Chess for Fun and Chess for Blood

Mein Vater hat mir das Schachspiel beigebracht, als ich acht Jahre alt war. Zumindest hat er mir erklärt, wie man die Figuren zieht. Die Trippelschritte der Bauern, immer ein Feld weiter nach oben auf die andere Seite, nur am Anfang dürfen sie gleich über zwei Felder hüpfen. Die energischen Züge der Türme, nach hinten und nach vorne, nach links und nach rechts. Die verschlagenen Wege der Läufer, schräg über das ganze Feld, immer bleiben sie auf der selben Farbe. Die kuriosen Winkelzüge der Pferdchen, sie können sogar über andere Figuren springen, um überraschend Bauern oder Figuren zu schlagen. Die machtvolle Dame, auf die man immer gut aufpassen muss. Damals hat man dem Gegenüber noch gardez! gesagt, wenn man seine Dame angriff, ähnlich wie man mau! sagen musste, wenn man die vorletzte Karte ablegt. Und der König war die wichtigste Figur, auch wenn der eigentlich gar nichts konnte, immer nur ein Feld weiter in jede Richtung…

Mein Vater hat eine Ausbildung zun Tischler gemacht, und ich habe immer wieder sein Gesellenstück bewundert: Ein herrliches Schachbrett aus hellem und dunklem Holz, umrahmt mit Intarsien, feinen Einlegearbeiten. Das Holz war mit einer schützenden Glasplatte bedeckt, auf der man die Figuren hin und her schieben konnte. Wenn das Brett auf unserem Wohnzimmertisch lag, glänzte das Holz im Licht der Lampe und schien von innen her zu leuchten. Dies Schachbrett war das schönste, das ich jemals gesehen habe, und mein Vater war zu Recht sehr stolz darauf.

Ich betrachtete oft begeistert diese schöne Arbeit und wollte unbedingt auch dieses komplizierte Spiel lernen, das man darauf spielt.

Nach dem Umzug nach Braunschweig fand ich in einem kleinen Park in der Nähe ein großes Schachbrett aus weißen und roten Steinfliesen. Manchmal standen große Schachfiguren aus Plastik darauf, hohl und trotzdem ziemlich schwer, und höher als die Schäferhunde, die ihre alten Damen an ihren Leinen auf dem Gehweg in der Nähe vorbei zerrten. Wenn keine Erwachsenen da waren, spielten meine Schwester und ich dort, und gemeinsam schoben wir die roten und weißen Figuren über die Fliesen, ohne Plan und Ziel, nur aus Spaß.

Irgendwann erbarmte sich einer der Schachspieler und erklärte uns, was eine Eröffnung ist, dass man die Figuren nicht einfach irgendwo hin stellt, wo noch ein Platz frei ist und was „Schach matt“ eigentlich genau bedeutet. Nach einem halben Jahr habe ich dort im Park zum ersten Mal eine Partie gewonnen (oder man hat mich gewinnen lassen) und so machte das Spiel auf ein Mal noch sehr viel mehr Spaß.

Wieder ein paar Jahre später – wir wohnten jetzt in Berlin – organisierte einer der Lehrer an meiner Grundschule eine Schach-AG. Nach dem Schulschluss um halb zwei blieb ein Teil der Klasse zusammen, um auf einem großen Brett an der Wand die ersten Geheimnisse von Strategie und Taktik zu lernen. Wir lernten Endspiele, zum Beispiel wie man nur mit einem Bauern und dem König gegen den gegnerischen König gewinnt, oder wie man Remis hält, wenn der Andere einen Fehler macht. Ich lernte, was eine Bauernkette ist, was Zugzwang bedeutet und wie der berüchtigte „Schäferzug“ funktioniert. Zum ersten Mal spielte ich „richtiges“ Schach.

In der Oberstufe der Gesamtschule war keine Zeit mehr für Schach. Ich besuchte eine Astronomie-Gruppe und arbeitete mit anderen an Kunstprojekten im Fotolabor der Schule, ansonsten war ich an drei Tagen in der Woche in der Kirche aktiv.

Erst viele Jahre später, da war ich schon Student, fand ich wieder Freude an dem Spiel. Meine Freundin, mit der ich drei Jahre zusammen gewesen war, hat mich am Silvesterabend 1985 verlassen. Ich habe tagelang geweint, habe zwei Wochen kaum etwas gegessen und drei Monate mit Gott, dem Schicksal und dem Universum gehadert.

Dann habe ich zu mir selbst gesagt, daß die Trauer nichts nutzt und ich wieder unter Menschen muss. Ich trat in den Verein der Freunde der Wilhelm-Foerster-Sternwarte ein – und in den Schachverein „Schwarzer Springer Schmargendorf“, der sich aber nicht in Schmargendorf traf, sondern im Keller einer Villa in Berlin-Zehlendorf. Der Gründer und Leiter des Vereins hatte dort zwei Räume zum Vereinslokal ausgebaut: auf zwölf einfachen Tischen lagen ebenso viele Schachbretter bereit, an denen wir trainieren konnten, und es gab eine kleine Bar, wo man Bier oder Limonade trinken durfte und wo wir heiße Wiener oder Knackwürste mit Brot und Senf kaufen konnten.

Harald Hübner war ein Unikum, aber mit Leidenschaft begeistert für das Schachspiel. Er war es, der die vielen seltsamen Typen, die sich zweimal in der Woche in seinem Keller trafen, motivieren und zusammenhalten konnte. Ich hoffe, dass er noch lebt und dass es ihm gut geht. Auf seine ganz besondere Art ist er ein großer Menschenfreund, wie man sie selten findet… Für uns Klötzchenschieber wie auch für die erfolgreichen Kämpfer hat er sein Haus und sein Herz geöffnet.

Dort habe ich zweieinhalb Jahre meine Dienstagabende und meine Freitagabende verbracht. Meistens waren da so zwanzig ältere Männer zusammen, dazu drei, vier Jugendliche wie ich, und ab und zu waren auch ein paar Frauen dabei, aber eher unregelmäßig. Der Verein war eher klein, aber es gab fünf Mannschaften, die in den verschiedenen Klassen der Berliner Liga mitspielten. Nach einiger Zeit kam ich in die fünfte Mannschaft, die in der D-Liga spielte, also die Schwächste mit den Spielern, die noch ziemlich am Anfang standen. Immerhin habe ich da aber am ersten Brett gespielt und oft auch gewonnen.

An den Trainingsabenden haben wir entspannt zusammen gesessen und Holz hin und her geschoben, Partien im Schnellschach mit einer Viertelstunde auf der Uhr und Blitzpartien mit drei Minuten für jeden Spieler. Hinterher haben wir beim Bier die Partien analysiert, und die anderen zeigten mir, wo ich „gepatzt“ hatte und wo es bessere Züge gegeben hätte.

Die Spieler aus der ersten und der zweiten Mannschaft, die in der A-Liga mitspielen und auch im die Berliner Meisterschaft kämpften, schüttelten über uns nur die Köpfe. Wir spielten nur aus Freude am Spiel, genossen das Zusammensein, die Neckereien und die dummen Witze, die wir machten. Sie aber spielten für den Kampf, um des Gewinnens willen, und waren ziemlich verbissen bei der Sache. Sie spielten mit blutigem Ernst.

