Traurig…

Gestern ist Maja die Katze gestorben. Sie war sehr krank und wir mussten sie zum Tierarzt bringen, da mit der sie erlöst.

14 Jahre alt ist sie geworden. Sie war ein kleines Tierchen ihr ganzes Leben lang, aber sie war eine mutige große Seele.

Als sie zu uns kam, wohnten wir noch in Schöneberg im Pfarrhaus. Ich weiß noch, wie sie aus der Transportbox heraus kam, in der wir sie vom Züchter in Marienfelde nach Schöneberg brachten. Neugierig lief sie durch das ganze Treppenhaus, dann setzte sie sich auf eine der Stufen und knurrte zufrieden. Offensichtlich war unsere Wohnung als neues zuhause anerkannt.

Nach und nach hat die dann die ganze Wohnung erobert, und wir haben oft sehr gelacht, weil sich das kleine Katzenkind doch oft sehr tollpatschig angestellt hat.

Ich erinnere mich an viele schöne Stunden, in denen sie den Laserpointerpunkt gejagt hat oder Flaschenverschlüsse aus Gummi apportierte wie ein Hund. Im Sommer haben wir ganze Wochenenden auf der Terrasse gemeinsam verdöst. Bei Gesprächen mit Gemeindegliedern im Dienstzimmer war sie oft diejenige, die am Anfang das Eis gebrochen hat. Manchmal habe ich gedacht, dass jeder Pfarrer eine Katze haben sollte, denn sie spielte in der Seelsorge eine große Rolle.

Wenn niemand zu Hause war, saß sie stundenlang am großen Fenster im Dienstzimmer und schaute hinauf auf die Terrasse. Dort gab es immer etwas zu sehen: Eichhörnchen und Vögel spielten dort, und ab und zu kam sogar ein Fuchs vorbei, und die Katze und er guckten sich durch die Glasscheibe neugierig an.

Den Umzug nach Lichtenrade hat sie bemerkenswert gut verkraftet. Sie war inzwischen älter geworden und auch viel ruhiger. In der neuen Wohnung entdeckte sie immer wieder andere Lieblingsplätze: natürlich auf dem Sofa im Wohnzimmer, auf der Anrichte vor dem Fenster, wo sie wieder Vögel beobachten konnte, und in meinem kleinen Dienstzimmer, wo sie oft auf meinem Schoß saß und knurrte, während ich meine Predigten schrieb.

Abends sah sie oft mit meiner Frau und mir vor dem Fernseher und schaute interessiert die Serien mit: ob es nun bigbangtheorie oder Star Trek war, Grey’s Anatomy oder The Good Wife.

Meine Frau und Maja die Katze haben sich oft miteinander unterhalten und haben dazu eine gemeinsame Sprache aus Knurr- und Maunz-Lauten entwickelt, es war so lustig, ihnen dabei zuzuhören.

Sie gehörte wirklich zur Familie, und es gab immer wieder neue feste Bräuche; Momente im Tagesablauf, wo die Katze einfach dazu gehörte. Von der Schmuse-Minute nach dem Aufstehen bis hin zum Bibel Vorlesen vor dem Schlafen gehen: Maja war immer dabei.

Wir merkten, dass es ihr nicht gut geht, als sie begann, in die Wohnung zu pinkeln und immer wieder ihr Essen auf unseren Teppich zu spucken. Sie musste Diät leben. Zuletzt hat sie immer weniger gegessen, verlor sehr schnell Gewicht und wurde immer öfter müde. Sie begann, ganze Tage zu verschlafen.

Letzte Woche sagte der Arzt, daß sie ein Darmgeschwür hat und nicht mehr lange leben wird. Das arme Tier hatte inzwischen sichtbare Schmerzen und bewegte sich immer weniger. Aber ihre Augen waren immer noch klar und hell. Trotzdem hatte ich den Eindruck, dass sie sich von uns, von den vielen Dingen in der Wohnung und von dieser Welt zu verabschieden begann.

Gestern war ihr letzter Tag. Den Vormittag hat sie verschlafen, am Nachmittag kam sie zu mir ins Dienstzimmer und – ja, es war, als ob sie sich verabschieden wollte.

So jetzt bin ich mit ihr durch die ganze Wohnung gelaufen, habe ihr noch einmal alle ihre Plätze gezeigt und dann habe ich geweint.

Beim Tierarzt ging alles sehr schnell; sie bekam zwei Spritzen. Dann schlief sie ein und und wird niemals mehr aufwachen.

Jetzt steht die Transportbox mit ihrem Körper auf dem Balkon, dieselbe Kiste, in der sie vor 14 Jahren zu uns kam. Morgen werde ich sie zum Friedhof bringen und dort beerdigen.

Maja, du großes kleines mutiges tapferes und lustiges Tier; wo immer Du jetzt bist: Wir werden dich immer lieb haben.

Protest gegen den Tod

Lieber Paulus!

Hier schreibt Richard Horn. Ich bin seit fünf Jahren Pfarrer in den Kirchengemeinden Schönefeld und Großziethen und in sechs kleinen Kirchengemeinden rund um den Flughafen. Ich habe gerade deinen zweiten Brief an Timotheus gelesen. Timotheus hat diesen Brief an viele christliche Gemeinden weitergereicht, und nun steht er in der Bibel und in den Gottesdiensten wird er vorgelesen und darüber gepredigt.

Ich schreibe Dir, weil ich in dieser Woche große Schwierigkeiten bei der Predigtvorbereitung hatte. In Deinen Briefen benutzt du oft so große Worte, die mich immer etwas sprachlos machen. Wahrscheinlich hast du selbst ja gar nicht daran gedacht, dass deine Briefe irgendwann in der Bibel landen und dann Pfarrerinnen und Pfarrer in der ganzen Christenheit darüber predigen sollen.

In Deinem Brief an Timotheus stellst du dich zuerst vor, so wie das damals üblich war zu deiner Zeit. Du schreibst „Paulus der Apostel Jesu Christi, an Timotheus, seinen geliebten Sohn; Gottes Segen und viel Freude für dich.“ Absender und Adressat. Und gleichzeitig ein Gruß an Empfänger des Briefes. So wie wir heute schreiben würden: „Lieber Paulus, ich hoffe, dass es dir gut geht; mir geht es prima. Was machst du gerade?“ Und so weiter… Obwohl wir ja heute sowieso eher Emails schreiben, oder Whats-up-Nachrichten. Du wärst begeistert, was in diesen Tagen alles möglich ist!

Und nach dem Gruß geht es in Deinem Brief schon los mit den großen Worten:

„Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. (…) Jesus Christus hat dem Tod die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht durch das Evangelium.“

BÄMM! Mitten hinein in harmlosen Smalltalk schreibst du auf einmal so ein steiles Glaubensbekenntnis. Plötzlich und unerwartet geht’s zur Sache. Und wir armen Theologinnen und Theologen sollen 2000 Jahre später den Gemeindegliedern erklären, was du vielleicht gemeint haben könntest.

