Pfadfinder…

Ich war immer misstrauisch, wenn ich mit der „bündischen Jugend“, mit den Pfadfindern oder „boy scouts“ zu tun bekam. Ziemlich unheimlich war mir das Bedürfnis von kleinen Jungen, in „Kluft“ und mit Halstuch herum zu laufen. Eine relativ strenge Hierarchie mit „Fähnleinsführern“ und anderen, mir relativ militärisch anmutenden Begriffen ließen bei mir immer wieder die Alarmglocken läuten… Was war von einer Jugendbewegung zu halten, deren Gruppierungen sich selbst als „Wolfsrudel“, „Stamm“, „Horde“ und „Wölflinge“ bezeichnen, die von ihren Mitgliedern „Treue und Gehorsam“ verlangt und eine große Loyalität gegen Führung, „König und Vaterland“ und andere Respektspersonen fordert?

War es nicht zu schwierig, auf Dauer faschistoide Strukturen zu vermeiden? Gelang immer eine hinreichende Abgrenzung zu völkischen Jungenbünden, politischen Gruppierungen und paramilitärischen Zusammenschlüssen? Ich habe zu oft Bücher wie „Die Welle“ gelesen und auch Berichte über Exzesse in englischen Elite-Internaten gehört, um nicht Schlimmes zu befürchten und Schreckliches für möglich zu halten.

Unheimlich war mir außerdem, dass viel finnische und mongolische Kultureinflüsse eine große Rolle spielen, die Stämme geben sich oft finnisch klingende Namen; wenn sie auf Fahrten gehen, übernachten sie in Jurten, und es gibt Aufnahmerituale, bei denen manchmal eine Art Fahneneid abgelegt werden muss.

Wohl weiß ich, dass es in der Kirche eine lange Tradition der Pfadfinder-Gruppen gibt, sowohl in der katholischen wie auch in der evangelischen Kirche gibt es seit mehr als hundert Jahren Horden und Stämme in unterschiedlichen Größen, die auch überregional in Vereinen zusammenarbeiten.

Ich stecke da voller Vorurteile und war deshalb nicht gerade glücklich, als die Gemeinde in Schönefeld angefragt wurde, ob wir nicht auch evangelische Pfadfinder-Arbeit anbieten und unterstützen wollen.

Jetzt gibt es also in der „Silberbüxxe“, dem Jugendgebäude des CVJM und der Kirchengemeinde eine Gruppe von kleinen Jungen, die sich selbst die „Silberfüxxe“ nennen (wenigstens nichts mit Wölfen) und die sich dort regelmäßig treffen, um die Pfadfinder-Gesetze und Regeln zu lernen und mit Leben zu füllen…

Christliche Pfadfinderinnen und Pfadfinder … … sind aufrichtig in Gedanken, Worten und Taten. … sind zuverlässig und hilfsbereit. … verlieren in Schwierigkeiten nicht den Mut. … schützen die Natur und bewahren die Schöpfung. … leben einfach und können verzichten. … fügen sich aus freiem Willen in die Gemeinschaft ein. … sind kameradschaftlich und treu. … setzen sich für Frieden ein und lösen Streit ohne Gewalt. … nehmen Rücksicht und achten ihre Mitmenschen. … tragen zur Freundschaft aller Pfadfinderinnen und Pfadfinder auf aller Welt bei.

Soweit klingen die Pfadfinder-Gesetze ganz gut und hilfreich.

Am Pfingstsonntag war eine Gruppe von den Silberfüxxen im Gottesdienst in Großziethen, und sie haben da ihr Pfadfinder-Versprechen abgelegt. Sehr aufgeregt natürlich und mit großem Ernst. Ich fand, das war gut und richtig so.

Und sie haben angeboten, in der Gemeinde nach ihren Fähigkeiten mit zu helfen. Jeden Tag eine gute Tat.

Ich bin gespannt, wie sich die Gruppe entwickelt. Vielleicht gelingt es mir im Lauf der Zeit, meine Vorurteile zu überwinden…

PFADFINDER STAMM SILBERFÜXXE

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