Die Schachfreunde waren schon ein komischer Haufen, vor allem alte Männer, die es genossen, abends mal aus ihrer Wohnung fliehen zu können und unter Leute zu kommen. Manche spielten schon ihr Leben lang, Manche erst seit Monaten. Manche waren eher schweigsam, aber die meisten alberten gerne und machten immer wieder die gleichen Sprüche, die ich bis heute im Ohr habe. Manchmal wurden die Gespräche aber auch tiefgehend und ernst, dann war das Schachspiel plötzlich Nebensache und es ging darum, einen Freund zu trösten oder seinen Sorgen zuzuhören…

Verliebt habe ich mich im Verein auch einmal, aber nur kurz, in eine junge Frau, Brigitte. Mir hat gefallen, wie fröhlich und selbstbewusst sie war. Sie war Mitglied in einem Tanzverein, hat auch bei Wettkämpfen getanzt. Einmal bin ich dabei gewesen und habe ihr zugesehen. Sie war gut, aber Wettkampftanzen finde ich irgendwie seltsam. Man tanzt doch miteinander und nicht gegeneinander. In den Schachverein hat sie nur einmal hinein geschnuppert.

Die Wettkämpfe der Berliner Liga fanden immer am Sonntagmorgen statt. Die sechs Spieler der fünften Mannschaft spielten immer abwechselnd in Zehlendorf und in der nächsten Woche bei dem gegnerischen Verein, in Wilmersdorf oder Wedding, in Tempelhof oder Neukölln. Die Spiele dauerten lang, jeder Spieler hatte zwei Stunden auf der Uhr für die ersten vierzig Züge und dann jeweils eine halbe für die nächsten zwanzig. In der D-Liga haben wir diese Zeit zwar nie ausgenutzt, aber es war oft schon drei oder vier Uhr nachmittags, wenn ich nach Hause kam.

Ich bin dann 1990 aus dem Verein ausgetreten, weil ich am Sonntag lieber in die Kirche gehen wollte. Und zum Training zu gehen ohne irgendwann auch im Wettkampf zu spielen – das war ja auch nicht so wirklich sinnvoll.

Inzwischen habe ich mehrere Computerprogramme, mit denen ich Schach spiele, aber es ist wirklich nicht das selbe, wie gegen Menschen zu spielen. Nicht nur, weil die Witze und die dummen Sprüche fehlen. Computerprogramme spielen kalt und logisch, und wenn man sie so einstellt, dass man überhaupt noch eine Chance gegen sie hat, bauen sie völlig unmotiviert absurde Fehler ein, die ein Mensch nie machen würde. Das macht keinen Spaß. Es fühlt sich demütigend an, als ob der Rechner einen aus Mitleid gewinnen ließe, so wie mich mein Vater auf dem Rasenschach im Park in Braunschweig gewinnen ließ…

Vor kurzem habe ich mich bei lichess.com angemeldet. Das ist der Treffpunkt für eine internationale Gemeinschaft von Schachfreunden, die wirklich kostenlos und ohne Verpflichtung ist. Man kann gegen Spieler aus der ganzen Welt antreten, normale Partien spielen oder auch Schnellschach, Blitz oder sogar Bullet-Schach spielen. Das ist sehr beliebt auf der Plattform, obwohl das meiner Meinung nach mit Schach nicht mehr viel zu tun zu tun hat, wenn jeder Spieler nur 60 Sekunden für die ganze Partie hat.

Man kann an Turnieren teilnehmen oder mit Freunden trainieren, Partien analysieren oder Schachrätsel lösen. Sogar virtuelle Schachclubs kann man da gründen. Hättet Ihr Lust?

Es ist schön, zu wissen, dass da am anderen Ende der Leitung auch ein Mensch sitzt, der sich voll Herzklopfen dem Kopf zerbricht über die kraftvollen Züge der Türme, die schrägen Wege der Läufer und die unerwarteten Hüpfer der Springer. Der seinen König schützen will, bis beim Gegner die Uhr abläuft oder wirklich ein schönes und kunstvolles Matt gelingt. Und selbst wenn man verliert, kann man noch ein paar Minuten chatten mit einer Spielerin oder einem Spieler aus einem fernen Land.

Scharf wie Pfeffer…

Hab ich Euch schon mal geschrieben, das ich Pfeffer liebe? Ich habe mir in den Jahren, seit ich Kochen gelernt habe, immer mehr angewöhnt, richtig schön scharf zu würzen; und auch, wenn ich essen gehe, suche ich mir oft Gerichte aus, bei denen in der Speisekarte die Warnung „Caution, hot!“ steht. Meistens finde ich die dann gar nicht so sehr scharf – nicht, dass ich jetzt damit angeben wollte – sondern oft gerade richtig und manchmal sogar zu vorsichtig gewürzt.

Ich liebe dieses Gefühl, wenn nach dem Essen noch Minuten lang die Lippen brennen wie nach einem Kuß und wenn auf der Zunge noch dieses Aroma tanzt, oh!, dieses Aroma, das man zuerst gar nicht schmeckt, weil der Pfeffer so scharf ist, und das sich dann nach und nach entwickelt wie der Duft von gutem Parfum…

Im Laufe der Zeit habe ich so gemerkt, dass es ganz unterschiedliche Arten von „scharf“ gibt und dass es ein Riesen-Unterschied ist, ob man mit schwarzem, roten oder weißem Pfeffer würzt, ganz zu schweigen von den verschiedenen Chilisorten, scharfem Paprika, Sambal Oelek und was es da sonst noch gibt.

Hier in Berlin hat vor einiger Zeit ein Laden eröffnet, in dem es hunderte Sorten von Chili gibt, sortiert nach Anbaugebieten und Jahrgängen wie beim Wein. Leider hat er jetzt natürlich geschlossen. Das würde mich total reizen, mich da mal beraten zu lassen und eine „Pfeffer-Chili“-Probe zu machen. Weinproben hatte ich ja schon, aber das wär mal was ganz Neues.

Und einen Senf-Laden werde ich mir auch noch suchen, damit geht es mir nämlich genau so.

Marginalien und andere Randerscheinungen…

Eins der schönsten Weihnachtsgeschenke, das ich jemals bekommen habe, war ein selbstgeschriebenes Buch. Als ich gerade volljährig geworden war, hat eine Freundin aus der Kirchengemeinde dieses Wunderbuch für mich geschrieben. Sie hatte Kurzgeschichten, Gedichte, Witze und Märchen gesammelt und mit der Hand in ein großes Notizbuch abgeschrieben – 52 Seiten!!! – und am Rand dann mit Buntstiften Bilder von Blumen, Tieren und Landschaften dazu gemalt, es war ein richtiges, kleines Kunstwerk. Dieses Buch habe ich geliebt.

Weil ich selbst fast nur noch auf dem Computer schreibe, ist für mich ein mit der Hand geschriebener Text, ein Brief, ein solches Buch etwas ganz Besonderes, beinahe so wie eine Umarmung von dem, der mir geschrieben hat. Durch dieses Buch bin ich immer noch mit meiner alten Freundin verbunden, auch wenn ich sie seit dreißig Jahren nicht mehr gesehen habe.