Dabei habe ich jetzt selbst so viele Fragen und verstehe so manches nicht. Du schreibst z.B. Jesus hat dem Tod die Macht genommen. Was bedeutet das? Ja, er ist auferstanden. Über ihn hat der Tod keine Macht; aber was ist mit uns? Ist der Tod nicht immer noch machtvoll am Werk in unserer Welt?

Die meisten Leute heute denken über den Tod gar nicht viel nach. Wir verdrängen das Sterben und den Tod und tun so, als ob es uns nicht betrifft. Tod findet im Fernsehen statt und in den Krankenhäusern, aber nicht in unserem Alltag. Trotzdem haben viele Menschen Angst vor dem Sterben und möchten sich gerade darum mit dem Gedanken daran überhaupt nicht beschäftigen, darüber spricht man nicht. Und andere Leute denken: „Ach, es ist ja noch lange hin, ich bin doch noch so jung. Ich kann mich irgendwann später damit befassen.“ Viele Menschen leben heute so, als würden sie ewig leben.

Andere denken, dass der Tod etwas ganz Normales ist und darum eigentlich gar nicht schlimm. Jedes Leben geht irgendwann zu Ende. Wir werden alt, wir werden krank, wir sterben. Das ist der Lauf der Welt. Letztlich müssen wir uns damit abfinden, irgendwie. Tod und Trauer sind Teil unseres Lebens. Und auch der Glaube an Jesus Christus, den Auferstandenen, ändert daran nichts. Auch Christen müssen sterben und aus dieser Welt gehen.

Vielleicht hilft uns da unser Glaube ein bisschen, weil wir weniger Angst vor unserem Ende haben. Das ist sogar einmal wissenschaftlich erforscht worden: Gläubige Menschen haben im Durchschnitt weniger Stress und sind glücklicher, selbst wenn es um das Sterben geht, als andere Menschen, die nicht glauben. Weil wir hoffen, dass der Tod nicht das letzte Wort über uns sprechen wird und dass Gott uns am Ende das Leben schenken wird. Dass wir ewig Leben werden, unvergänglich, auch, wenn wir uns nicht vorstellen können, was das wirklich bedeutet.

Hast du das gemeint, Paulus, als du gesagt hast, der Tod hat keine Macht mehr?

Dabei erleben doch auch wir, dass der Tod jeden Tag um uns herum ist. Wir müssen nur den Fernseher einschalten und sehen den Tod überall am Werk: in Kriegsgebieten, bei Naturkatastrophen, in fernen Ländern, wo der Wald brennt oder das Coronavirus wütet. Bekannte, die wir lieben, sind schwer krank und sterben. Meine Großeltern sind tot und werden schmerzlich vermisst. Und oft kommt der Tod viel zu früh und schlägt plötzlich und unerwartet zu und reißt auch junge Menschen mitten aus dem Leben. Da kann ich doch in der Predigt nicht einfach sagen: der Tod ist besiegt, alles wird gut…

Das ist so eine schizophrene Situation; einerseits tun wir so, als ob es den Tod gar nicht gäbe, andererseits wissen wir, dass wir von ihm machtvoll umgeben sind.

Dabei hast du selbst, Paulus, den Tod sehr ernst genommen. Viel ernster wahrscheinlich als wir. Du hast geschrieben, dass Christus deswegen gestorben und auferstanden ist, damit wir mit ihm sterben und auferstehen können. Gott selber ist also diesen Weg durch den Tod hindurch gegangen, damit ihm die folgen können, die an ihn glauben. Der Tod ist keine Kleinigkeit, ist nichts zum Lachen. Gott selbst hat sich hingegeben, um ihn zu überwinden.

Immer wieder schreibst Du, Paulus, wie Gott und der Tod geradezu gegeneinander kämpfen. Der Tod ist verschlungen, das Leben hat gesiegt, schreibst Du. Christus hat den Tod überwunden, er hat ihm den Stachel genommen. Der Tod selbst ist gestorben, und nun lebt der, der selbst das Leben ist und gibt das Leben weiter an alle, die an ihn glauben. Beweisen kann man das nicht, und man kann auch niemanden mit schönen Worten überreden, das zu glauben. Es ist ein wunderbares und seltsames Geheimnis, dass Gott auch den Glauben schenkt.

An dieses Geheimnis denken wir in der Kirche immer dann, wenn jemand getauft wird. Es ist ein sehr starkes Bild, wenn jemand mit Wasser getauft wird. Wie ein Schiff, das versenkt wird; wie ein Mafia-Opfer, das mit Beton an den Füßen in ein Hafenbecken geworfen wird, so stirbt der eigensinnige und gottlose Mensch und ertrinkt im Wasser der Taufe. Taufe ist kein nettes Familienfest, sondern eine Handlung, bei der es um Leben und Tod geht. In der Taufe ertrinkt der alte Mensch, aner wie Christus auferstanden ist am Ostermorgen, so steigt ein neuer und Gott gefälliger Mensch aus dem Wasser empor. Und das ist ja dann doch Grund zu feiern.

Wer das glaubt, weiß, dass der Tod keine Macht mehr über ihn hat. Aber trotzdem ist er noch machtvoll in der Welt. Und das bedeutet, glaube ich, dass sich Christen besonders einsetzen müssen gegen den Tod und seine Macht.

In Deinem Brief an Timotheus hast du, Paulus, darüber viel geschrieben, welche Aufgabe die christliche Gemeinde in dieser Welt hat. Man hätte die Christen schon damals „Protestanten“ nennen können, denn sie sind Protestleute gegen den Tod. Sie finden sich nicht damit ab, dass überall das Böse regieren will. Sie leisten mit Kraft, mit Liebe und Besonnenheit Widerstand gegen jede Macht, die den Tod stärker machen will. Gottes Geist selbst ist es, der sie dazu treibt.

Nicht bequem, selbstsüchtig, unbeweglich und auf das Eigene bedacht soll die Kirche sein. Immer und überall sollen Christen bereit sein, aufzustehen für das Leben und todbringenden Kräften entgegentreten. Sand im Getriebe dieser Welt sollen sie sein. Paulus, Du hast geschrieben, dass das ohne Schmerzen und Leid nicht gehen wird. Auch dem Timotheus hast Du Mut gemacht, Anfeindungen auszuhalten.

Paulus, Du kannst Dir vorstellen, dass es uns schwer fällt, so ganz kompromisslos zu leben, wie Du es Timotheus empfohlen hast. Aber einige unter uns haben sich in der Vergangenheit bewährt; sie haben sich nicht dem Regime der DDR unterworfen, das Christen und gläubigen Menschen das Leben schwer machen wollte. Einige sind jetzt in dieser Zeit bereit, immer wieder viele Stunden in den Gemeinden mit zu arbeiten. Wir müssen in Deutschland zur Zeit nicht fürchten, für das Evangelium ins Gefängnis geworfen zu werden so wie Du. Hier und heute bleibt uns das erspart, aber es gibt Länder auf der Welt, in denen die Christen verfolgt und sogar getötet werden, mit unbarmherziger Gewalt, so wie damals zu Deiner Zeit.

Was Du befürchtet hast – es ist eingetroffen: Heute wird derName Gottes und der Glaube an Christus oft missbraucht, um Menschen politisch in eine bestimmte Richtung zu drängen und sie zu beeinflussen und zu manipulieren. Selbstsüchtige und geldgierige Menschen, gedankenlose und furchtsame Leute versuchen, die Christenheit zu spalten und Menschen davon abzuhalten, das zu tun, was dem wahren Glauben entspricht.

