfe von Satelliten und dem GPS-System, wurde es möglich, die Gestalt der Erde so exakt zu bestimmen, dass die Unregelmäßigkeiten ihrer Form bemerkbar macht. Sie weicht deutlich von der idealen Kugelform ab, was unter anderem dazu führt, dass der exakte Nullmeridian nicht mehr genau durch das Observatorium von Greenwitch führt, sondern durch den benachbarten Park, etwa 110 Meter entfernt. Mit dem GPS im Mobiltelefon kann man das leicht überprüfen. Die Längen- und Breitenkreise liegen zudem nicht mehr unverrückbar fest, sondern ändern sich je nach Jahreszeit und z.B. auch durch die Kontinentaldrift langsam mit der Zeit, denn sie sind nicht mehr durch die tatsächliche Form des Planeten, sondern durch einer berechenbare, aber abstrakte Geometrie der Erde definiert.

Bei der Internationalen Meridian-Konferenz 1884 wurde auch beschlossen, die Ortszeit am Greenwich Observatorium zur Grundlage der Zeitberechnung auf der Erde zu machen. 24 breite Bänder umschließen die Erde, innerhalb derer sich die Menschen nach der gleichen Uhrzeit richten: Die Zeitzonen.

Eine Zeitzone ist auf der Erdkugel normalerweise 15 Grad „breit“. Anders gesagt: Alle 15 Grad fängt eine neue Zeitzone an. Auf der Höhe von London und Berlin („in unseren Breiten“) entsprichen diese 15 Grad etwa einer Entfernung von 1000 Kilometern, weiter im Süden (bis hin zum Äquator) ist es entsprechend mehr.

Die meisten Länder richten sich nicht stur nach der geometrischen Länge, sondern definieren für ihr gesamtes Gebiet eine gemeinsame Uhrzeit. Die Mitteleuropäische Zeit MEZ gilt beispielsweise von Spanien bis Polen, obwohl Spanien bereits deutlich westlich von England liegt. Das führt dazu, dass es in Spanien abends erst mehr als eine Stunde später dunkel wird.

Und nur, wenn es in Greenwich 12 Uhr Mittags ist, schreibt man überall auf der Welt das gleiche Tages-Datum. Aber dazu später mehr…