Ein besonderes Erlebnis war es für mich, ein fünfhundert Jahre altes Buch in der Hand zu halten, in dem an den Rändern der Seiten handgeschriebene Bemerkungen eines Gelehrten aus der Reformationszeit zu lesen waren… Während meiner Studienzeit in Tübingen habe ich dieses Buch ein paar Stunden lang lesen dürfen, ich musste dabei weiße Leinenhandschuhe tragen und einen Mundschutz… Das Buch selbst war gedruckt, in großen, tiefschwarzen Lettern, mit Blei gedruckt und nach einem halben Jahrtausend noch auf dem rauen Papier fühlbar, aber die Randbemerkungen in zierlichen Buchstaben hatte eine geübte und geschickte Hand mit einer sehr feinen Feder und schwarzer Tinte dazugesetzt.

Und auf einmal habe ich mich in diese Zeit geträumt, die so lange vergangen ist, in der noch niemand an Computeroder Elektrizität dachte, an Lichtsatz oder Siebdruck; eine Zeit, in der Demokratie nur etwas war, das man vor sehr langer Zeit in Griechenland ausprobiert hatte, und in der das Wort der Kirche die unhinterfragbare Wahrheit war – und ich habe daran gedacht, dass dieser Mann, der diese Randbemerkungen schrieb, einer der ersten Menschen in Deutschland war, der mit seinen Gedanken eine Veränderung in Gang setzte, die am Ende zur Aufklärung und zur Moderne führte…

Dieses Buch hat er zuerst in der Hand gehabt, und Hunderte Männer und Frauen nach ihm, und nun war ich der vorerst Letzte in dieser Reihe… Durch so ein Buch weht der Wind der Jahrhunderte, der Atem der Geschichte…“

Marginalien” nennt man solche Randbemerkungen. In alten Büchern findet man sie oft nachträglich ergänzt, sie sind Spuren eines Lesers, der für seine Nachfolger deutlich machen will, dass er eine abweichende Meinung hat, dass er – nach vielen Jahren weiterer Forschung – mehr und Besseres weiß, der vielleicht auch einfach nur in ein – freilich recht einseitiges – Gespräch mit den späteren Benutzern dieses Buches treten will: “Das habe ich mir dabei gedacht; und ich glaube, Du könntest es interessant finden…” (Leider reagieren die meisten Bibliothekare heutzutage sehr ungehalten, wenn man solche Notizen auf den Rand eines der kostbaren Bibliotheksbücher schreibt…

Ich habe aber schon manchmal kleine Zettel mit ein paar kurzen Sätzen darauf in Büchern aus der Stadtbücherei liegen gelassen – in der Hoffnung, dass ein anderer Leser siezur Kenntnis nimmt…)

Marginalien werden aber auch – besonders in wissenschaftlichen Büchern, zum Beispiel in Bibelausgaben, diefür das theologische Studium gedacht sind – gleich beim Drucken auf der Seite platziert; ähnlich wie Fußnoten und in den Text geschaltete Rahmen und Kästchen. Sie enthalten Informationen, die den im Haupttext dargestellten Gedankengang sinnvoll ergänzen (zum Beispiel Hinweise auf andere sinnverwandte Bibelstellen, auf hilfreiche Forschungsergebnisse der Religionsgeschichte oder auf interessante Textvariantenin anderen Bibelübersetzungen). Manchmal sind die Randbemerkungen in solchen Büchern interessanter und wichtiger als der eigentlicheText. Sie erklären nicht nur Dinge, die im Haupttext missverständlich oder unklar bleiben, sondern zeigen auch, wie spätere Generationen diesen Text verstanden haben und wie sie von ihm beeinflusst wurden.

Es ist überhaupt immer sehr hilfreich, die Randerscheinungen und Marginalien zu beachten. Auch auf Parties haben die “Mauerblümchen” oft die spannenderen Geschichten zu erzählen…

Sehnsucht nach dem Licht

Nun werden die Tage wieder länger.

Der Winter hat gerade erst angefangen, da ist mir das kalte naßgraue Wetter schon zuwider, und daß es immer erst gegen zehn richtig hell und um vier schon wieder dunkel wird, das schlägt mir wirklich aufs Gemüt.

Ich habe Sehnsucht nach dem Licht. Es wird mir leichter fallen, morgens aufzustehen, ich werde nicht ganz so viel Kaffee brauchen, um endlich in Fahrt zu kommen, und ich werde bessere Laune haben und mehr Freude bei der Arbeit. Wenn es hell ist, geht es mir einfach besser.

Ich weiß, daß es an ein paar ganz einfachen astronomischen Tatsachen liegt, daß im Winter die Tage so kurz sind. Die Achse, um die sich die Erde dreht, steht nicht gerade auf der Ebene, in der die Erde ihre Bahn um die Sonne zieht. Darum fallen die Sonnenstrahlen im Winter auf der Nordhalbkugel der Erde schräger ein, sie haben weniger Kraft. Die Sonne steigt nicht so hoch über den Horizont. Darum geht sie später auf und früher unter. Man kann das genau berechnen, auf die Sekunde. Aber seit der Wintersonnenwende ändert sich dieses Verhältnis wieder. Es wird noch eine ganze Weile kalt draußen bleiben, aber die Tage werden wieder länger, jeden Morgen geht die Sonne jetzt ein bißchen früher auf.

Licht ist lebensnotwendig. Diese Erfahrung ist so allgemein bekannt, daß das Licht zu einem Urbild, zu einer Metapher für die Sehnsucht der Menschen nach Sinn, Heilung und Erlösung geworden ist. Daß wir endlich Ordnung in unser Leben bekommen, daß wir die alten Fehler nicht immer wieder machen, daß etwas in uns – nein, daß wir ganz als Menschen neu und besser werden – ist das nicht der Antrieb zu den ungezählten „guten Vorsätzen“, die wir uns an Silvester vornehmen? Daß wir uns endlich einen Ruck geben und aus unserer Trägheit aufwachen, daß wir mit einer mutigen Anstrengung unsere Selbstsucht überwinden und etwas für andere tun – wie oft haben wir uns das geschworen, und dann blieb doch alles in den eingefahrenen Gleisen und in den gewohnten Grenzen! Daß es Licht werde in und bei uns, das ist – in einem Wort – unsere Sehnsucht!

Die Sehnsucht nach dem Licht – vielleicht war es diese Sehnsucht, die die Weisen, die Sterndeuter aus dem Morgenland dazu trieb, dem Stern zu folgen. Wir wissen so wenig über sie: nicht ihre Namen, nicht ihre Herkunft, wir wissen nicht genau, was sie eigentlich gesehen haben, und wir wissen nicht einmal, wie viele sie waren: alle Antworten auf diese Fragen hat spätere Tradition erfunden. Sie haben im Osten einen Stern gesehen, der ihnen sagte, daß im Lande der Juden ein neuer König geboren war. Nun waren sie gekommen, ihm zu verehren.

Astronomie, die Sternkunde, und Astrologie, die Sterndeuterei, waren damals nicht unterschieden. Die Babylonier haben sowohl mit der im heutigen Sinn wissenschaftlichen Forschung als auch mit Horoskopen und der Auslegung der Tierkreiszeichen gearbeitet. Nach dem Gesetz des Mose war den Juden das verboten, die Sterne nach der Zukunft und den Zeichen der Zeit zu befragen war ein Eingriff in die Vollmacht Gottes, die Sterne anzubeten war Abgötterei. Es war aber ein Stern in der Nacht, der in ihnen die Sehnsucht nach dem Licht weckte, der sie aufbrechen läßt und über alle Grenzen gehen.