Den Mund aufzumachen und vor unverständigen Menschen deutlich zu sagen, dass man an Gott glaubt und zu Jesus gehört – das ist oft nicht einfach und braucht Überwindung und Mut. Vielleicht ist unsere Zeit in vielen Punkten doch gar nicht so sehr verschieden von den Jahrzehnten, die Du inmitten der Römer gearbeitet hast.

Dass man Menschen nicht ertrinken lässt, dass Hass der Seele schadet, dass der Nächste uns so wichtig sein soll wie Christus selbst – das muss sogar in der christlichen Kirche selbst immer wieder neu erkämpft, immer wieder neu begriffen werden, eben weil es nicht selbstverständlich ist. Es ist das Wirken des Geistes!

Dies alles hat Christus überwunden, der Tod ist verschlungen in den Sieg und sein Stachel abgebrochen – o, möchte es doch bald sichtbar werden für alle! Denn im Glauben haben wir es erkannt: Christus Jesus hat das Leben ans Licht gebracht.

Nachrichten von oben…

Ich sitze im Gemeindebüro in Selchow und warte auf die Handwerker. In der Dorfkirche soll ein Kabel verlegt werden, ein Glasfaserkabel für das neue Mobilfunknetz G5. Dann können die Leute hier im Ort sich superschnell Videos herunterladen. Oder Kochrezepte und Buchempfehlungen. Urlaubsbilder und Verschwörungstheorien. Und irgendwann in Zukunft können selbstfahrende Autos über die alte Dorfstraße fahren. Nebenan in der Tesla-Autofabrik arbeiten sie vielleicht schon daran.
 
Aber sie lassen auf sich warten. So wie das Handwerker eigentlich fast immer tun. Selten habe ich mal erlebt, dass mal ein Handwerker oder ein Paketbote pünktlich war. Aber so kann ich die Zeit nutzen, meine Gedanken aufzuschreiben.
 
Ich finde es ja irgendwie ironisch, dass die Funkanlage für den Mobilfunk hier im Ort im Kirchturm steht. Kaum noch einer geht hier zur Kirche; wenn ich einmal im Monat Gottesdienst feiere, kommen vielleicht sechs oder sieben Gemeindeglieder, dazu noch der Organist – und ich natürlich. Das Dorf ist nicht groß, und es kommen also fünf Prozent der Gemeindeglieder zum Gottesdienst… das ist ja eigentlich gar nicht schlecht. Wären in Schöneberg fünf Prozent gekommen, wären wir 200 Leute in der Kirche gewesen…
 
Aber alle hier bekommen ihre Nachrichten, ihre Mails und die Mitteilungen ihrer Familie von oben, aus dem Kirchturm meiner Dorfkirche. Neben dem Kreuz stehen die beiden ziemlich häßlichen Antennen – ich hoffe, dass es dabei bleibt und dass sie für G5 nicht noch ein zusätzliches Monstrum auf das Turmdach stellen müssen. Dazu wird der Denkmalschutz wohl nie „Ja“ sagen.

Haus aus Licht

Manchmal stehen wir auf
Stehen wir zur Auferstehung auf
Mitten am Tage
Mit unserem lebendigen Haar
Mit unserer atmenden Haut.

Nur das Gewohnte ist um uns.
Keine Fata Morgana von Palmen
Mit weidenden Löwen
Und sanften Wölfen.
Die Weckuhren hören nicht auf zu ticken
Ihre Leuchtzeiger löschen nicht aus.
Und dennoch leicht
Und dennoch unverwundbar
Geordnet in geheimnisvolle Ordnung
Vorweggenommen in ein Haus aus Licht.

Marie Luise Kaschnitz

Glauben kannst Du nicht allein…

Das habe ich vor zehn Jahren bei der Vorbereitung für das Erntedankfest geschrieben:

Neben die Dankbarkeit, die wir am Erntedanktag feiern, muss sich also die Sorge um unsere Mitmenschen stellen, nicht nur, weil sie uns als Schwestern und Brüder am Herzen liegen müssen, sondern auch (ganz egoistisch) aus dem Wissen heraus, dass ihre Not in einer globalisierten Welt schneller und plötzlicher zu unserer eigenen Not werden kann, als wir alle es ahnen.

Wenn wir den Satz: „Gott sorgt für uns.“ einfach so behaupten, ohne für uns selbst irgendwie verstehbar zu machen, wie er sich mit den negativen Erfahrungen so vieler Menschen auf der Welt vereinbar macht, riskieren wir, dass unser Glauben irrelevant wird, weil er weltfern und unglaubwürdig wird.

Gott und Jesus und Schneewittchen…

Im Oktober werde ich das fünfte Jahr als Pfarrer in den Kirchengemeinden rund um den Flughafen vollenden. Herausfordernde, interessante, anstrengende, wunderschöne und faszinierende Monate liegen hinter mir. Und ich freue mich auf die Jahre, die hoffentlich noch kommen werden.

Eine besondere Frau und ein wirkliches Unikum habe ich in der Gemeinde in Waßmannsdorf kennengelernt. Es war nach einem meiner ersten Gottesdienste in der Gemeinde dort, dass sie mich ansprach und meinte, ich würde ja schön predigen und es würde ihr auch alles gefallen, was ich so zu sagen hätte, aber ich würde doch zuviel von Gott reden. „Gott ist doch so weit weg, und er ist kaum zu begreifen und zu verstehen. Ich höre lieber die Geschichten über Jesus; den kann ich so richtig lieb haben.“

Und dann sagte sie mir, dass ihr zwei Dinge auf der Welt am wichtigsten seien: Jesus und Schneewittchen.

Ich gebe zu, dass ich ziemlich verblüfft war und erst einmal dachte: Die liebe skurrile alte Dame will dich wohl verkohlen… Schneewittchen???

Erst nach ein paar Wochen habe ich begriffen, dass „Schneewittchen“ eine halbwilde Katze ist, die im Dorf lebt und von der alten Dame regelmäßig Futter bekommen hat. Die beiden einsamen Seelen haben sich oft gegenseitig getröstet.

Letztes Wochenende ist die alte Dame verstorben. Wir haben die Glocken geläutet und für sie gebetet. Und ich habe auch für Schneewittchen gebetet, aber leise nur für mich. Ich hoffe, dass es ihr gut geht. Sie findet bestimmt an einer anderen Stelle im Dorf ihr tägliches Schälchen Katzenfutter – es gibt noch andere einsame Seelen in Waßmannsdorf…

Asterix und Obelix und das Kreuz der Verzweiflung…

Ich habe mehrere alte Bibeln. Manchmal denken Menschen aus der Gemeinde, sie tun mir etwas Gutes, wenn sie mir nach dem Tod der Ur-Oma deren Konfirmandenbibel vererben. Vielleicht haben sie auch nur Hemmungen, das gute Stück irgendwo auf einem Flohmarkt zu vertrödeln oder einfach weg zu werfen. Bücher wirft man doch nicht weg; und schon gar nicht die Bibel, oder? Da sind sie doch beim Pfarrer besser aufgehoben.

Ich habe also mehrere Bibeln, die in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts gedruckt wurden. Wirklich alt und wertvoll sind sie nicht, es gibt einfach zu viele davon; man bekommt sie in Antiquariaten oft für fünf oder zehn Euro. Erst, wenn eine Bibel über 250 Jahre alt und dabei gut erhalten ist, könnte sie wertvoll sein.

Trotzdem mag ich diese Bibeln und blättere gern darin herum. Ich finde immer wieder Überraschungen darin: gepresste und getrocknete Blüten oder Blätter, Einladungskärtchen zu Festgottesdiensten aus dem Jahr 1912, Zettel mit Notizen aus einem Bibellesekreis und manchmal sogar ein Foto oder eine Postkarte aus lang vergangenen Zeiten.

Und ich mag die Frakturschrift und die Gestaltung der Buchseiten, das Layout, das oft viel liebevoller ausgeführt ist als in modernen, am Computer gesetzten Bibel-Ausgaben. Die alten Bibeln wurden noch auf wirklichen Druckerpressen handwerklich gedruckt, und wenn ich vorsichtig über die Seiten streiche, kann ich die Schrift sogar mit den Fingerspitzen fühlen.

Frakturschrift hat jede Menge Besonderheiten, die es in modernen Schriftarten zwar auch noch gibt, die aber dort sehr viel weniger auffallen. Zum Beispiel gibt es manchmal für den selben Buchstaben unterschiedliche Zeichen, etwa das „s“, das am Ende des Wortes wie ein modernes „s“ aussieht, in der Mitte des Wortes aber eher wie ein „f“. Es gibt zusammengesetzte Buchstaben (Ligaturen) wie „st“, „fl“ oder „ss“, für die es jeweils eigene Zeichen gibt, und es gibt auffallende schöne Großbuchstaben.

In manchen Bibelausgaben stehen unten an der Seite Fußnoten, die auf Parallelstellen in der Bibel oder auf kurze Kommentare des Übersetzers verweisen. Gibt es nur eine Fußnote im Absatz, wird oft mit einem Sternchen darauf hingewiesen; gibt es mehrere Fußnoten, bekommt die Zweite oft ein Doppelsternchen und die Dritte ein Kreuz.

Sternchen * Kreuz (oder Dagger) †

Das Sternchen heißt Asterisk und das Kreuz Obelisk oder (im Englischen) Dagger, also Säule oder Spießchen.

Auch beim Korrigieren von Texten werden diese beiden Zeichen eingesetzt, wenn beispielsweise Worte eingefügt oder gestrichen werden sollen. Bei Wikipedia habe ich eine Anmerkung gefunden, dass das Kreuz manchmal genutzt wird, wenn Abschnitte im Manuskript unverständlich oder zu schlecht für eine Rekontruktion erhalten sind. In diesem Zusammenhang heißt das Kreuz dann crux desperationis, also „Kreuz der Verzweiflung“.

Bei manchen Passagen der wissenschaftlichen Fachliteratur, die ich als Student lesen musste, hätte ich mir ein solches Zeichen am Rand als Warnung gewünscht.

Wozu sind die Menschen da?

Kinder fragen immer: „Warum?!“ Sie wollen Dinge verstehen, sie wollen wissen, warum etwas so ist, wie es ist. In Kindern ist der Forscherdrang noch ganz ungebrochen; und vieles, woran wir Erwachsenen gar keinen Gedanken mehr verschwenden, ist ihnen neu und interessant und wunderbar. Und manchmal auch seltsam und erschreckend.

Manche Gedanken und Geschichten aus der Bibel sind so geschrieben, als seien sie auf der Suche nach Antwortern für Kinderfragen entstanden. Sie wollen erklären, warum die Dinge so sind, wie sie sind, woher sie kommen und zu welchem Zweck sie da sind. „Woher kommen Sonne, Mond und Sterne? – Gott hat sie gemacht. – Und wozu sind sie da? – Sie sind eine Art Kalender, eine Uhr, damit die Menschen wissen, wann es Zeit ist zu schlafen oder zu arbeiten, wann man sät und wann man erntet… – Und außerdem sind sie wunderschön!“

So beginnen mit dem Staunen und der Neugierde der Kinder die Philosophie – die Liebe zum Wissen – und die Theologie – das Suchen nach Gott.

Auch die Legenden um Adam und Eva und ihre Kinder sind solche Geschichten. Sie sollen erklären, woher die Menschen kommen, warum es überhaupt Menschen gibt, warum sie so sind, wie sie eben sind – liebevoll und zart, aber auch hart und kämpferisch, verantwortungsvoll und auf das Vertrauen anderer angewiesen, fähig zu unbändiger Freude wie zu tiefer Trauer. Sie wollen Antworten geben auf die Frage, woher das Böse in der Welt kommt und warum Gott es zugelassen hat. Und sie nähern sich auch dem größten Geheimnis, das die Menschen zu allen Zeiten umgeben wird: die Liebe.

In beinahe allen Religionen ist die Geschichte von der Erschaffung des Menschen ein Teil des Mythos um die Entstehung der ganzen Welt. Aus dem ursprünglichen Chaos schafft Gott den Kosmos, im Tohuwabohu eines Universums ohne Gott schafft er einen Garten, in dem der Mensch leben kann. Land und Meer, Himmel und Erde, Pflanzen und Tiere – all dies bereitet Gott vor wie eine Art Terrarium, wie ein Gehege, in dem der Mensch leben und gedeihen und sich fortpflanzen kann.

Und wozu das alles? Meiner Ansicht nach wird die Bibel hier nicht ganz deutlich, denn hier wird eines der größten Geheimnisse und auch eines der dunkelsten Tabus angesprochen: Gott schafft den Menschen nicht als eine Art Haustier, dem er beim Spielen zusehen kann; die Welt ist für ihn mehr als ein Aquarium oder ein buntes bewegliches Bild in seinem Arbeitszimmer – im ersten Buch Mose heißt es, dass Gott ein Gegenüber suchte, ein Bildnis, das ihm gleich sein sollte.

Was die Schlange später dem Menschen verführerisch vor Augen stellte, war eigentlich vom Anfang an der Plan Gottes gewesen: „Ihr werdet sein wie Gott!“ Gott schuf Eva, weil er merkte, dass Adam ohne ein gleichwertiges Gegenüber unvollständig und unglücklich sein würde – könnte es sein, dass Gott selbst im Anfang den Menschen schuf, weil er ohne sein Ebenbild im Fleisch unglücklich und unvollständig war? Kann es sein, dass Gott den Menschen brauchte, um ganz Gott sein zu können? Vielleicht hat Gott die Welt als eine Art Experiment begonnen, aber schon bald war er emotional involviert – seine Geschöpfe waren ihm nie gleichgültig, aber nun schlägt sein Herz für Eva und Adam.