Seid barmherzig…

Seid barmherzig, wie auch Euer Vater barmherzig ist.  Lukas 6, 36 *

Jahreslosung 2021 *

Gute Vorsätze

Viele Leute haben sich im vergangenen Jahr eine Smartwatch zu Weihnachten geschenkt. Das ist eigentlich ein winziger Computer, den man am Handgelenk trägt und der die Zeit anzeigt. Aber nicht nur das: Mit dem Handy über Bluetooth verbunden, zeigt er die letzten Emails und Nachrichten an, die man bekommen hat, und es vibriert, wenn jemand anruft. Er zählt mit, wie viele Schritte man am Tag tut, er kontrolliert den Herzschlag und zeichnet auf, ob man einen entspannten und erholsamen Schlaf hatte oder sich ruhelos im Bett hin und her gewälzt hat.

Die teureren Geräte können sogar den Blutdruck messen (keine Ahnung, wie das genau funktioniert) und erkennen Herzrhythmusstörungen und warnen dann, man sollte doch mal besser zum Arzt gehen. Sie können das Auto aufschließen, an Termine erinnern, mit Siri oder Alexa verbinden und einen durch die Großstadt ins nächste Kino navigieren…

Diese kleinen Geräte stehen in der Liste der beliebtesten Weihnachtsgeschenke ganz weit oben. Aber warum braucht man so etwas am Handgelenk, wenn man sowieso das Handy in der Hosentasche hat?

Da könnte es mehrere Antworten darauf geben: Erst einmal sehen die Dinge am Handgelenk fast immer richtig toll aus. Die Designer haben sich wirklich Mühe gegeben, so eine Smartwatch macht was her. Man konnte damit eine Zeit lang richtig schön angeben, aber seit ein paar Monaten gibt es auch bei Aldi solche Uhren für nur 50 Euro, da ist der Angeberfaktor nicht mehr so groß. Aber es ist immer noch ein schönes Spielzeug. Man hat immer etwas, an dem man herumfummeln und auf dem man herumdrücken kann. Es gehört wohl zur menschlichen – oder mindestens zur männlichen – Natur, dass man immer etwas zum Spielen braucht, früher war es der Rosenkranz oder die Zigarettenkippe, jetzt ist es das Handy oder eben die Smartwatch.

Für andere Leute ist so ein Schrittzähler und Fitnesscomputer am Handgelenk auch eine Art Herausforderung. Wer – so wie ich – körperlich eher etwas träge ist, kann sich zum Beispiel vornehmen, am Tag mindestens 10 000 Schritte zu tun.  Die Uhr zeigt dann an, wie viel Prozent des Tagesziels man schon erreicht hat. Und wenn man zu lang auf dem Sofa sitzt und liest oder fernsieht, summt sie kurz, und auf dem Bildschirm steht „Beweg Dich mal wieder!“

Für die ganz Mutigen gibt es sogar Websites, auf denen man in eine Art Wettbewerb treten kann; da kann  man seine Daten in eine weltweite Rangliste eingeben und sich dann darüber freuen, dass man in seiner Community mehr Schritte gemacht hat als 85,3 Prozent der anderen Teilnehmer. Manch einen motiviert so etwas. Und so ein bisschen Ehrgeiz ist ja auch gesund. Solange es nicht zur Sucht wird….

Auch das gibt es nämlich. Sich selbst zu optimieren, immer besser zu werden, immer schlanker, immer kräftiger, immer athletischer – das hat schon manchen Mann und so manche Frau in die Magersucht und andere Abhängigkeiten getrieben. Wer immer besser sein will, muss sich fragen, was denn eigentlich die Kriterien, der Maßstab für das Gute und das Bessere ist.

Wer so eine Smartwatch hat, tut sich meist nicht schwer mit den guten Vorsätzen für das neue Jahr. Sich mehr bewegen, abnehmen, früher Schlafen gehen, mehr Gemüse essen und weniger Fleisch, insgesamt gesünder leben – das nehmen sich viele vor, und es ist viel leichter gesagt als getan. Nun kann man wenigstens sehen, ob man sein selbst gestecktes Ziel erreicht hat. Dann piept die Uhr fröhlich, und man kann seinen Freunden stolz den hoch gestreckten Daumen zeigen. Gut gemacht!

Zehn Gebote

Vielleicht gibt es ja sogar auch in der Kirchengemeinde so etwas wie einen sanften Druck hin zu einer „Selbstoptimierung“? Gibt es Leute, die sich vorgenommen haben, in diesem Jahr öfter zum Gottesdienst zu kommen? Regelmäßiger zu beten? Öfter in der Bibel zu lesen? Gesangbuchlieder oder Psalmen auswendig zu lernen? Überhaupt ein besserer Christ zu sein? Wenn es einen Punktezähler für Frömmigkeit gäbe – würden Sie einen tragen?

Was sind denn eigentlich die Kriterien für „gutes Christsein“?

Manch einem fallen da die zehn Gebote ein. Wenn es um die Frage nach christlichen Werten geht, werden sie oft zitiert: Du sollst den Feiertag heiligen, Vater und Mutter ehren, die Ehe nicht brechen, nicht lügen, stehlen oder betrügen, du sollst nicht neidisch sein und zufrieden sein mit dem, was Du Dir erarbeitet hast.

Ist es das schon? „Tue das, und Du wirst leben!“? Jesus selber sagt das einem jungen Mann, der ihn nach dem Weg in das Reich Gottes fragt. Und er sagt noch dazu: „Willst Du vollkommen sein, so verkaufe alles, was Du hast, und gib das Geld den Armen. Dann komm und folge mir nach.“ Auch in dem Zusammenhang, in dem die Jahreslosung im Lukasevangelium steht, werden solche harten Forderungen aufgestellt: Liebt Eure Feinde. Haltet auch die andere Wange hin, wenn euch jemand schlägt. Wenn einer dir den Mantel klaut, gib ihm dein Portemonnaie gleich noch dazu. Wenn ihr etwas verleiht, fordert es nicht zurück. Verurteilt niemanden, dann werdet ihr auch nicht verurteilt. Und gebt dem, der euch um etwas bittet, gern, großzügig und reichlich, ohne eine Gegenleistung zu erwarten.

So radikal konnte Jesus sein. Kein Wunder, dass sich der junge Mann, der ihn nach den Weg des Lebens gefragt hatte, enttäuscht abwendet. Aber wenn gutes Christsein so schwer ist, wer kann den dann überhaupt in den Himmel kommen? Viel leichter geht ein Kamel durch ein Nadelöhr! Was werden wir tun?

Kompromisslosigkeit

Glaubwürdiges Christsein beginnt da, wo das Doppelgebot der Liebe gilt: „Du sollst Gott lieben mit ganzem Herzen, mit deinem ganzen Denken, Fühlen und Wollen – und Du sollst Deinen Nächsten lieben wie Dich selbst.“ Darin liegt das ganze Gesetz, das ist alles, was Gott will – so sagt es Jesus selbst.

Du sollst Gott alles bestimmen lassen und nicht selbst Gott sein wollen an der Stelle Gottes – so schreibt es Luther und mit ihm viele andere Theologinnen und Theologen. Was dies in der Praxis, im Alltag bedeutet, ist trotzdem nicht leicht auszumachen, und es gibt viele Situationen, in denen der Weg nicht klar ist und wir nicht wirklich einen freien Willen haben.

Im Zusammenhang der Texte um die Jahreslosung geht es um den Umgang mit dem Geld – ist es denn wirklich möglich, da ganz los zu lassen, wie es die Autoren des Lukasevangeliums fordern? Wir sind ja eingebunden in Systeme, tragen Verantwortung für Familienmitglieder, Gebäude, Fahrzeuge, Mitmenschen und für die Gesellschaft. Nicht jeder kann zum Bettelmönch oder zum Einsiedler werden, und sogar die haben nur überleben können, weil sie von einer funktionierenden Gemeinschaft aufgefangen und mitgetragen und unterhalten wurden. So war es für einzelne möglich, gewissermaßen stellvertretend für alle, kompromisslos zu leben und auf Geld zu verzichten – sie konnten sich auf die Gnade Gottes verlassen und darauf, dass die Bauern aus der Umgebung sie ernährten und die Landesfürsten ihre Gebäude und Reisekosten und so weiter finanzierten.

Bis heute ist es so, dass die Kirche weitgehend von den Kirchensteuern finanziert wird, die ihre Mitglieder zahlen – auch jene, die nie in den Gottesdiensten oder in den Gruppen und Kreisen der Gemeinden auftauchen – und darüber hinaus von staatlichen Stellen unterstützt, die die soziale und diakonische Arbeit der Kirche schätzen; den Dienst, der sonst von der Gesellschaft übernommen werden müsste.

So wird die Kirche und so ist jeder einzelne glaubende Mensch aber Teil eines Systems, das einerseits Gutes bewirkt und andererseits äußerst kritisch zu sehen ist, weil es auf Prinzipien beruhen kann, die nicht christlich, moralisch zweifelhaft und manchmal auch lebensfeindlich sind. Die Sünde, die Gottesferne, die Ichbezogenheit dieses Systems färbt sozusagen auf die Kirche und die einzelnen Gläubigen in ihr ab – dem kann niemand sich entziehen, solange er „in der Welt“ ist.

Ähnliches gilt für Probleme, die mit der „Bewahrung der Schöpfung“, mit den Menschenrechten und mit der Frage nach globaler Gerechtigkeit zu tun haben.

Zweierlei Maß

Es gibt in der Kirche Gruppen, die in manchen Fragen kompromisslos sind und in ihnen den status confessionis sehen, als den Punkt, an dem sich entscheidet, ob jemand zu Gott gehört oder nicht. „Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein!“ hieß es in den Siebziger Jahren, als es um die Stationierung von Atomwaffen in Deutschland ging. „Man lässt niemanden ertrinken! Punkt!“ wurde im Abschlussgottesdienst des letzten Kirchentages gepredigt, und so richtig dieser Satz ist, verwehren sich die meisten Staaten im christlichen Abendland gegen die Aufnahme von Flüchtlingen aus Syrien, Jemen und Nordafrika und rechtfertigen mit zweifelhaften Gründen ihre moralische Bankrotterklärung. Da ist dann doch wieder jedermann sich selbst der Nächste.

In vielen Fragen ist sich auch die weltweite Kirche nicht einig, sie versagt sogar bei ganz internen Fragen wie der gemeinsamen Abendmahlsfeier und der gegenseitigen Anerkennung der „Priesterweihe“ bzw. der Ordination, die vor allem dann Problematisch gesehen wird, wenn auch Frauen Bischöfin oder Pfarrerin werden können. Die Frage nach der Anerkennung von Homosexuellen ist hier noch ausgeklammert und der Status zwischengeschlechtlich lebender Menschen nicht einmal erwähnt.

Groß im Gerede ist auch der Umgang mit Menschen innerhalb der Kirche, die Schutzbefohlene sexuell, emotional oder auch in einer Art kranken Spiritualität ausgebeutet und missbraucht haben. Zwar gibt es inzwischen in allen Kirchen inzwischen Beauftragte und Krisenstäbe, die diese Fälle aufklären und „bearbeiten“ sollen, aber es geht schleppend und unendlich mühsam voran, und ein gerechtes und vorurteilsloses Verfahren ist oft nicht gewährleistet – Täter haben kaum schwerwiegende Konsequenzen zu fürchten, für die Opfer gibt es kaum eine glaubhafte Entschuldigung und keinen Ausgleich, der mehr ist als eine erneute Beleidigung und Kränkung…

Genug der Beispiele! Es gibt wohl kein richtiges Leben im Falschen! Manchmal kommt es mir so vor, als ob es auch hier eine Art Angeberfaktor gibt: Moralisch einwandfreies Verhalten ist ein hoher Wert, der nicht einfach zu halten ist; und wer sich angestrengt hat, der fühlt sich leicht im Recht, ein wenig von oben herab auf die zu blicken, die nicht so konsequent sind wie man selbst: Die, die sich immer irgendwie durch das Leben schummeln, die Raucher, die Alkoholabhängigen, kleine und große Kriminelle – man ist froh, dass man nicht so ist, hütet sich aber sehr, das laut zu sagen: Man kennt schließlich die Geschichte von dem Pharisäer und dem Zöllner im Tempel und man weiß, dass Bescheidenheit ja auch eine wichtige Tugend ist. Aber besser als die anderen fühle ich mich eben doch, das hebt ja auch das Selbstbewusstsein.

Unfehlbar

Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist! – So heißt es im Lukasevangelium. Kompromisslose Frömmigkeit, gesetzliches Denken in der Kirche führt in eine Art Sackgasse. Jesus ermuntert seine Jünger, der Gnade Gottes zu vertrauen. „Wir liegen vor Dir mit unserem Gebet und vertrauen nicht auf unsere eigene Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit.“ So heißt es in den Psalmen. Letztlich ist dies wohl die einzige Art, die uns bleibt, in Wahrheit Gott Gott sein zu lassen und nicht selbst Gott sein zu wollen. Denn das „richtige Leben“ können wir uns nicht erarbeiten und nicht erkämpfen.

Es kommt darauf an, die Gnade Gottes anzunehmen und als Begnadigte auch unseren Mitmenschen gegenüber gnädig zu sein.

Mir gefällt ein Satz, den leider kein christlicher Theologe geschrieben hat, sondern der aus der Feder des Dalai Lama stammt: „Die Welt braucht keine erfolgreichen Menschen mehr. Die Welt braucht dringend Friedensstifter, Heiler, Erneuerer, Geschichtenerzähler und Liebende aller Arten. Er braucht Menschen, die gut an in ihren Plätzen leben; Menschen mit Zivilcourage, bereit, sich dafür einzusetzen, die Welt lebenswert und menschlich zu gestalten.“

Barmherzigkeit ist eine Form der Liebe. Du bist verantwortlich für das, was sich Dir anvertraut hat, was Gott Dir anvertraut hat.

Ich hüll‘ dich golden ein…

Ein neues Jahr. Und ich bin bereit. We are golden and ready to go!