In vielen Teilen der Bibel wird die Beziehung zwischen Gott und dem Menschen so beschrieben, als sei es seine Liebesbeziehung zwischen einem Mann und einer Frau. Zärtliche Hingabe, Fürsorge bis hin zur Selbstaufgabe, Treue und Verlangen spielen da eine Rolle, es knistert zwischen dem Schöpfer und seinem Geschöpf wie in den tiefen Augenblicken einer Jugendliebe. Aber es gibt auch Zorn und Wut, Enttäuschung und Eifersucht, Trennung und immer wieder den Wunsch auf beiden Seiten, das Vergangene zu vergeben und zu vergessen und neu anzufangen. Gott und die Seinen leben in einer schwierigen On-Off-Beziehung, und jede Eheberaterin hätte an diesem zerbrechlichen Verhältnis eine Aufgabe fürs Leben.

Im vergangenen Jahrhundert gab es Wissenschaftler, die den Schöpfungsbericht mit den Augen des Entwicklungspsychologen lasen. Wie ein Kleinkind lernt, sich aus der absoluten Ich-Bezogenheit des Säuglings zu lösen und zuerst die Existenz und dann die Bedürfnisse anderer Menschen wahrzunehmen; wie ein Jugendlicher lernt, Regeln zu akzeptieren und sich als Individuum in einer Familie und andere Gemeinschaften einzupassen, so lernen auch Adam und Eva nach einer Phase der unbedingten Abhängigkeit, dass sie eine Aufgabe in Gottes Garten haben, den sie bebauen und bepflanzen sollen, und dass es Regeln und Grenzen gibt, an die sie sich zu halten haben.

Aber genau da beginnt ein grundsätzlicher Konflikt, der sich in allen Familien seitdem wiederholt: Die Menschen gehen ihren eigenen Weg, essen von der verbotenen Frucht, wehren sich gegen das unbedingte Verbot, das Gott ihnen auferlegt hatte – und es trifft ein, was die Schlange ihnen angekündigt hatte: Wie Gott selbst können und müssen sie jetzt unterscheiden zwischen gut und böse, sie tragen selbst die Verantwortung für ihr Handeln und müssen mit dessen Folgen leben – kurz gesagt, sie werden erwachsen.

Sie müssen den Garten des Paradieses verlassen und hinaus in die Welt gehen, die ihnen nicht länger ein freundlich gesinntes Elternhaus ist: Mit Mühe und Schweiß muss der Acker bebaut werden, in Blut und Schmerzen werden Kind geboren, und der Tod wird eine unausweichliche Realität, die das ganze Leben überschattet.

Aber auch darin lässt Gott den Menschen nicht allein. Ja, er ist jetzt nackt und allen kalten Winden dieser Welt ausgesetzt – aber Gott macht ihnen Schürzen aus Fell, so dass sie das Nötigste bedecken können und ihre Würde behalten. Denn das soll dem Menschen bleiben, trotz seines Ungehorsams und trotz allem, was nun zwischen ihm und seinem Schöpfer steht: Nichts kann dem Menschen seine Würde als Geschöpf Gottes nehmen.

Mir ist klar, dass die Erzähler der Schöpfungsgeschichte hier Gott anthromorphisieren, dass sie von ihm reden, als sei er selbst ein Mensch. Es ist klar, dass Gott keine Arme und Beine hat, keine Augen und keinen Mund, er ist auch weder Mann noch Frau. Aber dennoch ist der Mensch sein Abbild eben darin, dass er zur Liebe geschaffen ist und wie er ein Gegenüber haben und sein will. „Du hast uns zu dir hin geschaffen; und unser Herz ist unruhig, bis es Ruhe findet in Dir.“ So hat Aurelius Augustinus gebetet, und nirgendwo habe ich eine schönere Formulierung für das gefunden, was Gott und die Menschen miteinander verbindet.

Dies alles zu sehen ist den Augen der Menschen vorbehalten, die an den Schöpfergott glauben. Dass Gott die Menschen versorgt, dass er Pflanzen zu ihrer Nahrung wachsen lässt und ihnen auch die Tiere zur Speise gegeben hat, dass er sich dem Menschen freundlich zuwendet und einer jeden gibt, was sie zum Leben braucht, ist nicht selbstverständlich. Und es ist schwer zu glauben, wenn man Dürre und Naturkatastrophen sieht und weiß, wie viele Menschen krank sind und hungern. Da entsteht schnell der Vorwurf und die Frage: „Du, der du an einen gütigen, gerechten und mächtigen Gott glaubst, wie erklärst du das?!“

Und das ist eine Frage, auf die es keine befriedigende Antwort gibt. Ich denke, dass wir Gott keinen Vorwurf machen können, denn nach wie vor wächst genug auf diesem Planeten, dass alle seine Bewohner satt werden könnten. Es ist die Gier, das nicht genug haben können, die Angst, zu kurz zu kommen, also in einem Wort der Unglaube, der die Menschen dazu treibt, sich ein Vielfaches zu nehmen von dem, was er braucht und was ihm zusteht. Es ist ein Gedanke, der weh tut, und ich kann auch nicht sehen, ob er wirklich hilfreich ist, aber vermutlich ist es die bittere Wahrheit: Der Mensch ist selbst schuld. Wir sind schuld, dass Menschen aus Hunger sterben und ihnen das Haus über dem Kopf abbrennt, dass es nicht genug medizinische Hilfe für alle gibt und Frauen und Kinder als Sklaven mißbraucht werden. Gott hat das nicht gewollt.

Warum tut er dann nichts? – Er hat auch nichts dagegen getan, als Adam und Eva die verbotene Frucht vom Baum nahmen, er hat den Menschen den freien Willen gelassen, sich von ihm abzuwenden. Und nun müssen wir mit den Folgen unseres Tuns leben und können nicht wirklich Gott dafür verantwortlich machen. Das heißt: erwachsen sein.

Ich denke, dass Gott an und mit seiner Schöpfung leidet: Mit jedem Baum, der stirbt, mit jedem Tier, das im Buschfeuer verbrennt, mit jedem Kind, das verhungert, mit jeder Frau, die vergewaltigt wird und mit jedem Mann, der auf der Flucht erschossen wird leidet Gott, stirbt Gott.

Wozu sind die Menschen da? Um sich weiter zu entwickeln. Um zu lernen, wie man gut und böse unterscheidet. Um endlich zu werden wie Gott: Gütig und gerecht in all der Macht, die er sich erobert hat. Um dem gleich zu werden, nach dessem Bild er geschaffen wurde. Und um zu verstehen, was Liebe in Wahrheit bedeutet.

Herunter vom Baum und hinaus zu den Menschen!