We are golden!“ – Was für eine seltsame Redewendung ist das? Ich habe sie zuerst gehört in einem meiner Ansicht nach eher nervigen Popsong von Mika, es gibt aus der Zeit von Woodstock auch ein Lied von Joni Mitchell, in dem diese Worte vorkommen. Und habe nun gelernt, dass diese Redewendung manchmal von Piloten und Rennfahrern benutzt wird, die sagen wollen: Es ist alles vorbereitet, wir sind startklar, wir haben gute Chancen auf den Sieg, es kann losgehen…

Ich halte wenig davon, sich am Jahresanfang etwas vorzunehmen, viel zu planen, was ich doch nicht wirklich in den Händen habe, und gute Vorsätze zu fassen, die doch meistens Ende Januar nur noch ein Grund für ein schlechtes Gewissen sind, weil ich es mal wieder nicht geschafft habe. Soll mich dieses Jahr doch überraschen! Ich bin bereit, mich auf das einzulassen, was kommt, und ich werde meine Sache auch in diesem Jahr mit Liebe und Begeisterung so gut machen, wie ich eben kann. Ich bin bereit, ready to go, we are golden!

In unserem Familiengottesdienst am ersten Sonntag im neuen Jahr wird am Ende ein Segensritual gefeiert: Wir stehen – Kleine und Große – im Kreis. Ein großer, goldener Ring liegt in der Mitte. (Es ist ein mit Goldfolie umwickelter Hula-Hoop-Reifen.) Ein Kind nimmt den Reifen, hält ihn über ein anderes Kind und während wir singen, lässt es den Reifen um das Kind herum langsam, aufmerksam und mit Andacht vom Kopf herab bis auf den Boden gleiten. Wir singen:

Ich hüll Dich golden ein,
von Gott sollst Du gesegnet sein.
Von Herzen freu ich mich,
ich freu mich über dich…

Dann kann das Kind so von Gott und den Menschen gesegnet aus dem Ring treten und nun seinerseits ein anderes Kind so golden einhüllen und es segnen. Im Segen Gottes bin ich vorbereitet auf das, was in diesem Jahr auf mich zu kommt. Ich werde aus dieser Quelle trinken und aus dieser Kraft leben! Nicht, dass mich nichts mehr überraschen könnte, nicht, dass mich nicht etwas traurig oder verstört machen könnte – aber in guten wie in schwierigen Zeiten weiß ich, dass Gott an meiner Seite sein wird.

Ich bin gesegnet! We are golden and ready to go!

Wort der Woche – segensreich

In frommen Kreisen und in der Kirche wünscht man sich zum Neuen Jahr Gottes Segen… Hm. Tja. Bedenkenswert. Was genau bedeutet denn das Wort „Segen“? Geht es nur darum, im kommenden Jahr Glück zu haben? Glücklich zu sein? Vor bösen Dingen bewahrt zu bleiben?

Für mich hat das Wort Segen immer etwas mit Gott zu tun. Ich hab in der Schule mal gelernt, dass das Wort Segnen mit dem Wort Zeichen zusammen hängt. Es kommt von dem lateinischen Wort Signum, das bedeutet Zeichen, oder auch Signal. Die Römischen Heere hatten immer diesen Stab mit einem goldenen Adler oder einem anderen Zeichen dabei, eine Standarte, damit sich die Soldaten bei ihren Schlachten besser orientieren konnten, wo sich denn jetzt die eigenen Leute gerade sammeln und wo der Feind anrückt. Dieses Feldzeichen heißt Signum.

Den Kindern vom Kindergottesdienst erkläre ich das immer mit dem Hinweis auf die Becher beim Kindergeburtstag – da malt man ein Zeichen dran, damit man wiedererkennen kann: Das ist mein Becher, daraus hat außer mir niemand sonst getrunken… Ein solches Zeichen ist, glaube ich, der Segen Gottes auch.

Wer gesegnet ist, der trägt das Zeichen Gottes. Und das bedeutet, der gehört zu ihm. Zu Gott. Manche verstehen dann so ein Segenszeichen als eine Art Schutz: Für viele Menschen ist das ein Grund, ihre Kinder taufen zu lassen. Wenn ich zu Gott gehöre und sogar sein Name irgendwie auf mir steht, dann wird er mich ja wohl besonders gut behandeln. Immerhin gehen die meisten Leute ja auch mit den eigenen Sachen sorgfältiger und vorsichtiger um als mit den Sachen, die allen gehören und um die sich darum niemand so richtig kümmert, wie zum Beispiel mit den Büchern aus der Stadtbücherei. Eigene Bücher und Bücher von Freunden behandeln die meisten Leute besser als Bücher von Leuten, die sie gar nicht kennen…

Gesegnet sein heißt aber oft genug gerade nicht, dass es einem immer gut geht und dass man Grund hat, glücklich und zufrieden zu sein. In der Bibel haben gerade die gesegneten Leute das anstrengendste und aufreibendste Leben, das man sich vorstellen kann. Die Leute, die in Ruhe und Frieden eine Tischlerei oder eine Wurstfabrik betreiben, nennt man normalerweise nicht gesegnet…

Mit Kindern „gesegnet“ nennt man eine Frau, die drei oder mehr davon hat, und was das in Wirklichkeit heißt, kann Euch jedes Mitglied einer kinderreichen Familie erzählen. Und die Leute, die in der Bibel „Gesegnete“ genannt werden, sind immer irgendwie Leute, die aus der eigenen Mitte gerückt sind, Exzentrische, Verrückte. Sie werden zum Beispiel im Ausland angeklagt und dann doch irgendwie gerettet; sie verlieren Hab und Gut und bekommen es erst nach anstrengenden Jahren zurück, sie müssen alles, was sie lieben, zurücklassen und in der Fremde noch einmal neu anfangen und ihr Leben aufbauen.

Wenn ihnen das gelingt und sie nicht unterwegs von Löwen oderRiesenfischen gefressen werden, nennt man sie gesegnet und erkennt in ihrem Leben das Zeichen Gottes…

In China soll das Wort ein böser Fluch sein: „Mögest Du in interessanten Zeiten leben!“ – in den Geschichten,die in der Bibel erzählt sind, leben die Gesegneten immer in interessanten Zeiten…

Für mich selbst denke ich: Segen ist so etwas wie eine Zusatzbatterie für das Leben – im Guten und auch im Schlechten wird es dadurch intensiver und kräftiger, lebensstärker – aber Segen bedeutet nicht, dass alles einfach und „richtiger“ ist…

Euch allen wünsche ich: Seid gesegnet! Lebt intensiv! Seid mutig, aber nicht leichtsinnig. Und sucht das Glänzende in jedem Jahr.

Jesus Christus – Wunderkind?

Gedanken zu Lukas 2, 41ff

Jesus ist gerade zwölf Jahre alt geworden. Endlich ist er alt genug, die jährliche Pilgerfahrt nach Jerusalem mit zu machen. Aus Nazareth war eine ganze Karawane von Pilgern aufgebrochen, einige waren zum ersten mal dabei wie Jesus selbst, andere waren schon fünfzig mal in der Stadt gewesen und kannten sich in den Dörfern auf dem Weg gut aus. Zum ersten Mal kommt Jesus in die große Stadt, er sieht zum ersten Mal die Menschenmassen, die großen Gebäude, die beeindruckenden Schutzmauern um die Stadt herum. Er bestaunt den Königspalast und die Burg der Römer hoch über der Stadt, und natürlich vor allem den Tempel Gottes, des Allerhöchsten.

Eine Lust für die Augen sind die mit Zedernholz getäfelten Wände, die mit Gold und Edelsteinen verzierten Tore, der mit geometrischen Mustern gepflasterte Hof und die mit Blumen geschmückten Altäre, auf denen den ganzen Tag die Opfergaben der frommen Pilger brennen und einen köstlichen Geruch verbreiten…

Beeindruckend und erhaben sehen die Priester aus in ihren liturgischen Gewändern, ihren goldenen und mit Edelsteinen besetzten Brustschilden, mit den farbigen und mit goldfarbenen Schnüren umwundenen Kappen. Aber für Jesus ist das Schönste die Musik – den ganzen Tag lang erklingen Harfen und Zimbeln und begleiten den Psalmengesang der Priester, und im Tor singen die Pilger, die mit Palmzweigen in der Hand das Heiligtum betreten, das Ziel ihrer langen Reise, und es erklingen große Pauken und kleine Silberzimbeln…

Drei Tage lang wandert Jesus mit leuchtenden Augen an der Seite seiner Eltern durch die Stadt, vielleicht ein bisschen verwirrt und beunruhigt: So viele Menschen hat er noch nie in einer Straße, auf einem Platz, in einem Hof gesehen – alle Bewohnerinnen und Bewohner Nazareths zusammen hätten allein im äußeren Vorhof des Tempels Platz gefunden, und das eigentliche Haus Gottes war noch einmal so groß. Vor der prachtvollen Türe stand der große Opferaltar, rechts und links zwei große, siebenarmige Leuchter und davor die große runde Schale, das ewige Meer, in dem ein Nilpferd hätte baden können, wenn sich einmal eins nach Jerusalem verlaufen würde…

Immer öfter reißt sich Jesus von der Hand seines Vaters los, um aufgeregt in der Menschenmenge zu verschwinden. Minuten später kommt er zurück und berichtet atemlos von einem Wunder, das er entdeckt hat: da, eine Banane von einem Händler aus dem Osten, einen Granatapfel mit hundert feuerroten Kernen, so süß und so saftig. Ein Brot mit einer scharfen Paste aus Sesam und Honig mit Chili, schon der Duft lässt einem das Wasser im Mund zusammen laufen. Ein Schreiber malt Worte auf Pergament, in der schwungvollen Schrift der Hebräer, mit den harten und eckigen Buchstaben der römischen Besatzer, mit der kleinen Zeichensprache der Griechen, die die Kaufleute und die Philosophen benutzen, er kennt sogar die Bilderschrift der Ägypter, die Jesus in seiner Kindheit so oft gesehen hatte: Vögel, Schlangen, Wasserwellen, Schilfrohr und anderes, was die Menschen aus diesem fernen Land als ihre Sprache lesen können…

Am Tag der Abreise können Josef und Maria Jesus nicht finden. Wahrscheinlich ist er schon mit den anderen Jugendlichen aus Nazareth vor gegangen, dachten sie, als sie sich selbst auf den Weg machten. Aber als sie Mittags Rast in einem kleinen Dorf machten, war er auch nicht bei den Verwandten und Freunden zu finden. Sie fragten auch die übrigen Nachbarn, den Lehrer aus der Synagoge, den Gesellen aus Josefs Werkstatt – niemand hatte Jesus gesehen.

Da kehrten sie um und gingen zurück in die Hauptstadt und suchten ihn dort. Aber finde einmal eine Nadel im Heuhaufen! Die Stadt war immer noch überfüllt mit Pilgern und Soldaten, mit Händlern und Kaufleuten, mit Touristen und fremden Menschen aus aller Welt. Maria und Josef suchen ihn den ganzen Abend und bis spät in die Nacht, laufen über Märkte und durch die engen Gassen, fragen die Musikanten und die Wasserverkäufer, schauen in Hinterhöfe und unter die Treppen, aber nirgends ist er zu finden, keiner hat etwas von ihm gehört. Ihr Sohn bleibt verschwunden.

Schließlich suchen sie einen Schlafplatz für sich in der Pilgerherberge; aber schon vor Sonnenaufgang suchen sie am nächsten Tag weiter. Den ganzen Tag, überall. Sie fragen Pilger und Kameltreiber, die Bäckerinnen auf dem Markt und die Schreiber an der Mauer des Tempelvorhofs. Schließlich sprechen sie sogar die römischen Soldaten an, aber es nutzt nichts. Voller Sorge übernachten sie noch einmal in der Herberge.

Erst am dritten Tag finden sie ihn, im dritten Hof des Tempels. Da sitzt er, inmitten einer Gruppe von Pharisäern und den Theologen der Thorah-Schule des Tempels und diskutiert mit ihnen über einen Bibelvers, so, als ob es die normalste Sache der Welt wäre. Die gelehrten und erfahrenen Männer sind verblüfft über seine Verständigkeit und beeindruckt von seinen tiefgehenden Fragen.

Er sieht Dinge in einer ganz neuen Art und hat Ideen und Gedanken abseits der eingetretenen Pfade, auf denen ihr Geist seit Jahrzehnten, nein – eigentlich seit Jahrhunderten – immer wieder gegangen ist. Er denkt anders und hat anderes zu sagen als sie, die die Tradition kennen, aber oft nicht viel Eigenes sagen können.

Maria stürzt sich auf ihren Sohn und überschüttet ihn mit einer Flut aus Vorwürfen und mütterlicher Erleichterung. Wo warst Du die ganze Zeit? Hast Du nicht einmal daran gedacht, dass wir uns Sorgen machen? Wir haben gedacht, Du bist entführt, verletzt, gestorben! Dein Vater und ich, wir haben unsere Seelen zerrissen bei der Suche nach Dir!

Und dann folgt diese Antwort von Jesus: Warum habt ihr mich gesucht? Habt ihr euch nicht selbst sagen können, dass ich hier sein muss – im Haus meines Vaters? Dort, wo man über sein Wort nachsinnt Tag und Nacht, wo man seine Weisheit hört und seine Wahrheit erfahren kann?!

An dieser Stelle bricht der Evangelist Lukas die Erzählung ab. Zusammenfassend wird nur noch gesagt, dass Jesus mit seinen Eltern nach Hause zurück ging und ihnen dort ein braver und gehorsamer Sohn war. Er blieb neugierig und lernte viel, und die Nachbarn und die Menschen in der Stadt mochten ihn gern. Seine Eltern konnten stolz auf ihn sein.

Warum steht diese Geschichte in der Bibel? Was soll den gläubigen Leserinnen und Lesern hier vor Augen gemalt werden? Worauf kommt es hier an?

Am Beginn seines Evangeliums erzählt Lukas Geschichten, die beweisen sollen, dass sich in Jesus wirklich Gott selbst geoffenbart hat. In Jesus ist Gott in die Welt gekommen. Darum berichtet Lukas von der wunderbaren Geburt in der Herberge von Betlehem, der Stadt Davids. Darum berichtet er von den Engeln, die über den Hirten singen mitten in der dunklen Nacht, von ihren fassungslosen Gesichtern, die das Kind in der Krippe bestaunen. Ja, dieser Mensch ist wirklich der Heiland und von Gott Gesandte, der von den Propheten versprochene Messias, der Israel und mit ihm alle Völker erlösen wird.