Wie Zachäus, der Unsichtbare, neu angefangen hat…

Ich bin Zachäus. Steuereintreiber für die römischen Besatzer. Sie nennen mich den Zöllner. Sagt das schon alles über mich? Ich war einmal Kaufmann. Ich bin gewohnt, mit Zahlen umzugehen, mit Bilanzen und Abrechnungen. Von den umherziehenden Händlern habe ich die Ware gekauft, Stoffe und Tücher, Kleidung, Mode aus Rom und Kreta, aus Afrika und bis aus Indien. Sogar Felle aus dem fernen Britannien und Seide aus einem fernen Land im Osten, dessen Namen ich nicht einmal kenne. Ich konnte von meiner Arbeit leben und meine Familie ernähren, und das nicht einmal schlecht. Es gab reiche Menschen genug in Jericho, die immer wieder Neues aus aller Welt haben wollten und die bereit waren, ihren Geldsack dafür sehr weit auf zu tun…

Aber immer haben mich die hohen Steuern und Zölle geärgert, die die Römer erhoben haben. Jedesmal, wenn die Wagen mit den Stoffen und Fellen durch eine größere Stadt fuhren, an jeder Grenze und fast auf allen wichtigen Brücken muste eine Gebühr entrichtet werden, wodurch mein Gewinn kleiner wurde. Und manche Beamten wirtschafteten dabei kräftig in die eigene Tasche, nahmen drei- bis vierfach höhere Zölle, als ihnen eigentlich erlaubt war.

Die Menschen in den Städten verachteten sie deswegen. Waren sie nicht Betrüger und Lügner, allesamt? Sie machten gemeinsame Sache mit den Besatzern, den Heiden, den Römern, mit denen kein anständiger gläubiger Jude etwas zu tun haben wollte! Viele spuckten vor ihnen auf den Boden oder gingen ihnen voller Verachtung aus dem Weg.

Ein Zöllner zu sein, das war kein guter, kein geachteter Beruf. Und doch: Manchmal bewunderte und beneidete ich die Steuereinnehmer. Sie schafften es, beinahe mühelos reich zu werden. In einem einzigen Jahr pressten sie den Händlern und Kaufleuten in der Stadt so viel Geld und Gold ab, wie ich in fünf Jahren nicht verdienen könnte. Ich musste mich abrackern, und denen flog das Geld einfach so zu!

Und oft habe ich mich gefragt, wie es wohl wäre, auf der anderen Seite der Tische zu sitzen, an denen man die Abgaben und Steuern, die Zölle und Gebühren zu zahlen hat. Was für ein Gefühl wäre es, wenn ich abends in meiner Stube sitzen und im Schein einer Lampe mit duftendem Öl eine Münze auf die andere legen könnte, das Gewicht von Goldenen Talern in meiner Hand spüren könnte, geblendet von dem hellen Glanz der Silbermünzen auf meinem Tisch, und wenn ich dazu noch vielleicht die eine oder andere leuchtende Perle zwischen meinen Fingern halten könnte….

Als vor einigen Jahren das Geschäft einmal nicht so recht laufen wollte, verkaufte ich den ganzen Laden und erwarb mit dem Erlös eine Lizenz als Steuereinnehmer für die Römer. Von da an durfte ich Zölle und Gebühren im Namen der römischen Besatzungsmacht erheben. Dem Kaiser reichte das Geld, dass ich für die Lizenz gezahlt hatte, und alles, was ich nun einnahm, würde mir gehören.

Zuerst hielt ich mich an die Vorschriften. Sicher, es gab Vorschriften, festgelegte Preise und Gewichte, die gelten sollten nach dem Willen Roms. Die Bedingungen waren vorteilhaft für mich und die anderen Zöllner. Bald war ich wieder in den schwarzen Zahlen, die Kosten für den Erwerb der Lizenz hatte ich schon nach wenigen Monaten wieder in meiner Kasse.

Aber dann fragte ich mich: Warum sollte nur ich mich an die Regeln halten? Ich sah es bei anderen Steuereinnehmern, dass sie das Doppelte und Dreifache nahmen, und die Leute zahlten es trotzdem. Sie schimpften mürrisch und protestierten lautstark, schüttelten grimmig die Fäuste, aber letztlich blieb ihnen doch nichts anderes übrig, als das Geforderte zu zahlen. Ich brach nicht direkt das Gesesetz, aber ich dehnte und bog die Regeln. So, wie es mir passte und wie es nützlich war für mich. Schließlich wurde ich Oberzöllner. Ich hatte die Macht. Die Autorität war ich allein – und es gab keine Stelle, an der die Übervorteilten sich hätten beschweren können.

Ich wurde sehr reich, und ich liebte es. Nun ging ich selbst in kostbaren Gewändern umher, in gewebten Stoffen aus Indien, in glänzender Seide, und ich hatte Nadeln und Bänder aus reinem Gold, wie sonst nur die Fürsten und Edelleute im Land. Ich aß von vergoldeten Tellern und umgab mich mit der Pracht des Orients. Ich genoß den Luxus und auch den Einfluß, den ich an hohen Stellen hatte – ein bisschen Gold, zur rechten Zeit in eine gierige Hand gelegt öffnet so manche Tür, so manchen Mund, so manches Herz…

Aber ich merkte auch, dass viele Leute mich nun hassten. Ich hatte mich auf ihre Kosten bereichert. Dass ich Gesetze beugte und brach, blieb ihnen nicht verborgen. Sie nannten mich einen Betrüger, verdorben und korrupt. Manche alten Freunde wollten mit mir nichts mehr zu tun haben. Andere versuchten mir, ins Gewissen zu reden. Sogar einige meiner Geschwister zogen sich von mir zurück. Aber das interessierte mich nicht. Ich hielt mich für erfolgreich und glücklich. Ich hatte es geschafft. Aber irgend etwas nagte an meiner Seele wie ein tückischer Wurm an einer Wurzel…

War das alles, was ich vom Leben zu erwarten hatte? Mein finanzieller Erfolg machte mich nicht glücklich. Im Gegenteil, oft fühlte ich mich schuldig. Das Geld, das sich in meiner Truhe sammelte, war nicht die Frucht meiner Arbeit, nicht ehrlich verdienter Lohn, sondern letztlich gestohlen. Es war nicht mein Eigentum, sondern Raub. Was wird mir die Zukunft bringen? Was wird am Ende bleiben? fragte ich mich immer wieder.

Ich fühlte mich nicht freier und unabhängiger, sondern wie besessen von meinem Reichtum. Es ist die Gier nach Gold und Geld, die immer mehr will, und der Hunger nach Macht, der keine Grenzen mehr kennt. Wenn Du die Macht hast, wenn Menschen wie Wachs in deinen Fingern sind, wenn du sie nach belieben manipulieren kannst, dann ist das ein berauschendes Gefühl. Aber wie nach jedem Rausch kommt auch hier irgendwann der Kater, der Schmerz, dieser unbändige Ekel, dass du nur noch kotzen könntest.

Ich hatte Macht über andere Menschen, aber ich habe die Macht über mich selbst verloren. Aus dem Leben, in das ich mich hinein geworfen hatte, konnte ich nicht wieder aussteigen. Ich machte mir selbst etwas vor und fühlte doch, dass ich auf dem Weg in einen Abgrund war. Und ich fing an, mich selbst zu hassen. Ich sehnte mich zurück nach der Zeit, in der ich selbstbewusst den Namen tragen konnte, den mir meine Eltern einst gaben; ich sehnte mich nach der Zeit, in denen die Menschen nicht angewidert ausspuckten, wenn sie den Namen „Zachäus“ ausgesprochen hatten. Und ich konnte ihren Widerwillen sogar verstehen.