Lukas betreibt Theologie, indem er erzählt. Und darum erkennen wir, dass es ihm nicht darum geht, Jesus als eine Art Wunderkind darzustellen, als eine Art theologischen Mozart, der schon mit zwölf die erfahrenen Lehrer verblüfft und übertrifft. Es geht ihm nicht (nur) darum, zu erzählen, dass Jesus wie auch Maria und Josef ganz genau auf die jüdischen Bräuche und Regeln geachtet haben und brav und angepasst nach den biblischen Geboten lebten.

Jesus – so erzählt Lukas – kennt die Schrift, er kann das Gesetz und die Propheten verstehen und ganz unerhört neu auslegen, nicht weil er mehr weiß als die Schriftgelehrten, sondern weil er selbst es ist, von dem die Propheten geredet haben, weil das Gesetz durch ihn erfüllt werden soll.

Weihnachten ist nicht vorbei. Auch in der Zeit „zwischen den Jahren“ zeigt sich immer wieder, dass Gott in die Welt gekommen ist. Das „Christkind“ ist nicht in der Krippe geblieben, er wurde erwachsen. Und er begann, selbst seine vertrautesten Mitmenschen zu überraschen. Das ganze Jahr, Ihr ganzes Leben ist die Zeit, in der Gott zu Ihnen kommt, in der der Geist Gottes Sie berührt und – wenn Sie es zulassen – alles überraschend verändern kann.

Weihnachten ist nicht „ausgefallen“, es war nur anders. Und – gleich ob Sie einen der wenigen Gottesdienste, die noch in den Kirchen stattfanden, besucht haben oder an einem Computer oder vor einem Fernsehschirm mitgefeiert und mitgesungen haben – im Glauben können Sie erfahren, dass Gott an ihrer Seite ist in guten wie in schlechten Zeiten, dass er selbst sich Ihnen zum Geschenk gemacht hat. Gott ist da!

Vieles war anders an Weihnachten, das Meiste überraschend, Manches hat weh getan und wurde schmerzlich vermisst. Uns hat nicht nur die Gemeinschaft in unseren Kirchen gefehlt, nicht nur das gemeinsame Singen und Beten. Uns hat die Ungezwungenheit gefehlt, die Unbeschwertheit, das fröhliche Lachen. Fast jeder von uns kennt inzwischen jemanden, der Corona hatte oder gerade jetzt damit kämpft. Schon wenn jemand im Supermarkt hustet, bekommt der sofort misstrauische und ängstliche Blicke zu sehen. Und manche fragen sich, was die Spätfolgen der Epidemie für unsere Wirtschaft und unsere Kirche sein werden, welche Folgen sie für unser Lebensgefühl, unseren Glauben, für unsere Kinder und für unsere Demokratie haben wird.

Ich stelle mir nicht die Frage, ob Gott Corona gewollt hat und frage mich auch nicht, warum er nichts gegen diese Krankheit tut. Leiden und Krankheiten und sogar der Tod sind Teil unseres Lebens, teil unserer Welt. Aber ich staune darüber, dass Gott in diese Welt gekommen ist, dass er sich hinein begeben hat in diese Geschichte, die so oft zeigt, dass Leben immer bedroht ist. Er ist nicht „im Himmel“ geblieben und sieht sich die Geschichte seiner Menschheit teilnahmslos an. Er schiebt uns nicht aus der Ferne hin und her wie ein Schach-spieler die Figuren auf dem Brett. Er ist hineingeboren in die Mitte der Mensch-heit; er ist nun einer von uns. Was wir leiden, leidet er auch.

Warum habt ihr mich gesucht? Wisst ihr nicht, dass ich mitten unter Euch bin, da, wo mein Vater ist? – So könnte Jesus zu denen sprechen, die gefragt haben, warum Gott sich so versteckt, wo er bleibt, warum er nicht eingreift und mit Macht Dinge ändert. Es gibt Grund zur Hoffnung. Nicht nur, weil jetzt erste Menschen geimpft werden. Dies ist ein Triumph der Wissenschaft, dass es jetzt möglich ist, Menschen vor diesen neuartigen Viren zu schützen. Es ist aber – so sehe ich es – der Segen Gottes, dass sich Glaube, Hoffnung und Liebe gerade in dieser schweren Zeit bewähren, dass wir aufeinander achten und uns nicht gegenseitig im Stich lassen. Trotz der nötigen Kontaktbeschränkungen sind wir eine Gemeinschaft geblieben – im Segen verbunden.

Dreißig Jahre online unterwegs…

Kleine Bilder auf dem Monitor
sind wie Türen hin in unbekannte Welten,
hin zu fremden Menschen und Erinnerungen,
zu ihren Hoffnungen und Träumen.

Sie wecken Neugier,
Lust, einmal zu schauen,
was für Geschichten sich verbergen
hinter einem lächelnden Gesicht.

Oft fand ich: Tagebücher, offen, und für alle klar zu lesen.
Und doch gemeint für Freunde, die sich kennen. Wenn ich sie lese, sind sie mir
Erlebnisse aus einer Welt, die für mich fremd und fern, und doch wie meine.

Von Arbeit, Parties, Liebe, Hass. Doch immer klein und wie gefiltert,
und deutlich mit der Absicht, niemand weh zu tun,
und nicht zu viel von sich zu zeigen.

Ich lese, schmunzle manchmal und vergesse, was ich gelesen und gesehn,
mit mir hat’s nichts zu tun, und ich war nicht gemeint. Lebt wohl.

Oft fand ich: alte Briefe, Zettel, als Lesezeichen in Bücher gesteckt.
Fotos, getrocknete Blumen, auf einer Sommerwiese in den Ferien gepflückt.
Kindheitserinnerungen, Schachteln voll Murmeln und Spielzeugautos.
Musikcassetten, Platten, Liederbücher, Comichefte, Vogelfedern.

Glatte, bunte Kiesel aus dem Bach gepickt vor Jahren.
Püppchen in verstaubten Kleidern. Und das Erstaunen immer wieder:
Ja, sowas hatte ich einst auch.

Selten fand ich: Leben, Phantasie und Kraft, die Lust am Dasein,
glitzernde Gedanken über Gott und Welt. Im Hier und Jetzt genau beobachtet
die tausend Splitter, die zusammen Leben sind, die Fragen wecken auch in mir.

Die Fragen mich nach Geben und nach Nehmen,
nach dem Sinn und Ziel, nach Glauben
nach Gut und Böse und der Welt dazwischen. In ihnen fand ich mich.

Ich fand auch Sehnsucht, sah auch Angst und Trauer.
Ganz selten fand ich Menschen, die ich Freunde nennen könnte,
die fehlten, wären sie nicht da.
Die nahe mir geworden durch Bild und Schrift
und deren Zeilen zu mir sprechen,
auch wenn ich weiß, sie sind nicht nur für mich.

Ihr Bild ist nicht nur eine Tür,
es ist mir Gruß und Freude, die ich gerne wieder seh,
und ich fühl‘ mich geehrt, wenn ich es spüre,
dass auch ich nicht nur ein Name
und nicht nur Zeichen auf dem Bildschirm für sie bin…