Ich fühlte mich oft einsam und vermisste meine Freunde aus der Zeit, als ich noch ein ehrbarer Kaufmann war. Und – ich wagte es nicht mehr, in den Tempel zu gehen, vor dem Gott niederzufallen, der einst gesagt hatte: „Du sollst nicht stehlen. Betrüge nicht deinen Handelspartner, er ist wie dein Bruder. Ich bin der HERR…“

Es war für mich schon eine Wohltat, dass viele aus der Stadt begannen, so zu tun, als ob es mich nicht gäbe. Alle ignorierten mich, drehten die Augen weg, sprachen nicht mit mir. Wenn nicht jemand geschäftlich mit mir zu tun hatte, war ich für alle unsichtbar. Und wenn ich unsichtbar war, hatte ich meine Ruhe. Keinen Frieden, kein reines Gewissen, aber meine Ruhe…

Und dann kam er. Schon Tage vorher wurde davon geredet, dass er in die Stadt kommen würde: Jesus, der Wanderprediger. Der Sohn des Zimmermanns aus Nazareth, von dem man sagte, dass er vielleicht der Messias sein könnte. Das Wort, die Macht Gottes in Menschengestalt.

Unglaubliche Wunder soll er getan haben: Blinde konnten auf einmal wieder sehen, Lahme konnten gehen. Stumme konnten wieder sprechen. Und manche, die in ihrer eigenen Schuld gefangen waren, die sprachlos waren, weil niemand mehr mit ihnen redete, manchen hat er ihre Zunge gelöst und ihnen einen Neubeginn ermöglicht. Ob er das auch für mich tun würde? Ob er mich, den Unsichtbaren, wieder sichtbar machen konnte? Ob auch ich noch einmal eine Chance haben würde? Ich musste es wissen. Ich musste ihn sehen…

Sie standen alle an der Straße, als er kam. Vom Stadttor bis zum Marktplatz, alles war voller Menschen. Sie schrieen und winkten, lachten und diskutierten, klatschten und jubelten. Manche sangen oder beteten. Einige weinten. Aber keiner achtete auf mich. Wenn ich jemanden antippte, drehte der sich unwirsch von mir weg. Und es war mir ganz unmöglich, mich durch diese Menschenmenge hindurch zu drängeln. Keine Chance, ihm etwas zu zu rufen, ihn auf mich aufmerksam zu machen, nicht einmal sehen würde ich ihn können…

Aber ein paar hundert Schritte weiter, direkt vor dem Tor zum Marktplatz, standen einige Bäume. Dort rannte ich hin. Ungeschickt kletterte ich in die Zweige der Maulbeerfeige, die um diese Jahrezeit dicht belaubt war. Doch schließlich saß ich einigermaßen komfortabel über den Köpfen der Menge, von den Blättern bedeckt, und ich konnte die Strasse hinunter sehen, und ihn und seine Schüler sehen, die da im goldenen Abendlicht herangeschritten kamen.

Mein Herz blieb stehen, als er direkt unter dem Baum plötzlich stehen blieb, sich mit einem Ruck herumdrehte und mir genau ins Gesicht schaute. „Zachäus?“ sagte er. „Was machst du da oben? Komm schnell herunter und beeile dich! Ich muss heute in deinem Haus übernachten! Du hast sicher noch Einiges vorzubereiten…“

Fast muß ich vom Baum gefallen sein, so schnell stand ich unten auf meinen Füßen. Mir war schwindelig. Einmal sah ich ihn noch an, sah in sein Gesicht – und dann rannte ich. Ich rannte zu meinem Haus, in meine Küche, und ich rief den Dienern und Mägden zu, schnell ein Festmahl vorzubereiten. Denn ein Fest sollte es werden. Er hat mich gesehen! Und er würde sogar zu mir kommen, um mit mir zu essen. Und bei all dem fragte ich mich: „Wieso hat er gesagt „Ich muss“?“

Lange haben wir geredet in dieser Nacht, Jesus und ich. Und er sagte mir, dass es nur meine Angst ist, die mich hindert, neu zu beginnen. „Ist dein Glaube so klein?“ fragte er mich immer wieder. Ich hatte Angst, mit meinem Vermögen auch meine Sicherheit zu verlieren. Die Achtung und den Respekt der Menschen zu verlieren. Ich hatte Angst, nicht mehr unabhängig und frei zu sein. Und ich begriff, dass ich all das sowieso schon längst verloren hatte. Sicherheit, Angst, Respekt, Selbstachtung und Würde hatte ich längst verloren. Was kann nun denn noch gesechehen?

Er hat mich ermutigt, neu anzufangen. Neu zu denken. Und anders zu handeln als bisher. „Es hilft nicht, nur schöne Worte zu machen!“ sagte er. „Schöne Worte – das konntest du schon immer gut. Du musst runter von dem Baum, in dem du dich versteckst. Du musst unter die Menschen. Geredet hast du genug. Nun geh hinaus und ändere, was du tust!“

Ich werde das tun, sagte ich ihm. Ich werde allen, die ich betrogen habe, zurück geben, was ich ihnen schulde. Ach, dreifach, vierfach gebe ich es ihnen zurück! Und von dem, was mir dann bleibt, gebe ich dir Hälfte den Armen und Bedürftigen.

Jesus sah mich begeistert an, liebevoll, und seine Augen glänzten: „So hast Du also endlich den Frieden gefunden. Du wirst die Wunden heilen, die du anderen zugefügt hast, und sie werden bekommen, was ihnen von Rechts wegen zusteht. Aber noch mehr: Du wirst Frieden finden in Dir selbst und Frieden zwischen Dir und deinem Gott.“

Das habe ich dann wirklich getan. Auf dem Marktplatz zahlte ich zurück, was ich den Betrogenen abgenommen haben. Noch jetzt kommen Handelsreisende aus fernen Ländern nach Jericho und sehen mich verwundert an, wenn ich kleine Türmchen aus goldenen Münzen auf den Tischen vor ihnen staple. Ich zahle meine Schulden zurück. Und in manches Gesicht zaubert das ein breites Lächeln, wo vorher nur verkniffene Lippen waren. Ich habe viele Freunde wieder gewonnen.

Manche lachen mich aus, schütteln die Köpfe über mich. Aber auch über Jesus haben sie die Köpfe geschüttelt. Sie haben ihm Vorwürfe gemacht, dass er bei mir gegessen und geschlafen hat in dieser Nacht. „Bei diesem Römerfreund! Bei diesem Lügner und Betrüger! Warum nicht bei Simon, dem Gerechten? Warum nicht bei Obadja, dem Heiligen? Warum nicht bei einem der Priester und den Leherern der Synagoge hier am Ort? Wie kann der heilig sein, wenn er sich mit solchem Gesindel abgibt?“ Sie haben nicht verstanden, warum Jesus bei mir wohnen „musste“. Sie werden wohl auch nicht verstehen, wie herrlich es ist, wenn Gott Sünden vergibt und den Sünder befreit. Wenn er die Chance gibt, neu anzufangen. Wenn er den Unsichtbaren wieder sichtbar macht.

Salz der Erde – Licht der Welt

Manche Dinge bemerkt man erst wirklich, wenn sie nicht mehr da sind. Als ich zum ersten Mal in Italien war, fand ich das allgegenwärtige Weißbrot seltsam geschmacklos und fad. Es war gut, wenn man es eine leckere Bratensoße tunken konnte, und auch zum Auswischen der Schüssel mit der Spaghettisoße konnte man es gut brauchen. Aber nur mit Butter? Irgend etwas fehlte, und ich konnte nicht einmal genau sagen, was das war.

Später erzählte uns der Reiseleiter, dass die italienischen Bäcker im siebzehnten Jahrhundert gegen die Salzsteuer demonstrierten, indem sie beim Brotbacken einfach das Salz wegließen. Das Brot wurde dadurch billiger, so dass es auch die einfachen Leute noch bezahlen konnten, und mit der Zeit gewöhnten sich die Leute daran. Und auch, als die Steuer wieder aufgehoben wurde, ließen die Bäcker das Salz weg.

Es ist erstaunlich, wie viel Salz in unseren Lebensmitteln enthalten ist. Der menschliche Körper braucht etwa 20 Gramm Salz am Tag, um gesund zu bleiben – aber ein sich „normal“ ernährender Mensch isst ungefähr das Fünffache davon. Salz ist in Fleisch und Brot enthalten, in Suppen und den meisten herzhaften Lebensmitteln, aber auch in Kuchen, Marmelade, Honig, Limonade und sogar im Mineralwasser. Vor allem Fertiggerichte aus Dosen enthalten sehr viel Salz, weil es die Speisen länger haltbar macht und den Geschmack intensiviert.

Die meisten unserer Lebensmittel sind im wahren Sinn des Wortes „versalzen“ – und die Folgen davon sind spürbar: Bluthochdruck und andere Herzkrankheiten, Nierenkrankheiten und sogar Demenz sind auf zu hohen Salzkonsum zurück zu führen.

Salz aktiviert das Belohnungssystem des Körpers. In lang vergangenen Zeiten war Salz selten und kostbar, und es musste mit hohem Aufwand beschafft werden – darum gibt es einen kräftigen Adrenalinausstoß im Körper, wenn man salzige Speisen isst. Ähnlich funktioniert das Belohnungssystem auch bei energiereicher zuckerhaltiger Nahrung und Rauschmitteln wie Alkohol – es sind dieselben Mechanismen, die Sucht und Abhängigkeit auslösen können.

Die meisten Menschen merken es aber gar nicht, dass sie viel zu viel Salz aufnehmen – in vielen Speisen schmeckt man es nicht heraus, oft ist es versteckt, und bei herzhaften Speisen würzt man oft in einem Reflex von Hand nach, auch wenn schon reichlich Salz enthalten ist.

Zu wenig Salz ist aber auch ungesund. An einem heißen Tag wie gestern schwitzt ein Mensch so stark, dass er fast zwanzig Gramm Salz mit seinem Schweiß verliert. Dadurch kann der Stoffwechsel im Körper gehörig durcheinander kommen, und es ist nötig, diesen Verlust rechtzeitig auszugleichen. Es ist ziemlich paradox, aber ohne ausreichend Salz im Körper wird ein Mensch austrocknen, denn erst das Salz bindet das Wasser in den Körperzellen und hält es dort fest.

Wenn das Salz in der Nahrjung ganz fehlt, schmeckt man das sofort. Vielleicht hat Jesus darum das Bild vom Salz der Erde und vom Licht der Welt verwendet, als er deutlich machen wollte, dass der Glaube seiner Jüngerinnen und Jünger nicht unbemerkt bleiben würde. Wie eine Stadt auf einem hohen Berg unübersehbar ist, wie das Salz in der Suppe auch in einer kleinen Prise würzt – es ist schwer, die „Wirkung“, den „Geschmack“ der Christenheit zu ignorieren. Sie fallen auf, sie sind anders. Oder?

Ich habe mich in den vergangenen Wochen und Monaten oft gefragt, ob die Kirche irgend jemandem fehlt. Ob jemand die Gottesdienste vermisst, ob jemand auf einen Anruf des Pfarrers wartet, ob jemand nach dem Abendmahl fragt und nach der Gemeinschaft. Ich habe mich gefragt, ob unseren Dörfern etwas fehlen würde, wenn in ihrer Mitte nicht mehr die Kirche stünde, wenn nicht mehr um zwölf und um sechs die Glocken läuteten und nicht mehr alle paar Monate das Gemeindeblatt im Briefkasten steckte. Wenn es keine Andachten mehr im Radio gäbe, kein Gebet auf der Website im Internet und keine Gospelmusik mehr und nichts von Bach in der Stereoanlage…

Wäre es wie das Salz in den Weißbroten der italienischen Bäcker? Würde man es zuerst vermissen? Würde man sich daran gewöhnen, dass die Brote nun eben anders schmecken? Oder würde man die Suppe, die wir uns da eingebrockt haben, ungenießbar finden?

Ist die Kirche wie das Salz in dem Sinn, dass die Gesellschaft krank wird ohne sie? Dass das Leben in ihr ungenießbar wird? Hilft die Tatsache, dass es Christinnen und Christen in Deutschland gibt, der Demokratie, dem sozialen Miteinander, der humanen oder auch humanistischen Kultur?

Ist die Kirche wie Salz in dem Sinn, dass sie scharf und würzig ist, einen eigenen und originellen Geschmack beizutragen hat? Dass sie Salz ist und nicht Zucker oder Geschmacksverstärker, Glutamat oder Mehl?

Kirche ist nur dann zu etwas nützlich, wenn sie für andere da ist. So wie Salz nicht würzen kann, solange es für sich allein im Salzstreuer bleibt, so wirkt auch Kirche nicht, solange Christinnen und Christen unter sich bleiben. Es ist schön und tut uns gut, zusammen Gottesdienst zu feiern, miteinander zu singen und für einander zu beten. Aber Christus hat uns ausgesandt, hinein in die Welt. Ihr seid das Salz der Erde und das Licht der Welt. Hinaus aus den Kirchengebäuden und hinein in die Freundeskreise, Vereine, Familien und Parteien der Mitmenschen sind wir gesendet, um dort von Gott zu reden und durch unser Handeln zu bezeugen.

Ein Brot, in dem das Salz Klumpen bildet und sich nicht um Teig auflöst, bleibt ungenießbar. Und auch eine Kirche, in der sich die Glaubenden „verklumpen“ und außerhalb ihrer Gemeinschaft nichts von ihrem Glauben zeigen, wird wirkungslos und unerträglich sein und ihren Auftrag nicht erfüllen können. Darum ist es wichtig, dass wir lernen, von dem begeistert und glaubwürdig zu sprechen, der unser Herz berührt und unser Leben verändert hat, der uns geheilt hat und uns behütet und zum Leben bewahrt.

Dann würde die „Welt“ sicher wieder spüren, dass die Christenheit etwas zu sagen hat und dass ihre Stimme in der Welt fehlt. Vielleicht würden die Menschen uns sogar fragen: Ihr, die ihr an einen guten Gott glaubt, was sagt ihr denn dazu? Und ich hoffe sehr, dass Gott uns dann die richtigen Worte in den Mund legt und uns auch den Mut gibt, sie aus zu sprechen – selbst wenn sie scharf und würzig sind wie Salz.